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Jedem Bürger seine politische Gesinnung? Gefährdung der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland durch Extremismus und Fremdenfeindlichkeit

Von den Klischee-Neonazis zu modernen Vertretern verfassungsfeindlicher Einstellungen

Examensarbeit 2012 17 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Stundenlernziel

Die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden SuS) können arbeitsteilig die Veränderungen innerhalb des Auftretens und der Mitgliederwerbung durch Vertreter der rechten Szene beschreiben und anschließend beurteilen, aus welchem Grund sich die Szene einem Wandel unterzogen hat und welche Gefahr dies möglicherweise für den deutschen Rechtsstaat bedeutet.

Teilziele

…, indem sie arbeitsteilig aus den Texten „Die Klischee-Neonazis vergangener Tage“, „Das aktuelle Erscheinungsbild der Mitglieder der rechten Szene“ und „Der neue Weg der Mitgliedergewinnung innerhalb der rechten Szene - Teil I und II“ den Wandel im Auftreten und Mitgliederwerben der Mitglieder der rechten Szene erschließen. (Sachkompetenz)

…, indem sie ihr Ergebnis der jeweiligen Textanalyse verantwortungsbewusst und adressatengerecht dem Plenum präsentieren. (Methodenkompetenz)

…, indem sie mit Hilfe ihres neu erarbeiteten Wissens zur rechten Szene und dem Wissen der vorangegangenen Unterrichtsstunden zum Bereich „Deutschland als Rechtsstaat“ erörtern, aus welchem Grund sich die Szene einem Wandel unterzogen hat und welche Gefahr dies möglicherweise für die deutsche Demokratie beinhaltet. (Urteilskompetenz)

…, indem sie am Beispiel von Martinas Situation beurteilen, inwiefern es realistisch ist, dass eine Mutter nicht merkt, wenn ihr Kind in die rechte Szene eintritt. (Urteilskompetenz) (fakultatives Lernziel)

Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe

Zentrale didaktisch-methodische Begründungen

Die Unterrichtsreihe „Jedem Bürger seine politische Gesinnung!? - Gefährdung der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland durch Extremismus und Fremdenfeindlichkeit“, in welche die heutige Stunde eingebettet ist, beruht auf den Vorgaben des Kernlehrplans Politik/Wirtschaft Sekundarstufe l (G8) für das Gymnasium in NRW (Inhaltsfeld 7)1 sowie auf dem schulinternen Curriculum des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxter.

Die heutige Unterrichtsstunde „Die rechte Szene im Wandel?! - Von den Klischee-Neonazis zu modernen Vertretern verfassungsfeindlicher Einstellungen“ greift einen Aspekt auf, den ich für sehr wichtig halte: Die Vorurteile und Klischees der Menschen in Bezug auf den Rechtsextremismus. Es ist vielfach noch immer in vielen Köpfen verankert, dass ein Vertreter der rechten Szene zum einen männlich ist, zum anderen immer einen Kleidungsstil bevorzugt, der ihn von den Menschen, die anders denken als er es tut, abgrenzt - Bomberjacke, Springerstiefel und ein kahl geschorener Kopf.2

Die gezeigte Unterrichtsstunde dient dazu, den SuS diese Klischees bewusst werden zu lassen und aufzuzeigen, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr so einfach ist, eine politische Einstellung, wie die des Rechtsextremismus, direkt am Erscheinungsbild des Menschen zu erkennen. Die Tatsache, dass sich ein Mensch im Kleidungsstil anpasst, bedeutet jedoch im Umkehrschluss nicht, dass sich auch das Gedankengut verändert hat. Den SuS soll bewusst werden, dass sich die Strategien innerhalb der rechten Szene generell gewandelt haben. Nicht bloß der Kleidungsstil wirkt viel weniger auffällig, auch die Art und Weise der Mitgliedergewinnung, welche es in dieser Form früher so gar nicht gegeben hat, hat sich gewandelt.

Dass dieser Wandel auch Risiken für die deutsche Bevölkerung und Deutschland als Rechtsstaat mit sich bringt, sollen die SuS ebenfalls in dieser Stunde erkennen. Wichtig hierbei ist die Tatsache, dass die Mitglieder der rechten Szene gezielt bei den Menschen ansetzten, denen es nicht so gut geht - Arbeitslose oder auch junge, manchmal alleinerziehende Mütter. Den SuS soll bewusst werden, dass genau diese Zielgruppen gezielt von der rechten Szene „geködert“ werden, da sich diese Menschen im Allgemeinen von den anderen Parteien im Stich gelassen fühlen und daher „leichte Beute“ für die Mitglieder der rechten Szene darstellen.3

Diese Stunde knüpft stark an den wichtigsten Punkt des Politikunterrichts an: der Erziehung zum mündigen und demokratisch handelnden Bürger.4 Aber was bedeutet dies?

