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Einstellung zu Gewalt in Konfliktsituationen

Eine Studie von 6 Hauptschulklassen der vierten Schulstufe des Bezirkes Linz-Land

Forschungsarbeit 2008 38 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen
2.1. Vorhandene Forschungsergebnisse
2.2. Inhalte dieser Studie
2.3. Der Gewaltbegriff

3. Datenerhebung
3.1. Ausgewählte Teilnehmer der Befragung
3.2. Untersuchungszeitraum
3.3. Auswertung
3.4. Repräsentativität

4. Umgang mit Konflikten in der Schule
4.1. Gewalterfahrung
4.1.1. Unterschiede zwischen den Auswahlklassen
4.1.2. Kategorien der Gewaltanwendung
4.2. Einstellung zu Gewalt
4.2.1. Gesamtergebnis aller Befragten
4.2.2. Unterschied Knaben – Mädchen
4.3. Gewaltanwendung
4.3.1. Unterschiede zwischen den ausgewählten Klassen
4.3.2. Unterschied Knaben – Mädchen
4.3.3. Gewaltpotenzial
4.4. Einstellung zu gewaltfreien Strategien der Konfliktlösung
4.4.1. Gesamtergebnis: Reden als Konfliktlösung
4.4.2. Klassenspezifisches Ergebnis: Reden als Konfliktlösung
4.4.3. Geschlechterspezifisches Ergebnis: Reden als Konfliktlösung
4.5. Verwendung von Gewalt zur Konfliktlösung
4.5.1. Gesamtergebnis: Gewaltanwendung zur Konfliktlösung
4.5.2. Geschlechtsspezifisches Ergebnis: Gewaltanwendung zur Konfliktlösung
4.5.3. Klassenspezifisches Ergebnis: Gewaltanwendung zur Konfliktlösung
4.6. Fazit

5. Engagement in Vereinen und dessen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen
5.1. Einfluss von Vereinen auf die Einstellung zu Gewalt
5.2. Einfluss von Vereinen auf die Einstellung zu Gewalt
5.3. Einfluss von Vereinen auf die Gewaltbereitschaft
5.3.1. Die Lust zuzuschlagen
5.3.2. Konflikte mit Reden lösen können
5.4. Fazit

6. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

7. Literatur

1. Einleitung

Aufgrund des Studiums der Forschungsprojekte über Einstellungen zu Multikulturalität, Demokratie und Gewalt in Deutschland von PD Dr. Bernd Overwien et al. (2005), in Österreich von Dr. Reinhard Zuba und Iris Schirl (2006) und in Liechtenstein von Maga. Ingrid Kromer et al. (2007) beschlossen wir, Hans Bauer, Klemens Ecker und Andreas Hotea-Mayrhofer, uns zu einem Projektteam zusammenzuschließen, um eine regionale Studie im Schulbezirk Linz-Land durchzuführen.

In Anlehnung an die oben erwähnten Studien wollten wir die Einstellungen der Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 Jahren zu Multikulturalität, Demokratie und Gewalt prüfen. Der Fragebogen umfasste 59 Fragen und wurde von über 500 Schülerinnen und Schülern ausgefüllt. Für diesen Forschungsbericht wurde nur eine Auswahl aus der Gesamtzahl der Fragbögen und der Fragen verwendet, weil diese für die Forschungsfragen

Welche Einstellungen zur Anwendung von Gewalt als Konflikt­austragungsform sind in den Schulen vorzufinden und welche Auswirkungen hat der Standort, das heißt das Umfeld (ländlich oder städtisch, Regelklasse oder Klasse mit Schwerpunkt), darauf?

Hat die Mitgliedschaft bei Vereinen oder Organisationen Einfluss auf die Form der Konfliktaustragung und wie wirkt sich dieser im Falle des Falles aus?

relevant waren.

