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Kritische Analyse eines pädagogisch-psychologischen Gutachtens

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 13 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

INHALT

1 Einleitung

2 Analyse der Rahmendaten des Gutachtens
2.1 Gliederung
2.2 Transparenz
2.3 Formulierung

3 Analyse der psychologischen Fragen

4 Analyse der Untersuchung und ihrer Ergebnisse

5 Analyse der Empfehlungen und Vorschläge

6 Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

„Im Prinzip ist moderne, wissenschaftlich fundierte Didaktik ohne ein reichhaltiges Instrumentarium möglichst objektiver Verfahren der Pädagogischen Diagnostik zum Scheitern verurteilt.“[1]

Wir erachten es als essentiell, dass angehende Lehrer[2] sich der Tatsache bewusst sind, dass ihnen im zukünftigen Schulalltag Kinder begegnen werden, die aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten oder aber auch Lernstörungen einer besonders hohen Aufmerksamkeit bedürfen. Um erfolgreiches Lernen ermöglichen zu können, müssen Lehrkräfte dazu in der Lage sein, ihr Unterrichtsangebot optimal an die unterschiedlichen Voraussetzungen ihrer Schülerschaft anzupassen. Dies erfordert eine diagnostische Kompetenz, welche sich darin äußert, dass es den Lehrpersonen gelingt, sowohl Verhalten und Lernprozesse von Schülern zu beobachten und zu dokumentieren, als auch Diagnoseverfahren anzuwenden, auszuwerten und zu interpretieren. Des Weiteren müssen sie dazu in der Lage sein „verwendete Modelle kritisch zu reflektieren, sich mit Urteilsprozessen und Urteilsfehlern auseinander zu setzen und Bewertungen immer wieder infrage zu stellen.“[3] Mit der so betriebenen pädagogischen Diagnostik sollen vornehmlich Zuweisungen von Schülern zu Lerngruppen oder individuellen Fördermaßnahmen ermöglicht und auf diese Weise das Lernen optimiert werden.[4]

Damit es uns in unserem bevorstehenden Beruf möglich ist, diese diagnostischen Tätigkeiten gewinnbringend durchführen zu können, war es im Rahmen der Vorlesung ‘Pädagogisch-psychologische Diagnostik‘Aufgabe der Studierenden, sich intensiv mit der Thematik Diagnostik und Gutachten in der Schule auseinanderzusetzen. Der Leistungsnachweis bestand darin, ein exemplarisches Gutachten auf seine Nachvollziehbarkeit hin zu untersuchen und abschließend zu bewerten. Dies haben wir in der hier vorliegenden Hausarbeit durchgeführt.

2 Analyse der Rahmendaten des Gutachtens

Bei der vorliegenden Falluntersuchung handelt es sich um ein sogenanntes ‘psychologisches Gutachten‘. Dieses resultiert grundsätzlich aus vorangegangener psychologischer Diagnostik, welche zum Ziel hat, aus dem systematischen „Sammeln und Aufbereiten von Informationen [...] Entscheidungen und daraus resultierende Handlungen zu begründen, zu kontrollieren und zu optimieren.“ [5]

2.1 Gliederung

Da der Aufbau eines psychologischen Gutachtens als wissenschaftliche Arbeit weltweit einheitlich festgelegt ist, muss er vorgegebene Bestandteile[6] aufweisen. Das hier untersuchte Gutachten weist all die geforderten in korrekter Reihenfolge auf, mit Ausnahme des Literaturverzeichnisses und der Unterschrift des Gutachters. Bezüglich der Literaturangaben ist festzuhalten, dass hier zwar aufzunehmende wissenschaftliche Arbeiten nicht wörtlich oder sinngemäß zitiert worden sind,[7] aber auch die verwendeten psychologischen Verfahren dort hätten aufgenommen werden müssen.[8] Darüber, warum die Unterschrift des verantwortlichen Gutachters fehlt, könnte an dieser Stelle nur gemutmaßt werden, was aus diesem Grunde hier nicht weiter ausgeführt wird.

