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Die Wasserversorgung Brasílias: Entwicklung und Ausblick

Bachelorarbeit 2009 74 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Untersuchungsgebiet
2.1 Die Geschichte Brasílias
2.2 Die Bevölkerungsentwicklung
2.3 Das Relief des Untersuchungsgebiets
2.4 Die Böden im Distrito Federal
2.5 Die Vegetation im Distrito Federal
2.6 Das Klima im Untersuchungsgebiet

3 Die Wasserversorgung Brasílias
3.1 Die hydrographischen Gegebenheiten
3.2 Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Wasserversorgung in Brasilien
3.3 Die Anfänge der Wasserversorgung und die CAESB
3.4 Die Wassergewinnung
3.5 Die Wasseraufbereitung
3.6 Die Wasserverteilung

4 Die Probleme für die Wasserversorgung
4.1 Ungeplante Bevölkerungsentwicklung
4.2 Unkontrollierte Siedlungsprozesse und ihre Folgen
4.3 Klimaveränderung im Distrito Federal
4.4 Wasserverluste im Wasserversorgungssystem
4.5 Der Wasserverbrauch als Problem

5 Ausblick auf die zukünftige Wasserversorgung
5.1 Lösungsoptionen zur Produktionssteigerung
5.2 Die Installation von Hydrometern als Handlungsoption
5.3 Weiterführende Lösungsvorschläge
5.4 Das Projekt „IWAS Água-DF“

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersichtskarte Brasiliens

Abbildung 2: Grundschema Brasílias

Abbildung 3: BevölkerungsentwicklungimDF

Abbildung 4: Cerradovegetation im DF

Abbildung 5: Klimadiagramm Brasílias

Abbildung 6: Hydrographie des Distrito Federal

Abbildung 7: Hauptsitz der CAESB in Águas Claras

Abbildung 8: Überblick über die Wasserversorgungssysteme im DF

Abbildung 9: Descoberto - Staudamm mit Staumauer

Abbildung 10: Das Sistema Torto - Santa Maria

Abbildung 11: Talsperre Torto

Abbildung 12: Captação Quinze

Abbildung 13: Capão da Onça

Abbildung 14: Blick auf São Sebastião

Abbildung 15: Pumpstation auf dem Weg von der EAB zur ETA

Abbildung 16: Fließschema der ETA Rio Descoberto

Abbildung 17: Eingang zur ETA Rio Descoberto

Abbildung 18: Sedimentationsbecken in der ETA Rio Descoberto

Abbildung 19: Aufbau eines offenen Schnellfilters

Abbildung 20: Filterbecken in der ETA

Abbildung 21: Spülung eines Filterbehälters

Abbildung 22: Überblick über die Wasserverteilung im Distrito Federal

Abbildung 23: Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung im DF

Abbildung 24: Condomínio irregular „Grande Colorado”

Abbildung 25: Bevölkerungsentwicklung in Águas Lindas de Goiás

Abbildung 26: Siedlungsflächenentwicklung von Águas Lindas de Goiás

Abbildung 27: Temperaturentwicklung im DF zwischen

Abbildung 28: Niederschlagsentwicklung im DF zwischen 1961 - 2003

Abbildung 29: Wasserverluste in den Regionen des DF

Abbildung 30: Wasserverbrauch in den administrativen Regionen des DF

Abbildung 31: Übersicht zu den möglichen Stauseestandorten

Abbildung 32: Behausung am Lago Corumbá

Abbildung 33: APA São Bartolomeu

Abbildung 34: Hochhäuser im Asa Norte von Brasília

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Abflussmengen der Flüsse im DF und Umland

Tabelle 2: Übersicht über die Talsperren im Untersuchungsgebiet

Tabelle 3: Wasseraufbereitungssysteme in den einzelnen Regionen

Tabelle 4: Übersicht über die Wasserproduktion der fünf Versorgungssysteme des DF in 2007

