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Produktivitätswachstum im Dienstleistungssektor

Mess‐ und Bewertungsprobleme

Hausarbeit 2012 28 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Berechnungen

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Entwicklung des Dienstleistungssektors in Deutschland
1.3 Begriffserläuterung Dienstleitsungsproduktivität

2 Berechnung der Dienstleistungsproduktivität in der VGR
2.1 Einführung in die Dienstleistungsstatistik
2.2 Methodik zur Berechnung der Dienstleistungsproduktivität
2.3 Berechnungsbeispiel
2.4 Mess- und Bewertungsprobleme der Dienstleistungsproduktivitätsberechnung in der VGR

3 Methoden zur Berechnung der Dienstleistungsproduktivität im Performance System
3.1 Unterschiede der VGR zur Unternehmensperspektive
3.2 Kritische Betrachtung methodischer Ansätze
3.2.1 Quantitative Metoden
3.2.2 Qualitative Methoden
3.2.3 Komponentisierung von Gesamtdienstleistungen

4 Fazit

Quellenverzeichnis

Anhang
A.1 Auszüge aus der Strukturerhebung für das Rechenbeispiel

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verfahren zur Berechnung der Bruttowertschöpfung

Abbildung 2: Auszüge aus der Strukturerhebung im Bereich Datenverarbeitung, Hosting, Webportale

Berechnungen

Formel 1: Berechnung der Bruttowertschöpfung anhand der Strukturstatistik

Formel 2: Beispielhafte Berechnung der Arbeitsproduktivität im Bereich Datenverarbeitung, Hosting, Webportale

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung

Der Dienstleistungssektor ist in modernen Volkswirtschaften für einen großen Teil der Wertschöpfung verantwortlich und nicht zuletzt durch die geringen Produktivitätszuwächse immer mehr im Fokus der Wirtschaftwissenschaftlichen Betrachtung. In der vorliegenden Arbeit soll zunächst eine kurze Definition des Sektors und der Dienstleistungsproduktivität erfolgen. Im Anschluss erfolgt eine volkswirtschaftliche Betrachtung der Bruttowertschöpfungsermittlung, die als Ausgangswert für die Produktivitätsberechnung dient. Dazu werden statistische Datenquellen und deren Verwendung genauer erläutert und die Berechnung anhand einer Strukturstatistik skizziert, um danach Mess- und Bewertungsprobleme zu identifizieren.

Anschließend erfolgt die Betrachtung der betriebswirtschaftlichen Methoden zur Berechnung von Dienstleistungsproduktivität als Unternehmensperformance, um abschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen VGR und Performance-System, hinsichtlich der Problemfelder, Messung und Bewertung zu erschließen. Dabei soll ermittelt werden ob die benannten Problemfelder einen Einfluss auf die sinkenden Wachstumsraten der Produktivität im Dienstleistungssektor haben.

1.2 Entwicklung des Dienstleistungssektors in Deutschland

In den letzen Jahrzehnten hat sich in Deutschland ein tiefgreifender Strukturwandel in der nationalen Wertschöpfung vollzogen. In diesem Zusammenhang wird häufig von der Tertiarisierung der Volkswirtschaft gesprochen. Gemeint ist die immer größere Bedeutung des Dienstleistungssektors (tertiärer Sektor) für die Wertschöpfung, verglichen zum primären (Landwirtschaft) und sekundären Sektor (produzierendes Gewerbe). Während im Jahr 1970 die Anteile des sekundären und tertiären Sektor noch beide jeweils 48 % zur Wertschöpfung beitrugen (vgl. Statistisches Bundesamt 2009a, S.7), erhöhte sich der Anteil des Dienstleistungssektors Sektor auf 69,1% im Jahr 2011 (vgl. Statistisches Bundesamt 2012a, S.10). Ebenso vollzog sich der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt. Im Jahr 1970 waren noch 52,5% der Arbeitskräfte im sekundären und 46,1% im tertiären Sektor beschäftigt, wohingegen im Jahr 2011 der Anteil, der im tertiären Sektor beschäftigten Arbeitskräfte auf 73,5% stieg und im sekundären Sektor auf 25,6% fiel (vgl. Statistisches Bundesamt 2012b).

Die Produktivität spielt eine wesentliche Rolle in der Wachstumstheorie und sie wird häufig als Schlüsselgröße für das Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft genannt (vgl. Reichwald/Möslein 2005 S.10; Bormann et al. 2009, S.4; Kretschmer et al. 2011, S.6; Schettkat 2011, S.5f.). In Deutschland ist ein kontinuierlicher Rückgang des Produktivitätswachstums seit 1991 zu beobachten, der häufig auf die Tertiarisierung der volkswirtschaftlichen Struktur zurückgeführt wird (vgl. Reichwald/Möslein 2005, S.3; Kretschmer et al 2011, S.50). Diese Entwicklung soll in dieser Arbeit lediglich auf die Problemstellung der Mess- und Bewertungskonzepte der Dienstleistungsproduktivität hin betrachtet werden. Diese Problemfelder haben auch Einfluss auf die zeitliche Entwicklung der Wachstumsrate, können jedoch einen Erklärungsansatz unter mehreren Einflussgrößen liefern.

