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Könnte ein Fachkräftemangel den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden?

Auseinandersetzung mit dem Konflikt zwischen möglichem Fachkräftemangel und dem weiteren Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse

Studienarbeit 2012 57 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachkräftemangel
2.1. Definition
2.2. Ermittlung der aktuellen Fachkräftesituation in Deutschland
2.3. Ursachen des Fachkräftemangels
2.3.1. Demografische Entwicklung
2.3.2. Mismatch
2.4. Strategien zur Bekämpfung des Fachkräftemangels
2.5. Handlungsfelder
2.5.1. Fachkräfte-Offensive
2.5.2. Studienabbrecherquote reduzieren
2.5.3. Zuwanderung von Fachkräften erhöhen
2.5.4. Erwerbstätigkeit von Frauen erhöhen
2.5.5. Erwerbstätigkeit von Personen über 55 Jahren erhöhen
2.6. Betriebliche Instrumente zur Deckung des Fachkräftebedarfs

3. Prekäre Arbeitsverhältnisse
3.1. Abgrenzung Normalarbeitsverhältnis, atypische und prekäre Arbeitsverhältnisse
3.2. Formen atypischer Beschäftigung
3.2.1. Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung
3.2.2. Befristete Beschäftigung
3.2.3. Leiharbeit
3.3. Ursachen für atypische Beschäftigungsverhältnisse
3.4. Auswirkungen atypischer Beschäftigungsverhältnisse

4. Wirtschaftsstandort Deutschland
4.1. Analyse der derzeitigen wirtschaftlichen Situation Deutschlands
4.1.1. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
4.1.2. Das volkswirtschaftliche Rechnungswesen
4.1.3. Bruttoinlandsprodukt
4.1.4. Umfragebasierte Konjunkturindikatoren
4.2. Der Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Vergleich
4.3. Bedeutsame Wirtschaftssektoren des Wirtschaftsstandortes Deutschland

5. Beeinflussung des Wirtschaftsstandortes Deutschland durch den Fachkräftemangel
5.1. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
5.2. Auswirkungen auf das BIP und Wertschöpfungsverluste
5.3. Auswirkungen auf das Personal

6. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland von Januar 2005 bis September 2012

Abbildung 2: Ingenieurersatzraten im europäischen Vergleich, im Jahr 2005

Abbildung 3: Beurteilung des Fachkräftemangels durch technische Unternehmen im Jahr 2008

Abbildung 4: Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland

Abbildung 5: Möglichkeiten zur Steigerung des Fachkräfteangebots

Abbildung 6: Ausschlaggebende Studienabbruchmotive der Studienabbrecher 2008

Abbildung 7: Nutzung und Erfolg von Instrumenten zur Personalgewinnung

Abbildung 8: Dreiecksverhältnis der Leiharbeit

Abbildung 9: Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland, preisbereinigt

Abbildung 10: Umfragebasierte Konjunkturindikatoren für Deutschland, 2008 bis 2011

Abbildung 11: Weltmarktanteile der größten Exportnationen, Angaben in Prozent

Abbildung 12: Anteil der fünf wichtigsten Ausfuhrgütergruppen in Prozent

Abbildung 13: Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten, 1975 bis 2009

Abbildung 14: Konsequenzen der Fachkräfteengpässe im MINT-Segment, im Jahr 2007, Angaben in Prozent

II. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Arbeitslos gemeldete Personen je offene Stelle,
Stand: Juli 2008

Tabelle 2: Beschäftigungsquote von Frauen und Männern (15 – 49 Jahre) mit/ohne Kinder

Tabelle 3: Erwerbstätigenquote nach Altersgruppen

Tabelle 4: Erwerbstätige (15-64 Jahre) in Atypischen Arbeitsverhältnissen von 1996 bis 2011 (Angaben in 1.000)

Tabelle 5: Deutschland im Spiegel internationaler Ranking-Studien

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In der vorliegenden Studienarbeit, im Rahmen meines Studiums an der Deutschen Außenhandels- und Verkehrs-Akademie, möchte ich das Thema „Könnte ein Fachkräftemangel den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden? - Setzen Sie sich mit dem Konflikt, zwischen möglichem Fachkräftemangel und dem weiteren Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse, auseinander.“ näher analysieren.

Zunächst werden Grundlagendefinitionen, die zum Verständnis dieser Studienarbeit notwendig sind, erläutert. Es werden die Begrifflichkeiten „Fachkraft“ und „hochqualifizierte Fachkraft“ abgegrenzt. Anschließend wird untersucht, ob es einen Fachkräftemangel in Deutschland gibt, in welcher Form sich dieser darstellt und worin er begründet liegt. Ebenso werden Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels aufgezeigt und erklärt.

Im zweiten Teil der Ausarbeitung wird auf prekäre bzw. atypische Arbeitsverhältnisse eingegangen. Es werden die unterschiedlichen Formen dieser Arbeitsverhältnisse dargestellt und begründet, weshalb diese auf dem Arbeitsmarkt Anwendung finden und welche Auswirkungen sie auf die Beteiligten haben.

Der dritte Teil dient der Analyse des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Dies erfolgt unter anderem anhand des Bruttoinlandsproduktes und umfragebasierter Konjunkturindikatoren, wie beispielsweise dem ifo-Geschäftsklimaindex. Des Weiteren wird ein internationaler Vergleich angestellt, um die bedeutsamen Sektoren der deutschen Volkswirtschaft herauszuarbeiten.

Abschließend folgt eine Darstellung der Beeinflussung des Wirtschafts-standortes Deutschland durch den Fachkräftemangel, insbesondere in Bezug auf die Entwicklungen des Arbeitsmarktes und des Bruttoinlandsproduktes.

2. Fachkräftemangel

Der Begriff Fachkräftemangel ist in den letzten Jahren zu einem Synonym für die zahlreichen Probleme auf dem Arbeitsmarkt geworden. Die Medien sprechen im Zusammenhang mit Fachkräftemangel von einer „düsteren Zukunftsmusik“[1] für Deutschland und so gibt es immer wieder aufkeimende Diskussionen über dieses ungeliebte Thema.

2.1. Definition

Bei dem Begriff Fachkräftemangel handelt es sich gem. Duden schlicht und ergreifend um einen Mangel an Fachkräften.[2] Doch was genau, ist unter einer Fachkraft zu verstehen? Fachkräfte sind Personen, die durch fachspezifische Qualifikationen, bestimmte Tätigkeiten mit einer bestimmten Produktivität ausüben können. Hieraus folgt, dass andere Arbeitskräfte, die nicht über diese fachspezifischen Qualifikationen verfügen, die gestellten Aufgaben nicht oder nur mit geringerer Produktivität erfüllen können und somit in Hinblick auf diese Tätigkeiten nicht als Fachkräfte gelten. Fachkräfte gibt es daher in allen Tätigkeitsbereichen, es sei denn, dass keine besonderen Kenntnisse erforderlich sind, z.B. für Hilfsarbeiten.[3] Die Bundesagentur für Arbeit definiert die Fachkraft als eine „Person mit mindestens einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem vergleichbarem Sekundärabschluss“.[4] Eine hochqualifizierte Fachkraft hingegen muss einen tertiären Bildungsabschluss nach der Stufe 5 des Standards ISCED 97 vorweisen können, welcher von der UNESCO festgelegt ist, hierzu zählen Abschlüsse an Berufsakademien, Fach- und Hochschulen.[5]

Aus dem Begriff Fachkraft lässt sich der sog. Fachkräftemangel ableiten, welcher dadurch gekennzeichnet ist, dass es quantitativ nicht genügend Fachkräfte gibt. Dies bedeutet, dass es auf entsprechend ausgeschriebene Stellen entweder keine Bewerbungen gibt oder die Bewerber nicht den gestellten Anforderungen entsprechen, da sie die geforderte Qualifikation nicht mitbringen und somit für diese Stelle ungeeignet sind.[6]

2.2. Ermittlung der aktuellen Fachkräftesituation in Deutschland

Um sich einer potenziellen Fachkräftemangel-Problematik widmen zu können, muss zunächst untersucht werden, ob es in Deutschland einen Mangel an Fachkräften gibt, wie sich dieser ermitteln lässt und in welcher Form sich dieser darstellt.

In den letzten Jahren ist der Begriff Fachkräftemangel immer wieder in den Medien zu hören, insbesondere, wenn sich die Wirtschaft günstig entwickelt und es für Unternehmen zunehmend schwieriger, wird Mitarbeiter zu den gleichen Konditionen zu beschäftigen, wie in der Krise.[7] Doch anhand welcher Indikatoren lässt sich ein Mangel an Fachkräften ermitteln?

