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Achim von Arnims "Isabella von Ägypten" - Antisemitische Züge

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 28 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Geschichtliche und literarische Einordnung
2.1) Geschichtliche Einordnung
2.2) Literarische Einordnung

3) Ludwig Achim von Arnim

4) Die christlich deutsche Tischgesellschaft
4.1) Allgemeines
4.2) Die Mitglieder und die Ausschlusskriterien
4.3) Die Tischreden insbesondere Arnims Rede ‚Ueber die Kennzeichen des Judenthums‘

5) Literarische Analyse-Isabella von Ägypten-
5.1) Die Novellensammlung
5.2) Kurzinhalt
5.3) Antisemitismus – Eine Begriffserklärung
5.4) Die Zigeuner
5.5) Die Juden und jüdisch konnotierte Figuren
5.5.1) Der Alraun
5.5.2) Der Golem
5.5.3) Der Bärnhäuter
5.5.4) Die Juden

6) Fazit

7) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema: Achim von Arnims „Isabella von Ägypten“ – Antisemitische Züge. Der erste Teil der Arbeit ordnet Arnims Werk in die Epoche der Romantik ein und stellt den politischen Kontext der Zeit kurz dar. Insbesondere wird auf die politischen Geschehnisse im Umfeld, der in Deutschland lebenden, jüdischen Bevölkerung eingegangen da ein umfassender geschichtlicher Überblick im Rahmen dieser Arbeit nicht zu integrieren ist. Im zweiten Teil wird die Person Achim von Arnim näher vorgestellt, insbesondere seine Stellung in der Gesellschaft. Daraufhin folgt eine Erläuterung zur christlich deutschen Tischgesellschaft, deren Mitbegründer Arnim war und die auch im politischen Bereich seines Lebens eine große Rolle gespielt hat.

Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse von „Isabella von Ägypten – Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe“. In der literarischen Analyse wird zuerst die Novellensammlung von 1812 vorgestellt, in der das Werk erschienen ist. Dann wird untersucht, wie Achim von Arnim die Juden in seinem Werk darstellt. Bei dieser Analyse wird unterschieden zwischen den phantastischen und den realen Figuren der Erzählung. Weiterhin wird die Darstellung der Juden mit der Darstellung der Zigeuner verglichen. Anhand der Analyse und des Vergleichs soll die Arbeit am Ende zeigen, ob Achim von Arnim in seinem Werk den jüdischen Figuren antisemitische Züge zuordnet und ob das Buch als antisemitisches Werk zu verstehen ist.

2) Geschichtliche und literarische Einordnung

2.1) Geschichtliche Einordnung

Während der Regentschaft von Friedrich II. bildete sich in Preußen eine Art patriotische Kultur aus, die Merkmale zeigte die man mit dem Nationalismus des 19. Jahrhunderts assoziieren kann.[1]

Im 18. Jahrhundert entsprangen die Bemühungen um eine Emanzipation der Juden in Preußen im Sinne der Berliner Aufklärung. Man kämpfte darum, Vorurteile zu beseitigen und den ausgegrenzten Teil der Einwohner wieder zu integrieren.[2] Denn die Juden waren seit dem Mittelalter eine religiöse Minderheit, die durch die eigenen Gesetze und Bräuche und die strengen Auflagen des Landes in dem sie lebten, abgesondert blieben und nur vereinzelt über den Geldhandel zu Reichtum und Ansehen gelangen konnten und somit auch in der Gesellschaft aufsteigen konnten.[3] Seit dem 12. Jahrhundert waren sie zusätzlich von Landbesitz ausgeschlossen. Durch das IV. Laterankonzil von 1215 wurde den Juden die dominante Stellung im Kreditgeschäft zuteil, da dieses Konzil das Kreditgeschäft für Christen untersagte. Die Juden durften dadurch aber keinem Handwerk oder Handel nachgehen.[4]

