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QR-Codes - Eine Potenzial- und Nutzungsanalyse

Bachelorarbeit 2012 66 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Mobile Business
2.2. Mobile Marketing
2.3. Mobile Tagging
2.3.1. Public Tagging
2.3.2. Private Tagging
2.3.3. Commercial Tagging

3. Der QR-Code
3.1. Grundlagen und Aufbau
3.2. Die Tags
3.2.1. Direkte Tags
3.2.2. Indirekte Tags
3.3. Die Standardisierung der QR-Codes
3.4. Anwendungsgebiete
3.5. Error Correction Level
3.6. Weiterentwicklungen des QR-Codes
3.6.1. Der Mikro QR-Code
3.6.2. Der Design-QR-Code
3.6.3. Der Secure-QR-Code
3.6.4. Der iQR-Code
3.7. QR-Codes im Vergleich zu anderen 2D-Codes
3.7.1. Der Aztec-Code
3.7.2. Die Data-Matrix
3.7.3. Der PDF417-Code

4. Problemfeld QR-Code
4.1. Gefahren und Risiken der QR-Codenutzung
4.2. Einstiegbarrieren in die QR-Codenutzung
4.3. Erfolgsfaktoren einer erfolgreichen QR-Code Kampagne

5. QR-Codes – Nutzungsanalyse
5.1. Der Forschungsfragebogen
5.1.1. Die Forschungsfragen
5.1.2. Vorgehenweise
5.1.3. Aufbau und Methodik
5.2. Forschungsergebnisse, Ableitung von Trends
5.3. Analyse der Grundgesamtheit und Fehlerbetrachtung

6. Ausblick in verwandte Technologien
6.1. Die Zukunft des QR-Codes: 3D- und 4D-Codes
6.2. Augmented Reality
6.3. SnapTags

7. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Vergleich Strichcode vs. QR-Code

Abbildung 2 : Aufbau von QR-Codes

Abbildung 3 : Funktionsweise des direkten und indirekte Mobile Tagging

Abbildung 4 : Payment Smartphone-Applikation mithilfe eines QR-Code

Abbildung 5 : QR-Code-Briefmarken

Abbildung 6 : QR-Code integriert in einen Fahrplan

Abbildung 7 : Shopping via QR-Codes auf Werbeplakaten

Abbildung 8 : Mikro QR-Code

Abbildung 9 : Design-QR-Code (Beispiel 1)

Abbildung 10 : Design-QR-Code (Beispiel 2)

Abbildung 11 : Beispiele für iQR-Codes

Abbildung 12 : Zugticket der Deutschen Bahn AG mit Aztec-Code

Abbildung 13 : Briefkopf mit DataMatrix-Codes

Abbildung 14 : PDF417-Code

Abbildung 15 : Übersicht 2D-Codes

Abbildung 16 : Favorisierter Ort, an welchem QR-Codes eingescannt werden

Abbildung 17 : Bekanntheit und Nutzung von QR-Codes

Abbildung 18 : Verteilung der Handytypen

Abbildung 19 : Altersverteilung der Mobiltelefone der Umfrageteilnehmer

Abbildung 20 : Nutzung des mobilen Internets und den Smartphonebesitzern

Abbildung 21 : Wichtigster Aspekt der Nutzung des mobilen Internets unter dessen Nutzern

Abbildung 22 : Verbreitung von QR-Code-Readern unter den Handybesitzern

Abbildung 23 : Top 10 der bekannten Quellen für QR-Codes

Abbildung 24 : Top 5 der genutzten Quellen für QR-Codes

Abbildung 25 : Hauptaspekt für das Nichtbenutzen von QR-Codes

Abbildung 26 : Favorisierte QR-Code-Version (Ergebnis der Befragten mit Nennung)

Abbildung 27 : Einschätzung des allgemeinen Gefallens der Werbeplakate nach Themengebieten und Größen

Abbildung 28 : Wahrscheinlichkeit des QR-Codes-Scannens nach Themengebieten und Größen

Abbildung 29 : Allgemeine Einschätzung der bisher gescannten QR-Codes (nur Code-Nutzer)

Abbildung 30 : Einschätzung der zukünftigen (wiederholten) Nutzung von QR-Codes (alle Befragten)