Einerseits gilt eine geringe Arbeitslosenquote als ein wichtiges wirtschaftspolitisches Ziel und es ist somit erfreulich, dass die Arbeitslosenquote von 12,3% im Januar 2005 auf 6,5% im September 2012 gesunken ist (vgl. Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland von Januar 2005 bis September 2012

Quelle: eigene Darstellung gem. Bundesagentur für Arbeit, 2012a.

Andererseits sind sinkende Arbeitslosenzahlen kein direkter Indikator für einen Fachkräftemangel. Stattdessen können sinkende Arbeitslosenzahlen auch auf einen Anstieg der Erwerbstätigkeit geringqualifizierter Personen hindeuten.

Darüber hinaus könnte sich ein Mangel an Fachkräften in einem Anstieg der Löhne widerspiegeln. Gemäß der Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage, drückt sich ein Angebotsmangel in steigenden Preisen aus. Bislang gibt es hierfür jedoch keine Anzeichen, da zwischen 2008 und 2010 die Löhne für Fachkräfte nicht schneller, als die der übrigen Arbeitnehmer, gestiegen sind.[8] Nur anhand dieser Kriterien kann also kein Fachkräftemangel für den Wirtschaftsstandort Deutschland abgeleitet werden.

Hingegen gibt es diverse Studien, die die Problematik eines drohenden Fachkräftemangels untersucht haben. Die Ergebnisse der einzelnen Forschungsinstitute weichen zwar geringfügig voneinander ab, kommen jedoch durchweg zu der Erkenntnis, dass wir uns in ca. 15 Jahren einem Mangel an Fachkräften in allen Wirtschaftszweigen gegenüber gestellt sehen werden. Insbesondere für das mittlere und hohe Qualifikationsniveau ist ein Mangel an Fachkräften zu erwarten. Im Gegensatz dazu werden es Personen, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, in Zukunft schwer haben, eine Beschäftigung zu finden.[9] Im Bereich des hohen Qualifikationsniveaus konzentriert sich der Fachkräftemangel in erster Linie auf die sog. MINT-Berufe, also die Berufe in der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Besonders hoch ist in dieser Gruppe die Fachkräftenachfrage nach Ingenieuren. Dies schlägt sich auch in der Dauer, welche eine Stelle vakant ist, nieder. Unternehmen benötigen somit viel Zeit, eine offene Stelle erfolgreich zu besetzen.[10]

Tabelle 1: Arbeitslos gemeldete Personen je offene Stelle, Stand Juli 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung, vgl. Koppel, Plünnecke, 2009, S.12.

Bei Betrachtung des Verhältnisses von arbeitslos gemeldeten Personen zu offenen Stellen, im Bereich der hochqualifizierten Berufsordnungen, wird dies anhand der, der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Personen, erkennbar. Insbesondere in technischen Qualifikationsgruppen steht weniger als eine arbeitslos gemeldete Person bzw. knapp über eine arbeitslos gemeldete Person je eine offene Stelle zur Verfügung (vgl. Tabelle 2). Ferner gilt es zu beachten, dass die, der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten, Stellen nur eine Teilmenge des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebotes repräsentieren. Unternehmen setzen gerade bei der Suche nach hochqualifizierten Mitarbeitern alternative Wege der Personalsuche, wie z.B. das Schalten von Stellenangeboten auf der eigenen Homepage oder Personalvermittlungsagenturen, ein. Somit lag die Meldequote offener Stellen im Bereich der MINT-Berufe im Jahr 2008 nur bei rund 15 Prozent. Im Juli 2007 wurden beispielsweise neben den 12.800 der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ingenieurstellen noch mehr als 46.000 Vakanzen, allein auf 280 deutschen Unternehmenswebseiten und den zehn größten Onlinestellenbörsen geschaltet.[11]

Darüber hinaus wird auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deutlich, dass die Bundesrepublik Deutschland, insbesondere im Bereich der Ingenieurberufe, ein Fachkräfteproblem hat (vgl. Abb.2). Gemäß OECD-Studie aus dem Jahr 2008, liegt Deutschland im Vergleich von 16 europäischen Ländern nur auf dem viertletzten Platz und damit weit hinter den Spitzenreitern Schweden, Portugal und Irland, die eine Ingenieurersatzrate von mehr als 3,75 Prozent aufweisen können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ingenieurersatzraten im europäischen Vergleich im Jahr 2005, Angaben in Prozent

Quelle: Pfeiffer, 2008, S.3.

