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Differenzierung im Unterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 19 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Differenzierung – Begriffsdefinition und Abgrenzung

3. Die Notwendigkeit der Differenzierung

4. Möglichkeiten der Differenzierung
4.1 Die innere Differenzierung
4.1.1 Differenzierte Aufgabenstellungen
4.1.2 Differenzierte Unterrichtsgestaltung
4.1.3 Differenzierte Bewertung
4.2 Die äußere Differenzierung
4.2.1 Die Fachleistungsdifferenzierung
4.2.2 Die gleitende Differenzierung
4.2.3 Die flexible Differenzierung

5. Differenzierung im Unterricht als eine Möglichkeit der Interessenge-nese

6. Résumée

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: http://www.grundschulpaedagogik.uni-bremen.de/archiv/traxel+karikatur+gleichheit+freiheit.pdf

Diese beliebte Karikatur verdeutlicht eindrucksvoll, die an eine Lehrkraft gestellte Herausforderung, eine gerechte Anforderung an eine heterogene Lerngruppe zu stellen. Dabei ist es für die Lehrkraft zunächst notwendig, sich der Verschiedenartigkeit der Lernenden hinsichtlich ihrer Fähigkeiten bewusst zu werden und diese Heterogenität der Lerngruppe dann im Sinne dieser zielführend nutzbar zu machen. Die vorliegende Arbeit intendiert daher, die Bedeutung und die Potentiale der Differenzierung im Unterricht herauszustellen und das Modell der Differenzierung als Notwendigkeit für den Unterricht zu definieren.

Dazu soll neben der Definition der Begrifflichkeit und der Abgrenzung in verschiedene Arten der Differenzierung die Begründung für die Durchführung von Differenzierung im Unterricht, aus forschungspsychologischer Sicht legitimiert werden und sich nicht allein auf die vorhandene gesetzliche Verankerung stützen. Daran schließt sich die Darstellung ausgewählter Differenzierungsarten im Rahmen der inhaltlichen Ausrichtung und der quantitativen Restriktionen der Arbeit. Abschließend soll die Differenzierung im Unterricht auf ein anderes psychologisches Modell, das der Interessengenese übertragen werden.

Grundlegend für diese Arbeit waren vor allem die Untersuchungen von Wolfgang Klafki „Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik - Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik“, welche 2007 in Weinheim und Basel erschienen. Ferner wird auch der Arbeit von Manfred Bönsch „Erfolgreiches Lernen durch Differenzierung im Unterricht“, erschienen 2009 in Braunschweig, große Bedeutung gegeben. Zur exemplarischen Gestaltung von Unterrichtsbeispielen, welche die Differenzierung nutzbar machen, empfiehlt sich das Studieren der Internetseiten der einzelnen Bildungsserver. Besonders hervorgehoben wird dabei die Mat-erialiensammlung des Thüringer Bildungsservers.

2. Die Differenzierung – Begriffsdefinition und Abgrenzung

Der Differenzierungsbegriff wird in der Forschungsliteratur nicht einheitlich, aber zumindest ähnlich verwendet. Dabei erscheint mir die Definition nach Paradies und Linser am treffendsten:

„Differenzierung in der Schule und im Unterricht begreift Individualität als konstitutive Basis und verfolgt nur ein einziges Ziel: Jeder einzelne Schüler soll individuell maximal gefordert und gefördert werden. Das individuelle Leistungsvermögen und das Lernverhalten sind Grundlage für differenzierende Maßnahmen auf der inhaltlichen, didaktischen, sozialen und organisatorischen Ebene.“[1]

Differenzieren im Unterricht ist auf vielfältige Art und Weise möglich. Hierfür ist es zunächst zielführend die Begriffe der „inneren“ und „äußeren Differenzierung“ voneinander abzugrenzen. Im Unterschied zur äußeren Differenzierung beinhaltet die innere Differenzierung alle Differenzierungsformen, welche innerhalb einer Lerngruppe stattfinden können, wohingegen äußere Formen die Lerngruppe nach diversen Auswahlkriterien in unterschiedliche Leistungsniveaus teilt, welche zu unterschiedlichem Zeitpunkt und von verschiedenen Lehrkräften unterrichtet werden können. Es ist wichtig zu bemerken, dass sich innere und äußere Differenzierung nicht gegen-seitig ausschließen. So ist es beispielsweise denkbar Formen der inneren Differenzierung in einer nach den Gesichtspunkten äußerer Differenzierung getrennten Lerngruppe zu praktizieren, teilweise gibt es auch Mischformen, die einen Übergang oder eine Verknüpfung darstellen. Auf die unterschiedlichen Formen der Differenzierung gehe ich im Verlauf der Arbeit vertiefend ein.[2]

Zunächst soll dargestellt werden, welches Potential die Differenzierung für die Lernenden hat und warum es gewissermaßen eine für die Lehrkraft durchzuführende Notwendigkeit ist, wenn diese ihrer pädagogischen Verantwortung gerecht werden will.

