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Bewegte Pausen für die Klassen 5-7 - die Entwicklung eines Konzeptes als erste Phase des Vinzenz-Pallotti-Kollegs zu einer bewegten Schule

Examensarbeit 2012 72 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Verortung
2.1 Lernen und Bewegung
2.2 Die Bewegte Schule
2.3 Lehrerfunktionen
2.3.1 Evaluieren, Innovieren und Kooperieren
2.3.2 Erziehen

3. Planung des Konzeptes
3.1 Schulinterner Bedarf eines solchen Konzeptes
3.2 Erste Schritte
3.3 Durchführung einer Fragebogenerhebung
3.4 Auswertung der Fragebogenerhebung

4. Durchführung des Konzeptes
4.1 Anschaffung neuer Spielgeräte
4.2 Verleih von Spielgeräten
4.3 Regelmäßige Treffen des „Bewegte Pausen-Teams“

5. Evaluation 23
5.1 Durchführung und Auswertung einer Evaluation
5.2 Gespräche mit Lehrern und der Schulleitung

6. Ideen zur Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung 28

7. Zusammenfassung und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

Anhangsverzeichnis

A: Graphische Darstellung zur Bewegten Schule

B: Schülerfragebogen; Befragung vor Beginn der Bewegten Pausen

C: Zwei ausgefüllte Schülerfragebögen

D: Graphische Auswertung der Schülerfragebögen

E: Grundausstattung an Spielgeräten für die Hofpausen

F: Informationszettel „Bewegte Pausen“

G: Farbfotos der Spielgeräte inkl. Anleitung

H: Informationszettel für die Kollegen

I: Ausleihplan

J: Liste für Anregungen der Schüler

K: Fotos des Geräteschrankes und zwei „Ausleih-Teams“

L: Fotos einiger Schüler während der „Bewegten Pausen“

M: Einverständniserklärung der Eltern zur Verwendung der entstandenen Fotos

N: Schülerfragbögen zur Evaluation der „Bewegten Pausen“

O: Zwei ausgefüllte Evaluationsfragebögen

P: Graphische Auswertung der Schüler-Evaluationsbögen

Q: Feedback-Liste der Kollegen

1. Einleitung

Die altbekannte lateinische Redwendung „mens sana in corpore sano“[1] ist besonders heute im Medienzeitalter des 21. Jahrhunderts wieder von hoher Aktualität. Die Meldungen überschlagen sich, wonach viele Kinder der heutigen Generation, unter anderem durch hohen Medienkonsum und damit verbunden einer sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark veränderten Spielkultur bei Kindern, einen Bewegungsmangel und daraus resultierend häufig Übergewicht aufweisen. Ketelhut schreibt beispielsweise 2000 in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin davon, dass bei Schülern vom Übergang der Grundschule zu weiterführenden Schulen 17% Fettstoffwechselstörungen, 40-60% Haltungsschäden und 20-40% Übergewicht aufweisen[2]. Selbst wenn diese Daten vielleicht nicht immer aus repräsentativen Untersuchungen stammen und nicht zu vorschnellen Pauschalurteilen verleiten lassen sollten, lassen sie dennoch eine klare Tendenz erkennen, die gerade auch weiterführende Schulen hellhörig werden lassen müsste.

Bei der Frage nach der Kompensation dieser Tendenzen sind sich die Wissenschaftler darüber einig, dass eine Integration der Bewegung in den Alltag der Kinder unumgänglich ist, da der organisierte Sport in Vereinen und auch der Schulsport hierfür nicht ausreichen. Dennoch kann die Schule sicherlich einen wichtigen Beitrag dazu leisten und somit ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und die Schüler langsam an mehr Bewegungsaktivität heranführen und ihnen auch die Freude, die durch sportliche Betätigung entstehen kann, näher bringen.

Viele Studien belegen darüber hinaus, dass „nicht nur eine enge Beziehungen zwischen der körperlichen Aktivität und der Leistungsfähigkeit [liegt], sondern es lässt sich auch die schulische Leistung positiv beeinflussen[3]. So kann beispielsweise der Stressabbau bei Schülern durch sportliche Betätigung deutlich gesteigert werden, was sich wiederum positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und somit die Leistungsfähigkeit der Schüler auswirken kann.

„In einer `guten und gesunden´ Schule wird auch der Körper nicht vernachlässigt- sollte man meinen“[4], doch die schulische Realität entwickelt sich leider oftmals in eine andere Richtung. Gerade nach dem unbefriedigenden Abschneiden bei den PISA-Studien der letzten Jahre wird von vielen Bildungspolitikern gefordert, dass in der Schule wieder mehr gelernt werden müsse (z. B. Fremdsprachen bereits ab dem Kindergarten oder der Grundschule, standardisierte Leistungstests usw). Hinzu kommt, dass viele Eltern und Schüler seit der Einführung der verkürzten Gymnasialzeit (G8), wonach die Schüler auf den Gymnasien bereits nach acht Jahren das Abitur ablegen können, eine Überlastung der Kinder und zu wenig Zeit für Außerschulisches beklagen[5].

Dieses Ungleichgewicht zwischen scheinbar immer höher ansteigenden kognitiven Anforderungen an die Schüler und einer immer weniger beachteten körperlichen Betätigung dieser blieb jedoch nicht unbeachtet. So gibt es bereits seit den neunziger Jahren, verstärkt aber seit etwa knapp zehn Jahren, Modellversuche wie beispielsweise „Bewegte Schule[6] “ aus Niedersachsen oder das Projekt „Bewegungsfreudige Schule NRW 2010[7] “, bei denen die Zielperspektive neben einer verstärkten sportlichen Betätigung der Schüler auch eine Veränderung der Schule zu einer kind-, lehrer- und lerngerechten Rhythmisierung des Unterrichts impliziert. Es geht also bei diesen Konzepten beispielsweise darum die tägliche Bewegungszeit zu steigern, eine bewegungsgerechte Gestaltung des Schulhofs umzusetzen oder eben auch Spielgeräte in den Pausen für die Schüler bereitzustellen[8]. Somit stellt das im Folgenden näher erläuterte Konzept der Bewegten Pausen am VPK einen Teilbereich des Gesamtkonzeptes Bewegte Schule dar.