Das Jahr 1812, also das Jahr der Veröffentlichung von ‚Isabella von Ägypten – Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe‘ stellt in der Debatte um die Emanzipation der Juden in Preußen einen Höhepunkt dar.[5] Denn in diesem Jahr trat das „Edikt vom 11. März 1812 betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in dem Preußischen Staate“ in Kraft. Mit diesem Edikt sollte eine rechtliche Besserstellung der unterdrückten, jüdischen Minderheit erreicht werden. Das sogenannte ‚Judenedikt‘ war Bestandteil der Hadenbergschen Reformen, die auf dem von Kriegsrat Dohm 1781 verfassten Buch ‚Über die bürgerliche Verbesserung der Juden‘ basierten. Ein ähnliches Gesetz wurde in Frankreich bereits 1791 verordnet. Es gestand den in Frankreich lebenden Juden das allgemeine Bürgerecht und die Gleichberechtigung zu.

Staatsrath Christian Wilhelm Dohm veröffentlichte bereits 1781 seine oben genannte Schrift. Trotz einer positiven Aufnahme der Thesen, dauerte es von deren Diskussion bis zur rechtlichen Realisierung des formulierten Gleichstellungsgedanken noch bis 1812.[6] Erst die Niederlage im Krieg von 1806/07 gegen Frankreich ließ das Thema der Judenemanzipation wieder aufkommen. Aus der Kriegsniederlage resultierte unter anderem auch der finanzielle Ruin Preußens. Dieser wurde auf die veraltete Militärorganisation und die Rückständigkeit der von der ständischen Ordnung bestimmten gesellschaftlichen Organisation zurückgeführt.[7] So kam es 1807 zu einem Modernisierungsschub. Jüdische Bankhäuser spielten im preußischen Finanzwesen eine unverzichtbare Rolle nach der Niederlage im Krieg. Dies war jedoch nicht der einzige Grund, warum es zu einer Wiederbelebung der Gleichstellungsdebatte der in Deutschland lebenden Juden kam. Die ersten Rechtszugeständnisse bekam die jüdische Bevölkerung 1808 durch die Steinsche Kommunalreform, die es den Juden ermöglichte das Stadtbürgerecht zu erwerben.

Gleichzeitig gab es aber viele Gegner, die eine Aufhebung der jüdischen Sondergesetzte ablehnten. Besonders Johann David Michaelis äußerte seine Zweifel an der Integrationsfähigkeit der Juden, die aufgrund ihrer religiösen und in ihrem Fall zugleich gesellschaftlichen Regeln und Rituale eine nationale Absonderung von sich aus festschrieben.[8] Damit stellte Michaelis klar heraus, dass die Juden für ihre gesellschaftliche Ausgrenzung selbst verantwortlich wären und ihre Diskriminierung als Konsequenz aus ihrem eigenen Verhalten resultierte. Besonders auffällig ist zu dieser Zeit auch, dass Gegner der Judenemanzipation in ihren Reden nicht die Juden den Christen gegenüber stellen, sondern den Deutschen. Damit wird die jüdische Bevölkerungsgruppe systematisch von der deutschen Nation abgegrenzt. Es bildete sich parallel zum Emanzipationsprozess also auch eine Gegenbewegung, die stark mit antijüdischer Publizistik arbeitete.[9] In dieser antijüdischen Publizistik wurde das Hauptaugenmerk auf folgende Punkte gelegt: Juden besäßen eine unveränderlich verdorbene Natur; Juden sind innere Feinde der Deutschen, da sie eine Art Staat im Staat bilden würden; die Juden stellen einen Verschwörerbund ähnlich der Illuminaten dar; sie passen sich nur scheinbar an um den deutschen Staat zu unterwandern und deshalb müssen die Juden abgetrennt, kontrolliert und wenn möglich vertrieben werden.