1.3 Begriffserläuterung Dienstleistungsproduktivität

Um näher auf Dienstleistungsproduktivität eingehen zu können muss zunächst eine Definition der Begriffe Dienstleistung und Produktivität erfolgen. Durch die Heterogenität im Bereich der Dienstleistungen gibt es allerdings keine allgemein anerkannte Definition (vgl. Haller 2012, S.6). Die Definitionsansätze lassen sich jedoch in drei Kategorien einteilen (vgl. Corsten/Gössinger 2007, S.21).[1]

- Enumerationen: Durch Aufzählung der dazugehörigen Wirtschaftszweige.[2]
- Negativdefinition: Durch Ausschluss nicht dazugehöriger Bereiche.
- Charakterisierung: Durch Definition gemeinsamer Eigenschaften.

Die charakteristischen Merkmale einer Dienstleistung werden oft durch Integrität und Immaterialität beschrieben (vgl. Corsten/Gössinger 2006, S.30). Die Immaterialität impliziert, dass eine Bewertung oder Messung der Qualität oft schwierig ist und dass die Leistungen nicht im klassischen Sinne lagerfähig sind. Die Integrität weist auf die teilweise notwendige Einbindung eines Kunden oder Sachgutes in den Entstehungsprozess hin und legt somit nahe, dass Leistungsentstehung und Leistungsempfang simultan ablaufen (vgl. Lehmann 1995, S.21; Fließ 2009, S.11; Bergmann/Daub 2011, S.2).

Die beschriebene Heterogenität deutet bereits auf die Schwierigkeit der Messung und Bewertung der Produktivität im Dienstleistungssektor hin, welche allgemein durch Betrachtung der Outputmenge gemessen an der Inputmenge erfolgt. Das statistische Bundesamt spezifiziert Produktivität für die volkswirtschaftliche Betrachtung als Messung, „wie viel wirtschaftliche Leistung mit der Nutzung einer Einheit [eines] Faktors erzielt wird“ (Statistisches Bundesamt 2012c) und genauer als Bruttoinlandsprodukt bzw. Bruttowertschöpfung[3]dividiert durch Einsatzfaktor.

Damit wird die gesamte Wertschöpfung auf nur einen Inputfaktor bezogen obwohl der Input „aus dem Zusammenwirken sämtlicher Produktionsfaktoren entsteht“ (Statistisches Bundesamt 2012c). Zum Zwecke der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird die Arbeitsproduktivität[4]herangezogen. Es handelt sich also um die Berechnung einer partiellen Faktorproduktivität. Im Falle von bestimmten Sektoren wird diese als Bruttowertschöpfung eines Sektors je Erwerbstätigem bzw. je Erwerbstätigenstunde bemessen (vgl. Statistisches Bundesamt 2012d). Laut Statistischem Bundesamt können die „ermittelten Produktivitäten […] nur als grobe Orientierungshilfen dienen“ (Statistisches Bundesamt 2012c), was bereits auf die Erkenntnis des Statistischen Bundesamtes über bestehende Problemfelder hinweist.

2 Berechnung der Dienstleistungsproduktivität in der VGR

2.1 Einführung in die Dienstleistungsstatistik

Aufgrund der volkswirtschaftlichen Relevanz des tertiären Sektors wurde das Gesetz über Statistiken im Dienstleistungsbereich (DStatG) durch den Bundestag beschlossen (vgl. Statistisches Bundesamt 2009b, S.2). Laut §1 (2) erfolgen „jährliche Erhebungen, die als Stichprobe bei höchstens 15 Prozent aller Erhebungseinheiten […] durchgeführt werden.“ Die Stichprobengrößen der Erhebungen unterscheiden sich nach Wirtschaftsbereichen und sehen einen Umfang zwischen maximal 12 000 Unternehmen im Gastgewerbe und maximal 15% der Erhebungseinheiten in weiteren Sektoren vor (vgl. Statistisches Bundesamt 2009a, S.14).

Das Gesetz sieht laut §2 (1) eine separate Betrachtung folgender Dienstleistungsbereiche und derer Erhebungseinheiten[5]vor:

- Verkehr und Lagerei (Abschnitt H),
- Information und Kommunikation (Abschnitt J),
- Grundstücks- und Wohnungswesen (Abschnitt L),
- Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (Abschnitt M),
- Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (Abschnitt N),
- Reparatur von Datenverarbeitungsgeräten und Gebrauchsgütern. (Abschnitt S, Abteilung 95)

In obigen Bereichen wird eine Strukturerhebung durchgeführt, die Aufschluss über Rechtsform, wirtschaftliche Tätigkeit, Personalaufwand, Elemente des Produktionswertes und der Vorleistungen sowie Investitionen der Erhebungseinheit gibt (vgl. Statistisches Bundesamt 2012e, S.5f.). Für die Ermittlung der Arbeitsproduktivität sind vor allem Daten aus der Personalstatistik, Eingangsgrößen zur Produktionswertberechnung sowie Vorleistungswerte von Bedeutung.

