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GKV-Finanzierung: Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die gesetzliche Krankenversicherung

Hausarbeit 2012 11 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzierung der GKV

3. Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die GKV

4. Alternative Reformkonzepte
4.1 Gesundheitsprämienmodell
4.2 Bürgerversicherung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die GKV ist das älteste soziale Sicherungssystem und unterlag seit der Einführung am 15. Juni 1983 mehreren Reformierungen.[1] Diese Arbeit untersucht die erst kürzlich in Kraft getretene Gesundheitsreform und konzentriert sich auf die Auswirkungen des demographischen Wandels, insbesondere auf der Einnahmen- und Ausgabenseite der GKV. Im letzten Abschnitt werden alternative Reformvorschläge dargelegt.

2. Finanzierung der GKV

Die Finanzierung der GKV erfolgt anhand des Umlageverfahrens, das auf der Grundlage eines Generationenvertrages basiert.[2] Dabei sollen die laufenden Ausgaben durch eingenommene Beitragszahlungen der erwerbsfähigen Generation gedeckt werden.[3] Die einkommensabhängigen Beiträge der Erwerbstätigen, sowie der Rentner und freiwillig Versicherten, fließen dem seit Anfang 2011 implementierten Gesundheitsfond zu, ebenso wie die steuerfinanzierten Bundeszuschüsse. Der Gesundheitsfond verteilt die Einnahmen über eine Grundpauschale zuzüglich risikospezifischer Zu- und Abschläge pro Versicherungsnehmer an die jeweiligen Krankenkassen. Übersteigen die Zuweisungen den Finanzierungsbedarf der Kassen, so können Prämien an die Mitglieder weitergegeben werden. Besteht jedoch höherer Deckungsbedarf, so müssen die Krankenkassen einen pauschalen Zusatzbeitrag erheben.[4]

Der kürzlich eingeführte Gesundheitsfond weist trotz aller Reformbemühen weiterhin erhebliche Defizite bezüglich der Finanzierung auf. Die Beitragsbemessungsgrenze veranlasst höhere Einkommensschichten, die zumeist ein gutes Risiko darstellen, die GKV zu verlassen, wodurch nicht nur ein erheblicher Beitragsanteil entgeht, sondern sich auch der Risikoausgleich verschlechtert. Die steuerliche Finanzierung über den Bundeszuschuss weist zwar aufgrund der Einkommensteuer eine Umverteilung von höheren zu niedrigen Einkommen auf, aber die Finanzierung aus der Konsumsteuer sorgt wiederum für eine zusätzliche Belastung der niedrigeren Einkommensschicht, die einen erheblich größeren Anteil ihres Einkommens für Konsumgüter verwenden, als die höhere Einkommensschicht.[5] Die demographischen Struktureffekte üben weiteren Druck auf die erwerbstätigen Beitragszahler aus, die im nächsten Abschnitt ausführlich erläutert werden.

3. Auswirkung des demographischen Wandels auf die GKV

Der demographische Wandel beschreibt die strukturellen Entwicklungen der Bevölkerung im Zeitablauf. Die entscheidenden Faktoren, die den größten Einfluss auf den Strukturwandel ausüben, sind im Allgemeinen die Mortalität, die Fertilität sowie die Migration.[6]

In Deutschland stellt, vor allem die steigende Lebenserwartung und die anteilig höhere Zunahme der älteren Bevölkerungsschicht aufgrund von sinkenden Geburtenraten, die größten Herausforderungen im sozialen Gesundheitssystem dar.