Tabelle 5: Darstellung der Wasserpreise im DF

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser […] bleibt eine der großen Herausforderungen der Menschheit“ (www.unicef.de 2009). Wasser ist eine elementare Grundvoraussetzung für jegliches Leben auf der Erde und ein unentbehrliches Gut für alle Menschen, da es die Grundlage der menschlichen Gesundheit, von wirtschaftlicher Entwicklung und Wohlstand ist. Seine Bedeutung wird durch die Verankerung von Richtlinien zum sorgsamen Umgang mit allen Wasservorräten, sowie der Aufrechterhaltung der Wasserqualität in der Europäischen Wasser-Charta des Europaparlaments aus dem Jahr 1968 untermauert. Darüber hinaus haben die Vereinten Nationen im Jahr 1992 in der Agenda 21 die herausragende Wichtigkeit des Schutzes der Menge und Qualität aller Süßwasserreserven herausgestellt (MUTSCHMANN u. a. 1999, S. 3). Mit ca. 1,4 Milliarden km3 Wasser gibt es auf der Erde theoretisch genug Ressourcen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Als nutzbares Trinkwasser kommen von dieser Menge allerdings weniger als 1 % für den Menschen in Frage. Der Rest liegt entweder als Salzwasser vor (ca. 97,5 % aller Wasservorräte der Erde) und ist damit für den Menschen als Trinkwasser unbrauchbar, oder ist aufgrund seiner Gebundenheit in Gletscher und Eismassen, sowie dem Vorkommen im fossilen Grundwasser, schwer oder gar nicht zugänglich. Die ohnehin schon limitierten Wasservorräte werden durch das anhaltende Bevölkerungswachstum und der damit einhergehenden erhöhten Nachfrage nach Nutzwasser weiter verringert (FRÖHLICH 2006, S. 32). Dieser Trend in Kombination mit den Folgen des Klimawandels und „einer zunehmenden qualitativen Belastung, wirft immer häufiger die Frage auf, ob die Bevölkerung einzelner Regionen, ganzer Kontinente oder gar der Erde in Zukunft mit einer Mangelsituation bezüglich verfügbarer Wasserressourcen konfrontiert sein wird“ (LEHN u. a. 2009, S. 272). Allerdings muss konstatiert werden, dass eventuelle Wasserversorgungsprobleme nicht im globalen Maßstab, sondern eher regional bzw. saisonal bedingt auftreten (ebd. 2009, S. 272). Eines der Länder, die Probleme bei der vollständigen Versorgung seiner Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser aufweißt, ist Brasilien. Und dies obwohl das Land über die größten Süßwasserreserven weltweit verfügt. Die Hauptursache dafür liegt in der regionalen Ungleichverteilung dieser Wasservorräte. Über 80 % sind im Amazonasgebiet lokalisiert, welches allerdings von nur 5 % der Bevölkerung bewohnt wird (MENZEL u. a. 2008, S. 780). Im Gegensatz dazu leidet der bevölkerungsreiche Nordosten Brasiliens (ca. 35 % der Bewohner des Landes) mit ca. 4 % der nationalen Wasserreserven an einem starkem Wassermangel. Ein weiteres problembehaftetes Areal kennzeichnet die Metropolregion der Landeshauptstadt Brasília-DF. Die Stadt und ihr Umland weist ebenfalls eine unzureichende Versorgung ihrer Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser auf, wobei der Stadtrand mit seinen Satellitenstädten besonders stark betroffen ist. Hauptgründe hierfür sind ein hohes, anhaltendes Bevölkerungswachstum, enorme, teils ungeplante Suburbanisierungsprozesse, sowie einer Intensivierung der Landwirtschaft. Dazu kommen Klimaveränderungen, die durch eine Verlängerung der Trockenperioden gekennzeichnet sind. Diese Faktoren ergeben in der Summe ein Szenario, bei dem mit einer Verschärfung der Versorgungsprobleme der Bevölkerung Brasílias mit sauberem Trinkwasser (bei Verwendung der heutigen Technologien) auszugehen ist (www.iwas-sachsen.ufz.de 2009a). Das Ziel dieser Arbeit ist es, Handlungsempfehlungen, welche getroffen wurden um das Problem der Unterversorgung zu lösen, zu bewerten. Darüber hinaus sollen anschließend eigene Lösungsmöglichkeiten zu dieser Fragestellung entwickelt werden. Dafür ist es notwendig, die Metropolregion Brasília anhand seiner geschichtlichen und geographischen Gegebenheiten zu untersuchen, die Rahmenbedingungen der heutigen und zukünftigen Wasserversorgung der Region zu analysieren, sowie die durch diese Faktoren entstehenden Probleme der Wasserversorgung auszuweisen.

Im folgenden Abschnitt wird die Metropolregion Brasília anhand seiner geschichtlichen und geographischen Gegebenheiten vorgestellt.