Abbildung 31 : Geschlechterverteilung der Umfrage

Abbildung 32 : Altersverteilung der Umfrage

Abbildung 33 : Verteilung der Haupttätigkeiten der Befragten

Abbildung 34 : Vergleich Design-QR-Code mit 3D QR-Code

Abbildung 35 : Teil eines 4D-Code (ursprünglich animiert)

Abbildung 36 : Mobiles Augmented Reality mit Hilfe eines Smartphones

Abbildung 37 : ZDF heute Journal

Abbildung 38 : Aufbau eines SnapTags

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die bedingungslose Erreichbarkeit ist heute nahezu zur gesellschaftlichen Norm avanciert. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) besaßen bereits im September 2011 weit mehr als 60 Millionen Menschen in Deutschland ein Handy. Demnach sind in etwa 87% der Deutschen mit einem Mobiltelefon ausgestattet.[1] Dabei können diese kleinen Wunderwaffen bereits seit Jahren viel mehr als nur das ortsungebundene Telefonieren zu ermöglichen oder Kurzmitteilungen zu übertragen. Durch ständige technische Weiterentwicklungen, verbunden mit der Nutzung mobiler drahtloser Internetverbindungen, haben sich die sogenannten Smartphones zu universellen Lifestyle-Tools verbessert. Die individuell personalisierten Universalwerkzeuge ersetzen bei vielen Menschen schon längst den MP3-Player sowie die Digitalkamera und sind im Alltag ständiger Begleiter. Dies ist auch der Werbewelt nicht unbekannt. Unternehmen in der ganzen Welt machen sich Mobiltelefone schon längst zu Nutze, um Kundenbeziehungen zu knüpfen, zu festigen und Konsumenten zu bestimmten Verhaltensweisen zu bewegen. Eine junge und innovative Art Konsumenten in die aktive Kommunikation mit dem eigenen Unternehmen zu bringen, stellt das Mobile Tagging – das Decodieren von speziellen Markierungen mithilfe von Mobiltelefonen – dar. Mit Hilfe dieser Methode ist es möglich einen Bogen zwischen der realen und virtuellen Werbewelt zu schlagen, um somit individuell für jeden Kunden eine Atmosphäre zu kreieren, mit der er sich, ohne größeren Mehraufwand zu betreiben, identifizieren kann. Zurzeit stellen QR-Codes – zweidimensionale Matrixcodes, die ähnlich wie Strichcodes Daten speichern können – in Deutschland eine populäre Methode dar, das Mobile Tagging umzusetzen.[2] Marketing mittels QR-Codes wird derzeit von immer mehr Unternehmen praktiziert, allerdings ist es von Kundenseite her nötig, durch Scannen der Codes, ebenfalls einen Schritt auf das Unternehmen zu zugehen. Somit bewegt sich diese Form des Marketings auf beiden Kommunikationsebenen des aktiven und passiven Marketings. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und der praktischen Handhabung der QR-Codes. Zunächst erfolgt eine systematische Einordnung der Methodik der QR-Codes in den Gesamtkontext des Marketings. Auf dieser Basis wird der technische und inhaltliche Hintergrund der Codes vorgestellt. Im weiteren Verlauf werden beispielhafte Anwendungsszenarien kreiert, um das Potenzial der Codes hervorzuheben. Danach soll unter Verwendung ausgewählter Beispiele eine genaue Abgrenzung der QR-Codes von artverwandten 2D-Codes erfolgen, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Herausarbeiten der Unterschiede zwischen den Codes liegt. Es folgt ein Überblick über den weiteren Entwicklungstand des QR-Codes mit seinen unterschiedlichen neuen Erscheinungsformen und Abwandlungen. Im Anschluss daran schließt sich eine theoretische Betrachtung der QR-Codenutzung an. Hierbei werden einerseits die Einstiegsbarrieren und Risiken der Codeverwendung erläutert. Andererseits wird ein theoretischer Rahmen skizziert, der den praktischen Einsatz von QR-Codes in Werbekampagnen erfolgversprechend unterstützen soll. Das Kernkapitel dieser Arbeit bildet die Auswertung einer Onlineumfrage über das Nutzungsverhalten von QR-Codes auf Seiten der Endkonsumenten anhand diverser Forschungsfragestellungen. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, in welchem Maße QR-Codes heutzutage überhaupt bereits genutzt werden und welche Faktoren die Nutzung der Codes durch die Konsumenten positiv beeinflussen. Auf Grundlage der Umfrageergebnisse soll eine Antwort darauf gefunden werden, welchen Anteil ein QR-Code an einer Werbebotschaft durch Plakatwerbung im Verhältnis zum Werbetext haben kann, um erfolgreich vom Betrachter abfotografiert bzw. eingescannt zu werden. Gegen Ende der Arbeit soll außerdem ein kritischer Ausblick in weiterführende Technologien gegeben werden, die die Hauptbestimmung der QR-Codes – die Verbindung von Realität mit der Virtualität – ebenfalls inne haben. Aus Gründen der Textökonomie werden in der vorliegenden Arbeit weibliche Formen nicht explizit angeführt. Die weibliche Form ist in dieser Bachelorarbeit der männlichen Form gleichgestellt; lediglich aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wurde die männliche Form gewählt.

