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Takaful - Chancen und Herausforderungen der schariakonformen Versicherungslösung am Beispiel der Märkte Malaysia und Deutschland

von Sascha Grefe (Autor) Dr. Dr. (UCN) Ahmed Abdelmoumene (Autor)

Projektarbeit 2012 33 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Scharia
2.2 Grundprinzipien des Islams
2.2.1 Halal und Haram
2.2.2 Riba
2.2.3 Gharar
2.2.4 Maysir
2.3 Versicherung
2.4 Takaful – Schariakonforme Versicherung

3. Marktanalysen ausgewählter Märkte
3.1 Malaysia
3.2 Deutschland
3.3 Zwischenergebnis

4. Ausblick
4.1 Chancen von Takaful
4.2 Herausforderungen von Takaful

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Entwicklung des Muslimanteils in Deutschland

Abbildung 2: Religionsanteile der malaiischen Bevölkerung

Abbildung 3: Anzahl Muslime in Deutschland nach Herkunftsregion (in tausend)

Abbildung 4: Anteil der Muslime an der Weltbevölkerung von 1990 bis 2030

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die zunehmende Globalisierung und die damit verbundene Verflechtung nahezu aller Wirtschaftsbereiche bringen neben vielen Risiken und Interdependenzen auch neue unternehmerische Betätigungsfelder mit sich. Beispielsweise ergeben sich aus dem bereits seit Jahrhunderten bestehenden und wechselseitigen Austausch westlicher und nahöstlicher Wissens- und Erfahrungswerte, insbesondere in kultureller und religiöser Hinsicht, neue Synergien, die aktuell mehr denn je, ihren Niederschlag in der Finanzbranche finden.

Aus diesen Synergien heraus wurde im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine Vielzahl unterschiedlicher Finanzprodukte entwickelt, die eine Kombination aus westlichem Know-how und kulturellen sowie religiösen Gebräuchen des Ostens darstellen. Neben vielen Produkten aus der Finanzbranche wie zum Beispiel Bankprodukten oder Investmentfonds, spricht man im Versicherungsbereich von Takaful[1], der so genannten schariakonformen Versicherung.

Der Versicherungsgedanke ist im Islam grundsätzlich akzeptiert, jedoch sind bisher Versicherungen unter den Muslimen nicht sehr weit verbreitet. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass sich große Familien und Freunde mit islamischen Glauben in kritischen Situationen untereinander gegenseitig unterstützen. Wird zum Beispiel durch ein Erdbeben in der Türkei ein Haus zerstört, helfen sich Freunde und Verwandte sowohl finanziell als auch beim Aufbau des Hauses gegenseitig aus. Zum anderen müssen, bedingt durch den Islam, spezielle religiöse Anforderungen berücksichtigt werden. Die Anforderungen sind in einem islamischen Gesetz, der sogenannten Scharia, festgehalten. Die Scharia basiert auf dem Koran, welches die heilige Schrift im Islam ist. Da der Glaube an Allah, dem Gott im Islam, die strikte Einhaltung der Scharia bedingt, sind konventionelle Versicherungslösungen für Muslime keine Option.[2]

Die ersten Takaful-Versicherungsunternehmen wurden 1979 im Sudan und in Saudi Arabien gegründet.[3] Das Konzept schien ebenso simpel wie vielversprechend: Ein Produkt, welches auf der einen Seite schariakonform ist, das heißt den islamischen Grundprinzipien entspricht und auf der anderen Seite eine gegenseitige Absicherung ermöglicht. Die Zielgruppe war klar definiert und mittlerweile bekommt man eine ähnlich mannigfaltige Versicherungslandschaft geboten, wie im konventionellen Versicherungsbereich.