2.2 Transparenz

Die Aussagen eines wissenschaftlichen Gutachtens können nur dann eine Hilfe zu eigenverantwortlichen Entscheidungen seitens des Auftraggebers oder anderer darstellen, wenn sie für jedermann nachvollziehbar sind. Dies erfordert die Belegung aller Schlussfolgerungen und Beurteilungen durch im Ergebnisteil dargelegte Daten.[9] Im vorliegenden Fall sind die getroffenen Aussagen durch die Beschreibungen nachvollziehbar. Die auf den Unterrichtsbeobachtungen basierenden Aussagen können jedoch aufgrund des Fehlens der Videoaufzeichnung nicht überprüft werden. Dies hätte hier eine beigelegte DVD erfüllen können. Ebenso können die unter Kapitel 5.1 getroffenen Aussagen, bezüglich des Verhaltens von Jan, nicht mithilfe der angehängten Tests überprüft werden, da diese auf Verhaltensbeobachtungen während der Testdurchführungen fußen, welche nicht videographiert wurden.

2.3 Formulierung

Da unsachliche Beschreibungen innerhalb eines Gutachtens die Akzeptanz und das Verständnis desselben seitens der beschriebenen Personen erschweren können, sind diese unbedingt zu vermeiden. Zusätzlich sollte ein Gutachten einfach verständlich und grammatikalisch korrekt verfasst werden. Dies erfordert es unter anderem, Fremdwörter entweder zu vermeiden, oder diese zu erläutern.[10]

Das vorliegende Gutachten weist an einigen Stellen etwas zu absolut formulierte Aussagen auf, so zum Beispiel die Formulierung, dass eine hyperkinetische Störung vorliege.[11] Dies ist auch insofern zu relativieren, da beim Formulieren der psychologischen Frage, in der sich diese Aussage finden lässt, noch keine Untersuchungen stattgefunden haben, auf welchen diese Feststellung basieren könnte. Ein weiteres Beispiel für eine nicht genügend relativierte Formulierung findet sich auf Seite 19 des Gutachtens, wo nachzulesen ist, dass der Schüler nicht über die notwendigen kognitiven Fähigkeiten verfüge, erfolgreich für die Schule zu lernen. Es ist zudem fraglich, was die Gutachterin mit der Erwähnung des schmutzigen Pullovers des Kindes[12] zum Ausdruck bringen wollte, da hierauf nicht weiter eingegangen wird. So unkommentiert kann diese Darstellung beim Leser des Gutachtens ein ungerechtfertigtes negatives Bild des Jungen hervorrufen, sodass der Forderung nach einer sachlichen und fair formulierten Beschreibung hier nicht genüge getan wird.[13]

An mehreren Stellen des Gutachtens finden sich Rechtschreib- sowie grammatikalische Fehler. Im Großen und Ganzen ist es jedoch verständlich und korrekt geschrieben. Es werden darüber hinaus nicht zu viele Fremdwörter verwendet, einige der auftauchenden werden jedoch nicht erklärt, so zum Beispiel unter anderem ‚externalisierte’ bzw. ‚internalisierte Störungen’,[14] ‚oppositional-aggressives Verhalten’[15] oder ‚Kardinalsymptom’.[16] Es ist außerdem unglücklich gewählt, dass zu Beginn des Gutachtens von Testkürzeln gesprochen wird, die erst einige Seiten später näher definiert werden.

[...]


[1] Ingenkamp & Lissmann 2008, S. 22

[2] Im Folgenden wird zur erhöhten Leserfreundlichkeit ausschließlich das generische Maskulinum verwendet.

[3] Kiper & Mischke 2006, S. 121

[4] Vgl. Ingenkamp & Lissmann 2008, S. 13

[5] Jäger & Petermann 1999, S. 11

[6] Die einzelnen Bestandteile werden an dieser Stelle nicht aufgelistet, können jedoch bei Westhoff & Kluck 2008 auf Seite 240 nachgelesen werden.

[7] Vgl. Westhoff & Kluck 2008, S. 241

[8] Vgl. ebd., S. 243

[9] Vgl. ebd., S. 241

[10] Vgl. ebd., S. 242

[11] Vgl. Neidhardt 2009, S. 3

[12] Vgl. ebd., S. 11

[13] Vgl. Westhoff & Kluck 2008, S. 242

[14] Vgl. Neidhardt 2009, S. 17

[15] Vgl. ebd., S. 18

[16] Vgl. ebd., S. 19

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656315247
ISBN (Buch)
9783656316770
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204426
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Institut für Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
Diagnostik Psychologie Pädagogik Gutachten Analyse

Autor

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Titel: Kritische Analyse eines pädagogisch-psychologischen Gutachtens