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Die Evolution der menschlichen Sprache

Facharbeit (Schule) 2012 20 Seiten

Biologie - Evolution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten

3. Charles Darwin – Entstehung der Sprache aus dem Gesang

4. Morphologische Grundlagen zur Erlangung der Sprachfähigkeit
4.1 Die Gesichtsmuskulatur
4.2 Die Mundhöhle
4.3 Der Kehlkopf

5. Die anatomische Entwicklung des menschlichen Gehirns

6. Die kognitiven Grundlagen der Sprachentstehung

7. Das Alter der menschlichen Sprache

8. Fazit und Ausblick

Anhang
Literaturverzeichnis
Webverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Tabellen

Anlagen

Vorwort

Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache“ (Wilhelm von Humboldt, 1820)

Schon seit Jahrhunderten beschäftigt sich die Menschheit mit der Frage nach dem Ursprung der eigenen Sprache. Die ersten schriftlichen Zeugnisse entstammen den Aufzeichnungen der Philosophen des antiken Griechenlands, die Frage könnte jedoch so alt sein wie die menschliche Sprache selbst. Ungeachtet der Anzahl der Menschen, die sich mit der Problematik beschäftigt haben, so gelangten doch alle zu ein und derselben Grundthese: Der Mensch ist das einzige Lebewesen, dass solch eine komplexe Sprache, wie wir sie heute sprechen und schreiben, besitzt und zu verwenden in der Lage ist. Aristoteles schrieb schon im Jahre 350 v.Chr. in seiner Schrift „Politik“: „Sprache aber hat der Mensch allein von allen Lebewesen“. Und ebendiese Annahme ist auch der Grund, warum wir, die Menschen, uns so vielfältig und detailliert mit der Sprachursprungsfrage beschäftigt haben und vermutlich auch weiterhin beschäftigen werden.

Während die Sprachursprungsforschung seit ihrem Beginn eher in der Philosophie und natürlich in der Linguistik betrieben wurde, wurde die Biologie meist außen vor gelassen – erst in den letzten Jahrzehnten stieg die Anteilname von Angehörigen dieser Disziplin. Die folgende Arbeit soll ein Licht auf einige dieser biologischen bzw. biolinguistischen Forschungen werfen.

1. Einleitung

Geht man davon aus, dass die abstrakte und artikulierte Sprache den maßgeblichen Unterschied zwischen der menschlichen Art und anderen Säugetieren bzw. vor allem den Menschenaffen darstellt, so stellen sich einige Fragen: Wie kam es zur Entstehung dieser Sprache und wann entstand sie? Was befähigt den Menschen zur Sprache? Was gab den Anstoß, den ersten Impuls zur Ausbildung der menschlichen Sprache – bzw.: Gab es überhaupt einen solchen, expliziten „Impuls“?

Momentan in der Diskussion steht das FOXP2-Gen, auch als „Sprachgen“ bezeichnet, dass für die Sprachfähigkeit des Menschen verantwortlich sein soll. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass für die komplexen anatomischen und kognitiven Voraussetzungen, die für die Sprache nötig sind, nur ein oder wenige Gene von Belang sind – eine genetische Erklärung der Sprache scheint eher schwierig. Die genetische Sprachforschung mit einzubeziehen würde außerdem den Rahmen dieser Arbeit sprengen, also wird diese außen vor gelassen.

Im Folgenden werde ich versuchen, die weiter oben genannten Fragen hinreichend zu beantworten, soweit dies denn im Rahmen meiner Arbeit möglich sein wird. Ich werde Charles Darwins Theorie zur Entstehung der Sprache darlegen, die morphologischen Besonderheiten, die den Menschen zur Sprache befähigen, darstellen, die kognitiven Grundlagen der Sprachentstehung aufzeigen und das Alter der menschlichen Sprache definieren.

2. Begrifflichkeiten

Im Voraus möchte ich an dieser Stelle kurz einige Begrifflichkeiten erläutern, die sonst zu Missverständnissen führen könnten: In dieser Arbeit wird der Begriff „Sprachfähigkeit“ als die rein morphologische Fähigkeit eines Lebewesens, eine Lautsprache zu verwenden und zu verstehen, definiert. Ob es von der kognitiven Leistung her in der Lage ist, Umwelteinflüsse, Emotionen, oder ähnliches in eine Sprache zu fassen, spielt hierbei keine Rolle. Der Begriff der „Sprache“ steht für einen Interaktionsprozess mit einer Laut- und/oder Zeichensprache, wobei ein Bewusstsein vorausgesetzt wird. Der Mensch ist momentan das einzige Lebewesen mit einer Sprache.