Da an meiner Schule, dem Vinzenz-Pallotti Kolleg[9] in Rheinbach, in der letzten Zeit öfter zur Sprache gekommen ist, dass auch an unserer Schule eine Veränderung in Richtung zu einer Bewegten Schule als sehr sinnvoll erscheint, habe ich mich dieser Aufgabe im Hinblick auf diese Hausarbeit gestellt, um ebenfalls einen Beitrag zu dem Gesamtkonzept „VPK als Bewegte Schule“ beizusteuern. Denn gerade an einer Jungenschule darf man sicherlich besonders die Überzeugung oder Hoffnung haben, den den meisten Jungen angeborenen besonderen Bewegungsdrang durch gezielte Konzepte und Teilschritte sinnvoll für die weitere Entwicklung der Jungen nutzen zu können. Meine Überlegungen, mit dem Konzept der Bewegten Pausen für die Klassen 5-8[10] am VPK den ersten Schritt unserer Schule auf dem Weg zu einer bewegten Schule zu gehen, setzen somit zwar im schulischen, nicht aber im unterrichtlichen Rahmen an. Es sollen hierbei vor allem Vorteile und Chancen beziehungsweise Möglichkeiten der Bewegen Pausen aufgezeigt werden. Je nachdem wird die genauere Auseinandersetzung mit dem Konzeptentwurf oder aber auch die Auswertung einer ersten Evaluation der Bewegten Pausen aber auch deutlich machen, an welchen Stellen solch ein Konzept an Grenzen stößt.

Die zentralen Fragen, mit der sich diese Arbeit beschäftigen und auseinandersetzen wird, sind daher: „Welche Schritte müssen für das Einführen eines aktiven Pausenkonzeptes am VPK in Rheinbach bedacht und beschritten werden?, und „Was können Bewegte Pausen letztendlich (auf dem Weg zu einer Bewegten Schule) leisten?“.

Um sich dem zugrunde liegenden Thema dieser Hausarbeit auch wissenschaftlich anzunähern, wird zunächst ein kurzer Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft in Bezug auf den Zusammenhang von Lernen und Bewegung sowie Bewegte Schulen und vor allem den daraus stammenden Teilbereich Bewegten Pausen gegeben. Es geht hierbei vor allem um das Zusammenspiel von Leistungsfähigkeit und körperlicher Aktivität bei Schülern, dem derzeit so oft konstatierten Bewegungsmangel vieler Kinder und der Darstellung von Schulkonzepten, die diese Tatsachen berücksichtigen und sich zur Aufgabe gemacht haben mehr Bewegung in den Schullalltag zu integrieren. Im Anschluss daran werden die für diese Arbeit besonders geforderten Lehrerfunktionen genauer erläutert, um schließlich daran anknüpfend die Entstehung und Planung sowie die Durchführung des bei dieser Arbeit zugrunde liegenden Konzeptes darzustellen. Um auch die Schüler an diesem Konzept partizipieren zu lassen, ist es im Rahmen dieser Arbeit unter anderem auch zu einer Fragebogenerhebung unter den Schülern der Klassen 5-8 gekommen, damit auch diese ihre Wünsche und Anregungen zu der Pausenaktivität am VPK äußern können. Anschließend soll dann zur Reflektion durch eine erste Evaluation des Konzeptes überprüft werden, inwieweit die beabsichtigten Ziele der Bewegten Pausen erreicht werden konnten und die Schüler der Klassen 5-7 in den beiden Hofpausen tatsächlich mehr Bewegungsaktivität zeigen. Dies geschieht durch die Auswertung und Interpretation des von mir entworfenen Schüler-Evaluationsfragebogens zu den Bewegten Pausen und durch Gespräche mit Kollegen. Abschließend soll dann überlegt werden, welchen Mehrwert die Bewegten Pausen für die Schüler und letztlich die gesamte Schule gebracht haben und welche weiteren Schritte gegangen werden müssen, um einerseits die Nachhaltigkeit dieses Konzeptes zu garantieren und andererseits dem übergeordneten Ziel, das VPK Rheinbach auf den Weg zu einer Bewegten Schule zu bringen, immer näher zu kommen.

2. Theoretische Verortung

2.1 Lernen und Bewegung

Mit ihrer These „Wer sich bewegt, dem fällt das Denken leichter“[11] untermauert Ursula Oppolzer[12] ihre Ansicht, wie elementar Bewegung gerade auch im Hinblick auf die Entwicklung und den Lernprozess von Kindern und Jugendlichen ist. Es ist wohl unbestritten, dass Bewegung zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört und dass Bewegungsmangel schlecht für den Körper ist. Dass sich Bewegung auch positiv auf die menschliche Denkleistung auswirkt, erschließt sich, wenn man bedenkt, dass ein gut funktionierendes Gehirn unter anderem von einer optimalen Blutzirkulation abhängig ist, und diese zum Beispiel eben dann erreicht wird, wenn der Kreislauf in Ordnung ist[13]. Zudem stellt jeder Lehrer immer wieder fest, dass viele Kinder nur begrenzt stillsitzen können, und gerade nach dem Wochenende oder Feiertagen scheint es so, dass die Schülerinnen und Schüler besonders zappelig sind und den Bewegungsmangel dieser Tage (häufiger Fernsehkonsum, Computerspiele…) scheinbar ausgleichen müssen. Trotz dieser Erfahrungen sieht der Schullalltag an den meisten Schulen nach wie vor jedoch so aus, dass die Unterrichtseinheiten nur selten durch Bewegungseinheiten aufgelockert werden und ein aus Schülersicht recht passiver lehrerzentrierter Unterricht vorherrscht.

