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Ist die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion am Ende?

Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die EWWU im Überblick

Facharbeit (Schule) 2011 17 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorbemerkung

Aktuelle Schuldenkrise in der EWWU

1. Die Währungsunion (EWWU) im Überblick
1.1 Gründung – Chancen und Risiken
1.2 3-Stufenplan
1.3 Ziele der EWWU
1.4 EU-Konvergenzkriterien

2. Weg zur aktuellen Krise in Europa
2.1 Auslöser und Verlauf der Finanzkrise von 2007
2.2 Folgen der Krise auf Europa
2.3 EU-Staatsschuldenkrise
2.3.1 Griechenland
2.3.2 Irland
2.3.3 Portugal
2.3.4 Spanien

3. Eindämmung der Schuldenkrise in der EWWU
3.1 Lösungsansätze der EZB
3.2 Gründung neuer Finanzaufsichten
3.3 Eurobonds
3.4 Eurofonds beziehungsweise Rettungsschirm

4. Weiterentwicklung der EWWU
4.1 Gemeinsame Politik bis zur Transferunion
4.2 Neues Modell der Währungsunion

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

0. Vorbemerkung

Tagtäglich erscheinen mehrere Artikel, die auf die Krise in Europa hindeuten. So titelte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am 14. Mai 2010, dass „(d)ie Währungsunion am Scheideweg[1] sei. Die Europäische Wirtschaft- und Währungsunion befindet sich seit 2010 tatsächlich in der schwersten Krise seit ihrer Gründung. Nahezu alle Euro-Länder halten die Obergrenzen des Stabilitätspaktes zur Staatsverschuldung in den letzten beiden Jahren keineswegs mehr ein, in vielen Staaten sind diese sogar doppelt so hoch als erlaubt.

Irland, Griechenland, Portugal und Spanien können unter der Schuldenlast ihrer Länder zusammenbrechen. Von den genannten Ländern ist Griechenland jedoch der Staat mit den größten Problemen in der Euro-Zone, fast täglich beraten die anderen europäischen Länder über die Rettung Griechenlands. An dieser Situation ist aber nicht der Euro als Währung schuld, vielmehr trägt Griechenland selbst die Verantwortung dafür, da in den letzten Wochen zum Vorschein kam, dass der griechische Haushalt von der amerikanischen Großbank Goldman Sachs geschönt wurde, um die Auflagen für den Beitritt in die europäische Währungsunion zu erfüllen.[2] Darüber hinaus spielt die Naivität der dortigen Politiker ebenfalls eine große Rolle. Diese haben über Jahre hinweg keine Maßnahmen gegen das unschlüssige Rentensystem ergriffen. Griechenland nahm demnach von Beginn an eine mögliche Gefahr für den gesamten Euro-Raum in Kauf. Sollten auch andere Länder einen solchen Dienst in Anspruch genommen haben, so werden sich auch dort in Zukunft Probleme zeigen, die auf dieser Verschleierung basieren.

Eine Rettung der Problemländer, allen voran Griechenland, ist nach der Meinung vieler Experten unerlässlich, um einen Flächenbrand und den Zusammenbruch der Euro-Zone zu verhindern. Die Folgen eines solchen Zerfalls wären nicht nur europaweit spürbar, sondern auch weltweit. Experten erwarten, dass „ die andauernde Euro-Krise sich noch verheerender auswirken könnte als der Fall der Investmentbank Lehman Brothers, der die derzeitige Weltwirtschaftskrise auslöste.“ [3]

Gerade deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie es überhaupt zu einer solchen Situation kommen konnte und wie momentan von der Politik in den Krisenstaaten, aber auch im restlichen Europa versucht wird, diese Lage schnellstmöglich zu verbessern, ohne das Finanzsystem und die Wirtschaft zu stark zu gefährden.

Zu Beginn der Arbeit wird die Europäische Wirtschaft- und Währungsunion (im Folgenden: EWWU) kurz im Überblick vorgestellt, im Anschluss daran der Weg zur aktuellen Krise erörtert sowie die Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise dargelegt. Den Abschluss bilden die Analyse einer möglichen Weiterentwicklung der Währungsunion und das Fazit.