2 Das Untersuchungsgebiet

Die Metropolregion Brasília befindet sich im Bundesstaat Distrito Federal, welcher am 19. September 1956 als Sitz der neuen brasilianischen Hauptstadt gegründet wurde. Der Distrito Federal umfasst eine Fläche von 5.783 km2 und befindet sich in der Region „Centro- Oeste“ (westliches Zentrum) (Greinert 1992, S. 35). In Abbildung 1 ist erkennbar, dass sich Brasília mitsamt des DF an der Grenze zu den Bundesstaaten Goiás und Minas Gerais befindet. Die Region liegt somit zwar verkehrstechnisch zentral, (jeweils ca. 1.000 km entfernt zu den großen Ballungsräumen Rio de Janeiro, São Paulo und dem Nordosten) allerdings keineswegs, wie oft behauptet wird, im Zentrum Brasiliens (KAISER 1987, S. 176). Wie es zu dieser Lage Brasílias kam, wird im nächsten Kapitel, welches die Geschichte der Stadt beleuchtet, erklärt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersichtskarte Brasiliens

Quelle: www.deltatranslator.com/mapa_do_brasil.gif, Abruf: 14.06.2009

2.1 Die Geschichte Bras í lias

Schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts existierten Pläne, die Hauptstadt Brasiliens an einen zentraleren Ort des Landes zu verlegen. Allerdings wurde erst unter Präsident Juscelino Kubitschek im Jahr 1956 der Entschluss gefasst, Brasília als neuen Regierungssitz zu bauen (KAISER 1987. S. 176).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Grundschema Brasílias

Quelle: www. static.hsw.com.br /gif/brasilia-1.jpg, Abruf: 15.06.2009

Für die städtebauliche Planung wurde im darauf folgenden Jahr ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem der in Abbildung 2 dargestellte Entwurf Lúcio Costas als Sieger hervorging (Delfante 1999, S. 249). Nach ca. dreieinhalb Jahren Bauzeit, unter der Leitung der NOVACAP, wurde Brasília im Jahr 1960 als neue Hauptstadt eingeweiht. Vom Stadtbild gemäß den Bauplänen existierten zu diesem Zeitpunkt jedoch nur Bruchstücke und auch die Folgejahre waren von städtebaulicher Stagnation geprägt. Nennenswerte Baumaßnahmen erfolgten nur am Stadtrand Brasílias, wo etliche Siedlungsprozesse zur Ausbildung von Satellitenstädten führten. Erst Ende der siebziger Jahre wurden die Bautätigkeiten in der Stadt vorangetrieben und vollendet, sodass sich der Kernstadtbereich Brasílias so entwickelt hat, wie es in den Plänen Costas vorgesehen war. Ganz im Gegenteil dazu entwickelte sich das Umland der Stadt nicht nach seinen Plänen. Hier entstanden weiterhin teilweise geplante, aber auch ungeplante Neugründungen von Satellitenstädten (KAISER 1996, S. 4). Bis zum Ende der Achtziger bildeten sich so 13 Siedlungsgebiete im Umland Brasílias heraus (GONÇALVES 2002, S. 4). Bis zum Jahr 2009 ist die Anzahl dieser Städte schon auf 27 gestiegen (www.gdf.df.gov.br 2009).

Wie sich in diesem Zusammenhang die Bevölkerungszahl im Distrito Federal entwickelt hat, wird im nächsten Abschnitt vorgestellt.

2.2 Die Bev ö lkerungsentwicklung

Als im Jahr 1957 die Errichtung Brasílias begann, betrug die Bevölkerungszahl vom Distrito Federal 12.300 Einwohner. Mit Baubeginn setzte eine starke, unkontrollierte Zuwanderung aus ganz Brasilien in die Region ein. Zwischen den Jahren 1957 und 1959 wanderten so jeden Monat ca. 2.400 Menschen, in der Hoffnung auf eine Arbeitsanstellung, nach Brasília. Diese enormen Migrationsgewinne erklären auch die in Kapitel 2.1 beschriebene Herausbildung diverser Siedlungen am Stadtrand Brasílias. Die von den Gründervätern erhoffte Abwanderung der Arbeiter nach der Fertigstellung der Stadt blieb jedoch aus, was dazu führte, dass die Einwohnerzahl des DF 1961 schon bei 142.000 lag (Kaiser 1987, S. 181). Abbildung 3 illustriert die darauf folgende Bevölkerungsentwicklung im Bundesstaat. Brasília hatte enorme Anziehungskraft auf die Menschen aus ganz Brasilien und erzielte dadurch enorme Wanderungsgewinne. Es ist allerdings auch ersichtlich, dass sich diese Gewinne praktisch nur auf die Satellitenstädte konzentrieren. Dies liegt vor allem an den hohen Mieten bzw. bewusst verursachten Wohnungsmangel, was dazu führte, dass die ärmere Bevölkerung in die Satellitenstädte gedrängt wurde (KAISER 1996, S. 10). Heute leben in der Kernstadt ca. 275.000 Menschen und damit ungefähr 10 % der Bevölkerung des Bundesdistrikts. Nachfolgend wird mit dem Relief des Distrito Federal ein weiteres Charakteristikum des Untersuchungsraumes erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung im DF

Quelle: eigene Darstellung; Daten: IBGE 1960 - 2005

2.3 Das Relief des Untersuchungsgebiets

Der Distrito Federal ist ein Teil des zentralen Hochlandes („Planalto Central“) und liegt auf einer Höhe zwischen 850 m und 1300 m über dem Meeresspiegel (Greinert 1992, S. 35). Dabei lässt sich das Gebiet in drei große Reliefeinheiten gliedern. Die Altflächen oberhalb von 1200 m ü. M. im Bereich des Pediplano Contagem-Rodeador, den Flächen des Pediplano de Brasília zwischen 950 m und 1200 m ü. M bzw. den Pedimenten und jüngeren Reliefeinheiten unterhalb von 950 m ü. M. (De Carvalho Jr. u. a. 2004, S. 31). Das Areal des Pediplano Contagem-Rodeador ist durch tief eingeschnittene Täler, sowie flache Mulden und ein durchschnittliches Gefälle von bis zu 2° charakterisiert. Im Gegensatz dazu weist der Pediplano de Brasília ein nahezu vollkommen ebenes Relief auf, welches sich mit einem steil abfallenden Stufenrand markant zu den folgenden Pedimenten und jüngeren Reliefeinheiten abgrenzt. Diese Fußfläche weist ein schwaches, jedoch stetiges Gefälle auf und ist zudem durch Flussläufe erheblich zerschnitten (Greinert 1992, S. 56ff). Im folgenden Abschnitt werden nun die auf diesem Relief herausgebildeten Böden des Distrito Federal genauer vorgestellt.

2.4 Die B ö den im Distrito Federal

In Abhängigkeit von Reliefeinheit und Höhenlage haben sich im Untersuchungsgebiet verschiedene Böden entwickelt (GREINERT 1992, S. 56). Grundsätzlich lässt sich konstatieren, dass in dem Gebiet der rote und gelbe Latosol (Latossolo vermelho bzw. amarello) bzw. der Cambisol, mit einem Anteil von mehr als 85 % am Gesamtboden, als Bodentypen dominieren (DE CARVALHO JR. u. a. 2004, S. 17). Auf den Altflächen des Pediplano Contagem-Rodeador (höher als 1200 m ü. M.) findet man vor allem roten, gelben und gelb-roten Latosol, wobei der rote Latosol eher auf den Hochflächen und der gelbe bzw. gelb-rote Latosol tendenziell an den Randbereichen zum Pediplano de Brasília auftritt. Außerdem findet man in den Flussbereichen vereinzelt hydromorphe Böden. Im Pediplano de Brasília dominieren ebenfalls rote, gelbe und gelb-rote Latosole, allerdings weisen die Böden in diesem Areal, aufgrund intensiver Verwitterungs- und Lateritisierungsprozesse, ein deutlich gegliedertes und mehrschichtiges Profil als im Pediplano Contagem-Rondeador auf (BLANCANEAUX u. a. 2002, S. 871f). Auf den tiefer gelegenen Flächen dominieren hingegen die Cambisole, wobei man vereinzelt auch Acrisole, Alfisole und Nitisole findet (DE CARVALHO JR. u. a. 2004, S. 17). Ein weiteres Charakteristikum, welches u. a. durch die anzufindenden Böden beeinflusst wird, ist die Vegetation des DF, welche nachfolgend beschrieben wird.

2.5 Die Vegetation im Distrito Federal

Brasília und der ihn umgebene Bundesstaat DF sind komplett vom Vegetationstyp des Cerrados bedeckt. Dies widerspricht allerdings den klimatischen Bedingungen (Kapitel 2.6), welche in dieser Region tropische Laubwälder erwarten ließen (GREINERT 1992, S. 47f). Der Cerrado ist eine Savannenlandschaft, welche längere Trockenperioden benötigt und durch Graslandschaften mit vereinzeltem Baumbestand charakterisiert ist (LI u. a. 2000, S. 141). Diese Vegetationsform lässt sich aufgrund unterschiedlicher Verhältnisse in der Zusammensetzung von Gräsern und Holzpflanzen in folgende verschiedene Erscheinungsformen unterteilen. Man unterscheidet den Campo Limpo (= reines Grasland), Campo Sujo (= Grasland, Bäume und Sträucher nehmen weniger als 2 % der Fläche ein) und Campo Cerrado (= offener Baumbestand von niedrigen Bäumen mit Krüppelwuchs auf 2 - 15 % der Fläche). Darüber hinaus unterteilt man den Vegetationstyp weiter in den Cerrado (= Baumbedeckungsgrad von 20 bis 30% mit viel Krüppelwuchs) und den Cerradão (= Bedeckungsgrad über 30 %, entspricht einer Waldgesellschaft) (Greinert 1992, S. 49). Je nach Bodentyp sind diese verschiedenen Formen des Cerrado im Untersuchungsraum anzufinden.

Auf Rotlatosolen (besonders auf den tiefgründigen Böden der Plateaus) und teilweise auch auf den Braun- und Parabraunerden sind der Cerrado und Cerradão anzutreffen (ebd. 1992, S. 50).

Abbildung 4 zeigt einen Teil der Cerrado (mit Cerradão im Hintergrund) im westlichen Teil des Distrito Federal. Auf den Gelblatosolen und den flachgründigen Böden der Pedimente findet man zumeist Campo Cerrado, Campo Sujo und Campo Limpo (Blancaneaux u. a. 2002, S. 874). Darüber hinaus findet man an verschiedenen Sonderstandorten besondere Vegetationsformen des Cerrado. So tritt z. B. im Bereich von oberflächennahen Grundwassern, mit dem Campo Limpo úmido eine Sumpfwiesenvegetation auf (Greinert 1992, S. 54).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Cerradovegetation im DF

Quelle: eigene Aufnahme 2008

Ein weiteres Merkmal, welches die Wasserverfügbarkeit des DF beeinflusst, ist das hier vorherrschende Klima, welches im nächsten Abschnitt dargelegt wird.

2.6 Das Klima im Untersuchungsgebiet

Das Klima des Distrito Federal weist eine starke saisonale Differenzierung auf, wobei sich zwei charakteristische Perioden heraus kristallisieren. Der Zeitabschnitt zwischen Mai und September ist durch Trockenheit und eine extrem niedrige relative Luftfeuchte mit Werten weit unter 15 % geprägt. Ganz im Gegensatz dazu ist die Periode zwischen Oktober und April durch starke Niederschlagsereignisse charakterisiert, wobei allein von Dezember bis März 47 % der jährlichen Niederschläge fallen (GUIMARÃES 2004, S. 43). Allerdings wurde schon beim Städtebau versucht, den extrem trockenen Verhältnissen zwischen Mai und September entgegen zu wirken. Aus diesem Grund wurde zur Erhöhung der relativen Luftfeuchte am Ostrand der Stadt der künstliche See Lago Paranoá errichtet (DE ARAÚJO NETO u. a. 1994, S. 31). Abbildung 5 zeigt die jeweiligen monatlichen Durchschnittswerte für die Stadt Brasília - DF im Jahr 2008. Man erkennt, dass die monatlichen Durchschnitts- temperaturen zwischen 19 und 23°C variieren und die Jahresniederschlagssumme bei ca. 1500 mm lag.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Klimadiagramm Brasílias

Quelle: http://img0.cptec .inpe.br/~rclima/climatologias/mensal/capitais/brasiliac.gif, Zugriff: 21.06.2009

Aufbauend auf diese Werte kann man den DF anhand der Klimaklassifikation nach Köppen in die wintertrockenen, tropischen Regenklimate einordnen. Diese sind durch eine Trockenheit in den Wintermonaten, sowie einer monatlichen Durchschnittstemperatur von mindestens 18°C charakterisiert (MALBERG 1994, S. 251). Gemäß der Klimaklassifikation nach Troll & Pfaffen entspricht das Klima Brasílias dem V2-Klima, was als Feuchtsavannenklima mit einer 2,5 bis 5-monatigen Trockenheit (vorwiegend im Winter) charakterisiert ist (GREINET 1992, S. 38). Für vereinzelte Teile des Bundesdistrikts ergeben sich aufgrund bestimmter Höhenlagen differente Klimate. Im Pediplano de Brasília zwischen 1000 - 1200 m ü. M. herrscht ein wintertrockenes Maisklima der warmgemäßigten Regenklimate, wobei die Mitteltemperatur des kältesten Monats unter 18°C und die des wärmsten Monats über 22°C liegen muss. Das Gebiet des Pediplano Contagem-Rodeador fällt unter das wintertrockene Buchenklima warmgemäßigter Regenklimate, wobei in diesem Klimatyp der wärmste Monat eine Durchschnittstemperatur von unter 22°C aufweisen muss (CODEPLAN u. a. 2006, S. 11). Aufbauend auf die in diesem Kapitel vorgestellten Charakteristika des Distrito Federal werden in den folgenden Abschnitten die Wasserversorgung im DF sowie dessen Grundlagen beschrieben.