Die heutige Forschung untermauert den Ausspruch Konfuzius´ „Erzähl mir etwas, und ich vergesse es, zeig mir etwas, und ich erinnere mich, lass es mich tun, und ich verstehe es“. Seit Jahren ist beispielsweise wissenschaftlich belegt, dass Kinder und Erwachsene am effektivsten lernen, wenn möglichst viele Sinne aktiviert und angesprochen werden. Es ist bekannt, dass wir beispielsweise durchschnittlich nur 20% von dem, was wir hören behalten, jedoch 90% von dem, was wir selber tun[14]. Bewegung erleichtert es sich anzustrengen und ermöglicht eine differenzierte Wahrnehmung der materiellen und sozialen Umwelt. Je intensiver Bewegung die Wahrnehmungssysteme aktiviert, desto leichter können sich diese entwickeln. So ist des Weiteren wissenschaftlich belegt, dass bereits eine halbe Stunde gehen ausreicht, um das Gehirn aufnahme- und denkfähiger zu machen, da das Gehirn durch die gesteigerte Sauerstoffaufnahme verstärkt aktiviert wird. Zudem werden durch Bewegung zusätzliche Botenstoffe, wie beispielsweise Endorphine oder Dopamin produziert, die zu einer Verbesserung des Wohlbefindens oder zur Steigerung der Motivation führen können[15]. Neuere Studien zeigen darüber hinaus, dass körperliche Aktivität über verschiedene Faktoren auf die Hirnleistungen des Menschen wirkt. So zeigen beispielsweise Untersuchungen von Hollmann und Strüder[16], dass bei Ergometerbelastungen von 25 beziehungsweise 100 Watt die Gehirndurchblutung um 14 bzw. 25% gesteigert wird. Die Wissenschaftler stellten bei dieser Untersuchung zudem signifikant fest, „dass ein Zusammenhang zwischen physischer Aktivität und der Synthese von Neurotransmittern [im Gehirn] besteht“[17]. Dazu stimmig erscheinen auch die Ergebnisse des CHILT-Projektes (Children´s Health Interventional Trial) aus dem Jahre 2003, wonach die körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Konzentrationsleistung von Schülerinnen und Schülern hat. So konnte beispielsweise im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen gezeigt werden, dass Kinder bei einem quantitativen Leistungstest weit überdurchschnittlich abschnitten, die auch im Körperkoordinationstest gute Ergebnisse erzielten[18]. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die aktuelle Forschung sich einig darüber ist, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen konzentrativer und koordinativer Leistungsfähigkeit besteht.

Ebenso ist bekannt, dass Bewegungsmangel sehr leicht zu Haltungsschäden führen und zudem auch negative Auswirkungen auf die physische und eben auch psychische Gesundheit eines Menschen haben kann. Daran anknüpfend lassen aktuelle Untersuchungen einen aufhorchen, wonach immer häufiger auch bereits bei Kindern Altersdiabetes oder Depressionen auftreten. Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung aus dem Jahre 2011 zeigten beispielsweise mehr als die Hälfte der Schulkinder in den Klassen 1-7 Haltungsschäden, bei 40% der Kinder wurden Konzentrationsprobleme attestiert und etwa 20% sind demnach übergewichtig[19]. Diese Zahlen können und müssen sicherlich als ein alarmierendes Signal gewertet werden, vor dem gerade auch die Schulen, deren obersten Ziel eine positive Entwicklung der Schüler und Schülerinnen sein sollte, die Augen nicht länger verschließen können. Auch dann nicht, wenn selbstredend ist, dass die Schule allein keine Trendwende herbeiführen kann.

2.2 Die Bewegte Schule

Die Anfänge der Bewegten Schule in Deutschland sind auf die frühen 1990er-Jahre zu datieren, wobei das ursprüngliche Konzept der Bewegten Schule auf den Schweizer Urs Illi zurückgeht[20], dessen Ziel es war mehr Bewegung in die traditionelle „Sitzschule“ zu bringen. Kritisiert hat Illi vor allem die gesundheitlichen Belastungen für Kinder und Jugendliche im Lebensraum Schule, beispielsweise durch statische Lehr-/Lernformen ohne Handlungsbezug, starres Schulmobiliar, zu kurze Pausen, zu große Stofffülle und demgegenüber einen zu großen Bewegungsmangel. Somit ging es am Anfang bei den ersten Konzepten zur Bewegten Schule darum, „kompensatorisch gesundheitliche Belastung auszugleichen“[21]

Wesentlich bei den der Bewegten Schule zugrunde liegenden Konzepten ist ein ganzheitlicher Gedanke, wonach sich die angestrebten Veränderungen- gerade im Hinblick auf mehr Bewegung- eben nicht nur auf einen Bereich (z. B. den Sportunterricht) beziehen sollen, sondern auf die gesamte Schulstruktur. Diese Schulform versteht sich somit als „einen Lern- und Lebensraum für Kinder, in dem das Lernen mit allen Sinnen groß geschrieben wird [und] in dem die Bewegung in das gesamte Schulleben integriert wird“[22]. Die Betonung der Ganzheitlichkeit der Konzepte zur Bewegten Schule, also neben den kognitiv-intellektuellen Aspekten auch die Berücksichtigung von körperlichen und affektiv-emotionalen Aspekten, ist jedoch nicht gänzlich neu, sondern knüpft an reformpädagogische Konzepte an und erinnert sehr stark an Pestalozzis Ausspruch „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“[23]. Doch obwohl es bereits durch die Reformpädagogik in vielen Schulen „einen radikaler Wechsel im Verständnis von Schule und Unterricht gegeben hat“[24], haben sich diese Konzepte bis heute nicht flächendeckend durchsetzen können. Anfänglich in erster Linie für den Primarbereich entwickelt, wird jedoch verstärkt seit den letzten 20 Jahren (teilweise sehr erfolgreich) versucht, Elemente der Bewegten Schule auch im Sekundarbereich zu etablieren.