3. Die Notwendigkeit der Differenzierung

Das jeder Mensch individuell und einzigartig ist, ist ein allgemein gültiger Fakt. Wir sehen nicht nur anders aus, wir nehmen Dinge auch anders wahr, wir mögen unterschiedliche Sachen und wir lernen anders, schnell oder langsam, nachhaltig oder oberflächlich. Wir haben gewisse Fähigkeiten oder Dispositionen, kurz um, unsere Individualität führt zu Heterogenität. Vor diesem Hintergrund birgt die herkömmliche Art des Unterrichtens, welche an alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Anforderungen stellt, die in gleicher Zeit und unter gleichen Bedingungen zu bewältigen sind, eine immense Gefahr. Trotz der offensichtlichen Bemühung um Gleichheit, ist eine Ungerechtigkeit eingetreten,[3] unser Schulsystem gleicht einer „Sortierungsmaschinerie“. Dies ist auch ein großes gesellschaftliches Problem, da der soziale Status eines Menschen über seinen beruflichen Werdegang definiert wird. Wer die geforderte Leistung, festgelegt durch ein verbindliches Curriculum, nicht erreicht, wird nach unten selektiert. Damit reproduziert das Schulsystem durch seine Untergliederung in Haupt- und Realschule sowie Gymnasium, eine soziale Schichtung. Erschütternd dabei, dass diese Selektion bereits in der Grundschule stattfindet, die sich eigentlich als eine Schule für alle Kinder verstehen sollte. Bei genauerem Hinsehen wird offensichtlich, dass Kinder, die bereits im Alter von sechs Jahren nicht die geforderte Leistung erbringen, selektiert werden: Als nicht schulfähig definierte Kinder werden zurückgestellt, behinderte Kinder werden sofort ausgesondert und lernbehinderte Kinder an Sonderschulen verwiesen. Selbst Kinder, welche den Anforderungen innerhalb der Grundschule nicht entsprechen können, werden an Sonderschulen verwiesen.[4]„Die Unbarmherzigkeit solcher Selektion[en] besteht darin, dass Menschen nach einem kognitiv orientierten (…) Leistungsanspruch selektiert / differenziert werden, der ihre (…) Ganzheitlichkeit in kognitiver, sozialer, emotionaler und psychomotorischer Hinsicht nicht beachtet. Diese massive Selektionsstrategie (…) erscheint gegenüber dem Einzelnen übermächtig und erteilt ihm mit ungebrochenem Selbstverständnis sehr unterschiedliche Lebens- und Berufschancen.“[5] Um den Lernenden in seiner Ganzheitlichkeit wieder zu betrachten, ist es zunächst nötig, ein Bewusstsein darüber zu erlangen, dass eine Klasse keine leistungshomogene Gruppe ist, nur weil diese Kinder des gleichen Alters besuchen. „Wenn Unterricht jeden einzelnen Schüler optimal fördern will, wenn er jedem zu einem möglichst hohen Grad von Selbstständigkeit verhelfen und Schüler zu sozialer Kontakt- und Kooperationsfähigkeit befähigen will, dann muß er im Sinne (…)[der] Differenzierung durchdacht werden.“[6] Zu diesem Ziel hat Wolfgang Klafki in Zusammenarbeit mit Hermann Stöcker vier Thesen herausgegeben, welche eine Begründung und Zielsetzung für die Differenzierung darstellen sollen, diesen möchte ich mich uneingeschränkt anschließen. Danach heißt es, „… Differenzierung soll:

[...]


[1] Paradies, L. / Linser, H.J.: Differenzieren im Unterricht. Berlin 2010. S. 10.

[2] Klafki, W.: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. 2007 Weinheim und Basel.

S. 173-175.

[3] Vgl. Klafki, W: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Weinheim und Basel

2007. S. 175.

[4] Vgl. Bönsch, M.: Erfolgreiches Lernen durch Differenzierung im Unterricht. Braun

schweig 2009. S. 9-12.

[5] Vgl. Bönsch, M.: Erfolgreiches Lernen durch Differenzierung im Unterricht. Braun

schweig 2009. S. 10.

[6] Vgl. Klafki, W: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Weinheim und Basel

2007. S. 181.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656328339
ISBN (Buch)
9783656328599
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205962
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie
Note
2,0
Schlagworte
differenzierung unterricht

Autor

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Titel: Differenzierung im Unterricht