1. Die Währungsunion (EWWU) im Überblick

1.1 Gründung – Chancen und Risiken

Im Jahr 1988 wurde das Ziel einer gemeinsamen Wirtschaft- und Währungsunion durch den Europäischen Rat ausgegeben. Unter Jacques Delors wurde geprüft, ob und unter welchen Bedingungen ein solcher Zusammenschluss möglich sei. Das Ergebnis dieser Untersuchungen zeigte, dass eine stufenweise Gründung die beste Möglichkeit darstellt.[4] Die Schaffung einer Währungsunion wurde im Dezember 1991 im so genannten Maastrichter Vertrag festgehalten.[5] Es folgte die Ausarbeitung des 3-Stufenplans der EWWU.

1.2 3-Stufenplan

In der ersten Phase, die am ersten Juli 1990 begann, sollten die Zahlungsvorgänge in der Europäischen Union weitgehend liberalisiert werden. Außerdem verpflichteten sich alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu einer Kooperation und besseren Koordination der Fiskalpolitik.[6] Das Bestehen der ersten Stufe war die Voraussetzung zum Vorrücken in Phase zwei. Den Start dieser Stufe markierte die Errichtung des Europäischen Währungsinstituts (im Folgenden: EWI) am ersten Januar 1994. Hauptaufgaben des EWI waren die verstärkte Zusammenarbeit der nationalen Zentralbanken sowie die notwendigen Vorarbeiten für die Errichtung des ESZB (Europäisches System der Zentralbanken) zu leisten. Zusätzlich wurde beschlossen, den Sitz des EWI sowie die spätere EZB (Europäische Zentralbank) nach Frankfurt am Main zu verlegen.[7] Weiterer Bestandteil der Aufgabenbereiche des Europäischen Währungsinstituts war der Wechselkursmechanismus (WKM II).

Durch diesen wurden im Juni 1997 die Grundsätze der Wechselkurse zwischen dem Euro und den anderen EU-Währungen festgelegt.[8] Der Eintritt in die letzte Phase legte die Wechselkurse der elf Gründungsstaaten unwiderruflich fest. Die Staaten einigten sich auf die Errichtung einer gemeinsamen Geldpolitik und die nationalen Zentralbanken haben ihre Verantwortung auf die Europäische Zentralbank (EZB) übertragen.[9]

1.3 EU-Konvergenzkriterien

Um in die entscheidende letzte Stufe eintreten zu können müssen die zukünftigen Euro-Länder bestimmte Kriterien erfüllen, die sog. Konvergenzkriterien, die im Maastrichter Vertrag von 1992 festgehalten wurden. So darf die Inflationsrate in den Staaten maximal über eineinhalb % der Raten der inflationsniedrigsten Länder liegen. Daneben darf die Neuverschuldung höchstens drei % des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, sowie die Staatsverschuldung bei allenfalls 60 % des BIPs liegen.[10] Derzeit werden aufgrund der Schuldenkrise in Europa die Schuldengrenzen bei weitem von keinem Staat eingehalten.

1.4 Ziele der EWWU

Exakt fixiert wurden die Ziele der EWWU im zweiten Artikel des Vertrags der Europäischen Gemeinschaft (EG):

„Aufgabe der Gemeinschaft ist es, durch die Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und einer Wirtschafts- und Währungsunion sowie durch die Durchführung der in den Artikeln 3 und 4 genannten gemeinsamen Politiken und Maßnahmen in der ganzen Gemeinschaft eine harmonische, ausgewogene und nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftslebens, ein hohes Beschäftigungsniveau und ein hohes Maß an sozialem Schutz, die Gleichstellung von Männern und Frauen, ein beständiges, nichtinflationäres Wachstum, einen hohen Grad von Wettbewerbsfähigkeit und Konvergenz der Wirtschaftsleistungen, ein hohes Maß an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualität, die Hebung der Lebenshaltung und der Lebensqualität, den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern.“ [11]

2. Weg zur aktuellen Krise in Europa

2.1 Auslöser und Verlauf der Finanzkrise von 2007

Um verstehen zu können, wie es überhaupt zu einem derartigen Anstieg der Staatsschulden in Europa kommen konnte, muss man zunächst den Beginn der Finanzmarktkrise betrachten. In den Vereinigten Staaten konnten sich aufgrund der Niedrigzinsen der Federal Reserve (amerikanische Notenbank) nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erstmals auch Geringverdiener Kredite für Immobilien leisten.[12] Durch die steigenden Immobilienpreise, die im Case-Shiller-Index (Abb. 1) deutlich werden, und die günstigen Zinsen kam es zu einem starken Aufschwung der Immobilien- und Finanzmärkte.