Basierend auf der Vorstellung von Bewegung als anthropologisches Grundbedürfnis des Menschen kann eine Bewegungserziehung nur als umfassende Aufgabe der Schulentwicklung verstanden werden, die alle Fächer und ebenso den außerschulischen Bereich mit einbezieht[25]. Die Idee der Bewegten Schule versteht sich wie bereits erwähnt als ein ganzheitliches Konzept, das Bewegung als einen grundlegenden Beitrag zur Förderung der kindlichen Entwicklung ansieht und lehnt sich somit unter anderem an interaktionistische Entwicklungstheorien des Schweizer Entwicklungspsychologen Piaget an. Somit besteht das Fundament der meisten Konzepte zur Bewegten Schule aus vornehmlich zwei schulpädagogisch bedeutenden Elementen, nämlich dem engen Zusammenhang zwischen „Bewegung und Entwicklung“ sowie „Bewegung und Lernen“ der Schüler. Da sich Kinder die Bedeutung ihres Lebensraumes zum großen Teil über Bewegung erschließen, brauchen sie demzufolge auch in der Schule ausreichend Gelegenheiten dazu. Die Möglichkeiten hierzu bieten sich angefangen in der Klassenraumnutzung als Bewegungsraum, in themenbezogenen Bewegungsangeboten im Unterricht oder eben auch in den Pausen oder darüber hinausgehenden außerunterrichtlichen Angeboten[26]. Die graphischen Darstellungen von Illi beziehungsweise Klupsch-Sahlmann (s. Anhang A) geben hierzu einen guten Überblick über die verschiedenen Bausteine des Gesamtkonzeptes der Bewegten Schule. Hierbei wird dann erneut deutlich, dass auch ein aktives Pausenkonzept wie die Bewegten Pausen einen wichtigen Teilbereich des Gesamtkonzeptes Bewegte Schule ausmachen.

Die verschiedenen Konzepte zur Bewegten Pause streben alle nach dem gleichen Ziel. Es geht hierbei darum, die meist tristen Schulhöfe in eine anregende Lernumgebung mit einem positiven Appell-Charakter umzuwandeln, auch größere Geräte auf dem Schulgelände und den Schulhöfen zu installieren, an denen Kinder leicht und mit Freude spielen können (z. B. Tischtennisplatten, Klettergerüste usw.), Spiel- und Bewegungsmaterial zur Verfügung zu stellen oder eben auch (Natur-)Freiräume zu schaffen, in denen die Schüler und Schülerinnen sich ungestört bewegen, bauen und spielen können[27]. Die eingeräumten Bewegungschancen sind hierbei als ein Angebot an die Schüler und Schülerinnen zu verstehen, welche von den Lehrern zu betreuen, nicht jedoch alleinig zu leiten sind. Bei ausgewiesenen Sporträumen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass diese von verschiedenen Interessengruppen genutzt werden können und beispielsweise „nicht ausschließlich von fußballspielenden Jungen besetzt werden[28]. Der Schulhof ist hierbei auch als ein Ort des sozialen Lernens zu verstehen, weil das gemeinsame Spiel und die Bewegung hierfür vielfältige Möglichkeiten bieten. Da vielleicht aber auch Probleme im sozialen Miteinander entstehen können, müssen diese im Rahmen von Unterrichts- oder persönlichen Gesprächen aufgegriffen werden. Neben der Einrichtung zahlreicher Bewegungsanlässe erscheint es auch sinnvoll klar strukturierte und funktional ausgewiesene Flächen auf dem Schulhof einzurichten[29], um den Schülerinnen und Schülern das Spielen verschiedenster Spiele nebeneinander möglichst einfach und reibungslos zu ermöglichen.

2.3 Lehrerfunktionen

Im Kontext dieser Arbeit und der dabei zugrunde liegenden Thematik werden verschiedenste Lehrerfunktionen tangiert oder sind relevant hierfür. Vor allem aber drei Lehrerfunktionen sind hierbei von besonderer Bedeutung für die Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Thema und werden daher im Folgenden etwas genauer betrachtet und ausgeführt.

2.3.1 Evaluieren, Innovieren und Kooperieren

Um das nachfolgend genau erläuterte Konzept (s. 3. und 4.) realisieren zu können, ist eine gute Kooperation mit Schülern, Kollegen und der Schulleitung unabdingbar. Ohne die Zustimmung und Unterstützung der Schulleitung scheint es nahezu unmöglich solch ein Konzept zu verwirklichen, denn möchte man sich beispielsweise (erst einmal) nicht in die Abhängigkeit von schulexternen Sponsoren begeben, ist man unter anderem auf die finanzielle Unterstützung von Schulseite (z. B. des Fördervereins) angewiesen. Neben der Finanzierung ist vor allem aber der nachhaltige Erfolg und Fortbestand eines solchen Vorhabens von der guten Kooperation mit der Schulleitung und den Kollegen abhängig. Erst wenn alle Beteiligten hinter solch einem Konzept stehen und es als festen Bestandteil des Schulalltags ansehen, kann dieses sukzessive verbessert und ausgebaut werden und somit für Schüler und Lehrer von nachhaltiger Bedeutung sein und seine damit angestrebten Potentiale (s. 2) entfalten.

Die Schüler, die während der Pausen aktiv bei der Spielgeräteausleihe beteiligt sind, lernen zudem auch mit Schülern anderer Klassen und Klassenstufen zusammenzuarbeiten und erkennen während ihrer Arbeit, wie wichtig eine gute Kooperation innerhalb des Ausleih-Teams für den reibungslosen Ablauf einer solchen Ausleihe und den Erfolg dieses gesamten Vorhabens ist.