Demokratie ist alles andere als selbstverständlich, dass vergessen die heutigen SuS und manchmal. Die Staatsform Demokratie wurde in einem langen und historischen Prozess errungen und ist immer wieder Gefahren ausgesetzt, wie auch die deutsche Geschichte mit zwei Diktaturen im 20. Jahrhundert belegt.5

„Erziehung für die Demokratie ist eine zentrale Aufgabe für Schule und Jugendbildung. Demokratie und demokratisches Handeln können und müssen gelernt werden. Kinder und Jugendliche sollen bereits in jungen Jahren Vorzüge, Leistungen und Chancen der Demokratie erfahren und erkennen, dass demokratische Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sowie Toleranz niemals zur Disposition stehen dürfen - auch nicht in Zeiten eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandelns.“6

Wie passiert dies nun in der gezeigten Unterrichtsstunde? Das Aufgreifen und Widerlegen von Klischees führt dazu, dass sich die SuS ein eigenes Bild machen können über die aktuelle rechte Szene. Sie werden auf Gefahren aufmerksam gemacht und können diese in Zukunft selbstständig erkennen und sind aus diesem Grund nicht mehr so leicht zu täuschen. Dies bedeutet auch, dass sie selbst verantwortlich gemacht werden für ihr Denken über die rechte Szene. Sie erfahren innerhalb der Unterrichtsreihe immer wieder, dass die rechte Szene von den deutschen demokratischen Werten nicht so viel hält, wie es wünschenswert wäre und können dies an unterschiedlichsten Beispiel verdeutlichen. Hierbei liegt der Blick aber immer auch auf den Vorzügen der Demokratie und der Bedeutung des Verlustes einzelner dieser demokratischen Grundgedanken.

Zu glauben, dass eine einzige Unterrichtsstunde ausreicht, um die SuS zu mündigen und demokratisch handelnden Bürgern zu machen, ist natürlich eine Utopie. Jedoch ist es gerade in der heutigen Zeit, in der der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) und sein weibliches und auf den ersten Blick unscheinbar wirkendes Mitglied Beate Zschärpe, uns darauf aufmerksam machen, dass es den Rechtsextremismus nach wie vor in Deutschland gibt und ihre Anhänger zu einigem fähig sind, wichtig, die SuS aufzuklären und mögliche Gefahren bewusst werden zu lassen.

Letztlich zeigt sich der Erfolg erst in der gesellschaftlichen Praxis, aber jede Schülerin und jeder Schüler, der später im selbstständigen Leben nicht mehr auf die Versprechungen der Parteien der rechten Szene „hereinfällt“, ist ein Erfolg, auf den es sich lohnt aufzubauen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8d/Neo-Nazi_Skinhead.jpg/220px-Neo-Nazi_Skinhead.jpg (15.11.2012)

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Quelle:http://klarmann.blogsport.de/images/LarsSpnleinBi ldNPD.jpg (15.11.2012) (Hintergrund bearbeitet)

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Die Klischee-Neonazis vergangener Tage

Viele Menschen denken bei Neonazis an Bomberjacke, Springerstiefel und Glatze. Ein Klischee, dem Neonazis auch über lange Zeit treu geblieben sind.

Schon auf den ersten Blick konnte man die politische Gesinnung vieler Anhänger der rechten Szene erkennen. Die meisten Neonazis sind männlich gewesen, da vielfach die Auffassung vorherrschte, dass eine Frau sich um das Haus und die Familie zu kümmern hat und damit in der Politik nichts zu suchen hatte.

Einige weibliche Anhängerinnen hat es jedoch schon immer in der rechten Szene gegeben. Auch sie konnte man auf den ersten Blick erkennen. Es gab bei den Frauen zwei sehr unterschiedliche Kleidungsstile.

Entweder traten sie als „völkische Frauen“ mit langen, wallenden Röcken auf, trugen ihre Haare lang und meistens zu Bauernzöpfen geflochten, oder aber als Skingirls. Skingirls, oder auch Reenes genannt, sind den männlichen Neonazis sehr ähnlich gewesen, was den Kleidungsstil anbelangt. Auch sie trugen Bomberjacken und Springerstiefel. Ihre Frisuren waren typischerweise ein fast blank rasierter Kopf, um den längere Strähnen rankten.

Generell lässt sich festhalten, dass es diese Klischee-Neonazis vereinzelt noch immer gibt, sie aber mittlerweile die Minderheit in der rechten Szene bilden.7

Autorin: Ina Hartmann

Quelle:

http://www.spiegel.de/fotostrecke/rechtsextreme- skingirls-renees-braune-schwestern-fotostrecke- 18791.html (16.11.2012)

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Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/com mons/thumb/8/8d/Neo- Nazi_Skinhead.jpg/220px-Neo- Nazi_Skinhead.jpg (15.11.2012)

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Quelle: http://wachsam-in- chemnitz.de/cms/uploads/MG_0922.jpg

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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1 Vgl.: Kernlehrplan für das Gymnasium - Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen Politik/Wirtschaft, Seite 31

2 Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Neonazismus (16.11.2012)

3 Vgl.: „Rechtextremismus heute: Zwischen Schnuller und Springerstiefel“ ein Film der Bundeszentrale für politische Bildung, unter: http://www.politische-bildung.nrw.de/multimedia/02351/index.html

4 Vgl.: Kernlehrplan für das Gymnasium - Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen Politik/Wirtschaft, Seite 12

5 Vgl.: Stärkung der Demokratieerziehung, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009. Unter:
http://www.kmk.org./fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2009/2009_03_06-Staerkung-Demokratieerziehung.pdf

6 Stärkung der Demokratieerziehung, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009. Unter:
http://www.kmk.org./fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2009/2009_03_06-Staerkung-Demokratieerziehung.pdf

7 Vgl.:http://www.asklubo.com/de/bildung/erkennungsmerkmale-von-neonazis-das-sind-sie (21.11.2012)

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656346982
ISBN (Buch)
9783656348818
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207103
Institution / Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Detmold
Note
4,0
Schlagworte
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Autor

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