2. Begriffsdefinitionen

2.1. Mobile Business

Der Ausdruck Mobile Business (M-Business) bezeichnet in seiner allgemeinen Verwendung den Einsatz von elektronischen Netzwerken sowie mobilen Zugangsgeräten zur Realisierung, Aufrechterhaltung und Förderung unternehmerischer Tätigkeiten in Teilen oder zur Gänze.[3] Hierbei zielt die Definition nicht nur auf die kommerziellen Aspekte unternehmerischer Transaktionen ab, wie den Kauf-/Verkauf von Gütern und Serviceleistungen. Auch geschäftsinternes Alltagsgeschehen, wie beispielsweise das Pflegen von Personaldaten, Geschäftskunden und Partnern, ist dabei inbegriffen. Mobile Business kann als ein Spezialfall des Electronic Business (E-Business) verstanden werden. Das M-Business macht sich die charakteristischen Vorteile der Mobilität zu Eigen, um die Effizienz, Effektivität und den Komfort des unternehmerischen Handelns zu erhöhen. Möglich ist das durch die schnurlosen Endgeräte, die sich der mobilen Zugangstechnologien bedienen, um sowohl räumlich, zeitlich als auch kontextunabhängig vollkommene Bewegungsfreiheit sicherzustellen. Auf diese Weise beschleunigt das M-Business den Zugriff auf Geschäftsinterna, bewirkt Kostenersparnis und Genauigkeit, es kann die Produktivität aufgrund einer hohen Reaktionsgeschwindigkeit sowohl steuern als auch steigern und es gewährt über all diese Dingen höchstmögliche Kontrolle, insbesondere Zugriffskontrolle.[4]

2.2. Mobile Marketing

Das Mobile Marketing umfasst in seiner Gesamtheit alle Marketingmaßnahmen, die das Ziel verfolgen unter Ausnutzung drahtloser Kommunikation und mobiler Endgeräte Konsumenten direkt zu erreichen und somit zu beeinflussen. Dabei sind neben der reinen Durchführung der Marketingmaßnahme auch die Planungsphase und die anschließende Kontrolle der Marketingaktivitäten inbegriffen. Hauptkriterium für die Abgrenzung des Mobile Marketing ist die örtliche Ungebundenheit, sowie die uneingeschränkte Erreichbarkeit des Mediums zu nennen. Im Mittelpunkt des Mobile Marketing stehen, ebenso wie bei konventionellen Marketingpraktiken, die nachhaltige Bedürfnisbefriedigung von Konsumenten und die Bindung der Kunden an das Unternehmen, sowie die Gewinnung neuer Kunden.[5] Anders als bei konventionellen Marketingmaßnahmen ist es jedoch beim Mobile Marketing möglich dem Kunden einen Dialog mit dem Unternehmen zu offerieren, indem beispielsweise Interaktionen oder lokale Zusatzdienste bereitgestellt werden, die zu einer Individualisierung des Marketings führen können. Die lokalen Angebote setzen dabei auf den Aspekten der Lokalisierbarkeit der Endverbraucher auf.[6]

