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Raum-Zeit-Geographie - Zwei Forschungsfelder der Humangeographie

Hausarbeit 2006 12 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Einleitung in Hägerstrands Zeitgeographie

Torsten Hägerstrand schrieb 1970 den Aufsatz: „What about people in Regional Science?“. Hierin geht er auf die Raum-Zeitgeographie ein, die er international bekannt machte.

Hägerstrand der 1916 in Moheda (Mittelschweden) geboren wurde, leistete wichtige Beiträge zu zwei Forschungsfeldern der Humangeographie: Raum-Zeit-Geographie und der räumlichen Diffusion.

In seinen raum-zeitgeographischen Arbeiten ließ sich Hägerstrand von Arthur Edington inspirieren, der bereits im 19. Jahrhundert forschte. Hägerstrand, der an der schwedischen Lund-Universität tätig war, verstand es diese Idee aufzugreifen und auch international zu Ansehen zu verhelfen. Das Raum-Zeitgeographische Modell war bereits zuvor Jahrzehnte lang in Schweden bekannt, doch erlangte es erst durch Hägerstrand Reputation über Schweden hinaus.

Hägerstrands Ziel war es ein Gesellschaftsmodell zu entwickeln, in dem die Beschränkungen des Verhaltens in physikalischen Begriffen wie Zeitdauer, Ausdehnung und Lage im Raum formuliert sind.

Annahmen und Prinzipien der Zeitgeographie

Hägerstrand sah den Urbanisierungsprozess und die einhergehende Agglomeration von Raum als gewisses Problem an. Da bereits seit der Industrialisierung die Ungleichheiten in der Bevölkerung, wirtschaftlich wie auch sozial, immer eklatanter wurden, wollte Hägerstrand mit seiner Raum-Zeit-Geographie die „lebbare Existenz für das Individuum garantieren“ (vgl. Pred, 1981)

Weiterhin kam hinzu, dass die Existenz auch durch Umweltverschmutzung immer mehr gefährdet wurde. Diese Umweltproblematik wurde durch die Industrialisierung noch deutlich verschärft.

Schließlich lag die Intention des schwedischen Geographen darin, durch eine gezielte Stadt- und Regionalplanung bzw. Standortpolitik das „Schicksal des individuellen menschlichen Wesens in einer komplizierter werdenden Umwelt“ (vgl. Pred) zu verbessern.

Constraints, Paths and Projects

Im weiteren Verlauf beschrieb Hägerstrand seinen geographischen Ansatz auch mit den Begriffen „Constraints, Paths and Projects“ (Golledge & Stimson, 1997). Diese Begriffe werden im Deutschen als Beschränkungen, Pfade/Bahnen und Projekte übersetzt.

Die Raum-Zeit-Geographie beschäftigt sich mit der Frage warum Menschen bestimmte Dinge tun bzw. warum sie bestimmte Dinge auch unterlassen. Ziel hiervon ist es, dass menschliche Verhalten, dass sehr komplex ist, zu verstehen und somit adäquate Planung zu ermöglichen.

Zunächst soll hier die Biographie des Individuums erwähnt werden. Das menschliche Leben ist durch Geburt und Tod bestimmt. Nach der Geburt durchläuft der Mensch die verschiedenen Lebensabschnittszyklen, die oftmals mit Standortwechseln verbunden sind. So ziehen junge Erwachsene oft aus dem Elternhaus aus, um zum Beispiel an anderen Orten zu studieren oder einer Arbeit nachzugehen. Diese einzelnen Stationen im Leben des Menschen bestimmen den kontinuierlichen Lebenspfad und somit die Biographie. Der Lebenspfad kann in dynamischen Karten betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die oben abgebildeten Darstellungen zeigen solche dynamischen Karten.

In den Zeichnungen ist auf der Horizontalachse der Raum („space“) und auf der Vertikalachse die Zeit („time“) abgetragen.

Die erste Abbildung stellt zwei Individuen an verschiedenen Räumen zur gleichen Zeit dar. Man sieht, dass beide zur gleichen Zeit ihre Wohnungen verlassen und beispielsweise abends zur gleichen Zeit wieder zu Hause zu sind. Beiden Pfaden liegen die gleichen Wegstrecken zugrunde, jedoch zu unterschiedlichen Zeiten.

Die zweite Abbildung stellt zwei Individuen dar, die zu verschiedenen Zeiten am gleichen Ort sind. Als Beispiel wären hier Schichtarbeiter zu erwähnen, die die gleiche Arbeitszeit, jedoch zu verschieden Schichten haben.

Im dritten Bild befinden sich beide Individuen schließlich zur gleichen Zeit am selben Ort. Hier kann man Schüler in einer Schulklasse, Kinobesucher oder auch Besucher eines Fußballspiels als Beispiel nehmen.

Raum-Zeit-Prismen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während der 1960/70er Jahre wurden die sogenannten Raum-Zeit-Prismen entwickelt. Sie stellen kegelförmige Gebilde dar, an Hand derer man die Reichweite des Individuums darstellen kann. In diesen Prismen werden insbesondere Bewegung und Lage („location“) berücksichtigt. Keine Berücksichtigung finden hingegen weitere Faktoren wie Motivation und Intention der Individuen. Obwohl beide Faktoren sicherlich eine Berechtigung zur Aufnahme in solch einem Prisma hätten, sind sie nicht enthalten, da hier keine Datengrundlage besteht. Beide Faktoren sind schwierig zu erfassen, und so nur schwierig zu behandeln.

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Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (Buch)
9783656354789
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208120
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – Psychologie
Note
2,0
Schlagworte
Hägerstrand Raum-Zeit-Geographie Umweltpsychologie

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