Wie bereits erwähnt sollte es gerade an einer Jungenschule ausreichend Gelegenheiten geben, damit die (jüngeren) Schüler ihren zumeist recht hohen Bewegungsdrang sinnvoll ausleben können. In Bezug auf die bisherigen Möglichkeiten der aktiven Pausengestaltung am VPK muss dieser Bereich jedoch leider als ein Desiderat angesehen werden, da den Schülern neben einer Wiese und den recht kahlen Schulhöfen wenige Anreize zur sportlichen Betätigung in den Pausen gegeben werden. Somit stellt dieses Konzept der Bewegten Pausen ein innovatives Moment dar, weil es auf den aktuellen Bedarf der Schule reagiert und in einem ersten Schritt versucht die Wünsche zur Pausengestaltung der Schüler und Lehrer zu verbinden und umzusetzen.

Um das Konzept der Bewegten Pausen für die Klassen 5-7 nach einer ersten Testphase überprüfen zu können, habe ich nach etwa drei Monaten eine erste Evaluation mithilfe einer Fragebogenerhebung bei den beteiligten Schülern durchgeführt. Dabei konnten die Schüler sich unter anderem dazu äußern, inwiefern sie das Angebot der B ewegten Pausen nutzen, welche Spielgeräte hierbei besonders beliebt sind und welche Verbesserungsvorschläge und Anregungen sie gegebenenfalls dazu haben. Somit können die Ergebnisse einer solch internen Evaluation dabei helfen, das vorliegende Konzept noch besser auf die Wünsche der Schüler abzustimmen und kleinere Fehler frühzeitig auszubessern, um so möglichst alle Potentiale des Konzeptes auszuschöpfen und einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen.

2.3.2 Erziehen

Zum Selbstverständnis von Schule und Unterricht gehört neben der Vermittlung und Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten zugleich auch die Lehrerfunktion des Erziehens. Hierbei geht es vor allem darum, die „Entwicklung einer mündigen und sozial verantwortlichen Persönlichkeit [zu] fördern“[30]. Auch bei dem Konzept zu den Bewegten Pausen am VPK nimmt das Erziehen zum eigenständigen, selbstbestimmten und vor allem verantwortungsbewussten Handeln einen hohen Stellenwert ein. Zur Verantwortungsübernahme gehört beispielsweise auch, dass die Schüler lernen die Ausleihe der Spielgeräte selbstständig in den Pausen durchzuführen, wobei ein gemeinschaftliches und demokratisches Handeln in Teams im Vordergrund steht. Das Ausleih-Team der Bewegten Pausen hat beispielsweise gemeinschaftlich einen Regelkatalog für die Ausleihe der Spielgeräte zusammengestellt, wodurch die demokratische und soziale Einstellung, Verhaltensweisen und Werthaltungen der Schüler gefördert werden. Wenn es um die Einhaltung von bestimmten Regeln oder Werthaltungen (z. B. Pünktlichkeit und Verlässlichkeit) geht, bin auch ich als Lehrkraft bemüht durch das eigene Verhalten vorbildhaft zu wirken. Da es in regelmäßigen Abständen Feedbackrunden des Ausleih-Teams mit mir gibt, erhalten die Schüler somit auch die Gelegenheit ihre Meinung frei vor der Gruppe zu äußern und so auch durch konstruktive Kritik an einer stetigen Verbesserung des Konzeptes mitzuarbeiten. Somit sind das Einüben einer demokratischen Haltung, das Erkennen einer Sinnhaftigkeit von gemeinsam festgelegten „Spielregeln“ und auch die Förderung von Teamfähigkeit wichtige Aspekte des Kompetenzbereiches Erziehen, der auch bei diesem Konzept von großer Relevanz ist.

3. Planung des Konzeptes

3.1 Schulinterner Bedarf eines solchen Konzeptes

Das VPK in Rheinbach ist eine der letzten vier Jungengymnasien in Deutschland, wobei es eine Kooperation in der Oberstufe mit dem benachbarten Erzbischöflichen Mädchengymnasium St. Joseph gibt. Bereits im normalen Schulalltag des VPKs wird sehr schnell deutlich, welch hohen Bewegungsdrang die meisten Jungen (vor allem in den unteren Klassen 5-8) zeigen. Für viele Jungen ist die Pause und damit die Möglichkeit zur Bewegung, zu kleineren Wettkämpfen und dem sportlichen Messen mit anderen Jungen ein besonderes Highlight ihres Schulalltages. Gerade bei Schülern der Klassen 5 und 6 ist spätestens gegen Ende der vierten Schulstunde deutlich bemerkbar, dass viele Jungen Bewegung brauchen, um den Kopf vom Unterrichtsgeschehen freizubekommen und somit auch wieder aufnahmefähig für weitere Unterrichtsinhalte zu werden. Darüber hinaus kann gerade an einer Jungeschule oftmals in den Pausen beobachtet werden, wie es zu kleineren handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Jungen kommen kann. Auch hier könnte der Anreiz zu noch mehr sportlicher Betätigung beziehungsweise sinnvoller, aktiver Bewegung und der dabei entstehende Spaß am gemeinsamen Spiel eventuell ein wenig Abhilfe schaffen.

Seit Beginn meines Referendariats ist mir jedoch aufgefallen, dass das VPK zwar Dank seiner Internatsvergangenheit über ein recht großes Schulgelände mit zwei Wiesen und mehreren Schulhöfen verfügt, diese jedoch oftmals zu wenig Anreiz für sportliche Betätigungen bieten und auch von ästhetischer Seite her betrachtet Anlass für kreative und künstlerische Verschönerungen bieten. Diese Tatsache ist dann auch in einer Lehrerkonferenz zur Sprache gebracht worden und es hat sich ein Lehrer-Team gebildet, welches Ideen zur Verbesserung der Pausengestaltung am VPK überdenken wollte. Aufgrund der Tatsache, dass der ganz alltägliche Schulalltag neben dem normalen Unterricht und seiner Vorbereitung jedoch von allen Lehrern auch sonst viel verlangt, konnte dieses „Pausengremium“ bisher noch nicht wirklich aktiv werden. Da ich jedoch von Anfang an von einem Mehrwert für unsere Schule und ganz konkret für unsere Schüler durch das Implementieren eines aktiveren Pausenangebots für die Schüler der Klassen 5-8 überzeugt gewesen bin, habe ich den Bedarf an einer Überarbeitung der Pausengestaltung ernst genommen und mir diesen ersten Schritt auf dem Weg des VPKs zu einer Bewegten Schule als Grundlage für diese Hausarbeit zu eigen gemacht.

