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Gemeinwesenarbeit und soziale Netzwerkarbeit

Hausarbeit 2003 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Gemeinwesenarbeit
2.1 Wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit
2.2 Integrative Gemeinwesenarbeit
2.3 Aggressive Gemeinwesenarbeit
2.4 Katalytisch-aktivierende Gemeinwesenarbeit
2.5 Integrative, lebensweltliche Gemeinwesenarbeit als Netzwerk

3. Soziale Netzwerke
3.1 Merkmale sozialer Netzwerke
3.2 Funktionen sozialer Netzwerke
3.3 Netzwerkanalyse

4. Der Vernetzungsgedanke

5. Beispiel eines Modells lokaler Gemeinwesenarbeit

6. Schlussteil

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Begriffe wie Soziale Netzwerke, Netzwerkarbeit und Vernetzung sind heutzutage ein wichtiger Bestandteil in allen Bereichen der sozialen Arbeit geworden.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Gemeinwesenarbeit und soziale Netzwerkarbeit.

Zu Beginn möchte ich die Begriffe Gemeinwesenarbeit und soziale Netzwerke klären und erörtern. Im weiteren Verlauf werde ich anhand eines Beispiels lokaler Gemeinwesenarbeit die Zusammenhänge zwischen Gemeinwesenarbeit und sozialen Netzwerken, sowie die Bedeutung von Netzwerkarbeit im Gemeinwesen darstellen.

2. Gemeinwesenarbeit (GWA)

In der Fachliteratur wird Gemeinwesenarbeit neben der Einzelfallhilfe und der Gruppenarbeit gemeinhin als dritte Methode der Sozialarbeit verstanden, die „im Gegensatz zu den anderen Methoden ganze Nachbarschaften, Stadtteile und Gemeinden zum Gegenstand sozialpädagogischer Einflussnahme macht“[1].

Idealtypisch lässt sich Gemeinwesenarbeit in die drei Ansätze Territoriale, Funktionale und Kategoriale Gemeinwesenarbeit differenzieren.

Im folgenden möchte ich nun einen kurzen kritischen Überblick über die Grundformen der GWA geben, die sich seit etwa 1970 herausgebildet haben[2].

2.1 Wohlfahrtsstattliche Gemeinwesenarbeit

Bei der wohlfahrtsstaatlichen Gemeinwesenarbeit geht es primär um die Verbesserung des Dienstleistungsangebotes der im Wohnviertel tätigen Institutionen und Behörden. Die Bürger dürfen bei dieser Form von GWA zwar mitentscheiden und die Gemeinwesenarbeit leistet soziale Hilfe, doch alle wichtigen Entscheidungen werden durch die Institutionen getroffen[3]. Netzwerke werden in dieser Form der GWA nicht aufgebaut. Da Selbsthilfe und Selbstorganisation der Betroffenen um z.B. die Verhältnisse im Wohnbereich zu verändern, nicht das primäre Ziel der wohlfahrtsstaatlichen GWA sind, besteht hierbei die Gefahr die Betroffenen zu passiven Empfängern sozialer Hilfe zu machen.

2.2 Integrative Gemeinwesenarbeit

In dem von M.G. Ross entwickelten Ansatz sollen alle Gruppen eines Gemeinwesens ihre Probleme erkennen und aufgrund gemeinsamer Wertevorstellungen versuchen, die bestehenden Missstände zu beseitigen[4]. Das Ziel ist eine harmonische Anpassung der verschiedenen Interessen. Integration in den Zielfindungsprozess und das Übertragen von Verantwortung auf die einzelnen Mitglieder des Gemeinwesens sind die Mittel, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Dieser Ansatz setzt allerdings voraus, dass es allgemein anerkannte gesellschaftliche Spielregeln gibt, und keine negativen Darstellungen der Probleme oder Protestaktionen die Harmonie und die Problemlösung behindern.

2.3 Aggressive Gemeinwesenarbeit

Die aggressive Gemeinwesenarbeit hat das Ziel, Kräfteverhältnisse und Machtstrukturen innerhalb eines Gemeinwesens durch den Zusammenschluss von benachteiligten Minderheiten zu verändern. Sie strebt eine gerechte Verteilung von Macht und Herrschaft, sowie die sich daraus ergebende Änderung des gesellschaftlichen Systems an. Die Aktionsformen wie die Verletzung der Verkehrsregeln oder Steuerverweigerungen sollen dabei disruptiv sein, d.h. die Arbeit der Behörden und Institutionen unterbrechen, aber nicht zerstören oder verletzen[5]. Kritikpunkt an dieser Form von GWA ist, dass das Desinteresse der Bevölkerung an Politik und die Möglichkeit Minderheiten in einem Gemeinwesen so zu organisieren, dass sie sich auf breiter Front strategisch geschickt für ihre Interesse einsetzen, überschätzt wird.