An dieser Stelle möchte ich mich besonders für die Mitarbeit folgender Personen und Stellen bedanken: Einen besonderen Dank möchte ich den teilnehmenden Schulen aussprechen. Nur durch die Unterstützung der Direktorinnen und Direktoren, der Lehrerinnen und Lehrer und der Schülerinnen und Schüler konnte eine derartig hohe Rücklaufquote erreicht werden. Weiters möchte ich der Schulaufsichtsbehörde des Bezirkes Linz-Land danken, die das Projekt nicht nur genehmigt sondern auch tatkräftig unterstützt hat. Schließlich geht ein herzliches Dankeschön an meine Projektpartner Hans Bauer und Andreas Hotea-Mayrhofer, sie waren inhaltlich und organisatorisch eine große Hilfe.

2. Vorüberlegungen

2.1. Vorhandene Forschungsergebnisse

In den letzten Jahren wurde in Österreich in der Öffentlichkeit vermehrt über die Zunahme der Gewalthandlungen diskutiert. Ulrike C. Nikutta-Wasmuht (2005, S. 6) schreibt in ihrer Studie, „die Gewaltformen sind vielfältiger und grausamer, die Tätergruppen jünger, die Opfergruppe heterogener geworden“. „Beunruhigend sind die schleichend wachsende ganz alltägliche Gewaltbereitschaft“, ergänzt Harald Aigner (2007, S. 5). Die öffentliche Meinung und die vorliegenden Studien scheinen sich einig zu sein. Die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen nimmt zu.

Für Balser et al. (2001, S. 177) ist Schule derzeit ein Ort, „an dem insbesondere Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen Ohnmachtserfahrungen, Erfahrungen von Ausgrenzungen, Kränkungen, Haß (sic!) und Frustration produziert werden.“

Interessant ist hier die Diskrepanz zu den Äußerungen von Schulleitern bzw. Schulleiterinnen, Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern. Sie haben keineswegs den Eindruck, dass die Gewalthandlungen in Schulen bedeutend zugenommen hätten (vgl. Aigner 2007, S. 5).

Diese Einschätzung wird von der Studie über Gewalterfahrung in der Jugend von Karazman-Morawetz und Steinert (1995) bestätigt. Die Hauptergebnisse der Studie zeigen ein Gleichbleiben bzw. einen Rückgang der „harten“ Gewalterfahrungen, damit sind Prügel oder Ohrfeigen gemeint, und eine Zunahme von psychischer und verbaler Gewalt wie zum Beispiel Beschimpfungen, Mobbing oder Drohungen. All das ist aber nicht in einem signifikanten Ausmaß auszumachen. Zu diesem Ergebnis kommt auch Olweus (2002), der in seiner Forschungsarbeit die Häufigkeit und die Art von Gewalt in der Schule beschreibt, und anschließend vermerkt, dass es keine verlässlichen Daten gibt, um zu erkennen, ob in der Gegenwart häufiger Gewalt angewendet wird oder die Gewalt in der Schule im Vergleich zu den letzten Jahren etwa abgenommen hat.

Auch Zuba und Schirl (2006) attestieren den Jugendlichen generell eine niedrige Gewaltbereitschaft. Mehr als 90 % der Befragten lehnen laut ihrer Studie Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung ab. Diesem positiven Ergebnis steht aber auch eine durchaus negative Erkenntnis gegenüber: Die verbale Gewalt tritt bei Jugendlichen immer häufiger auf. So schreiben Zuba und Schirl (2006, S. 2), dass „beinahe 80%“ der Jugendlichen „persönliche Gewalterfahrungen angegeben“ haben. „Verbale Gewalt ist dabei die am häufigsten erlebte Gewaltform und wurde von zwei Drittel aller Jugendlichen bereits erlebt (…). Verbale Gewalt tritt nach Angaben der Jugendlichen vor allem in der Schule auf.“

2.2. Inhalte dieser Studie

In dieser Studie versuche ich einen weiteren, speziellen Vorstoß in diese Materie.