3. Charles Darwin – Entstehung der Sprache aus dem Gesang

Charles Darwin revolutionierte 1859 mit seinem Hauptwerk, „On the Origin of Species“, die Welt der Biologie. Heute gilt er als der Begründer der modernen Evolutionstheorie. Im Jahre 1871 widmete er sich dann in „The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex“ auch verhältnismäßig kurz dem Ursprung der menschlichen Sprache.

Da Darwin die Evolutionstheorie praktisch „erfunden“ hat, scheint es angebracht, seine Theorie in diesem Kontext kurz zu erläutern:

Darwin definiert die Sprachfähigkeit als die „Fähigkeit, bestimmte Klänge mit bestimmten Ideen zu verbinden“[1]. Hinter dem Begriff „Sprache“ dagegen sieht er nur die Fähigkeit eines Lebewesens, Gedanken und Emotionen an Angehörige derselben Art weiterzugeben bzw. Signale von diesen empfangen und deuten zu können.[2] Er begründet den Ursprung der artikulierten Sprache als ein evolutives Merkmal, dass durch den Mechanismus der geschlechtlichen Zuchtwahl herausgebildet wurde: Die Sprache als solches hätte zwar ihren Ursprung in der Nachahmung verschiedener Laute, zum Beispiel den „Stimmen“ von Tieren und den instinktiven Ausrufen des Menschen. Die Fähigkeit, artikulierte Laute hervorzubringen, soll aber am Anfang zum „Singen“ zum Zwecke der Werbung um Angehörige des anderen Geschlechts benutzt worden sein. Darwin bezieht sich hier auf einen, nicht weiter erwähnten, „gibbonartigen Affen“[3], der Gesang im Balzverhalten nutzt.

Die Entwicklung des Gehirns und die Fähigkeit zur Sprache stehen nach Darwin in einer Art Wechselbeziehung: Durch die dauerhafte Benutzung einer komplexen Sprache werden die Stimmorgane weiter gekräftigt. Wenn die Fähigkeit zur Sprache immer weiter vervollkommnet wird, so steigt auch die kognitive Leistung des Sprechenden. Ohne Sprache könne kein „langer und complexer Gedankenzug“[4] gedacht werden. Den eigentlichen Unterschied zwischen Mensch und nichtmenschlichem Primaten sieht Darwin also nicht in der fehlenden Sprachfähigkeit des Letzteren, sondern in der unzureichenden kognitiven Leistung Desselben.

4. Morphologische Grundlagen zur Erlangung der Sprachfähigkeit

In diesem Kapitel werde ich kurz die anatomischen Merkmale, die den Menschen zur Sprache befähigen, darstellen und mit denen bestimmter Affenarten vergleichen, bzw. die morphologischen Besonderheiten, die beim Menschen im Vergleich zum Affen erkennbar sind, herausstellen. Hierbei beziehe ich mich überwiegend auf die Erkenntnisse von Eric H. Lenneberg von 1967, die nach wie vor dem aktuellen Forschungsstand entsprechen. Eine exakte Beschreibung der mechanischen Vorgänge, die bei der Phonation (Stimmbildung) vonstattengehen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Der Fokus liegt auf den Besonderheiten, die die Sprachfähigkeit des rezenten Menschen bewirken. Von vornherein muss an dieser Stelle klargestellt werden, dass die biologischen Eigenarten des Menschen nichts mit dem Ursprung der menschlichen Sprache als solchen zu schaffen haben – sie dienten nur als Basis, auf der sich eine Sprache entwickeln konnte, wobei diese Basis natürlich ebenfalls einer evolutiven Entwicklung unterliegt.

4.1 Die Gesichtsmuskulatur

Grundlegende anatomische Voraussetzung, um eine Lautsprache zu nutzen und vor allem bestimmte artikulierte Laute hervorzubringen, ist eine ausreichend ausgeprägte Gesichtsmuskulatur. Vergleicht man die Gesichtsmuskulatur von nichtmenschlichen Primaten mit der anderer Säugetiere, so ist schon ein starker Komplexitätsunterschied zu erkennen. Die Muskulatur des Menschen ist aber noch deutlich detaillierter entwickelt und ermöglicht deshalb eine differenzierte Mimik und die Bildung von gewissen Sprachlauten.

[...]


[1] vgl. Darwin, Charles: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl. Stuttgart 1871. S.46

[2] vgl. Darwin 1871. S.45

[3] vgl. Darwin 1871. S.47

[4] vgl. Darwin ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656327295
ISBN (Buch)
9783656327738
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205820
Note
1,0
Schlagworte
Sprache Sprachtheorie Sprachursprung Linguistik Biolinguistik

Autor

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