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Gentrifizierungsprozesse in Köln Ehrenfeld am Beispiel des Helios Geländes

Studienarbeit 2012 21 Seiten

Zusammenfassung

Der Begriff Gentrifizierung oder Gentrification ist seit einiger Zeit Diskussionsgegenstand und häufig Thema der Tagespresse. In allen größeren deutschen Städten ist die Rede von Gentrifizierung. Was bedeutet das nun real für bestimmte Stadtviertel? Um es einfach auszudrücken, kann man mit Gentrifizierung den Austausch von statusniedrigerer durch eine statushöhere Bevölkerung, sprich Menschen mit höherem Einkommen, in einem Stadtviertel bezeichnen.

Auch in Köln sind solche Entwicklungen zu beobachten, in Folge deren ganze Bevölkerungsgruppen aus der Innenstadt in die Randgebiete gedrängt werden. Ein aktueller Fall betrifft das so genannte Helios Gelände im westlichen Kölner Stadtteil Ehrenfeld.

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Stadtentwicklung Und Gentrifizierung
2.1 stadtentwicklung
2.1.1 innerstädtische differenzierung
2.1.2 der invasions-sukzessions-zyklus
2.2 gentrifizierung
2.2.1 das gentrifizierungs-modell
2.2.2 indikatoren und methoden zur typisierung von gebieten
2.2.3 räumliche präferenzen von gentrifiern

3. Gentrifizierung In Köln-Ehrenfeld
3.1 Vom Arbeiter- Zum Trendviertel
3.2 Das Helios Gelände
3.2.1 Das Helios Gelände Als Ort Der Kulturszene
3.2.2 Gentrification-Eignung Des Helios Geländes
3.3 Aufwertungsprozesse In Ehrenfeld
3.4 Widerstand Gegen Investorenpläne Und Bürgerinitiative

4. Fazit

Literaturliste:

Internetseiten

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff Gentrifizierung oder Gentrification ist seit einiger Zeit Diskussionsgegenstand und häufig Thema der Tagespresse. In allen größeren deutschen Städten ist die Rede von Gentrifizierung. Was bedeutet das nun real für bestimmte Stadtviertel? Um es einfach auszudrücken, kann man mit Gentrifizierung den Austausch von statusniedrigerer durch eine statushöhere Bevölkerung, sprich Menschen mit höherem Einkommen, in einem Stadtviertel bezeichnen.

Der Gentrifizierungsprozess läuft häufig folgendermaßen ab: ein Stadtviertel, das niedrige Mieten und genügend Flächen für eine künstlerische Entfaltung bietet, wird verstärkt von Künstlern, Studierenden und Kreativen zum Lebensmittelpunkt gemacht. Es entfaltet sich eine ausgeprägte Kultur- und Kunstszene, die wiederum kunstaffine, besser verdienende Bewohner anzieht. Investoren werden auf das Viertel aufmerksam und versuchen, alte Gebäude durch Umwandlung in teure Eigentumswohnungen oder den Bau von Einkaufszentren aufzuwerten. Die Mieten in dem In-Viertel ziehen an, bis zu dem Punkt, an dem sich die Künstler und Kreativen, die ja Auslöser dieses Prozesses waren, aber auch alteingesessene Bewohner, selbst die Miete nicht mehr leisten können.

Auch in Köln sind solche Entwicklungen zu beobachten, in Folge deren ganze Bevölkerungsgruppen aus der Innenstadt in die Randgebiete gedrängt werden. Ein aktueller Fall betrifft das so genannte Helios Gelände im westlichen Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Ehrenfeld war bis zur Eingemeindung 1888 ein Vorort mit einer überwiegend aus der Arbeiterschaft stammenden Bevölkerung. Heute prägt eine multikulturelle Atmosphäre das Stadtviertel, in dem sich auf Grund der relativ niedrigen Mietpreise neben den alteingesessenen Arbeiterfamilien, Studenten, Künstler und viele Familien mit Migrationshintergrund niedergelassen haben. Das Helios Gelände wird heute zum größten Teil von Künstlern und Kulturschaffenden genutzt, die hier günstigen Wohn- und Arbeitsraum auf dem ehemaligen Werksgelände der Helios AG finden. Als die Pläne des Bauunternehmens Bauwens-Adenauer, ein Einkaufszentrum auf dem Helios Gelände bauen zu wollen, bekannt wurden, formierte sich im Mai 2010 die Bürgerinitiative Heliosgelände. Auf dem Gelände stehen mehrere denkmalgeschützte Industriegebäude – unter anderem die Rheinlandhalle und der Leuchtturm der ehemaligen Helios AG – ein Ehrenfelder Wahrzeichen. Die Bürgerinitiative sieht sich selbst als politisch unabhängig und parteiübergreifend. Zu den Engagierten zählen fachlich Qualifizierte, Studenten, Einzelhändler, Stadtplaner und vor allem Anwohner in allen Altersklassen.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, zunächst zu erläutern, wie Gentrifizierungsprozesse ablaufen und aufzuzeigen, inwiefern man in Köln, insbesondere in Ehrenfeld von einem Gentrifizierungsprozess sprechen kann, welche Bevölkerungsgruppen von Verdrängung betroffen sind und am konkreten Fall des Helios Geländes, wie Widerstand innerhalb der Bevölkerung aussehen und was dieser bewirken kann.