Zuerst möchte ich untersuchen, wie häufig Schüler und Schülerinnen in den verschiedenen Hauptschulen in Kontakt mit Gewalt kommen. Dazu werden Landschulen und Stadtschulen bzw. „normale“ Klassen und Klassen mit einem besonderen Schwer­punkt, in diesem Fall mit einem musikalischen Schwerpunkt, gegenübergestellt.

Weiters werde ich untersuchen, ob das Engagement in Vereinen oder Organisation, sprich Musikverein, Sportverein, Rettungsdienst usw., positive Auswirkungen auf das Ver­halten in Konfliktsituationen hat und somit die Gewaltbereitschaft.

Zu klären ist vor der Analyse der Daten noch, wann man von Gewalt spricht, welche Formen es gibt, wie also der Gewaltbegriff in der Literatur definiert wird.

2.3. Der Gewaltbegriff

„Jeder Mensch trägt Aggressionspotenziale in sich. Sie sind natürlich und gehören zum menschlichen Wesen. (…) Wer Gewalt mindern will, muss sich zunächst fragen, welches Verhältnis er/ sie selbst zur Gewalt hat, was für ihn/ sie überhaupt Gewalt ist und wo er/ sie, vielleicht ohne es zu wollen und sich dessen bewusst zu sein, selbst „gewalttätig“ ist“ (Aigner 2007, S. 5).

Was ist also Gewalt? Welche Handlungen kann man der Gewaltanwendung zuordnen?

Bründel und Hurrelmann (2007) unterscheiden zwischen der physischen Gewalt, der psychischen Gewalt, der verbalen Gewalt, der sexuellen Gewalt, der frauenfeindlichen Gewalt und der fremdenfeindlichen und rassistischen Gewalt.

Olweus (2002) definiert den Gewaltbegriff ähnlich. Für ihn sind Schülerinnen und Schüler Gewalt ausgesetzt, wenn sie wiederholt oder für längere Zeit negativen Handlungen ausgesetzt sind. Diese Handlungen können verbaler, psychischer und physischer Art sein. Während dieser Handlungen muss ein Ungleichgewicht der Kräfte vorliegen. Weiters soll zwischen mittelbarer Gewalt – mit offenen Angriffen – und mittelbarer Gewalt (Ausgrenzung, Mobbing, Ausschluss, …) unterschieden werden.

3. Datenerhebung

3.1. Ausgewählte Teilnehmer der Befragung

In dieser groß angelegten Studie wurden etwa 600 Schülerinnen und Schüler befragt. Sie gehen alle in eine vierte Klasse einer Hauptschule im Bezirk Linz-Land. Für diese Studie habe ich aus dem Pool der Fragebögen, für meine forschungsleitende Fragestellung besonders relevante Schulen ausgewählt.

Ich wählte eine städtische und eine ländliche Regelhauptschulklasse aus. Weiters eine Hauptschulklasse mit ländlichem Umfeld und eine Klasse vom Land mit musikalischem Schwerpunkt, zwei Klassen aus einer „gut situierten“ Hauptschule, eine Klasse davon mit musikalischen Schwerpunkt und eine Regelklasse. Als „gut situierte“ Hauptschule bezeichne ich diese Schule, weil sie aufgrund ihres Umfeldes einer hohen Bildungs­schicht ein hohes Leistungsniveau bieten kann. Diese Schule ist oft der Hafen für jene Kinder, die die Berechtigung für ein Gymnasium aufgrund ihrer Leistung nicht erreichen konnten und deren Eltern trotzdem eine zu den anderen Hauptschulen „höherwertige“ Ausbildung ihrer Kinder anstreben. Die Lern- und Förderbereitschaft und das Engagement der Eltern sind in dieser Schule überdurchschnittlich hoch. Abschließend wählte ich für diese Studie eine polytechnische, städtische Hauptschulklasse, weil diesen Klassen in der öffentlichen Meinung eine hohe Gewaltbereitschaft zugeschrieben wird.