2.3. Mobile Tagging

Unter dem Begriff des Mobile Tagging versteht man den Prozess bei dem mit einem mobilen Endgerät ein Barcode decodiert und weiterverarbeitet wird. Der Begriff leitet sich zum einen aus der Nutzung von Mobiltelefonen für den Scanvorgang, sowie zum anderen aus den Datenträgern, den sogenannten Tags [engl.: tags – Schild, Markierung] mit den darauf befindlichen Codes ab.[7] Mobile Tagging dient in seiner Funktion der Verknüpfung von realen Gegenständen mit mobilen Informations- und Kommunikationsdiensten der virtuellen Welt. Das Haupteinsatzgebiet des Mobile Tagging liegt im schnellen, intuitiven und fehlerlosen Scannen bzw. Abfotografieren mittels Mobiltelefonen. Mit Hilfe der eingescannten Inhalte gelangen die Benutzer zu Webinhalten ohne umständlich lange URL’s mit der Handytastatur eintippen zu müssen.[8] Voraussetzung für das Mobile Tagging stellen die in nahezu jedem modernen Mobiltelefon integrierten Kameras, sowie die Nutzbarkeit von mobilem Internet dar. Da Barcodes bereits seit vielen Jahren unter anderem in der Logistik zum Einsatz kommen und auch Mobiltelefone bereits seit einigen Jahren mit Digitalkameras ausgestattet sind, kann das Mobile Tagging als eine Folgeinnovation betrachtet werden, durch die mit den genannten Komponenten neue Anwendungsfelder erschlossen werden. Mobile Tagging schlägt eine Brücke zwischen realer und virtueller Welt indem es dem Nutzer einen schnellen, exakten und selbstbestimmten Informationsabruf gestattet. Daraus ergibt sich eine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten. Sinnverwandte Begriffe, die mit dieser Definition in Verbindung gebracht werden können, sind Mobile Code Reading und Mobile Code Scanning.[9] Nachfolgend werden die drei Dimensionen des Mobile Tagging näher beschrieben.

2.3.1. Public Tagging

Die Verbreitung von nichtkommerziellen Mobile-Tagging-Anwendungen des Öffentlichen Interesses, die Informations- und Kommunikationsdienste mit Barcodes verknüpfen, bezeichnet man gemeinhin mit dem Begriff Public Tagging. Ausgehend von Organen der öffentlichen Verwaltung oder von Non-Profit-Organisationen, liegt das Einsatzgebiet der Public Tags vordergründig in weiterführenden Informationen und/oder multimedialen Inhalten für die Tourismusbranche; beispielsweise für Wegbeschreibungen zu oder auf Informationstafeln, Stadt- und Museumsführungen oder optionale Erläuterungen zu historischen Gebäuden oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.[10]

2.3.2. Private Tagging

Im Gegensatz zum Public Tagging ist beim Private Tagging nicht das öffentliche Interesse vordergründig, sondern persönliche nichtkommerzielle Motive. Auch beim Private Tagging werden Verbindungen zu Informations- und Kommunikationsdiensten über Barcodes geknüpft. Allerdings sind diese Verknüpfungen oftmals lediglich der Selbstdarstellung von Privatpersonen dienlich, beispielsweise auf Visitenkarten, weshalb die Tags des Private Tagging nicht selten zu den eigenen Internettagebüchern, Communityprofilen, Twitter-Einträgen oder sonstigen Web 2.0 Diensten führen.[11]

2.3.3. Commercial Tagging

Commercial Tagging bezeichnet den bewusst gewinnorientierten und im Regelfall von Unternehmen veranlassten Gebrauch von Mobile-Tagging-Anwendungen. Die Verknüpfung von Barcodes zu Informations-, Kommunikations- und/oder Transaktionsdiensten sind hierbei von gewerblichem Interesse und reichen über alle Formen des Mobile Business. Meist sind solche Commercial-Tagging-Kampagnen mit speziellen Indirekt-Linking-Verfahren verbunden, was den Unternehmen die Auslesbarkeit von Nutzerdaten erleichtert, um statistische Daten zu erfassen oder auch Sprachenanpassung vornehmen zu lassen.[12]

