Lade Inhalt...

Das Modell der Salutogenese im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe

Referat (Ausarbeitung) 2010 13 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Einordnung des behandelten Aspekts in das Gesamtreferat

3. Salutogenese: Wirkung des Modells auf die Praxis
3.1 Allgemeine Veränderungen im Praxisfeld der Jugendarbeit
3.2 Implikationen des Modells für den Unterricht

4. Fazit und Ausblick

Literatur

1. Einleitung

Das Thema der Gesundheit gehört zu denjenigen Themen, die für jeden von uns von großer Bedeutung sind. Dennoch kann sich die Einstellung zu diesem Thema je nach Gesellschaftsgruppe wesentlich unterscheiden. Die vorliegende Arbeit ermöglicht bspw. einen Einblick in die Welt benachteiligter Heranwachsenden und u.a deren mangelnde Gesundheitsförderung. Der Einstieg in die Thematik wird über die Darstellung des salutogenetischen Modells von Aaron Antonovsky erfolgen.

Das Konzept der Salutogenese ist ein ein vorbildliches Beispiel für den bahnbrechenden Perspektivenwechsel. Die bislang zu starke Konzentration auf die Defizite, die im Gesundheitsbereich mit der Bezeichnung Pathogenese zu verbinden gilt, scheint nun einen ernst zu nehmenden Konkurrenten in der Salutogenese gefunden zu haben, die in erster Linie das Gesundheitspotential betont. Der Vater des Gedanken ist Aaron Antonovsky. Den Schwerpunkt nachfolgender Ausführung bildet die Frage nach den Wirkungen des salutogenetischen Modells von Antonovsky auf die Praxis. Dieser Aspekt stellt nur einen Teil des am 07.05.2010 gehaltenen Vortrags mit dem Titel Das salutogenetische Modell nach Antonovsky: Grenzen und Wirkungen dar. Aus diesem Grund wird der hier behandelte Teilaspekt zunächst in das Gesamtreferat eingeordnet. Dadurch sollte es dem Leser leichter fallen, die Gesamtstruktur des Vortrags ggf. zu rekonstruieren. Darauffolgend werden die durch das Modell ausgelösten allgemeinen Veränderungen im Praxisfeld der Jugendarbeit präsentiert. Im Anschluss an dieses Kapitel wird es dann um eine der praktischen Anwendungsmöglichkeiten gehen, nämlich um die Implikation des Modells in den Unterricht. Anschließend wird aus dem Dargestellten ein Fazit gezogen sowie ein Ausblick geliefert.

2. Einordnung des behandelten Teilaspekts in das Gesamtreferat

Bevor die SeminarteilnehmerInnen mit der Frage nach den Wirkungen des Gesundheitsmodells von Antonovsky auf die Praxis konfrontiert wurden, wurden sie zuerst von einer Referentin mit dem Modell als solchem und von einer anderen Vortragenden mit dem Bereich der Jugendhilfe vertraut gemacht. Es liegt auf der Hand, dass dieses Wissen für die Auseinandersetzung mit dem Einfluss des Modells auf die Praxis grundlegend ist, denn da die Aspekte Salutogenese sowie Jugendhilfe zusammengeführt werden (vgl. 1. Schaubild).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Schaubild: Aufbau des Referats (Teil 1)

Nun galt es zu erkennen, inwiefern die beiden Konzepte zusammenhängen. Dementsprechend erfolgte die Darstellung dieses Zusammenhangs im ersten Schritt. Die daran anschließenden konkreten Beispiele sollten der Vertiefung bzw. der Veranschaulichung erkannter Zusammenhänge dienen. Wozu hat die Übernahme salutogenetischer Perspektive von den in die Jugendarbeit Involvierten geführt? Dieser Frage wird im folgenden Abschnitt nachgegangen.

3. Salutogenese: Wirkung des Modells auf die Praxis

Die Vielfalt der Praxiseinrichtungen im Jugendhilfebereich bringt folgende Problematik mit sich. Wie kann man sinnvolleAnknüpfungspunkten für das salutogenetische Modell finden? Besucht man etwa jede einzelne Einrichtung und erkundigt sich vor Ort, inwiefern die salutogenetischen Ansichten in den Praxisalltag integriert worden sind? Eine solche Vorgehensweise wäre im Hinblick auf viele Faktoren viel zu aufwendig. Um sich einen Überblick über die hier uns interessierende Thematik möglichst schnell zu verschaffen, bietet sich der im Jahre 2009 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebene 13. Kinder- und Jugendbericht (nachfolgend KJB) an. Diesem Dokument werden die im Folgenden dargestellten Gesichtspunkte entnommen.

3.1 Allgemeine Veränderungen im Praxisfeld der Jugendarbeit

Der 13. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland ist einer der zentralen Veränderungen im Handlungsfeld der Jugendarbeit gewidmet. Die Neuerung, die eng mit den Kernpunkten des salutogenetischen Modells verbunden ist, spiegelt sich beispielsweise bereits im Titel des Berichts über die am 22/23 Juli 2009 stattgefundene AGJ-Tagung zum 13. Kinder- und Jugendbericht wider. Dieser lautet nämlich: „Gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe“.1 Noch deutlicher wird die Rolle der Salutogenese für die Jugendarbeit, wenn man sich die Stellungnahme der Bundesregierung durchliest, die dem ausführlichen Inhalt des 13. KJB vorangestellt ist. Dabei scheint die zentrale Veränderung am deutlichsten an folgender Stelle zum Ausdruck gebracht zu sein:

„ Zu Recht betont der Kinder- und Jugendbericht [ … ], dass [ … ] die bisher weitgehend auf den Erwerb von sozialem Lernen, auf die Vermittlung von kulturellen und personalen Kompetenzen sowie auf die Bef ä higung zu praktischem Handeln ausgerichtete p ä dagogische au ß erschulische Praxis in einem ganzheitlichen Sinne weiterzuentwickeln ist: St ä rker als bisher m ü ssen K ö rper bzw. Leiblichkeit sowie Gesundheit und Wohlbefinden Inhalte fachlicher Praxis der Kinder- und Jugendhilfe werden. “ (13. Kinder- und Jugendbericht, 2009, S. 17)

Um die Essenz des eingeführten Zitats hervorzuheben, sei hier angemerkt, dass mit dem 13. KJB zum ersten Mal die Themen Gesundheitsförderung sowie gesundheitsbezogene Prävention überhaupt zum Gegenstand eines KJB gemacht worden sind. Die oben fett unterlegten Begriffe werden im Rahmen des 13. KJB in Anlehnung an das salutogenetische Modell Antonovskys folgendermaßen definiert: Die Gesundheitsförderung richtet sich auf die Lebensbedingungen und ein Setting, in dem Gesundheit und Kohärenz sich entwickeln. Gesundheit wird dabei als ein integraler Bestandteil souveräner alltäglicher Lebensführung betrachtet und was diese unterstützt, wird als gesundheitsförderlich angesehen (vgl. 13.KJB). D.h als Vertreter der Jugendarbeit habe man sich nun darum zu bemühen, die benachteiligten Personen mit entsprechenden Strategien auszustatten.

Wenn hingegen von der gesundheitsbezogenen Prävention die Rede ist, so ist damit die Bemühung um eine nachhaltige Reduktion von Belastungen gemeint (vgl. 13. KJB). Somit versucht man die denkbaren Risiken im Vorfeld, also präventiv, zu beseitigen. Der Eindruck, dass zwischen den beiden Begriffen eine trennscharfe Grenze vorliegt, ist jedoch aus der Sicht der Kinder- und Jugendberichtverfasser täuschend.

Unabhängig von solchen Begriffsverhältnissen scheint sich aber folgende Erkenntnis im 13. KJB etabliert zu haben. Man hat nun erkannt, dass so wie soziales, psychisches und physisches Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen eng miteinander zusammenhängen, so ist auch zur Unterstützung dieses Wohlbefindens ein entsprechender Zusammenhalt mehrerer gesellschaftlicher Teilsysteme vonnöten. Welche Teilsysteme werden aber gegenwärtig dank des 13. KJB näher zusammenrücken müssen?

Die im Vorausgegangenen aufgezählten Dimensionen des kindlichen bzw. jugendlichen Wohlbefindens scheinen Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitssystem sowie die Behindertenhilfe zu betreffen. Doch die erkannte Notwendigkeit der Zusammenarbeit bleibt zunächst ein Gewinn theoretischer Natur, der in der Praxis auf einige Probleme stößt. So unterstreicht Keupp im Rahmen der oben erwähnter AGJ-Tagung, dass hierbei fremde Systeme mit jeweils eigenem Denkstil, eigener Handlungslogik sowie unterschiedlichen institutionellen Mustern aufeinandertreffen. Nicht außer Acht wäre auch der finanzielle Aspekt zu lassen. Da auch die Kostenträger der jeweiligen Organisationen sich weitgehend unterscheiden, erschwert sich die Zusammenarbeit.

Doch selbst wenn die genannten Hindernisse nicht von heute auf morgen zu überwinden sind, geben sich die Berichtsverfasser mit der expliziten Betonung der Notwendigkeit von der Zusammenarbeit verschiedener Teilsysteme nicht zufrieden. Es wird nach den für die beteiligten Teilsysteme anschlussfähigen Konzepten gesucht. In diesem Kontext weist Keupp beispielsweise darauf hin, dass dafür vor allem jene Konzepte geeignet sind, „in deren Mittelpunkt die Stärkung von Ressourcen Heranwachsender steht, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowohl in der Auseinandersetzung mit den Risiken und Belastungen in ihrer jeweiligen Lebenswelt als auch für die produktive Gestaltung ihrer eigenen Lebensprojekte benötigen.“ (Keupp 2010: 2). Zerlegt man sein Zitat in einzelne Teile und versucht dabei in jedem dieser Teile Schlüsselbegriffe zu identifizieren, so ergibt sich u.a. folgende Begriffskette:

„Ressourcen“ „Auseinandersetzung mit den Risiken und Belastungen“ „eigene Lebensprojekte“. Von diesen Schlüsselwörtern ausgehend, lässt sich ein Bezug zum salutogenetischen Modell von Antonovsky herstellen. Diesen Bezug hebt auch Keupp im weiteren Verlauf seiner Arbeit hervor und charakterisiert die salutogenetische Perspektive als zentrale Grundorientierung für die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Gesundheitsentwicklung im Rahmen des 13. KJB (vgl. Keupp 2010). Einen vergleichbaren Standpunkt vertreten Bengel und seine Kollegen. Sie haben in einer Studie für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ebenfalls den Zusammenhang zwischen Salutogenese und Gesundheitsförderung untersucht und kamen zum Ergebnis, dass Salutogenese den „häufig theoriearm und aktivistisch aneinandergereihten, präventiven Aktivitäten […] eine Rahmentheorie [gebe], die ressourcenorientierte, kompetenzsteigernde und unspezifische Präventionsmaßnahmen stützt“.2

[...]


1 Quelle: http://www.agj.de/pdf/3-1/Tagungsbericht_13_KJB.pdf

2 Quelle: http://eundc.de/pdf/68000.pdf (S. 46)

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656329473
ISBN (Buch)
9783656329602
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206041
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
modell salutogenese kontext kinder- jugendhilfe

Autor

Zurück

Titel: Das Modell der Salutogenese im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe