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Der Stricker "Der nackte Ritter" - Eine Untersuchung der Beziehung zwischen Hausherr und Gast im Mittelalter

Seminararbeit 2004 16 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Beziehung zwischen Hausherr und

Gast im Mittelalter

„Der nackte Ritter“

Das Fehlverhalten des Hausherrn

Die Mode im Mittelalter

Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Bevor ich mit meiner eigentlichen Arbeit beginne, möchte ich mit einem kurzen Überblick über meine Vorgehensweise die Seminararbeit einleiten.
Das zentrale Thema in dem Mär von Strickers „Der nackte Ritter“[1] ist die Beziehung zwischen Hausherr und Gast.

Daher war es mir wichtig, mehr über Gastfreundschaft und Fremdenrecht im Mittelalter zu erfahren und somit beginne ich mit einer Einführung über die Beziehung zwischen Hausherr und Gast. Ich werde mich in diesem Teil der Arbeit auf das „Lexikon des Mittelalters“[2] und das „Handwörterbuch der deutschen Rechtsgeschichte“[3] beziehen.

Anschließend werde ich mich mit dem Mär selbst auseinander setzten. Ich werde stark den Wortlaut des Textes in meine Erläuterungen miteinbeziehen und mich auf eine eigene Übersetzung stützen, da es in den zwei mir vorliegenden Übersetzungen immer wieder zu verschiedenen Auslegungen des mittelhochdeutschen Textes kam und mir eine eigene Interpretation am sinnvollsten erschien. So werde ich einen genauen Überblick über die Mär verschaffen, bevor ich noch mal intensiver auf das zentrale Thema und das Fehlverhalten des Hausherrn gegenüber seinem Gast eingehe. Im Vordergrund steht hier die didaktische Absicht der Mär, die schließlich im Epimythion ihre Erwähnung findet.

Zum Schluss möchte ich noch einen kurzen Einblick auf die Mode im Mittelalter werfen, da neben der Beziehung zwischen Hausherr und Gast auch die Kleidung einen wichtigen Aspekt in der Mär bildet. Hier beziehe ich mich auf das „Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung“ von Harry Kühnel[4] zum Thema Nacktheit und auf „Die Geschichte des Kostüms“ von Erika Thiel[5] zum Thema Kleidung. In diesem letzten Teil steht die Mode des Ritters zur Zeit der höfischen Kultur im Mittelpunkt der Ausarbeitung.

Die Beziehung zwischen Hausherr und Gast im Mittelalter

Unter dem Begriff Gast verstand man im Mittelalter Fremde, die nicht zur Gemeinschaft der Zunft, Bürger und Genossen gehörten. Die Gäste hatten in der Regel wenige Rechte. Zu den wichtigsten Kriterien, nach denen man den Gästen Recht zusprach, gehörten Herkunft, Wohnsitz, Grundeigentum, Beruf, Gerichtsstand, Religion, Lehens- und Dienstpflicht. Im Fremdenrecht unterschied man verschiedene Gruppen, die man mit Hilfe dieser Kriterien bestimmte:

Es gab die Fremden, die zu den Außenseitern der Gesellschaft zählten, Gaukler, Lohnkämpfer, fahrende und landschädliche Leute, die in den sogenannten Elendsbruderschaften organisiert waren. Sie hatten kaum Rechte vor Gericht und man behandelte sie schlecht.

Eine weitere Gruppe wurde von Handwerkern, Tagelöhnern, Mägden und Knechten gebildet und zählte zur Dorfarmut. Im Gegensatz zu den Außenseitern der Gesellschaft waren die Tätigkeiten der Dorfarmut aber für die Adeligen von Bedeutung. Auf Mägde und Knechte sowie Tagelöhner und Handwerker konnte nicht verzichtet werden und so kamen dieser Gruppe im Fremdenrecht einige Rechte zugute.

Zu den umworbenen und begünstigten Fremden gehörten Menschen wie Kaufleute, Gelehrte und Staatsmänner, die sehr beliebt bei den Haus- und Gastherren waren. Sie brachten Wissen, Reichtum und Ansehen in die Städte und Gasthäuser. Sie wurden der eigenen Bevölkerung gleichgestellt und erhielten politische und wirtschaftliche Vorteile.

Wurde der Gast aufgenommen, begann in der Regel die direkte Kontakt-aufnahme. Man kam mit dem Gast in ein Gespräch, um mehr von ihm zu erfahren und um eventuelles Misstrauen gegenüber dem Fremden abzubauen.

Gäste mussten sich in der fremden Umgebung erst Vertrauen aufbauen.