Ein weiterer Treiber von schariakonformen Versicherungen ist die stetig wachsende Population der Muslime insgesamt, sowie die aufstrebende Entwicklung von wirtschaftlich schwachen Regionen, die stark islamisch geprägt sind, wodurch infrastrukturell bedingt auch das Bildungsniveau und damit auch das Bewusstsein für Absicherungen jeglicher Art gestiegen ist. Die Konsequenz ist eine höhere Kaufkraft in vielen von Muslimen dominierten Märkten, die in Kombination mit dem gestiegenen Bewusstsein für zum Beispiel die Absicherung von Sach- und Personenrisiken zu einem lukrativen Geschäftsmodell für viele Versicherer geworden ist.

In Malaysia ist 1984 das sogenannte Takaful-Gesetz in Kraft getreten. Die erste Gesellschaft, die Takaful dort vertreibt, ist 1985 gegründet worden. Seit diesem Zeitpunkt wurden enorme Prämienzuwächse verzeichnet, sodass sich Malaysia als einer der etabliertesten Takaful-Märkte erwiesen hat. Mittlerweile tragen die Prämieneinnahmen aus dem Takaful-Geschäft einen erheblichen Beitrag zu den Gesamteinnahmen aus malaysischen Finanzgeschäften bei. Im Jahre 2008 wurde eine Marktpenetration von 7,5 Prozent erreicht, was einem Vermögen von ca. 240,2 Mio. USD und einem Wachstum von durchschnittlich über zwanzig Prozent in dem Zeitraum von 2004 – 2008 entspricht.

In Deutschland spielt Takaful bisher eine eher untergeordnete Rolle, obwohl derzeit etwa 4 Millionen Muslime in Deutschland leben, was einem Anteil von ca. fünf Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht.[4] Deutschland ist damit eines der zehn Länder mit der absolut höchsten Anzahl an Muslimen weltweit und liegt damit sogar vor dem Libanon (zwischen zwei und drei Mio.).[5] Infolge der Globalisierung entwickelt sich Deutschland zunehmend zu einer multikulturellen und –religiösen Gesellschaft. Ein Fortsetzen des Trends, dass die Anzahl der Muslime in Deutschland in den vergangenen Jahren stark ansteigt, ist realistisch und bietet viel Potenzial für schariakonforme Versicherungslösungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Entwicklung des Muslimanteils in Deutschland[6]

Insgesamt prognostizieren einige Marktexperten ein starkes Wachstum in der Nachfrage nach schariakonformen Versicherungslösungen.[7] Neben den traditionellen islamischen Märkten, wie zum Beispiel Malaysia, Saudi Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emiraten, spielen zusätzlich auch noch weitere Märkte mit hoher muslimischer Population, wie zum Beispiel bereits erwähnt Deutschland, eine entscheidende Rolle und stellen somit eine lukrative Geschäftsnische für Versicherungsunternehmen dar.[8]

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

In der Projektarbeit sollen Chancen und Herausforderungen für die schariakonforme Versicherungslösung am Beispiel von Malaysia und Deutschland verifiziert und analysiert werden.

Im theoretischen Grundlagenteil werden zunächst die Scharia, sowie die Grundprinzipien des Islams Halal und Haram, Riba, Gharar und Maysir beschrieben. Darüber hinaus wird der Versicherungsbegriff definiert und ein grobes und allgemeines Verständnis geschaffen, was in der Wissenschaft unter dem Begriff Versicherung zu verstehen ist. Abschließend wird in den theoretischen Grundlagen das aus den vorhergehenden Prinzipien entstandene Konzept Takaful – die schariakonforme Versicherung – erläutert.

Im Kapitel 3 werden ausgewählte Takaful-Märkte vorgestellt und untersucht. Dabei werden einerseits Malaysia, als Pionier und weltweit erfolgreichster Markt von Takaful, und andererseits Deutschland mit seiner, absolut gesehen, hohen muslimischen Population und dem entsprechend hohen Potenzial für schariakonforme Versicherungslösungen gegenüber- und somit auch in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtung gestellt.