2.2) Literarische Einordnung

Im ausgehende 18. Jahrhundert war die Literatur zunächst von der Französischen Revolution geprägt. Die Leitgedanken Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden jedoch mit totalitären Praktiken umgesetzt.[10] Ab 1795 spricht man von der Epoche der Frühromantik. Sie geht aus der Epoche der Aufklärung hervor, erkennbar an der Fortführung und Überbietung aufklärerischer Impulse.[11] Die Frühromantik wird als eine gesonderte Phase der Romantik betrachtet und hat vier Autoren, die in ihrem Zentrum stehen: Friedrich von Hardenberg, Friedrich Schlegel, Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck.[12] Charakteristisch für die Frühromantik ist die Entwicklung des Autonomieprogramms, eine progressive Universalpoesie, das Fragment als Prinzip, die Entstehung eines neuen Frauentypus, Künstlerfiguren als zentrale Themen, stärkere Bedeutung der Märchengattung und das Ansehen der Germanistik als Wissenschaft.[13] Als wichtige Orte für die Frühromantik galten Jena, der Wohnort der Gebrüder Schlegel, Berlin mit seinen Salons als intellektuelles Zentrum Deutschlands und Heidelberg, wo auch Brentano und Arnim ihre Gedichtanthologie ‚des Knaben Wunderhorn‘ 1806 veröffentlichten. Ein wichtiger romantischer Zirkel war der Serapionsbund, der von E.T.A Hoffmann in Berlin gegründet worden war.

Die mittlere Romantik wird charakterisiert durch die Hinwendung zu volkstümlichen Stoffen und Überlieferungen sowie durch die Weiterentwicklung populärer Formen wie beispielsweise Märchen, Volksbuch und Lied.[14] Sie erstreckt sich über rund anderthalb Dekaden und ist weit heterogener als die Frühromantik.[15] Besonders Achim von Arnim veröffentlichte in der sogenannten mittleren Romantik seine Hauptwerke: ‚Armut, Reichtum, Schuld und Busse der Gräfin Dolores‘ 1810, ‚Halle und Jerusalem‘ 1811, ‚die Kronenwächter‘ 1817 usw. Auch andere bedeutenden Schriftsteller veröffentlichten in dieser Zeit ihre Hauptwerke; so auch E.T.A. Hoffmann.

Einige Vertreter der Spätromantik wanden sich dem Katholizismus zu und betonten damit die christliche Prägung der Romantik. Als berühmtes Beispiel kann hier Brentano genannt werden, der 1817 zum katholischen Glauben konvertierte und seine weitere literarische Produktion stark davon beeinflussen ließ. In diesem Punkt grenzte sich die Romantik deutlich von der Aufklärung ab, in der das Thema Religion eher kritisch behandelt wurde.[16]

Die Romantik insgesamt ging von Deutschland aus und wurde erst durch die Rezeption literarischer Werke und ästhetischer Ideen zu einem europäischen Phänomen.[17] Insbesondere wurde sie in England, Spanien, Italien, Frankreich, Skandinavien, Russland und Amerika aufgegriffen und weiterentwickelt.

Besonders die Zigeunerthematik erfreute sich in der europäischen Romantik einer großen Beliebtheit. Dies lag einerseits an der Tatsache, dass Fremdes und Fremdheit große Themen der Romantik waren und, dass Zigeuner als Naturrepräsentanten ein Thema par excellence waren.[18] Die Zigeunerdarstellungen waren allerdings oft idealisiert und utopisch.

3) Ludwig Achim von Arnim

Achim von Arnim, der mit vollem Namen Carl Joachim Friedrich Ludwig von Arnim hieß, wurde am 26. Januar 1781 als Mitglied eines alten, märkischen Adelsgeschlechts, in Berlin geboren.[19] Nachdem Arnims Mutter kurz nach seiner Geburt verstorben war, verbrachte Arnim gemeinsam mit seinem älteren Bruder seine Kindheit und Jugend bei seiner Großmutter in Berlin und Zernikow. 1793 traten die beiden Brüder in das Joachimsthalsche Gymnasium ein.[20] Nach dem Besuch des Gymnasiums, welches er 1798 verließ, studierte Achim in Halle Rechts- und Naturwissenschaften. Obwohl er eigentlich als Student der Rechtswissenschaften immatrikuliert war, beschäftigte er sich intensiv mit naturwissenschaftlichen Forschungen. In dem Werk ‚die Analen der Physik‘, das sein Professor für Philosophie und Mathematik, Gilbert im Jahr 1799 veröffentlichte, waren 16 Artikel und Aufsätze von Arnim enthalten.[21] 1799 erschien auch Arnims Werk ‚Versuch einer Theorie der elektrischen Erscheinungen‘. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Raumer gründete Arnim an der Universität zwei Monate nach ihrer Immatrikulation die Gesellschaft ‚Freunde freier Untersuchung‘, die sich zu Beginn alle 14 Tage, später dann einmal in der Woche traf um über selbstverfasste Abhandlungen und verschieden wissenschaftliche Themen zu sprechen.[22]