3. Der QR-Code

3.1. Grundlagen und Aufbau

Der QR-Code gehört zur Untergruppe der Matrixcodes und zeichnet sich durch seine leichte Lesbarkeit aus. Dies spiegelt sich ebenso in seinem Namen wider – Quick Response [engl.: „quick response“ – „schnelle Antwort“]. Die zweidimensionalen Codes wurden im Jahre 1994 in Japan von Denso Wave einer Tochterfirma des Autobauers Toyota, die auf dem Gebiet mobiler Datenerfassung und Identifikationssysteme agiert, entwickelt. Ursprünglich für den Einsatz in der Logistik der Automobilindustrie bestimmt, hat sich der Code rasch auch im japanischen Alltag etabliert, wo ihn heute bis zu über 50 Millionen Menschen täglich zur mobilen Informationsgewinnung nutzen.[13] Die kommerzielle Nutzung der QR-Codes ist kosten- und lizenzfrei, obgleich die Patentrechte nachwievor bei der japanischen Firma Denso liegen, welche aber auf ihre Rechte und damit Lizenzgebühren verzichtet. QR-Codes sind stets quadratisch aufgebaut und bestehen im Grunde aus vielen kleineren schwarzen und weißen Quadraten, auch Module genannt. Beim klassischen QR-Code sind drei der vier Ecken mit speziellen gerahmten Quadraten – den Hauptpositionsmarkierungen – ausgestattet. Diese dienen den mobilen Lesegeräten zur Orientierung. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass ein Code auch auf dem Kopf stehend oder schräg eingelesen werden kann, ohne den Inhalt zu verfälschen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Barcodes sind bei QR-Codes die Informationen nicht nur horizontal, sondern auch vertikal verschlüsselt. Durch diese Zweidimensionalität lässt sich ein Vielfaches mehr an Informationen übertragen als bisher möglich. Ein einziger QR-Code ist somit in der Lage bis zu 7.089 numerische oder 4.296 alphanumerische Zeichen zu codieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vergleich Strichcode vs. QR-Code[14]

Umgerechnet ergibt das eine binäre Datenmenge von bis zu 2.953 Bytes.[15] Die QR-Codes wurden im Jahre 2000 gemäß der ISO/IEC 18004:2000 Norm standardisiert. Demnach gibt es heute 40 verschiedene Versionen von QR-Codes, die sich in ihrer Modulkonfiguration oder in der Anzahl ihrer Module unterscheiden. Version 1 enthält 21x21 Module, wohingegen Version 40 genau 177x177 Module beinhaltet. Pro aufsteigender Version erhält jede Seite des Matrixcodes 4 weitere Module. Im Einzelnen besteht jeder QR-Code aus Function Patterns (Funktionsraster) und der Encoding Region (Verschlüsselungsbereich). Diese setzen sich wiederum aus den sogenannten Hauptpositionsmarkierungen, dem Zeitraster, dem Separator und dem Ausrichtungsmuster zusammen. Die Function Patterns dienen ihrerseits dem besseren Scannen des Codes, wohingegen in der Encoding Region die eigentlichen Informationen gespeichert sind. Desweiteren ist jeder QR-Code in einem mindestens vier Elemente breiten Ruhebereich - der Quiet Zone - eingebettet. Innerhalb dieser Randzone dürfen sich keinerlei störende Markierungen befinden, die das Einlesen der Codes erschweren. Charakteristisch für QR-Codes sind die bereits erwähnten Hauptpositions-markierungen, auch Finder Pattern genannt. Diese befinden sich in jeweils drei der vier Ecken der Matrix und bestehen bei allen QR-Codeversionen aus überlagerten 7x7 dunklen, 5x5 hellen sowie 3x3 dunklen Modulen. Mit Hilfe dieser Finder Pattern ist es den Code-Readern möglich die physikalische Größe, Position und eventuelle Neigungswinkel zu erkennen.[16] Entlang der inneren Seiten der Finder Pattern verläuft ein heller, ein Modul breiter Separator, um die drei Hauptpositionsmarkierungen vom restlichen Datenbereich abzugrenzen. Im Bereich zwischen den drei Hauptpositionsmarkierungen befinden sich horizontal und auch vertikal in einer Reihe, strikt abwechselnd, helle und dunkle Module.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aufbau von QR-Codes[17]