2. Stadtentwicklung und Gentrifizierung

2.1 Stadtentwicklung

2.1.1 Innerstädtische Differenzierung

Sämtliche Flächen sind Träger von Eigenschaften. Einige dieser Eigenschaften lassen sich messbar erfassen und in einem Vektor darstellen. Ist eine Messung dieser Merkmale in einer Skala möglich, so lässt sich dieser Vektor auch als Profil darstellen. So kann ein Qualitätsprofil eines oder mehrerer Standorte erstellt werden. Die Bedeutsamkeit der Merkmale des Standorts hängen von dem die Fläche nutzen wollenden Akteur ab. Aus dessen Präferenzen lässt sich ein Präferenzprofil ableiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ist die Differenz zwischen den Präferenzen des potenziellen Nutzers und den Merkmalen eines bestimmten Standortes gering, entsteht Interesse an der Nutzung dieser Fläche.

Bei möglichen Nutzern einer Fläche wird unterschieden, ob die Fläche produktiv oder konsumtiv genutzt werden soll.

Wenn der Boden nicht Inputfaktor einer Produktion ist, wird er konsumtiv genutzt. Diese Nutzungsart kann Erträge in sich bergen, die auf der Wertschätzung der Eigenschaften der Fläche [...] beruhen. Der Unterschied zur produktiven Nutzung liegt darin, daß aus der produktiven Nutzung von Boden monetäre Erträge entstehen, während im zweiten Fall die Erträge nichtmonetärer Art sind. Leistungen für die Nutzung von Boden müssen in beiden Fällen aufgewandt werden.[1]

Die Merkmale einer Fläche werden in endogene, also ihr innewohnende, und exogene, also durch die Umgebung bedingte, Eigenschaften. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein. Ein Beispiel für eine negative exogene Eigenschaft eines Standortes kann beispielsweise der Lärm einer benachbarten Diskothek oder einer nahe gelegenen Autobahn sein.

Kriterien für die Nutzung einer Fläche zu Wohnzwecken sind vor allem die Erreichbarkeit häufig aufgesuchter Orte (Arbeitsstelle, Kindergarten, Schule, Einkaufsmöglichkeiten etc.), Zentrumsnähe oder auch Nähe zu Grünanlagen und ähnliches. Da sich bei der Wohnungsnachfrage Nachfrager mit höherem ökonomischen Potential, also höherem Einkommen, gegenüber Nachfragern mit niedrigerem ökonomischen Möglichkeiten durchsetzen, könne erstere ihre Wohnwünsche realisieren, während den Zweiten oftmals nicht die Möglichkeit einer freien Wahl des Wohnstandortes bleibt.

Bei der Nutzung einer Fläche zu Wohnzwecken ist eine erheblich unterschiedliche Höhe des erzielbaren Ertrags möglich. So lässt sich dieser bei gegebener Fläche durch mehrgeschossige Gebäude oder durch die Aufteilung großer Wohnungen in kleinere Wohneinheiten steigern.[2]

Als Beispiel eines Modells der innerstädtischen Differenzierung lässt sich das Burgess-Modell der konzentrischen Kreise anführen.

[...]


[1] Wilhelm Falk (1994), S.11

[2] vgl. Ebenda, S.18

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656332831
ISBN (Paperback)
9783656333449
DOI
10.3239/9783656332831
Dateigröße
1021 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Kultur- und Sozialwissenschaften
Erscheinungsdatum
2012 (Dezember)
Note
2,0
Schlagworte
gentrifizierung gentrification soziologie köln ehrenfeld helios heliosgelände design quartier ehrenfeld verdrängung stadtentwicklung stadtplanung großstadt stadtsoziologie

Autor

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Titel: Gentrifizierungsprozesse in Köln Ehrenfeld am Beispiel des Helios Geländes