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Umweltökonomische Ansätze zur Regulierung des Flächenverbrauchs

Seminararbeit 2011 16 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bedeutung der Ressource Boden und die Problematik des Flächenverbrauchs

3 Ökonomische Steuerungsansätze
3.1 Handelbare Flächenausweisungszertifikate
3.2 Baulandausweisungsumlage
3.3 Flächenschutzbezogene Finanzzuweisungen
3.4 Umlage-Zuweisungs-Modell

4 Vergleich und Bewertung der Steuerungsansätze

5 Schlussgedanken und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anstieg des Flächenverbrauchs in Deutschland

Abbildung 2: Doppelte Förderung der kommunalen Innentwicklung durch das
„Kombinierte Umlage-Zuweisungs-Modell“

1 Einleitung

Der hohe Flächenverbrauch[1] in Deutschland gehört trotz eines Rückgangs der pro Tag verbrauchten Fläche in den letzten Jahren nach wie vor zu den ungelösten Umweltproblemen [vgl. Michaelis (2007, S. 12)], da die Ressource Boden eine sich nicht vermehrende Ressource ist. Dieses Problem wird in der Gesellschaft oft nicht, und wenn doch, dann nur sehr rudimentär wahrgenommen. Ein Grund dafür ist, dass über dieses Thema sehr wenig in der Presse zu lesen ist, hauptsächlich in der Fachpresse, welche jedoch die breite Masse der Gesellschaft nicht erreicht, wird hinreichend auf den zu hohen Flächenverbrauch hingewiesen. In der Fachpresse wird stark darüber diskutiert, wie man diesen Verbrauch reduzieren kann, da die Ressource Boden für die Menschheit und die Natur überlebensnotwendig ist. Die Bedeutung der Ressource Boden wird im zweiten Kapitel genauer thematisiert. Wie in der folgenden Abbildung zu entnehmen ist, betrug die Flächeninanspruchnahme in den Jahren 1997 - 2000 durchschnittlich 129 ha/Tag[2], was einer Gesamtzunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche[3] von insgesamt 1.883 km² entspricht. Dies gleicht der Fläche von circa 257.000 Fußballfeldern oder 70 Prozent der Fläche des Landes Luxemburg. In den Jahren 2001 - 2004 verlangsamte sich der Flächenverbrauch und betrug durchschnittlich 115 ha/Tag. Von 2002 - 2005 lag der Verbrauch bei 114 ha/Tag. Die Überschneidung der angegebenen Jahre ergibt sich daraus, dass der tägliche Flächenzuwachs als gleitender Vierjahresdurchschnitt berechnet wird. Der aktuelle Durchschnittswert der Jahre 2006 - 2009 liegt bei 94 ha/Tag. Positiv zu sehen ist, dass der gleitende Vierjahresdurchschnitt einen sinkenden Trend verfolgt. Es ist aber noch ein langer Weg bis zu dem von der Bundesregierung vorgegeben Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, den Flächenbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 ha/Tag zu reduzieren [vgl. Hinzen / Preuß (2011, S. 41), Statistisches Bundesamt (2010a, S. 80)].

Wie bereits erwähnt, wird im zweiten Kapitel genauer auf das Thema Boden eingegangen. Im dritten Kapitel werden die ökonomischen Steuerungsinstrumente genauer beschrieben, um zu sehen, mit welchen Instrumenten man den Flächenverbrauch am effizientesten reduzieren kann, um das bis 2020 zu verfolgende Schutzziel von 30 ha/Tag zu erreichen. Das vierte Kapitel vergleicht die beiden effizientesten Methoden und zeigt, wie sie in der Praxis angewendet werden. Im fünften Kapitel geht es um den Schlussgedanken und die Ausblicke zu dieser Arbeit.

Abbildung 1: Anstieg des Flächenverbrauchs in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Quelle in Anlehnung an das Statistische Bundesamt (2010b).

2 Die Bedeutung der Ressource Boden und die Problematik des
Flächenverbrauchs

Die Ressource Boden ist eine der wichtigsten Ressourcen überhaupt, da es sich um eine Ressource handelt, die sich nicht vermehren lässt. Neben der Bereitstellung von Lebensmitteln, Lebensraum für Flora und Fauna und Erholungsräumen für den Menschen, ist der Boden Basis für die Produktion von Biomasse. Wichtige Funktionen des Bodens können in die Kategorien natürliche Funktion, Archivfunktion und Nutzungsfunktion[4] unterteilt werden. Ein großer Teil der Gesellschaft ist sich nicht im Klaren darüber, wie ernst die Situation ist, oder stellt eigene Interessen vor die der Allgemeinheit, welche den Boden schützen möchte, damit den nachfolgenden Generationen auch noch genügend Erholungsfläche zur Verfügung steht. Mögliche Gründe dafür sind, dass die Gesellschaft zu wenig mit diesem Thema konfrontiert wird, sie nicht weiß, wie wichtig der Boden für sie ist und wie abhängig sie von seinen Funktionen ist. Die Eigentümer schauen nur danach, wie sie ihren Grund und Boden für die eigenen Interessen möglichst optimal nutzten bzw. bebauen können, da sich der Preis eines Grundstücks nicht an den ökologischen Werten des Bodens orientiert [vgl. Jörissen / Coenen (2007, S. 35)].

Im folgenden Abschnitt geht es um die Problematik, die der Flächenverbrauch hervorruft. Wenn die Flächeninanspruchnahme nicht stark reduziert wird, wird die zur Verfügung stehende Fläche immer kleiner. Das Problem liegt darin, dass der Boden eigentlich nicht verbraucht werden kann, jedoch kann man ihn durch falsche Inanspruchnahme in seinen Nutzungsoptionen stark einschränken. Aufgrund der begrenzten Fläche konkurrieren die Nutzungsformen untereinander. Diese Nutzungsformen können zwar kombiniert werden, wie zum Beispiel in einer Waldfläche, da der Wald sowohl Erholungsraum für den Menschen, als auch Lieferant für Holz ist. In der Regel schließen sich Nutzungsformen jedoch gegenseitig aus. Böden können sich zwar regenerieren, aber die Regeneration ist ein sehr langwieriger Prozess und viele Schäden sind praktisch irreversibel [vgl. Jörissen / Coenen (2007, S. 34)].

Durch die überproportionale Steigerung des Siedlungsflächenwachstums im Verhältnis zu der Bevölkerungsentwicklung kommt es zu einer abnehmenden Siedlungsdichte. Dies hat zur Folge, dass die kommunalen Einrichtungen nicht ausgelastet sind und sich dadurch die Fiskallasten für den einzelnen Bürger erhöhen [vgl. Krumm (2005, S. 1)]. Eine weitere Problematik stellt die ökologische Beeinträchtigung in Form von Hochwasser in hochwassergefährdeten Gebieten dar, denn wenn es keine unbebauten bzw. unversiegelten Flächen gibt, steigt der Anteil des Niederschlags, der direkt abfließt. Unklar ist auch, wer zum Beispiel für die Kosten neuer Baugebiete aufkommen muss. Die hohen Kosten entstehen, weil viele der neuen Baugebiete mit einer geringeren städtebaulichen Dichte als Städte geprägt sind. Folglich sind die Erschließungskosten pro Wohneinheit in einem weniger dicht besiedelten Gebiet höher als an dichter besiedelten Gebieten, da hier die Fixkosten für die Straßen-, Trinkwasser,- Abwasser-, Gas- und Stromanschlüsse von einer geringeren Anzahl von Wohneinheiten zu bewältigen ist. Da der Bedarf[5] an Leitungslänge für diese Anschlüsse bei Erschließung von Nettowohnbauland sehr hoch ist, fallen auch hohe Kosten an. Jedoch werden diese Kosten nicht alleine von den Hauptverursachern, in diesem Fall die künftigen Hauseigentümer, getragen, sondern teilen sich auf. Neben den zukünftigen Haus- bzw. Wohnungseigentümern wird auch die Allgemeinheit (also Steuerzahler der Kommune und Kunden der Ver- und Entsorgungsnetzte) an den Kosten beteiligt, wobei die Beteiligung an den Kosten sehr hoch ist [vgl. NABU (2010, S.1)]. Um das Problem ein wenig greifbarer zu machen und um es den Kommunen zu verdeutlichen, welche Kosten auf sie zukommen, wenn sie Neubaugebiete erschließen, wurde ein »Folgenkostenrechner« entwickelt, welcher den Nachweis erbringt, dass die Schließung von Baulücken oft günstiger ist, als ein Neubaugebiet zu erschließen [vgl. Faltin (2010)]. Fraglich ist, ob die Ergebnisse eines Folgekostenrechners die Kommunen dazu bewegen den Flächenverbrauch zu reduzieren.

[...]


[1] Im Rahmen dieser Seminarabreit wird unter dem Begriff „Flächenverbrauch“ die Umwandlung von naturnahen Freiräumen oder landwirtschaftlich genutzten Böden in Siedlungs- und Verkehrsflächen bezeichnet [Jörissen / Coenen (2007, S. 33)].

[2] Ein Hektar (ha) entspricht 0,01 km² = 100a = 10.000 m².

[3] Summe verschiedener sehr heterogener Flächennutzungsarten. Sie sind gekennzeichnet, dass sie überwiegend siedlungswirtschaftlichen Zwecken dienen bzw. eine siedlungswirtschaftliche Ergänzungsfunktion haben. Aufgrund der Zusammensetzung aus den Rubriken „Gebäude- und Freifläche“, „Betriebsfläche (ohne Abbauland)“, „Erholungsfläche“ und der Fläche für „Friedhöfe“, können Siedlungs- und Verkehrsfläche nicht mit überbauter oder „versiegelter“ Fläche gleichgesetzt werden, da sie einen nicht genauer quantifizierten Anteil von nicht bebauten Frei- und Grünflächen umfasst. Sofern der Ausgleich innerhalb der so ausgewiesenen Fläche erfolgt, zählen selbst ökologisch verträgliche Arten der Nutzung im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen,, die aufgrund der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung bei jeder neuen Flächeninanspruchnahme vorzunehmen, statistisch zu den Siedlungs- und Verkehrsflächen [vgl. Jörissen / Coenen (2007, S. 35 f)].

[4] Beispiele zu den einzelnen Funktionen. Natürliche Funktion: Lebensraum für Tiere, Menschen, Bodenorganismen und Pflanzen; Teil des Naturhaushalts , in Verbindung mit seinen Nährstoff- und Wasserkreisläufen. Archivfunktion: Archivierung der Kultur- und Naturgeschichte. Nutzungsfunktion: Rohstofflagerstätte; Siedlungs- und Erholungsfläche[vgl. Jörissen / Coenen (2007, S. 34) und BBodSchG (1998 §2 Abs. 2, S. 1-3)].

[5] Für jeden neu erschlossenen ha Nettowohnbauland werden 200 Meter Straße, 250 Meter Trinkwasser-, 205 Meter Abwasser-, 210 Meter Gas- und 260 Meter Stromleitung benötigt [vgl. NABU (2010, S. 2)].

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656321873
ISBN (Buch)
9783656325758
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205026
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim
Note
Schlagworte
umweltökonomische ansätze regulierung flächenverbrauchs

Autor

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Titel: Umweltökonomische Ansätze zur Regulierung des Flächenverbrauchs