3.2 Erste Schritte

Bei einer ersten „Bestandsaufnahme“ habe ich durch Erkundungen vor Ort und durch viele Gespräche mit Schülern, Kollegen und der Schulleitung eruiert, wie der derzeitige Ist-Stand in Sachen Gestaltung der Pausenhöfe, Spielmöglichkeiten, Nutzung verschiedener Räumlichkeiten (Schulhöfe, Wiesen, Sportplatz, gesonderte Räume usw.) und das Vorhandensein von Spielgeräten derzeit am VPK aussieht. Hierbei ist unter anderem herausgekommen, dass die Schule über zwei Schulhöfe und zwei Wiesen- von denen aber nur eine für die Schüler tatsächlich geöffnet ist- verfügt. Der größte Schulhof ist mit einem Basketballständer mit drei Körben und zwei Tischtennisplatten ausgestattet; auf dem zweiten, etwas kleineren Schulhof befinden sich zusätzlich zwei weitere Tischtennisplatten. Auffällig war jedoch, dass mir aus Gesprächen mit mehreren Schülern bekannt war, dass viele Jungen in ihrer Freizeit aktiv Tischtennis und/oder Basketball spielen, die Basketballkörbe und Tischtennisplatten in den Pausen jedoch nur sehr unregelmäßig und vereinzelt genutzt werden. Auch dem Fußballspielen, einer Disziplin, in der nach wie vor viele unserer Schüler in diversen Schulmannschaft aktiv sind und dort auch etliche Erfolge verzeichnen, gingen wider Erwarten recht wenige Schüler in den Pausen nach. Auf die direkte Nachfrage bei einzelnen Schülern, warum dies so sei, beklagten viele Schüler, dass es sehr umständlich wäre, neben der alltäglichen Schlepperei an Büchern und Heften für den Unterricht auch noch Spielgeräte wie etwa Basket- und Fußbälle oder Tischtennisschläger den ganzen Tag mit sich zu tragen. Zudem fiel mir erneut deutlich ins Auge, wie kahl und grau doch das Schulgelände des VPKs- abgesehen von ein paar kreativen Wandbemalungen verschiedener ehemaliger Abiturjahrgänge- wirkt. Ebenso ist zu konstatieren, dass die Schulhöfe am VPK meiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Schulen über recht wenig Sitzmöglichkeiten oder Ruhezonen (Tische, Bänke, besondere Räumlichkeiten) verfügen.

Bei allen Überlegungen und Planungen zur Umgestaltung des Pausenkonzeptes am VPK ist immer wieder deutlich geworden, dass solch ein Konzept nur Erfolg versprechend sein kann, wenn ein reger Austausch zwischen allen Beteiligten, also Schülern, Lehrern, der Schulleitung und dem weiteren Schulpersonal (z. B. Hausmeister, Sekretariat) besteht. Da nur die Schülermeinungen in einer Fragebogenerhebung (s. 3.3) eruiert worden sind, habe ich mit den anderen Beteiligten ausgiebige und regelmäßige Gespräche geführt. Nahezu alle Kollegen (inkl. der Schulleitung) des VPKs standen einer Neugestaltung des derzeitigen Pausenkonzeptes am VPK von Anfang an positiv gegenüber und sicherten ihre Unterstützung zu.

Um einen guten Überblick und Anregungen zu den verschiedenen Möglichkeiten einer aktiven Pausengestaltung zu erhalten, habe ich auch frühzeitig Kontakt zu anderen Gymnasien in der näheren Umgebung aufgenommen, die- wie ich durch meine Internetrecherchen zu diesem Thema festgestellt habe- bereits seit längerem ein aktives Pausenkonzept an ihren Schulen erproben. Vor allem an zwei Gymnasien in Köln und Leverkusen[31] habe ich mehrfach die Gelegenheit erhalten mich vor Ort umzuschauen, mir das Pausengeschehen einmal live anzusehen und mir bei den verantwortlichen Lehrern gute Tipps für die Implementierung eines solchen Konzeptes am VPK in Rheinbach zu holen, auch Unsicherheiten zu klären und mir offene Fragen beantworten zu lassen.

3.3 Durchführung einer Fragebogenerhebung

Aufgrund meiner bereits erwähnten eigenen Beobachtungen und diverser Gespräche mit Schülern und Kollegen zur Pausenaktivität am VPK und mit anderen Schulen zu deren Erfahrungen mit aktiven Pausenkonzepten ist es dann zu der Erstellung des Schülerfragebogens (s. Anhang B) gekommen. Hierbei ging es darum festzustellen, wie die derzeitige Pausengestaltung unserer Schüler am VPK der Klassen 5-8 aussieht und welche Veränderungen sich die Schüler diesbezüglich wünschen würden. Hierfür sind jeweils drei Klassen der Stufen 5-8, insgesamt 325 Schüler, befragt worden. Um sicherzustellen, dass die Fragebögen gewissenhaft ausgefüllt werden, ist im Vorfeld mit den Klassenlehrern der betroffenen Klassen vereinbart worden, dass den Schüler ausreichend Zeit zum Überdenken und Ausfüllen der Fragebögen gegeben wird. Bei weiteren Fragen oder Unklarheiten konnten die Schüler sich zudem jederzeit an mich wenden.