Es wurden demnach 57 Mädchen und 54 Knaben befragt. Durch diese gleichmäßige Verteilung des Geschlechterverhältnisses muss keine Verzerrung des Ergebnisses bei geschlechtsabhängigen Abfragen befürchtet werden.

Die befragten Schüler und Schülerinnen sind zu 18% aus der polytechnischen, städtischen Schule, zu 16% aus der städtischen Regelklasse, zu 14% aus der ländlichen Klasse mit musikalischen Schwerpunkt, zu 16% aus der ländlichen Regelklasse, zu weiteren 16% aus der „gut situierten“ Klasse mit musikalischen Schwerpunkt und schließlich zu 19% aus der „gut situierten“ Regelklasse. Diese ausgewogenen Zahlen lassen auch hier keine Verzerrung zu Ungunsten oder Zugunsten einer befragten Klasse befürchten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 0: Anteil der befragten Klassen

3.2. Untersuchungszeitraum

Der Untersuchungszeitraum war äußerst knapp bemessen. Es ergab sich ein Untersuchungszeitraum von Anfang Mai bis Ende Juni 2008. In dieser kurzen Zeit konnte nur aus dem Grund eine 100%-ige Rücklaufquote erreicht werden, weil ein Mitarbeiter des Bezirksschulrates Linz-Land, die Erlaubnis erhielt, die Schulen persönlich anzufahren, um jeweils eigenhändig die einzelnen Klassen zu befragen.

Mein Dank gilt hier noch einmal Herrn Andreas Hotea-Mayrhofer, dem Bezirksschulrat, im besonderen der Bezirksschulinspektorin Frau Doris Hofer-Saxinger und den Klassenlehrern, die bei den Terminvereinbarungen trotz des ungünstigen Zeitpunktes der Studie am Ende des Schuljahres, äußerst flexibel und entgegenkommend reagiert haben.

3.3. Auswertung

Die Daten dieser Studie wurden mit Hilfe von Excel 2002 ausgewertet. Zuerst mussten die Daten erfasst und in ein numerisches System übertragen werden. Dazu traf ich mich mit meinen Mitarbeitern Andreas Hotea-Mayrhofer und Hans Bauer im Juli 2008. Die Kriterien für die freien Auswahlantworten und die Ziffernbelegung für die einzelnen Antworten wurden vereinbart und im Anschluss eingegeben. Bei der Eingabe unterstützten uns die Mitarbeiter des Bezirksschulrates Linz-Land.

Im Anschluss wurden die Ergebnisse erstmals gemeinsam mit Prof. Dr. Clemens Seyfried besprochen, ausgewertet und auf eventuelle Fehler oder statistische Mängel untersucht.

Die restlichen Diagramme, Berechnungen und statistischen Untersuchungen wurden ausschließlich mit Excel 2002 durchgeführt.

3.4. Repräsentativität

Diese Studie beansprucht keine Repräsentativität auf die Gesamtheit der oberösterreichischen oder gar österreichischen Schulen. Es handelt sich um einen kleinen Teil der Gesamterhebung der vierten Hauptschulklassen des Bezirks Linz-Land. Für die ausgewählten Klassen sind verallgemeinernde Aussagen allerdings zulässig.

Diese Teilstudie wird in weitere Folge noch mit den Endergebnissen der Gesamtstudie verglichen. Diese abschließenden Untersuchungen werden im August 2009 durchgeführt werden. Diese Rückschlüsse lassen dann, betrachtet man die Klassen aus der jeweiligen Grundgesamtheit, eine verallgemeinernde Aussage über die Schüler und Schülerinnen des Bezirkes Linz-Land in Oberösterreich zu.

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Details

Seiten
38
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656315162
ISBN (Buch)
9783656318620
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205095
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Gewalt Konflikt Konfliktverhalten Schule Gewaltbereitschaft

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