Amerikanische Banken gingen von immer weiter steigenden Hauspreisen aus und vergaben Hypotheken auch an Kunden mit geringer Bonität (Kreditwürdigkeit).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Preise am Boden[13]

Kreditausfälle nahmen die Makler in Kauf, da sie bei einer möglichen Zwangsversteigerung noch von Gewinnen ausgingen konnten. Zum damaligen Zeitpunkt wurden die vergebenen Kredite noch in den Bilanzen der Banken gelistet, um eine Verschuldung der Banken zu verhindern.

„Um weitere Kredite vergeben zu können wurden die Kredite nun verbrieft und somit in den Kapitalmarkt gegeben, um sie aus der Bilanz zu tilgen. Über eine Zweckgesellschaft der Bank wurden sogenannte Asset-Backed Securities oder kurz ABS verkauft.“ [14] Neben den ABS wurden noch weitaus kompliziertere Varianten verkauft, die CDO (Collateralized Debt Obligation), die aus verschiedenen ABS gebündelt waren und so zu komplexen, undurchsichtigen Papieren wurden. Diese Finanzprodukte wurden von den Ratingagenturen als sehr positiv gelistet, deshalb war es ein Leichtes für die Banken, diese weltweit zu verkaufen.[15] Bei den Subprimekrediten kam es aber vermehrt zu Zahlungsausfällen und Zwangsversteigerungen mit sinkenden Häuserpreisen. In Folge einiger Unternehmenspleiten von Hypothekenbanken wurden die ABS und CDOs von den Ratingagenturen herabgestuft. Der Verlust des Top-Ratings führte zu erhebliche Einbußen. Fortan herrschte mangelndes Vertrauen unter den Banken, sie schränkten den Interbankenhandel ein. Dies hatte eine Liquiditätskrise zur Folge, in der weltweit viele Institute vom Staat gestützt werden mussten.[16]

[...]


[1] Pritzsche, K. (14.05.2010). Die Währungsunion am Scheideweg.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/euro-krise-die-waehrungsunion-am-scheideweg-1983159.html, [08.10.2011].

[2] Vgl. o.A. Legaler Betrug. (2011). In: WirtschaftsWoche, (23).

[3] dts Nachrichtenagentur (10.06.2011). Stoiber: Folgen der Euro-Krise könnten Lehman-Zusammenbruch übertreffen. http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-06/20490170-stoiber-folgen-der-euro-krise-koennten-lehman-zusammenbruch-uebertreffen-003.htm. [19.06.2011].

[4] Vgl. EZB (o.J.). Wirtschaft- und Währungsunion. http://www.ecb.int/ecb/history/emu/html/index.de.html. [29.10.2011].

[5] Vgl. Borchert, M. (2003). Geld und Kredit (8. Auflage). München: Oldenbourg, S. 16.

[6] Vgl. Kern, C. (2007). Die Wirtschafts- und Währungsunion der Europäischen Union (1. Auflage). Norderstedt: Grin, S. 7.

[7] Vgl. Borchert, M. (2003). a.a.O., S. 17 f.

[8] Vgl. EZB (o.J.). Wirtschaft- und Währungsunion. http://www.ecb.int/ecb/history/emu/html/index.de.html. [29.10.2011].

[9] Vgl. Brochert, M. (2003). a.a.O., S. 7 f.

[10] Vgl. Kern, C. (2007). a.a.O., S. 8.

[11] Schulze-Hagen, Dr. A. (o.J.). EG Vertrag (Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft). http://dejure.org/gesetze/EG/2.html. [29.10.2011].

[12] Vgl. Findeisen, M. (2008). Ursachen der aktuellen Finanzmarktkrise. (1. Auflage). Norderstedt: Grin, S. 3.

[13] Siems, D. (13.09.2011). DIW schafft Frühwarnsystem gegen Immobilienblase. http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article13602720/DIW-schafft-Fruehwarnsystem-gegen-Immobilienblase.html. [29.10.2011].

[14] Findeisen, M. (2008). a.a.O. S. 4.

[15] Vgl. Jubin, M. (2008). Die internationale Finanzkirse – Auslöser und Gefahren für die deutsche Realwirtschaft. Hamburg: Diplomica Verlag, S. 11 ff.

[16] Findeisen, M. (2008). a.a.O. S. 4.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656335733
ISBN (Buch)
9783656337232
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v206456
Note
1,3
Schlagworte
europäische wirtschafts- währungsunion ende auswirkungen finanzmarktkrise ewwu überblick

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