Es gab zahlreiche Regeln, an die sich Reisende auf ihrem Weg durch fremdes Land halten mussten. Die ältesten Bestimmungen dieser Art gehen auf das Jahr 654 n. Chr. zurück.

Der Fremde hatte im Kreise der Einheimischen somit eine Sonderstellung. Im Allgemeinen war es dem Gast gestattet, sich drei Tage in der Unterkunft aufzuhalten. Wurde diese Zeit überschritten, drohte nicht selten eine Strafe.

Besonders gastfreundlich war man gegenüber den wandernden Handwerkern. Die Zünfte unterstützen mancherorts die langen Reisen der Handwerker, indem sie mit kostenlosen Essen und Trinken und einem Nachtquartier unterstützt wurden.

Ein weiterer Aspekt der Gastfreundschaft, der schließlich auch die Beziehung zwischen Gast und Hausherren ausmacht, ist der christliche Glaube und das damit verbundene Gebot der Nächstenliebe. Besonders im Mittelalter spielte der Volksglauben eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Man glaube an göttliche Personen, die auf Erden die Gastfreundschaftlichkeit und Freigiebigkeit der Menschen überprüfen.

So wurde der Fremde aufgefordert, Platz zunehmen und die Gastfreundschaft der Menschen anzunehmen. War man den Fremden gegenüber nicht gastfreundschaftlich gesinnt, bedeutete das den Untergang des Hausherren.

„Der nackte Ritter“

In dem nun folgenden Teil meiner Arbeit möchte ich genauer auf der Mär „Der nackte Ritter“ und auf dessen Struktur eingehen.

Diese Mär handelt von der Beziehung zwischen Hausherr und Gast und dient somit als moralisch-exemplarisches Mär für soziale Beziehungen.

Die Mär „Der nackte Ritter“ ist in der Vortragsform geschrieben.

In den ersten vier Versen wird die Handlung der Mär kurz und prägnant in einem Satz beschrieben. Es geht um einen Ritter, der auf seiner Reise bei einem Burgherrn Rast macht und von ihm freundlich empfangen wird. Im vierten Vers bringt sich der Erzähler selber ein (ich sage iu, wie daz ergienc:, 4).

In der Versen 6 bis 15 werden die beiden Hauptdarsteller, Hausherr und Gast, vorgestellt und es finden Vorbereitungen statt, um dem Gast einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Zunächst aber wird der Hausherr, der wirt, vorgestellt. Er hat erfahren, dass sein Gast, ein Ritter, ein sehr angesehener Mann mit gutem Ruf ist (grôzer wirde, 6) und obwohl er ihn nicht persönlich kennt, nimmt er ihn freundlich auf (des bôt er imz deste baz, 7) und ist fortan um sein Wohlergehen besorgt. Der Ritter ist auf seiner langen Reise wahrscheinlich in ein Unwetter geraten, seine Kleider sind durchnässt und er friert (der gast was kalt unde naz, 8). Daher ist er froh eine Unterkunft mit einem Hausherren gefunden zu haben, der ihn so zuvorkommend versorgt (dâ von was er des wirtes vrô./ ouch was der wirt des gastes sô, 9f.). Dass der Hausherr seine Aufgabe als Hausherr sehr ernst nimmt und sehr daran bemüht ist, seinem angesehenen Gast einen angenehmen Aufenthalt zu gewährleisten, zeigt sich auch in dem nächsten drei Versen (11-13). Er fordert seine Ehefrau und seine Töchter auf den Gast mit einem Kuss zu empfangen (daz liez er in wol schouwen: sîne tohter und sîne vrouwen / hiez er in küssen zehant, 11f.). Für den heutigen Leser erscheint dieses Handeln mit Sicherheit ein wenig übertrieben und schwer nachvollziehbar, aber für den Hausherrn steht hier der Gast an erster Stelle und er lässt nichts unversucht, um ihn einen schönen Aufenthalt zu gestalten.

[...]


[1] Der Stricker. Erzählungen, Fabeln, Reden. Hg. V. Otfried Ehrismann. Stuttgart 1992 (=RUB Nr. 8797) S.114-121.

[2] Lexikon des Mittelalters. Erzkanzler bis Hiddensee. München [u.a.]: Artemis-Verlag 1980

[3] Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. Hg. Von Adalbert Erler. Berlin: Schmidt 1964

[4] Kühnel, Harry: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter. Stuttgart: Kröner 1992

[5] Thiel, Erika : Geschichte des Kostüms. 5., stark erw. u. neu gestaltete Auflage. Wilhelmshaven [u.a.]: Heinrichshofen 1980

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656357889
ISBN (Buch)
9783656358596
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205849
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
stricker ritter eine untersuchung beziehung hausherr gast mittelalter

Autor

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