3 Die Wasserversorgung Brasílias

Fast 50 Jahre nach der Gründung Brasílias haben noch immer nicht alle Bewohner der Metropolregion Zugang zu nutzbarem Trinkwasser. Die folgenden Ausführungen werden einen Überblick über die Gegebenheiten (hydrographischer und rechtlicher Natur), sowie die Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung durch den örtlichen Versorger geben.

3.1 Die hydrographischen Gegebenheiten

„Der Bundesdistrikt liegt auf der Wasserscheide der drei größten Flusssysteme Brasiliens: Dem Paraná-Becken, dem São Francisco-Becken und dem Tocantins (Amazonas)- Becken“ (Greinert 1992, S. 35). Diese werden wiederum von diversen, im Gebiet des DF vorkommenden Flüssen gespeist. Der Rio Descoberto sowie der Rio São Bartolomeu fließen in den Paraná, der Rio Preto mündet in den Rio São Francisco und der Rio Maranhão in den Tocantins. Abbildung 6 gibt einen Überblick über die hydrographischen Bedingungen im Distrito Federal. Die zu erkennenden Hauptbecken der Flüsse Descoberto, São Bartolomeu, Corumbá und São Marcos, sowie das Becken des Lago Paranoá nehmen mit 3.658 km2 ca. 65 % der Gesamtfläche des Bundesdistrikts ein. Diese zum System des Paraná gehörenden Becken haben für die Wasserversorgung Brasílias (Kapitel 3.4) eine zentrale Bedeutung, auf welche später näher eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Hydrographie des Distrito Federal

Quelle: Codeplan 2006, S. 12

Das Rio Preto-Becken mit einem Flächenanteil von ca. 24 % bzw. das Rio Maranhão-Becken mit deren 12 % nehmen im Vergleich dazu einen weniger bedeutsamen Teil des Distrito Federal in Anspruch (DE LARA MAIA 2006, S. 12f). Die Abflussmengen, welche in den beschriebenen Flüssen messbar sind, werden in Tabelle 1dargelegt. Im Mittel beträgt die jährliche Durchflussmenge 149,0 m3 /s, was einer verfügbaren Menge von 1.669 m3 je Einwohner pro Jahr entspricht. Damit befindet die Region weit hinter dem landesweiten Durchschnittswert, welcher bei 9.000 m3 je Einwohner pro Jahr (exklusive dem Amazonas- Becken) liegt (GUIMARÃES 2008, S. 158). Welche Auswirkungen diese Tatsache für die Untersuchungsregion mit sich bringt, wird in einem nachfolgenden Abschnitt (Kapitel 4) genauer beschrieben.

Die Nutzung des Wassers zu Versorgungszwecken ist in Brasilien an bestimmte rechtliche Normen bzw. Gesetze gebunden. Diese werden im folgenden Kapitel genauer beleuchtet.

Tabelle 1: Abflussmengen der Flüsse im DF und Umland

Quelle: Guimarães 2008, S. 161

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Wasserversorgung in Brasilien

Die Entwicklung der bundesrechtlichen Regelungen zur Nutzung der Wasserressourcen hat sich in Brasilien in drei Etappen vollzogen (KÖNIG 2001, S. 164). Den Ausgangspunkt bildete der 1934 verabschiedete „Código de Águas“ („Wassercodex“). Dadurch, dass sich Brasilien zu dieser Zeit in der Transformationsphase von einer Agrar- zur Industrienation befand, enthielt der Codex eine starke industrielle Ausrichtung zur Nutzung der Wasserressourcen. Die Verwendung des Wassers zur Erzeugung von Energie (durch den Betrieb von Wasserkraftwerken) hatte Vorrang vor allen anderen Nutzungen (BENJAMÍN u. a. 2008, S.10f).