Bei dem Umfang des Fragebogens von zwei Din-A4-Seiten ist berücksichtigt worden, dass zu lange Fragebögen gerade bei jüngeren Schülern oftmals nicht intensiv genug ausgefüllt werden und die erzeugte Informationsflut zu Schwierigkeiten beim Ausfüllen und Auswerten führen kann. Ebenso ist auch bei der Formulierung der Fragen auf eine möglichst präzise Fragestellung, die für Schüler der Klassen 5-8 gut verständlich sein müsste, geachtet worden. Um den Schülern Anregungen zu geben, welche Aktivitäten in den Schulhofpausen möglich wären, den Schülern aber dennoch die Möglichkeit zu bieten eigene individuelle Wünsche zu äußern, ohne sie dabei in eine bestimmte Richtung zu lenken, gibt es in diesem Fragebogen eine Mischung aus geschlossenen und offene Fragen. Konkret bedeutet dies, dass die Schüler bei jeder Frage die Möglichkeit haben neben einer Auswahl vorgegebener Antwortmöglichkeiten auch eigene Vorschläge anzugeben. Für den Fall, dass einige Jungen noch weitere Anregungen oder Ideen zur Gestaltung der Bewegten Pausen am VPK haben, die bisher nicht in diesem Fragebogen berücksichtigt worden sind, bietet der letzte Punkt 5 des Fragebogens („Wünsche/ Anregungen“) Gelegenheit diese zu äußern. Da mir jedoch bewusst ist, dass die komplexe „Wirklichkeit“ sich nicht mit einem Instrument vollständig abbilden lässt[32], sind neben den Fragebögen auch weiterhin kontinuierlich persönliche Gespräche mit Schülern, Kollegen und der Schulleitung geführt worden (und werden nach wie vor geführt).

3.4 Auswertung der Fragebogenerhebung

Ein wenig überraschend war für mich das Ergebnis der Auswertung der Schülerfragebögen der Klassen 8, wobei nämlich beispielsweise mit 66% die Mehrheit der Jungen angab, in den Pausen üblicherweise zu sitzen und sich mit ihren Freunden zu unterhalten, wohingegen nur 29% der Schüler verschiedenen Spielen nachgehen[33]. Dazu passend erscheint dann auch das Ergebnis, dass sich lediglich 22% der Achtklässler kleinere Spielgeräte zur Ausleihe in den beiden großen Schulhofpausen wünschen würden[34] und demgegenüber 40% der befragten Schüler aus den Klassen der Jahrgangsstufe 8 die vorhanden Spielgeräte auf dem Schulhof des VPKs als für sie durchaus ausreichend bewerten[35].

Die Fragebogenauswertung hat jedoch auch ergeben, dass sich viele dieser Schüler der Klassen 8 einen Pausenraum nur für ihre Jahrgangsstufe wünschen[36], der unter anderem über ausreichend Sitzgelegenheiten und Tische (z. B. zum Spielen von Gesellschaftsspielen) sowie größere Spielgeräte wie einen Kicker oder einen Billardtisch verfügt. Da im Zentrum dieser Arbeit, also des Konzeptes zu den Bewegten Pausen am VPK Rheinbach, jedoch vor allem die körperlich aktive Pausenbeschäftigung der Schüler steht, werden die Wünsche der Schüler der Klasse 8 zwar ernst genommen und für zukünftige Schritte beim Ausbau des Pausenkonzeptes im Hinterkopf behalten, doch zum jetzigen Zeitpunkt können diese- auch aus finanziellen Gründen- nicht sofort berücksichtigt werden. Zudem sollte dann aber zukünftig bei der weiteren Ausgestaltung dieses Pausenkonzeptes auch überlegt werden, welche Anreize geschaffen werden können, um auch die Schüler der Mittelstufe zu einer aktiveren Bewegung in den Schulhofpausen zu motivieren.

Da der Wunsch nach einer Ausleihe von Spielgeräten innerhalb der beiden großen Pausen für diese Altersklasse recht gering ist, habe ich nach der Auswertung der Fragebögen beschlossen, mein Konzept der Bewegten Pausen, bei dem es in einem ersten Schritt vor allem um die Anschaffung und das Ausleihen kleinerer Spielgeräte für die Pausen geht, auf die Klassen 5-7 zu beschränken. Ein weiterer Grund hierfür ist zudem auch, dass natürlich auch die finanziellen Mittel (s. 4.1) für einen ersten Schritt eines Gesamtkonzeptes beschränkt sind und somit auch bedacht werden müssen.

Bei der Auswertung der Schülerbefragung[37] in den Klassen 5-7 zeigte sich, dass die meisten Schüler dieser Klassen (48%) in den Pausen üblicherweise aktiv sind und spielen, jedoch gaben mit 49% auch fast genauso viele Jungen an, in den Pausen vor allem zu sitzen und sich mit ihren Freunden zu unterhalten[38]. Da sich allerdings die Mehrheit der befragten Schüler Markierungen für Spielfelder auf dem Schulhof wünscht und sogar 82% der befragten Jungen einer Ausleihe von kleineren Spielgeräten in den beiden Hofpausen positiv gegenübersteht, lässt dies den Schluss zu, dass sich durch die Erfüllung beziehungsweise Umsetzung dieser Wünsche eine noch höhere Pausenaktivität bei den Schülern der Klassen 5-7 erzielen ließe. Dass sich dagegen nur 41% der Schüler Brett- und Kartenspiele zur Benutzung in den Pausen wünschen würde, verstärkt zudem vielleicht die Tendenz, dass sich die Jungen in dieser Altersklasse tatsächlich lieber aktiv in den Pausen bewegen, anstatt still und sitzend zu spielen.

Die Frage nach Spielen und Spielgeräten zum Ausleihen in den Pausen ist von den Schülern recht vielfältig beantwortet worden (Mehrfachnennungen waren hierbei möglich). Bei der Kategorie „Sonstiges“ wurden Rugby-Bälle, Skateboards sowie ein Kicker genannt. Siehe dazu die graphische Auswertung:

[...]


[1] Ein verkürztes Zitat aus den Satiren des römischen Dichters Juvenal mit der Bedeutung „Ein gesunder Geist in

einem gesunden Körper.“

[2] Vgl. Ketelhut, K.: Bewegungsmangel im Kindesalter. Gesundheit und Fitness heutiger Kinder besorgniserre-

gend? In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. 51 (2000). S. 350.