Die Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung hat sich in den letzten hundert Jahren mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener, sowie älterer Menschen weist aufgrund einer guten Gesundheitsversorgung einen starken positiven Trend auf.[7] Die Geburtenrate hingegen sank nach der Baby-Boom Phase in den 60er Jahren aufgrund der veränderten Familieneinstellung und der Verbreitung der Antibaby-Pille um fast die Hälfte, von 2,5 auf 1,4 Kinder pro Frau.[8] Das durchschnittliche Alter der Mutter bei der ersten Geburt beträgt derzeit 29,2 Jahre.[9] Der pyramidenförmige Altersaufbau der Bevölkerung zu Beginn des 20 Jahrhunderts, droht im Jahre 2060 eine urnenförmige Gestalt anzunehmen, die sich fast umgekehrt beschreiben lässt.[10] Das geringe Nachwachsen der jungen Generationen und die zeitgleich stetig wachsende Lebenserwartung der älteren Generationen, werden auch als doppelte Alterung bezeichnet.[11] Die umlagefinanzierte GKV erfährt aufgrund des demographischen Strukturwandels erhebliche Finanzierungsprobleme, da der ansteigende Rentenquotient zu einer stärkeren Belastung der Erwerbstätigen führt. Dies ist auf die signifikant niedrigere Beitragszahlung der Rentner und auf den höheren gesundheitlichen Bedarf im Verhältnis zu den Erwerbstätigen zurückzuführen.[12] Die einzige Möglichkeit die Ausgaben zu finanzieren und somit die Nachhaltigkeit des Generationenvertrages zu sichern, ist die stetige Beitragserhöhung in der GKV. Die Studien zur Beitragsentwicklung in der GKV gehen in 2050 von einem Beitragssatz von maximal 43% des Bruttoeinkommens aus.[13] Die Belastung der Versicherten wäre enorm und die Unternehmen, welche die Beiträge mitfinanzieren, würden erheblich an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Das heutige Morbiditätsniveau weist ab einem Alter von 53 Jahren einen rapiden Anstieg auf, insbesondere in der letzten Lebensphase sind die Gesundheitsausgaben besonders hoch. Tendenziell fragen ältere Menschen, die meist an Multimorbidität und chronischen Erkrankungen leiden, vermehrt Gesundheitsleistungen nach. Folglich implizieren die steigende Lebenserwartung und der Anstieg der älteren Bevölkerungsschicht ebenfalls einen demographischen Ausgabeneffekt und somit höhere Pro-Kopf-Ausgaben.[14] Die entscheidende Frage ist, wie wird sich der Gesundheitszustand der Älteren in Folge der positiven Entwicklung der Lebenserwartung verändern.[15] Zur Beantwortung dieser Frage finden sich in der Literatur zwei vorherrschende Ausführungen anhand der Kompressions- und der Medikalisierungsthese, wobei die Kompressionsthese eine stärkere empirische Evidenz genießt.[16] Die Kompressionsthese beschreibt, dass aufgrund der zunehmenden Verbesserung der Lebensqualität und des medizinischen Fortschritts, sich die Phase der stärkeren Morbidität und somit der hohe Bedarf an gesundheitlichen Leistungen in die letzten Lebensjahre unmittelbar vor dem Tod verschieben. Die Gesundheitsausgaben bleiben somit während der gesamten Lebenszeit unverändert. Demgegenüber steht die Medikalisierungsthese, die von einem Anstieg der Gesundheitsausgaben infolge der zunehmenden Lebenserwartung ausgeht. Die zusätzlich gewonnenen Lebensjahre implizieren eine stärkere Einschränkung des Gesundheitszustandes und einen Anstieg chronischer Erkrankungen.[17] Aufgrund von fehlenden Längsschnittdaten lässt sich jedoch keine der beiden Thesen eindeutig beweisen.[18] Jedoch finden sich in wissenschaftlichen Studien Anhaltspunkte für die eine oder andere These. Der stationäre Bereich weist jedoch eine klare Tendenz zur Medikalisierungsthese auf, wobei die ambulante Gesundheitsversorgung zur Kompressionsthese tendiert. Die Ausgaben der stationären als auch der ambulanten Einrichtungen stellen die größten Kostenblöcke des Gesundheitssystems dar. Unabhängig jedoch von den beiden Annahmen führt der demographische Wandel zu einer zunehmenden Schadenserwartung, die bei der Reformierung berücksichtigt werden sollte.[19]

4. Alternative Reformkonzepte

Das Umlageverfahren der GKV, das auf eine kurzfristig ausgerichtete Einnahmen- und Ausgabenpolitik aufbaut, versperrt den Weg zu einer langfristigen und strukturverändernden Finanzierungspolitik und verursacht erhebliche Lastverschiebungen auf die zukünftigen Generationen.[20] In diesem Abschnitt werden alternative Reformvorschläge in Hinblick auf das deutsche Gesundheitssystem diskutiert.

[...]


[1] Vgl. Poullain 2011, S. 5ff.

[2] Vgl. Fetzer/Moog/Raffelhüschen 2001, S. 2f.

[3] Vgl. Polster 2010, S. 268.

[4] Vgl. Lehmann 2009, S. 21f.

[5] Vgl. Porter/Guth, S. 10f.

[6] Vgl. Poullain 2011, S. 18.

[7] Vgl. Poullain 2011, S. 19.

[8] Vgl. Pötzsch 2012, S. 6.

[9] Vgl. Pötzsch 2012, S. 11.

[10] Vgl. Statistisches Bundesamt 2011, S. 28.

[11] Vgl. Fetzer/Raffelhüschen 2002, S. 255.

[12] Vgl. Ulrich 2003, S.6.

[13] Vgl. Sauerland/Wübker 2010, S. 5.

[14] Vgl. Ulrich 2003, S. 8.

[15] Vgl. Poullain 2011, S. 24.

[16] Vgl. Nöthen 2011, S. 666.

[17] Vgl. Niehaus 2006, S. 3f.

[18] Vgl. Fetzer 2001, S. 11.

[19] Vgl. Braun/Schumann 2007, S. 190.

[20] Vgl. Fetzer 2001, S. 3.

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656351023
ISBN (Buch)
9783656352051
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207870
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Seminar für Sozialpolitik
Note
2,7
Schlagworte
gkv-finanzierung auswirkungen wandels krankenversicherung

Autor

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