Auch wenn der Codex für die damalige Zeit mit den Artikeln bezüglich der Überwachung von Umweltverschmutzung inklusive Regelungen zum Verursacherprinzip, einige innovative Ansätze enthielt, wurde er nie wirklich umgesetzt, sondern diente nur zur Regulierung der Wasserkraftnutzung. Die zweite Phase begann in den 1980ern. Zu dieser Zeit wurde das Drängen der Politik und der Expertise nach einer neuen, modernen Gesetzgebung zum Wasserressourcenmanagement permanent stärker. Da sich Brasilien ohnehin im Zuge einer neuen Verfassungsgebung befand, wurde 1988 über Artikel 21 „Wasserressourcenmanagementsystem“ der Umgang mit der Ressource Wasser in der neuen Konstitution verankert. (Kelman u. a. 2000, S. 252ff). Dadurch wurde sichergestellt, dass die brasilianische Politik das Wassermanagement als ein zukünftiges Thema beachten musste. Darüber hinaus wurde Wasser erstmals als öffentliches Gut, welches vom Land oder vom Bundesstaat verwaltet wird, gekennzeichnet (Benjamín u. a. 2008, S.11). Die dritte und letzte Epoche begann Ende der 1990er. Nach jahrelangen, kontroversen politischen Diskussionen wurde am 01. Januar 1997 der „National Water Act“ (Gesetznummer 9433 „ Lei da Politica Nacional de Rescursos Hídricos“) verabschiedet (Kelman u. a. 2000, S. 255). Dieses aktuellste Wassergesetz verfolgt insgesamt drei Hauptziele. Zum einen sollen Maßnahmen getroffen werden, damit die vorhandene Wasserqualität und -quantität für gegenwärtige und zukünftige Generationen aufrechterhalten werden kann. Zum anderen muss die Nachhaltigkeit der Wassernutzung sichergestellt werden. Das dritte Ziel beschreibt den Schutz des Menschen und der Natur vor natürlichen und anthropogen hervorgerufenen Naturkatastrophen (Benjamín u. a. 2008, S.22). Um diese Ziele zu erreichen wurden im Gesetz verschiedene Grundsätze festgelegt:

- das Wasser ist ein allgemeines Gut, welches eine begrenzte natürliche Ressource mit ökonomischen Wert darstellt;
- die Wasserversorgung der Bevölkerung und die Tränkung der Tiere sind die beiden Vorrangnutzungen der Wasserressourcen;
- das Wasserressourcenmanagement muss eine Mehrfachnutzung gewährleisten;
- das Wassermanagement muss dezentralisiert werden, wobei der Staat, die Was sernutzer und die Gemeinden einbezogen werden sollen (KÖNIG 2001, S. 165).

Für die Umsetzung der nationalen Wassergesetze wurde im Jahr 2000 die Bundeswasserbehörde ANA gegründet, deren heutige wichtigste Aufgabenbereiche die Förderung und Koordinierung des Flussgebietsmanagements sind. Darüber hinaus existiert neben den Bundesgesetzen noch ein Wassergesetz für den Bundesstaat Distrito Federal

(Huppert u. a. 2005, S. 186f). Dieses Wassergesetz wurde als Teil der neuen Landesverfassung („Lei Orgânica do Distrito Federal“) des DF am 08. Juni 1993 verabschiedet und weist wesentliche Gemeinsamkeiten zu den Bundesgesetzen auf. Dazu zählt „die Anerkennung des öffentlichen Charakters des Gutes Wasser in Verbindung mit einer Priorisierung der Nutzung bei Wasserknappheit (Vorrang für Trinkwasserversorgung und Viehwirtschaft)“ (HUPPERT u. a. 2005, S. 187). Außerdem wird der ökonomische Wert des Wassers betont, sowie die Forderung nach einem integrierten Gebrauch der Ressource Wasser über die verschiedenen Nutzungen hinweg (ebd. 2005, S. 187). Zur Sicherung der Qualität des Trinkwassers existiert in Brasilien eine der deutschen Trinkwasserverordnung ähnliche gesetzliche Regelung („Portaria N.° 1469“) vom 29. Dezember 2000. Ziel dieser Verordnung ist es, den Menschen vor schädlichen Einflüssen, die durch verunreinigtes Wasser hervorgerufen werden, zu schützen. Dafür sind in der Verordnung für sämtliche chemische Elemente bestimmte Grenzwerte festgelegt, oberhalb derer das Nutzwasser als verunreinigt gilt (MINISTÉRIO DA SAÚDE 2000, S. 1ff). Das Unternehmen, welches sich im Distrito Federal für die Kontrolle bezüglich der Einhaltung dieser Grenzwerte zuständig zeigt, ist die CAESB.

Diese wird mitsamt seiner Aufgaben im folgenden Kapitel näher vorgestellt.