Daraus resultierend sollen im Kapitel 4 generelle Chancen und Herausforderungen für den Takaful-Versicherungsmarkt herausgearbeitet werden, sodass letztendlich im Kapitel 5 ein Fazit gezogen werden kann.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Scharia

Die Scharia ist ein Gesetz für Muslime, welches sich im Wesentlichen aus dem Koran und der Sunna ableitet.

Der Koran ist die sogenannte „Heilige Schrift“ des Islams bzw. das „Buch Gottes“ und im Glauben der Muslime eine wörtliche Offenbarung Allahs an den Propheten Muhammad. Diese wurde der Geschichte nach durch den Engel Gabriel von Allah an Muhammad übermittelt. Der Koran ist im Original in klarer arabischer Sprache verfasst und besteht aus 114 Suren mit insgesamt 6000 Versen. Der Begriff Scharia wird im Koran lediglich an einer Stelle erwähnt[9], als ein Pfad in der Wüste der zu einer Wasserquelle führt, woraus sich für Muslime der göttliche Ursprung der Scharia herleitet.

Die Sunna, die neben dem Koran die zweite Quelle des islamischen Rechts darstellt, umfasst Sitten, Bräuche, sowie Werte und Normen vom Propheten Muhammad. Sie wurde deduktiv, das heißt aus hunderttausenden von Einzelüberlieferungen[10], von den Sunniten zu formalen Kriterien erarbeitet, um uneingeschränkt als Rechtsquelle verwendungsfähig zu sein.[11]

Neben dem Koran, der Sunna und in geringem Maße auch Analogieschlüssen[12], findet in der islamischen Rechtsgebung eine weitere wichtige Quelle Anwendung. Da insbesondere der Koran und die Sunna eher statisch sind, bedient man sich Übereinstimmungen von weisen, islamischen Gelehrten zu jeweils aktuellen Problemstellungen. Aufgrund dessen können auch aktuelle Sachverhalte beurteilt und bewertet werden. Die Rechtfertigung der Verwendung von Gelehrtenübereinstimmungen als islamische Rechtsquelle befindet sich in der Sunna, in der geschrieben steht, dass Muhammad den folgenden Satz gesagt haben soll: „Meine Gemeinde wird niemals im Irrtum übereinstimmen.“ Der Koran ist dennoch die wichtigste Rechtsquelle im Islam und hebt im Zweifel die Aussagen aller anderen Rechtsquellen auf.[13]

[...]


[1] Takaful bedeutet „wechselseitige Garantie“ und steht für die gegenseitige Absicherung („guaranteeing each other“).

[2] Die Grundprinzipien des Islams werden in Kapitel 2 näher erläutert.

[3] Vgl. Jaffer, Sohail (2007), S.64.

[4] Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2009), S. 84.

[5] Vgl. PewResearchCenter - Forum on Religion & Public Life (2009), S.21

[6] Vgl. PewResearchCenter - Forum on Religion & Public Life (2011), S. 161.

[7] Vgl. Andelfinger, Volker P. (2011), S. 69.

[8] Vgl. Andelfinger, Volker P. (2011), S. 69.

[9] Scharia wird im Koran genau einmal in Sure 45, Vers 18 erwähnt.

[10] Einzelüberlieferungen sind die sogenannten Hadith.

[11] Vgl. Nagel, Tilman (2002), S. 324.

[12] In diesem Kontext versteht man unter dem Analogieschluss eine freie Interpretation bzw. eine Schlussfolgerung von Sachverhalten, die nicht im Koran oder in der Sunna geregelt sind.

[13] Vgl. Nagel, Tilman (2002), S. 324-325.

Details

Seiten
33
Jahr
2012
ISBN (Buch)
9783656331148
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205781
Note
1,3
Schlagworte
takaful chancen herausforderungen versicherungslösung beispiel märkte malaysia deutschland

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Titel: Takaful - Chancen und Herausforderungen der schariakonformen Versicherungslösung am Beispiel der Märkte Malaysia und Deutschland