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Singhalesen in Sri Lanka: Ursachen und Ziele der JVP-Revolution

Institutionalisierung von Gewalt im ethnischen Binnenraum

Wissenschaftlicher Aufsatz 2005 12 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Südasien

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Soziale Ursachen des Konflikts

2.1 Die Gründung der JVP
2.2 Der erste Aufstand
2.3 Interimsphase 1971-1989
2.4 Der 2. Aufstand
2.5 Die Rolle der JVP heute

Zusammenfassung

Einleitung

Obgleich Sri Lanka eine der ältesten Demokratien der Staaten der 3. Welt ist, die nach dem Ende des 2. Weltkriegs die Unabhängigkeit erlangten, steht das Land für einen der längsten und brutalsten Bürgerkriege Asiens, dem Schätzungen zur Folge seit den 80er Jahren bis zu 100.000 Menschen zum Opfer fielen. Es stellt sich die Frage, warum die politischen Institutionen des Landes sich so lange nicht imstande sahen, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes, allen voran die sozialen Spannungen zwischen Tamilen und Singhalesen, zu lösen. Zu Beginn der Arbeit wird dargestellt, wie Verteilungskämpfe um den Zugang zu Bildung und Arbeit zunächst eine Polarisierung der Bevölkerung provozierten. Diese Polarisierung führte hingegen nicht zu einheitlichen politischen Blöcken, sondern zu einer Zersplitterung der Gesellschaft und der Parteien.[1] Eine dieser Splittergruppen war die Partei JVP, deren Geschichte und Verstrickung in den Sri Lankischen Bürgerkrieg in dieser Arbeit dargestellt werden soll. Das zentrale Kapitel unterteilt die Geschichte der Partei in vier Teile: die Gründungsphase, den 1. und den 2. Aufstand und die aktuelle Rolle der JVP nach der Rückkehr aus der Illegalität im Jahre 1999.

1. Soziale Ursachen des Konflikts

Sri Lanka, die ehemalige Insel Ceylon, wird heute von insgesamt 19,5 Millionen Menschen bewohnt, von denen die wichtigsten Volksgruppen die Singhalesen (ca. 74 % der Gesamtbevölkerung, mehrheitlich buddhistischen Glaubens) und die Tamilen (ca. 18,3 %, davon ca. 5,5 % indische Tamilen, mehrheitlich hinduistischen Glaubens) sind. Die Vorfahren der sog. indischen Tamilen wurden seit 1834 von den Briten von Südindien aus auf die Teeplantagen Sri Lankas verbracht. Doch dienten die Tamilen nicht nur auf den Teeplantagen, sondern wurden von den Engländern oftmals für den Verwaltungsapparat rekrutiert und zu Akademikern ausgebildet, was unter der singhalesischen Bevölkerung ebenfalls zu Unmut führte. Als die sog. Soulbury-Kommission 1944 nach Sri Lanka kam um die Unabhängigkeitsverfassung vorzubereiten wurden die Gegensätze zwischen den beiden größten Bevölkerungsgruppen bereits sichtbar. Der soeben gegründete „Ceylon Tamil Congress“ verlangte nach einer „50-50“ Regelung bei der nur die Hälfte der Abgeordneten Singhalesen, die andere Hälfte jedoch aus Vertretern der Minderheiten des Landes bestehen sollte. Soulbury lehnte die Regelung zwar ab, baute jedoch Sicherheitsvorkehrungen ein, die eine Sitzverteilung der 9 Provinzen im Parlament sowohl nach Gebiet aber auch nach Bevölkerung zuließen. In einigen nördlichen Wahlkreisen kam es im Fall multikultureller Wählergemeinschaften auch zu einer stärkeren Gewichtung der tamilischen Wähler. Die Verfassung verfügte zudem ein Verbot jeglicher Einschränkungen oder Privilegierung von Angehörigen bestimmter Volksgruppen oder Religionsgemeinschaften. Die Tamilen stimmten der Verfassung zunächst zu, wählten dann aber den Leiter des Tamil Congress, G. G. Ponnambulam, der ein Mitglied des Ministerrats verdrängte, und zeigten so ihre Präferenz für eine kommunale Regierung.[2] Als Ceylon 1948 die Unabhängigkeit erreichte, setzte die singhalesische Bevölkerung ihre Vorherrschaft mit dem Hinweis durch, die Tamilen seien lang genug von der Kolonialregierung bevorzugt behandelt worden. Noch im selben Jahr wurden ihnen die Bürgerrechte verweigert und im Jahre 1964 gab es den Plan 525.000 indische Tamilen nach Indien „zurückzuführen“. Dieser Plan sah außerdem vor, dass in den darauf folgenden 15 Jahren 300.000 von ihnen die Staatsbürgerschaft erhalten sollten. Die ersten unabhängigen Wahlen hatte 1948 die United National Party gewonnen, wurde jedoch 1956 von der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) abgelöst, die das „Sinhala-Only-Program“ ins Leben rief. Bereits 1944 hatte der Führer der UNP, J. R. Jayawardene versucht eine Resolution verabschieden zu lassen, nach der Sinhala in Zukunft die einzige offizielle Sprache des Landes werden sollte. Die Resolution wurde jedoch auf Drängen der Tamilen dahingehend abgewandelt, dass beide Sprachen als offizielle Landessprachen gelten sollten. Dieses Ziel wurde zunächst auch von der UNP akzeptiert und die Implementierung beschlossen, als jedoch 1955 der Druck der Wählerschaft zunahm, wurde das Programm von der SLFP angenommen und Sinhala als offizielle Landessprache deklariert. Die 1956 gebildete Regierung verfügte über keinen Vertreter der tamilischen Minderheit und der Leiter des Tamil Kongress betonte: „Die Einführung von Sinhala als einzige offizielle Landessprache, muss unausweichlich und unaufhaltsam, auch wenn dies heute nicht Ihr Ziel sein mag, zum Ende der tamilischen Nation und zum Ende des tamilischen Volkes als solches führen“.[3] Die Föderalistische Partei, die sich seit 1949 um einen friedlichen Ausgleich mit den Tamilen einsetzte, drohte aufgrund der Diskriminierung mit landesweiten friedlichen Protesten. Bandaranaike war jedoch entschlossen zu einem Ausgleich mit den Tamilen zu gelangen. In einem 1957 eiligst verabschiedeten Vertrag einigten sich Chelvanayakam, Vertreter der Tamilen und Bandaranaike darauf, dass die Tamilen auf die Gleichstellung ihrer Sprache verzichteten und dafür die Amtssprache in den mehrheitlich von Tamilen bewohnten nördlichen und östlichen Provinzen Tamil sein sollte. Der Vertrag verbriefte außerdem das Recht der kommunalen Ratsverwaltungen über Maßnahmen in Agrar-, Bildungs- und Siedlungsangelegenheiten selbst zu entscheiden. Premierminister Bandaranaike versprach außerdem eine Revision des Staatsbürgerrechts, welches die Landarbeiter entrechtet hatte.

[...]


[1] Vgl. Wagner, S. 5

[2] Schwarz, S. 6

[3] Ebd., S. 6f

Details

Seiten
12
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656322283
ISBN (Buch)
9783656324713
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205252
Note
Schlagworte
Singhalesen Sri Lanka Tamilen Soulbury Kommission Ceylon Tamil Congress Ceylon Sinhala UNP SLFP Bandaranaike Konflikt Ausschreitungen Janatha Vimukthi Peramuna JVP 1971 Colombo Wellawaya LTTE Aufstand Trincomalee Tamil Tigers Unabhängigkeit Indien Soldaten 1988 1989 Wahlen

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