3.3 Die Anfänge der Wasserversorgung und die CAESB

Mit dem Bau der Stadt Brasília mussten (natürlich) auch Vorraussetzungen für eine Wasserversorgung seiner Einwohner geschaffen werden. In der NOVACAP wurde für diesen Zweck eine Teileinheit für Wasser und Abwasser („Divisão de água e esgostos“) installiert.

Das erste System zur Trinkwasserversorgung der Arbeitersiedlungen wurde bei Catetinho gebaut. Der, mit dem fortschreitenden Städtebau einhergehenden, steigenden Nachfrage nach nutzbarem Wasser, wurde mit dem Bau des Torto-Stausees, welcher später mit Konstruktion des Santa Maria Staudamms in das Sistema Torto - Santa Maria integriert wurde, gerecht. Dieses System war in den Anfangsjahren für die vollständige Wasserversorgung Brasílias vorgesehen. Im Jahr 1959 wurde die Teileinheit zur Abteilung für Wasser und Abwasser („Departamento de Água e Esgoto“) umgewandelt und mit einer weit reichenden verwaltungstechnischen Autonomie ausgestattet (www.caesb.df.gov.br o. J.a). Am 08. April 1969 wurde die CAESB unter dem Namen Companhia de Água e Esgotos de Brasília per Gesetz (Gesetznummer: 524) als öffentliches Unternehmen gegründet und löste die Abteilung für Wasser und Abwasser ab (Seplan 2004, S. 212). Per Gesetz (Gesetzesnummer: 2.416) vom 06. Juli 1999 wurde die CAESB in die Companhia de Saneamento do Distrito Federal umbenannt und man schaffte Regelungen, dass das Unternehmen seine Produktpalette und damit seinen Markt vergrößern konnte. Am 18. Januar 2005 (Gesetz: 3.559) wurde der Konzern ein weiteres Mal umbenannt. Der neue und aktuelle Name lautet Companhia de Saneamento Ambiental do Distrito Federal und seine Arbeit ist nun über die Landesgrenzen hinaus möglich (www.caesb.df.gov.br o. J.a). Die Arbeit der CAESB ist ebenfalls durch die Gesetzestexte geregelt. Sie soll die Systeme der Wasserversorgung entwickeln, planen, ausbauen, organisieren, führen und bewirtschaften. Ein weiteres Aufgabenfeld besteht in der Sammlung, Behandlung und Beseitigung aller Abwässer, sowie dem Auffangen des Niederschlags (Seplan 2004, S. 212). Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, hat die CAESB das Recht, die Areale um die Wasserquellen zu enteignen, zu räumen, zu schützen und zu konservieren, damit die Wasserversorgung gewährleistet bleibt. Darüber hinaus darf das Unternehmen die Einleitungen in die Gewässer des DF kontrollieren. Bis heute ist die CAESB in gleichem Maße wie die Landeshauptstadt gewachsen und unterhält im Moment fünf Systeme und 24 Subsysteme zur Wasserversorgung. Darüber hinaus bewirtschaftet sie 17 Anlagen zur Sammlung und Behandlung des städtischen Abwassers. Mit diesen Anlagen versorgt die CAESB zum Stand 2007 knapp 98 % der Haushalte mit nutzbarem Trinkwasser und leistet bei 93 % der Einwohner Service zur Abwasseraufbereitung (SNSA 2009, S. 7f). Abbildung 7 zeigt den Hauptsitz des Unternehmens, welcher in der Satellitenstadt Águas Claras liegt. Auf welcher Art und Weise die CAESB seiner Aufgabe als regionaler Wasserversorger nachkommt, wird im folgenden Kapitel dargelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Hauptsitz der CAESB in Águas Claras

Quelle: http://www.zimbres.com.br/images /caesb.jpg; Abruf: 24.06.2009

3.4 Die Wassergewinnung

„Die Wasserversorgung der Stadt wird vorwiegend über zwei größere Trinkwassertalsperren gesichert. Dies sind die Talsperren Santa Maria und Descoberto, die zusammen ca. 81 % des Wasserbedarfs decken. Der restliche Wasserbedarf wird über kleinere Talsperren und Grundwasser (< 5%) abgedeckt“ (www.iwas-sachsen.ufz.de 2009a).

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Details

Seiten
74
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656336020
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206253
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,3
Schlagworte
Wasserversorgung Brasilien Brasília Wasser Distrito Federal Trinkwasser Agenda 21 Vereinte Nationen Água Klimawandel Bevölkerungswachstum

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Titel: Die Wasserversorgung Brasílias: Entwicklung und Ausblick