2.4 Katalytisch-aktivierende Gemeinwesenarbeit

Grundlage für die Katalytisch-aktivierende Gemeinwesenarbeit ist die Vorstellung einer herrschaftsfreien Gesellschaft , in der es keine Unterdrückung mehr gibt und die Menschen in der Lage sind sich selbst oder solidarisch einander zu helfen, wobei sie ein kreativ-soziales Leben entwickeln. Die Funktion des Sozialpädagogen in diesen Prozessen ist es, die einzelnen Gruppen miteinander zu vermitteln und aus ihnen ein Netzwerk gegenseitiger Unterstützung zu schaffen. Mittels der GWA sollen Interessengegensätze, Konflikte und Missstände im Gemeinwesen aufgedeckt, und durch Solidarisierung mit den Betroffenen konstruktive Auswege organisiert werden. Die Gruppenarbeit ist in der katalytisch-aktivierenden GWA ein zentraler Gedanke, in der Individuen geholfen wird, aber auch verschiedene Gruppen sich zur Gruppenselbsthilfe zusammenschließen. Diese Gruppen können dann als Mikro-Netze sich selbst helfen, als Meso-Netze miteinander kooperieren und als Makro-Netze mit den Behörden in Verbindung stehen[6].

2.5 Integrative, lebensweltliche Gemeinwesenarbeit als Netzwerk

Ansatz der Integrativen, lebensweltlichen Gemeinwesenarbeit ist es, ein Netzwerk aus verschiedenartigsten Gruppen unterschiedlicher Größe zu bilden, das sich mit anderen Einrichtungen verbindet und mit den Institutionen und Behörden verknüpft. Die GWA ist dabei innerhalb der Interventionsniveaus aufsteigend[7] von der Einzelfallhilfe, der Familie und Gruppe, über das Gemeinwesen bis hin zur Gesellschaft. Aufgabe des Sozialpädagogen ist es, das Gemeinwesen zu analysieren, zu verbessern und zu humanisieren. Ziel ist es, viele verschiedene Aktionsgruppen zu gründen, um damit mehrfache, verschiedene Zugänge zum Gemeinwesen zu finden und zu ermöglichen. In diesen Gruppen wird soziales Lernen eingeübt und sie sollen als kleine Mikro-Netze heilend wirken. Letztlich werden alle Gruppen miteinander als Meso-Netze integriert und das ganze Netz mit den Makro-Netzwerken des Gemeinwesens und der Gesellschaft verknüpft. Zentraler Punkt bei diesem Konzept ist die lebensweltliche Arbeit, wobei Lebenswelt verstanden wird, als dass der Mensch in einem Netzwerk von Beziehungen und Interaktionen lebt[8].

3. Soziale Netzwerke

Das Konzept sozialer Netze entstammt der kulturanthropologischen Erforschung sozialer Beziehungen in spezifischen Alltagssituationen. Diese Untersuchungen beschäftigten sich mit der Beobachtung und Erfragung sozialer Beziehungen Einzelner in überschaubar gewählten Sozialzusammenhängen, wie kleiner Landgemeinden, Familien-, Verwandtschafts- und Nachbarschaftsbeziehungen sowie subkultureller städtischer Sozialmilieus[9]. Im Zentrum dieses Konzepts steht ein Netzwerk sozialer Beziehungen, die sozialen Netze.

Unter sozialen Netzwerken versteht man also vereinfacht gesagt Personen, die die Punkte des Netzes bilden, und Beziehungen, die die Punkte miteinander verbinden. Untersucht man alle Beziehungen einer Person, so spricht man von einem „totalem“, d.h. einem umfassenden Netzwerk. Diese Netze werden auch personenzentrierte Netze genannt. Werden dagegen nur einige Beziehungen einer Person untersucht, so spricht man von sogenannten partiellen Netzwerken[10].

[...]


[1] Kreft / Mielenz, 1980, S.232

[2] vgl. Hinte / Karas, 1989, S.11ff

[3] vgl. Noack, 1999, S.18

[4] vgl. Noack, 1999, S.19

[5] vgl. Noack, 1999, S.19f

[6] vgl. Noack, 1999, S.20f

[7] vgl. Friese, 1989, S.40ff

[8] vgl. Noack, 1999, S.21

[9] vgl. v.Kardorff, 1989, S.35

[10] vgl. Noack, 1999, S.24

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638243223
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20457
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – Sozialwesen
Note
1,3
Schlagworte
Gemeinwesenarbeit Netzwerkarbeit Sozialarbeit

Autor

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Titel: Gemeinwesenarbeit und soziale Netzwerkarbeit