Diese beiden Modulreihen werden als Zeitraster oder auch Timing Pattern bezeichnet. Die Aufgabe der Zeitraster ist es durch ihre Anordnung die zentrale Koordinate zu definieren, zu lokalisieren und zu synchronisieren. Außerdem besitzen QR-Codes, abgesehen von Version 1, zudem sogenannte Ausrichtungsmuster (Alignment Patterns). Diese Muster sind je nach Anzahl in regelmäßigen Abständen, innerhalb der Encoding Region bzw. mit ihrem Mittelpunkt direkt auf dem Zeitraster liegend, angeordnet. Der Aufbau dieser Alignment Patterns ist stets gleich und ähnelt dem der Finder Pattern. Die Ausrichtungsmuster bestehen aus drei sich überlagernden Quadraten mit jeweils 5x5 dunklen und 3x3 hellen Modulen sowie einem dunklen in der Mitte befindlichen Modul. Im Regelfall steigt mit der Version des QR-Codes auch die Anzahl der sich im Code befindlichen Ausrichtungsmuster. Einzig die QR-Codes der Version 1 kommen ohne diese Ausrichtungsmuster aus. Maximal kann ein Code bis zu 46 Stück dieser Alignment Patterns beinhalten. Die Funktion dieser Muster liegt in der Korrektur von eventuell beim Einlesen auftretenden Verzerrungen, aufgrund von uneben mäßigen Oberflächen oder durch Neigen des Lesegerätes. In der Encoding Region sind die Daten verschlüsselt, die Aufschluss über das Datenformat, die Codeversion und die eigentlich hinterlegten Daten geben. Im Datenbereich (Data and Error Correction Codewords) werden die eigentlichen QR-Code-Daten gespeichert, welche mittels der hellen und dunklen Module in die binären Zahlen „1“ und „0“ kodiert sind.[18] Weiterhin ist für den Fall, dass ein Code beispielsweise partiell zerstört, schlecht gedruckt oder verschmutzt sein sollte, eine Fehlerkorrektur-Funktionalität hinterlegt, die mittels Reed-Solomon Kodierungs-verfahren eine Fehlertoleranz von 7 - 30% erlauben. Aufgrund der redundanten Daten-speicherung ist es mit Hilfe dieses Algorithmus möglich, fehlerhafte Codes bis zu einem bestimmten Grad zu entschlüsseln und den Ausgangsdatensatz wiederherzustellen.[19]

3.2. Die Tags

3.2.1. Direkte Tags

Ihrem Namen entsprechend, beinhalten die sogenannten „Direkten Tags“ selber die wesentlichen Informationen. Diese Informationen können Adressen, beispielsweise zu Homepages, Nummern von Telefonkontakten, E-Mails, SMS-Kurznachrichten, Geokoordinaten oder andere Formen von Kontaktadressen oder auch Textnachrichten sein. Durch ihre Eigenschaft der direkten Datenverschlüsselung sind die Codes auch offline einsetzbar und somit unentwegt verfügbar, wodurch auch beim Auslesen keine Kosten entstehen. An den codierten Inhalten können nachträglich jedoch keine Änderungen mehr vorgenommen werden. Direkte Tags können leicht mit kostenlosen Code Generatoren im Internet selber erstellt werden. Für den Datentransfer sind bei dieser Variante lediglich die Tools zum Erstellen und Auslesen benötigt. Allerdings ist es unabdingbar, dass die hierfür erstellten Tags größer sind, da sie die vollständigen Daten enthalten. Dementsprechend größer sollten die Tags auch auf den entsprechenden Publikationsflächen abgedruckt bzw. aufgemalt werden, um das Auslesen zu gewährleisten.[20]

3.2.2. Indirekte Tags

Bei der Methode des indirekten Tagging handelt es sich um dynamische Tags, die, ähnlich wie konventionelle eindimensionale Barcodes, eine Identifikationsnummer beinhalten. Diese wird anhand einer zentralen Datenbank eineindeutig ihrem Inhalt zugeordnet. Hierbei ist jedoch das Wirken eines Dritten, dem Datenbankbetreiber, der die Überwachung und Steuerung des Datentransfers inne hat, nötig.[21] Im Vergleich zu direkten Tags sind indirekte Tags kleiner, da sie verhältnismäßig weniger Informationen speichern müssen. Jedoch sind indirekte Tags lediglich mit Lesegeräten einsetzbar, die diese ausdrücklich unterstützen, denn die QR-Codes beinhalten selbst keine Kennung, wo sich die entsprechende Datenbank befindet. Für indirekte Tags ist somit eine Internetverbindung nötig, selbst wenn hinter den Identifikationsnummer ähnliche Inhalte, wie bei direkten Tags, verschlüsselt sein sollten. Auf diese Weise entstehen für beide Seiten, sowohl für den Sender als auch für den Empfänger der Kommunikationskette, Kostenpotenziale. Der Datenbankbetreiber, der sämtliche Codes verwaltet, hat die Option für die Nutzung der Tags einen Preis festzusetzen. Somit entsteht für die Unternehmen oder Organisationen, die die Codes nutzen möchten, finanzieller Aufwand. Allerdings birgt dieses Vorgehen den Vorteil, dass der Dienstleister, der die Datenbank pflegt, diese auch zukünftig umsorgt und ggf. sogar ausbaut, was die Sicherstellung der Dateninfrastruktur gewährleistet. Auf Seiten der Zielgruppen, die die Tags einlesen soll, besteht das finanzielle Risiko der Datenübertragung via Internet. Außerdem besteht die Möglichkeit der erhöhten Auslesedauer durch den zusätzlichen Abruf der Informationen aus dem Internet.[22] Allerdings ist mit steigender Nutzung von mobilen Internetflatrates für Handys, sowie immer besseren Übertragungsraten, zumindest in diesem Punkt, eine Minimierung der Anwendungshürden gegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Funktionsweise des direkten und indirekte Mobile Tagging[23]

Eine Mischform aus indirekten und direkten Tags bilden die unechten indirekten Tags. Diese Codes verschlüsseln nicht nur eine Identifikationsnummer, sondern ebenso eine vollständige URL, in welcher sich die ID-Nummer als Parameter einbettet. Somit ist sichergestellt, dass jeder Code Reader mit den Codes kompatibel ist, sofern eine Internetverbindung vorhanden ist. Die Tags, die gegenüber den echten indirekten Tags im Allgemeinen entsprechend mehr physischen Platz benötigen, haben weiterhin den Unterschied, dass die Kontrolle über den codierten Inhalt bei dem Server liegt, auf den, anhand der jeweiligen URL, zugegriffen wird.[24]

3.3. Die Standardisierung der QR-Codes

Da die QR-Codes anfangs für die Markierung und Typisierung von Bauteilen der Automobilindustrie und nicht für die Übertragung von Metadaten und die damit verbundene öffentliche Massennutzung konzipiert wurden, sind einheitliche Standardisierungen notwendig. Diese sollen sicherstellen, dass einerseits mit einem entsprechenden Endgerät bzw. Code Reader auch alle erstellten Codes entschlüsselt und verarbeitet können. Andererseits ist es auch umgekehrt mit den Standards möglich QR-Codes zu erstellen, die von allen Lesegeräten erkannt und verarbeitet werden können. In ihrem Ursprungsland Japan wurden QR-Codes erstmals im Jahre 1999 durch die Norm „Japan Industrial Standards“ JIS X 0510 definiert. Die aktuellste Überarbeitung der QR-Normierung erfolgte in 2006 von der „International Organization for Standardization“, deren Sitz sich in Genf befindet, unter dem Standard ISO 18004:2006.[25]

[...]


[1] Siehe BITKOM (Hrsg.): Pressemitteilung - Zahl der Handybesitzer steigt auf 61 Millionen. Senioren holen stark auf, unter: http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM-Presseinfo_Handybesitzer_15_09_2011.pdf, Zugriff: 15.08.2012.

[2] Vgl. Manglik, Taanya: Pressemitteilung – QR Code Usage Among European Smartphone Owners Doubles Over Past Year, unter: comScore (Hrsg.): http://www.comscore.com/Press_Events/Press_Releases/2012/9/QR_Code_Usage_Among_European_Smartphone_Owners_Doubles_Over_Past_Year, Zugriff: 22.09.2012.