Zudem stehen Daten aus der Konjunkturerhebung im Dienstleistungssektor zur Verfügung, welche jedoch nur in bestimmten Bereichen durchgeführt wird, nämlich in den Abschnitten H, J, M und N. Diese wurden erst 2008 neu definiert und gelten für zukünftige Erhebungen. Für die Berichtsjahre 2003 bis 2007 wurden lediglich der Abschnitt I, sowie die Abteilungen K72 und K74[6]betrachtet (vgl. Seidl 2010, S. 257). Im Gegensatz zur 15% Grenze der Stichprobe bei der Strukturerhebung findet bei der Konjunkturstatistik ein Mixmodell aus Verwaltungsdatennutzung und Primärbefragung Anwendung, was einer Vollerhebung gleichkommt (vgl. Statistisches Bundesamt 2012f, S.2).

Es bestehen teilweise Überschneidungen zwischen Struktur- und Konjunkturstatistik, aber aufgrund der Methodik kann es auch für gleiche Daten zu Abweichungen kommen. Während die Konjunkturstatistik eher zur Abschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung dient, zeigt die Strukturerhebung eine detaillierte Momentaufnahme des Dienstleistungssektors (vgl. Statistisches Bundesamt 2012f, S.7).

2.2 Methodik zur Berechnung der Dienstleistungsproduktivität

Die Dienstleistungsproduktivität der VGR wird auf Basis der in Kapitel 2.1 beschriebenen statistischen Erhebungen berechnet. Aus der Strukturstatistik resultieren Zahl der tätigen Personen einer Erhebungseinheit, Gesamtumsatz in In- und Ausland inkl. sonstigen Erträgen, eine Übersicht der Aufwendungen nach Art, was die Berechnung der Vorleistungen ermöglicht, Bestände an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie Daten zu Steuern, Abgaben und Subventionen (vgl. Statistisches Bundesamt 2012e, S.6).

Die Ermittlung der Bruttowertschöpfung basiert hauptsächlich auf Struktur- und Konjunkturstatistiken und teilweise ergänzenden Daten nach verschiedenen Ermittlungsmethoden. Die folgende Abbildung zeigt die verschiedenen Verfahren zur Berechnung der Bruttowertschöpfung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verfahren zur Berechnung der Bruttowertschöpfung

Quelle: Statistisches Bundesamt 2007, S.55

Zunächst gliedern sich die Berechnungsmethoden der Bruttowertschöpfung nach Absatzmärkten. Marktproduzenten stehen dabei Konsumenten gegenüber, die deren Leistungen konsumieren. In diesem Gebiet kommt die Subtraktionsmethode zum Tragen, bei der Vorleistungen von den Erträgen eines Marktproduzenten abgezogen werden. Dabei kommen für verschiedene Wirtschaftsbereiche die Umsatz-, Differenz- oder Bewertungsmethode in Frage. Im Regelfall wird die Umsatzmethode angewandt, bei der die Summe aus Umsatz und die Bestandsveränderungen an selbsterstellten Erzeugnissen und Anlagen den Produktionswert bestimmen, von dem Vorleistungen abgezogen werden (vgl. Statistisches Bundesamt 2007, S.55).

[...]


[1]: Dazu sei folgend die Publikation von Richter und Souren, erschienen in Ilmenauer Schriften zur Betriebswirtschaftslehre 4/2008 angemerkt, in denen verschiedene Ansätze ihre kritische Würdigung finden.

[2]: So zum Beispiel vom Statistischen Bundesamt, das Dienstleistungen bestimmten Wirtschaftsbereichen zurechnet. Jeder dieser Wirtschaftsbereiche hat einen Buchstaben in der Statistik der VGR. Diese werden in Kapitel 2 benannt. (vgl. Statistisches Bundesamt 2009a, S.7)

[3]: Die Gesamtbruttowertschöpfung ist relativ nahe am BIP, jedoch werden Gütersteuern hinzugefügt und Gütersubventionen abgezogen (Vgl. Kretschmer et al 2011, S.6)

[4]: Die gesamtwirtschaftliche Berechnung erfolgt als BIP je Erwerbstätigem bzw. je Erwerbstätigenstunde (vgl. Statistisches Bundesamt 2012d).

[5]: Unter Erhebungseinheit versteht man in diesem Fall das Unternehmen

[6]: Der Abschnitt I ist der Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Abteilung K72 Datenverarbeitung und Datenbanken und Abteilung K74 Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen.

Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656356011
ISBN (Buch)
9783656357537
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v207896
Institution / Hochschule
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
Dienstleistungsproduktivität Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) Diesnstleistungssektor Arbeitsproduktivität Mess- und Bewertungsprobleme Produktitvität in VWL und BWL

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Titel: Produktivitätswachstum im Dienstleistungssektor