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Die charakterliche Entwicklung Friedrich Mergels unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes in Annette von Droste-Hülshoffs 'Die Judenbuche'

Hausarbeit 2000 12 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die charakterliche Entwicklung Friedrich Mergels
2.1 Friedrichs erste Lebensjahre
2.2 Der Tod des Vaters
2.3 Friedrichs ‚Adoption‘ durch Ohm Simon
2.4 Die Mitschuld am Tod des Försters Brandis
2.5 Der Mord am Juden Aaron
2.6 Friedrichs Rückkehr und Selbstmord

3. Das Resümee

4. Literatur

1. Einleitung

Die Novelle „Die Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff erschien 1842. Sie erzählt die Lebensgeschichte des Friedrich Mergel, der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in einem abgelegenen Dorf im „gebirgichten Westfalen“ aufwächst. Die Entwicklung des Protagonisten Friedrich vom scheuen, zurückgezogenen Kind zum prahlerischen und kriminellen Erwachsenen, der den Juden Aaron erschlägt und sich 28 Jahre nach der Tat reumütig selbst das Leben nimmt, bildet den Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Besonderes Augenmerk erhalten hierbei die Auswirkungen von Herkunft, Elternhaus und dörflichem Umfeld auf Friedrichs Werdegang. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es also, die Persönlichkeitsentwicklung Friedrich Mergels ausführlich darzustellen und diejenigen Faktoren, die sich auf die Charakterausprägung der Hauptfigur auswirkten und diese beeinflussten, aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen.

Hingegen kann und soll es nicht Ziel dieser Arbeit sein, die von der Autorin bewußt eingebrachten Unklarheiten der Erzählung - wie z. B. die Mordfälle Brandis und Aaron - umfassend aufzudecken. Dennoch wird versucht, durch das Zusammentragen von Indizien und Anmerkungen aus der Erzählung den in der Arbeit vertretenen Standpunkt - die Identifizierung Friedrich Mergels als Mörder des Juden Aaron - zu begründen und zu rechtfertigen. Dies geschieht jedoch ausschließlich in einem Rahmen, der für das behandelte Thema notwendig und sinnvoll erscheint.

Der Verlauf von Friedrichs Entwicklung wird in Kapitel 2 chronologisch wiedergegeben.

Abschnitt 2.1 behandelt Friedrichs erste Lebensjahre. Das Verhalten und die Erziehung der Eltern Hermann Mergel und Margreth Semmler wie auch die Besonderheiten der dörflichen Umgebung sind zentrale Aspekte dieses Kapitels.

Unterpunkt 2.2 setzt mit dem Tod des Vaters ein und erläutert die Auswirkungen dieses tragischen Ereignisses auf die Entwicklung des neunjährigen Friedrichs. Sein Verhältnis zur Mutter erhält hierbei besondere Berücksichtigung.

Kapitel 2.3 stellt einen weiteren folgenschweren Einschnitt in Friedrichs noch jungem Leben dar. Die ‚Adoption‘ durch Margreths Bruder Simon Semmler wirkt sich nachhaltig auf die Charakterbildung des Zwölfjährigen aus.

Abschnitt 2.4 spielt in Friedrichs achtzehntem Lebensjahr. Sein Gewissenskonflikt nach dem von ihm mitverschuldeten Tod des Oberförsters Brandis wird an dieser Stelle näher beleuchtet.

Unterpunkt 2.5 handelt vom Kernpunkt des Geschehens, dem ungesühnten Mord am Juden Aaron. Die Hintergründe und Umstände, die Friedrich zu dieser Tat bewegen, werden untersucht.

Abschnitt 2.6 befaßt sich mit der Rückkehr des mittlerweile fünfzigjährigen Friedrichs in die Heimat und erläutert die Motive für seinen Selbstmord an der Judenbuche.

Das dritte Kapitel beurteilt auf Grundlage der in Kapitel 2 erarbeiteten Ergebnisse Friedrichs Entwicklung vom braven, artigen Kind zum jähzornigen Erwachsenen, der aus verletztem Ehrgefühl einen Mord begeht.

Die vorliegende Arbeit basiert auf der Taschenbuchausgabe „Die Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff, erschienen im Insel Verlag Frankfurt/Main 1979. Zitate aus der „Judenbuche“ werden im fortlaufenden Text belegt.

2. Die charakterliche Entwicklung Friedrich Mergels

2.1 Friedrichs erste Lebensjahre

Friedrich Mergel kommt 1738 im westfälischen Dorf B. als einziger Sohn eines Grundeigentümers „geringerer Klasse“ (S. 9) zur Welt. B. liegt „inmitten tiefer und stolzer Waldeinsamkeit“ (S. 11). Seine Bewohner werden als besonders hochmütig, schlau und starrsinnig beschrieben, „mit all den Mängeln und Tugenden, all der Originalität und Beschränktheit, wie sie nur in solchen Zuständen gedeihen“ (S. 9). Unter ihnen hat sich im Laufe der Zeit ein eigenwilliges Rechtsempfinden entwickelt: „Unter höchst einfachen und häufig unzulänglichen Gesetzen waren die Begriffe der Einwohner von Recht und Unrecht einigermaßen in Verwirrung geraten, oder vielmehr, es hatte sich neben dem gesetzlichen ein zweites Recht gebildet, ein Recht der öffentlichen Meinung, der Gewohnheit und der durch Vernachlässigung entstandenen Verjährung.“ (S. 9 f.).

In den Wäldern rund um B. sind „Holz- und Jagdfrevel...an der Tagesordnung“ (S. 10). Den begangenen Rechtsverletzungen begegnen die Dorfbewohner jedoch „weniger auf gesetzlichem Wege als in stets erneuten Versuchen, Gewalt und List mit gleichen Waffen zu überbieten.“ (S. 11).

Auch in Friedrichs Elternhaus herrscht „viel Unordnung und böse Wirtschaft“ (S. 13). Friedrichs Vater, Hermann Mergel, vormals noch als „ordentlicher Säufer“ (S. 13) bekannt, hat sein Leben nach dem Scheitern der ersten Ehe voll und ganz dem Alkohol verschrieben und zählt nun zu den „gänzlich verkommenen Subjekten“ (S. 14) des Dorfes. Aus seiner zweiten Ehe mit der „braven, anständigen“ (S. 15) Margreth Semmler geht Friedrich hervor. Friedrich ist kein Wunschkind: „Margreth soll sehr geweint haben, als man ihr das Kind reichte.“ (S. 16). Dennoch erfährt der Junge von seinen Eltern und insbesondere durch seinen Vater liebevolle Zuwendung: „Der Vater hatte ihn sehr lieb, kam nie nach Hause, ohne ihm ein Stückchen Wecken mitzubringen, und man meinte sogar, er sei seit der Geburt des Knaben ordentlicher geworden.“ (S. 16).

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638245388
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20733
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Germanistisches Seminar, Abt. für Neuere Deutsche Literatur
Note
1,7
Schlagworte
Entwicklung Friedrich Mergels Berücksichtigung Umfeldes Annette Droste-Hülshoffs Judenbuche

Autor

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Titel: Die charakterliche Entwicklung Friedrich Mergels unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes in Annette von Droste-Hülshoffs 'Die Judenbuche'