[3] Vgl. Wirtz, Bernd W.: Electronic Business, S.45 f.

[4] Vgl. Tiwari, Rajnish; Buse, Stephan: The Mobile Commerce Prospects: A Stragic Analysis of Opportunities in the Banking Sector, S.31.

[5] Vgl. Bauer, Hans H.; Dirks, Thorsten; Bryant, Melchior: Erfolgsfaktoren des Mobile Marketing – Strategien, Konzepte und Instrumente, S.169 f.

[6] Vgl. Varnali, Kaan; Toker, Aysegul; Yilmaz, Cengiz: Mobile Marketing - Fundamentals and Strategy, S.4 f.

[7] Vgl. Hegen, Marvin: Mobile Tagging – Potenziale von QR-Codes im Mobile Business, S.31 f.

[8] Alby, Tom: Das mobile Web, S.57 f.

[9] Vgl. Hegen, Marvin: Mobile Tagging – Potenziale von QR-Codes im Mobile Business, S.31 f.

[10] Vgl. Egger, Roman; Jooss, Mario: mTourism – Mobile Dienste im Tourismus, S. 111 f.

[11] Vgl. Roebuck, Kevin: QR Code. High-impact Strategies – What to Know: Definitions, Adoptions, Impact, Benefits, Maturity, Vendors, S. public tagging 111.

[12] Vgl. Hegen, Marvin: Mobile Tagging – Potenziale von QR-Codes im Mobile Business, S. 66.

[13] Vgl. Krum, Cindy: Mobile Marketing – Erreichen Sie Ihre Zielgruppe (fast) überall, S.305 f.

[14] Siehe: Mobile Real Estate One: What is a QR Code, and how do I use it in marketing?, unter: http://mre1.com/2011/09/08/what-is-a-qr-code-and-how-do-i-use-it-in-marketing/, Zugriff: 01.09.2012.

[15] Vgl. Koch, Katrin: Per QR-Code schnell informiert; In: Digipress GmbH (Hrsg.): Publisher, Nr. 2, S. 68 f.

[16] Vgl. Lenk, Bernhard: 2D-Codes. Handbuch der automatischen Identifikation – 2D-Codes, Matrixcodes, Stapelcodes, Composite Codes, Dotcodes, Bd. 2, S.448 ff.

[17] Siehe ISO/IEC 18004:2006 (2006) QR Code 2005 Bar Code Symbology Specification. International Organization for Standardization.

[18] Vgl. Uitz, Iris; Harnisch, Michael: Der QR-Code – aktuelle Entwicklungen und Anwendungsbereiche, In: Springer Verlag (Hrsg.): Der QR-Code, S. 2 f.

[19] Vgl. Hegen, Marvin: Mobile Tagging – Potenziale von QR-Codes im Mobile Business, S. 38.

[20] Vgl. Stadler, Niklaus: Mobile Tagging im Marketing – Ein Überblickswerk mit Schwerpunkten Nearfield Communication (NFC) und QR-Code, S. 25.

[21] Siehe auch: Fehling, Christian Dominic: Mobile Tagging. Ein QR-Code Leitfaden, S. 2.

[22] Vgl. Stadler, Niklaus: Mobile Tagging im Marketing – Ein Überblickswerk mit Schwerpunkten Nearfield Communication (NFC) und QR-Code, S. 25 f.

[23] Riber, Dominik: Erfolgspotential des Mobile Tagging im M-Commerce – Dargestellt im Kontext des Relationship Marketing, S. 26.

[24] Vgl. Stadler, Niklaus: Mobile Tagging im Marketing – Ein Überblickswerk mit Schwerpunkten Nearfield Communication (NFC) und QR-Code, S. 26 f.

[25] Ebenda, S. 23 ff.

Details

Seiten
66
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656474210
ISBN (Buch)
9783656474432
Dateigröße
3.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205415
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Lehrstuhl für BWL, insb. Marketing
Note
2,0
Schlagworte
qr-codes eine potenzial- nutzungsanalyse

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Titel: QR-Codes - Eine Potenzial- und Nutzungsanalyse