[3] Völker, K.: Die körperliche Fitness von Schulkindern und Schülern. In: Hundeloh, H./ Schnabel, G./

Yurdatap, N. (Red.): Kongress Dokumentation. Gute und gesunde Schule. Moers: Zero 2004. S. 253.

[4] Zimmer, R.: Bewegung- ein grundlegendes Element der Erziehung und Bildung. In: Hundeloh, H./ Schnabel,

G. / Yurdatap, N. (Red.): Kongress. Gute und gesunde Schule. Moers: Zero 2004. S. 243.

[5] Vgl. http://www.sueddeutsche.de/karriere/g-reform-danach-bist-du-platt-1.579258

[6] Vgl. http://www.bewegteschule.de/redaktion/projekt/projektidee.php

[7] Vgl. http://www.schulsport-nrw.de/info/01_schulsportentwicklung/bewegungsfreudigeschule/

bewegungsfreudige_schule_infos_10.html

[8] Vgl. http://www.bewegteschule.de/redaktion/projekt/projektidee.php

[9] Im Folgenden mit VPK abgekürzt.

[10] Ursprünglich war mein Konzept für die Klassen 5-8 angedacht, nach einer ersten Fragebogenerhebung mit

den Schülern dieser Klassen hat sich jedoch herausgestellt, dass eine Spielgeräteausleihe in einem ersten

Schritt lediglich für die Klassen 5-7 als sinnvoller erscheint (s. 3.3 und 3.4).

[11] Oppolzer, U.: Bewegte Schüler lernen leichter- ein Bewegungskonzept für die Primarstufe, Sekundarstufe I

und II. Dortmund 2006. S. 9.

[12] Realschullehrerin und Fachbuchautorin im Bereich Hirn- und Gedächtnistraining.

[13] Oppolzer, U.: Bewegte Schüler lernen leichter. Dortmund 2006. S. 9.

[14] Vgl. Bolay, E./ Platz, F./ Wolf, H.: Bewegung- ein Unterrichtsprinzip: Bewegungspädagogik für weiterführ-

ende Schulen, Bewegungspausen im Unterricht, Entspannung und Stille im Klassenzimmer. In: Anrich, C.

(Hrsg.): Bewegte Schule, bewegtes Lernen. Bd. 2. Leipzig 2002. S. 6.

[15] Vgl. Beigel, D.: Beweg dich, Schule. Dortmund 2005. S. 29.

[16] Hollmann, W./ Strüder, H./ Tagarakis, C.: Körperliche Aktivität fördert Gehirngesundheit und –leistungsfähig-

keit. In: Nervenheilkunde. 9 (2003). S. 473.

[17] Vgl. http://www.rehoruli.de/resources/Lernen_braucht_Bewegung.pdf

[18] Vgl. Ebd.

[19] Vgl. Bolay, E. u. a.: Bewegung- ein Unterrichtsprinzip. In: Anrich, C. (Hrsg.): Bewegte Schule, bewegtes

Lernen. Bd. 2. Leipzig 2002. S. 7.

[20] Vgl. Laging, R.: Warum macht „Bewegte Schule“ Sinn? - Vortrag zur bundesweiten Tagung „Was bewegt die

Bewegte Schule?“ Hannover: 2006. S. 1.

[21] Vgl. Laging, R.: Warum macht „Bewegte Schule“ Sinn? Hannover: 2006. S. 3.

[22] Zimmer, R.: Toben macht schlau. Freiburg 2004. S. 63-65.

[23] Vgl. Edelmann, W.: Lernpsychologie. Weinheim 2000. S. 153.

[24] Laging, R.: Warum macht „Bewegte Schule“ Sinn? Hannover: 2006. S. 2.

[25] Vgl. Müller, C./ Petzold, R.: Bewegte Schule. Aspekte einer Didaktik der Bewegungserziehung in den Klassen

5- 10/12. Tübingen 2006. S. 24.

[26] Vgl. Laging, R.: Warum macht „Bewegte Schule“ Sinn? Hannover: 2006. S. 5.

[27] Vgl. Klupsch-Sahlmann, R.: Bewegte Schule. In: Sportpädagogik 19. 1995, S. 17.

[28] Frohn, J./ Gebken, U.: Bewegte Schule in der Sekundarstufe I. In: Hildebrandt-Stramann, R. (Hrsg.): Bewegte

Schule- Schule bewegt gestalten. 2007. S. 125.

[29] Laging, R.: Warum macht „Bewegte Schule“ Sinn? Hannover: 2006. S. 9.

[30] http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Lehrerausbildung/Rahmenvorgabe_OVP.pdf

[31] Vor allem zu erwähnen sind hierbei das Schillergymnasium in Köln (Marlene Dickler) und das Lise-Meitner-

Gymnasium in Leverkusen (Marcelo Jansen), wo ich sehr freundlich empfangen und beraten worden bin.

[32] Vgl. http://homepage.univie.ac.at/eveline.christof/evaluation08/4_Erstellung _Fragebogen.pdf

[33] Eine graphische Auswertung findet sich in Anhang D, Abb.1; S. 41.

[34] Eine graphische Auswertung findet sich in Anhang D, Abb.4; S. 42.

[35] Eine graphische Auswertung findet sich in Anhang D, Abb. 2; S. 41.

[36] s. Anhang D; Abb. 3; S. 42.

[37] Zwei ausgefüllte Schülerfragebögen befinden sich in Anhang C.

[38] Eine graphische Auswertung findet sich in Anhang D, Abb.5; S. 43.

Details

Seiten
72
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656356035
ISBN (Buch)
9783656356202
Dateigröße
11.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207050
Note
2,0
Schlagworte
bewegte pausen klassen entwicklung konzeptes phase vinzenz-pallotti-kollegs schule

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Titel: Bewegte Pausen für die Klassen 5-7 - die Entwicklung eines Konzeptes als erste Phase des Vinzenz-Pallotti-Kollegs zu einer bewegten Schule