Während seiner Studienzeit in Halle lernte er bei Reichardt, einem Freund seines Vaters Ludwig Tieck kennen. Diese Bekanntschaft regte Achim von Arnim zu ästhetisch-theoretischen Gedanken an und bildete eine wichtige Grundlage für sein späteres Schaffen als Literat.[23]

Er wechselte am 20. Mai 1800 an die Universität nach Göttingen, wo er unter anderem Goethe und Brentano kennenlernte. In dieser Zeit wand er sich auch von den wissenschaftlichen Studien ab und begann literarische Werke zu schreiben.

1801 beendete Achim gleichzeitig mit seinem Bruder sein Studium und begab sich nach einem Aufenthalt von mehreren Wochen in Zernikow, auf Bildungsreise, die in Dresden begann. Die Reise ging von Dresden nach Freiberg und Prag nach Regensburg weiter. Weiterhin besuchte er noch Göttingen, München und Wien. Nachdem er Österreich verlassen hatte, fuhr Arnim am 1.Juni 1802 nach Frankfurt, um sich dort mit Brentano zu treffen. Bei diesem Treffen lernte er auch seine spätere Frau Bettine, die Schwester Clemens Brentanos kennen.[24] Gemeinsam begaben sich die Freunde auf eine gemeinsame Rheinfahrt, deren Eindrücke Clemens und Bettine Brentano später in ihrem Werk ‚Frühlingskranz‘ schildern.[25] Weiterhin führte die Reise nach Düsseldorf, Koblenz, Stuttgart, Schaffhausen, Zürich, Ragaz, Chur, Chiavenna, Mailand, Bern und Genf. Während dieser Zeit beschäftigt sich Arnim auch mit politischen Fragen bezüglich Frankreich und Preußen. Er bekundet seine demokratische Gesinnung gegenüber Nichtadeligen und eine Form des Patriotismus, die die Mängel am eigenen Staat kritisiert und zu beheben versucht. Arnims politische Ansichten waren also fortschrittlich.[26] Er veröffentlichte in dieser Zeit auch Artikel mit politischen Themen, wie beispielsweise ‚Die Mängel der preußischen Armee‘.

[...]


[1] Hellmuth 1998, S.24

[2] Nienhaus 2003, S.204

[3] Henckmann 1986, S.51

[4] Riedl 1994, S.73

[5] Puschner 2008, S.1

[6] Vgl. Baumgart 1992, S. 155

[7] Nienhaus 1995, S.12

[8] Nienhaus 2003, S.207

[9] Ebd. S.210

[10] Jeßing/Köhnen 2007, S.48

[11] Schmitz-Emans 2009, S.26

[12] Vietta 2010, S.11

[13] Jeßing/Köhnen 2007, S.51 ff.

[14] Schmitz-Emans 2009, S.78

[15] Kremer/Kleinschmidt 2010, S.26

[16] Vietta 2010, S.19

[17] Schmitz-Emans 2009, S.140

[18] Kugler 2004, S.113f.

[19] Kastinger Riley 1978, S.1

[20] Ebd., S.21

[21] Ebd. S.34

[22] Kastinger Riley 1979, S.19

[23] Kastinger Riley 1978, S.42

[24] Ebd. S.69

[25] Kastinger Riley 1979, S.35

[26] Kastinger Riley 1978, S.84

Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656322993
ISBN (Buch)
9783656324850
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205297
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
achim arnims isabella ägypten antisemitische züge

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