Auch die Unternehmen selbst bestätigen solche Statistiken der geringen Ersatzraten in technischen Berufen. Dementsprechend klagen in einer Kurzstudie im Umfeld technischer Unternehmen bereits 47 Prozent der befragten Betriebe über einen Fachkräftemangel und sogar 14 Prozent über einen extremen Mangel an Fachkräften (vgl. Abb.3).[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Beurteilung des Fachkräftemangels technischer Unternehmen im Jahr 2008

Quelle: eigene Darstellung, vgl. Bienzeisler, Bernecker, 2008, S.11.

Gleichermaßen bestätigt auch die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Studie Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland die Ansicht, dass Lücken zwischen Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot eher in akademischen Berufen und hier insbesondere in den Berufen mit technischer Ausrichtung auftreten.[13]

2.3. Ursachen des Fachkräftemangels

Im Folgenden wird untersucht, wie der vorhandene Fachkräftemangel speziell im Bereich der MINT-Berufe entstanden ist und wie er sich in den kommenden Jahren voraussichtlich entwickeln wird.

Wie bereits geschildert, liegt ein Fachkräftemangel dann vor, wenn die Nachfrage nach Fachkräften das Angebot dieser übersteigt, sodass offene Stellen nicht mehr qualifikationsadäquat besetzt werden können.[14] Insbesondere in den letzten beiden Dekaden hat sich der Bedarf speziell an hochqualifizierten Fachkräften in allen industrialisierten Volkswirtschaften deutlich erhöht. Somit übersteigt die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften das Angebot dieser mittlerweile deutlich.[15] Ursache hierfür ist sowohl der fortwährende Strukturwandel zu einer forschungs- und wissensintensiven Gesellschaft, insbesondere durch die Verbreitung der modernen Kommunikations- und Informationstechnologien[16], als auch die Veränderungen in der betrieblichen Arbeitsorganisation, sowie die allgemeine Globalisierung.[17] Nach einer Prognose des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BiBB) und des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird der Bedarf an Personen ohne beruflichen Abschluss bis 2025 deutlich sinken und der an qualifizierten Arbeitskräften weiter steigen.[18] Des Weiteren gilt es zu beachten, dass nicht nur die Stellen derjenigen besetzt werden müssen, die dauerhaft oder vorübergehend aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sondern dass darüber hinaus ein sog. „Expansionsbedarf“[19] entstehen kann. Hierbei handelt es sich um einen zusätzlichen Bedarf an Fachkräften, der in einer mittelfristig verbesserten Auftragslage der Unternehmen oder in einem langfristigen Wachstum einer Volkswirtschaft begründet liegt.[20]

2.3.1. Demografische Entwicklung

Die Bevölkerungsentwicklung eines Landes hängt zum einen von der Geburtenhäufigkeit und der Lebenserwartung, und zum anderen vom Wanderungssaldo ab.[21] Insbesondere aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland wird es in den kommenden Jahren immer schwieriger sein, die frei werdenden Stellen, sowie die Stellen, welche durch Expansionsbedarf entstehen, adäquat besetzen zu können. Laut der 11. Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, wird sich die Bevölkerung in Deutschland von heute rund 82 Millionen auf 69 bis 74 Millionen Menschen im Jahr 2050 verringern. Da die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen immer weiter übersteigen wird und nicht genügend Menschen nach Deutschland einwandern.[22] Daraus folgt, dass dem Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2025 etwa sechs Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen werden.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006, S.15.

Hinzu kommt, dass sich die Relation zwischen Alt und Jung weiter verändern wird. Waren im Jahr 2005 noch 20 Prozent der Bevölkerung jünger als 20 Jahre, so werden es im Jahr 2050 nur noch 15 Prozent sein. Im Gegensatz dazu wird es immer mehr Menschen über 65 Jahren geben. Und auch die Zahl der Menschen im Erwerbsalter (20 bis 65 Jahre) wird nicht nur deutlich abnehmen, sondern im Durchschnitt auch merklich älter werden.[24] Aus dem demografischen Wandel ergibt sich ferner ein Mangel an Hochqualifizierten, die derzeit ungefähr 30 Prozent eines Geburtsjahrgangs ausmachen. Sinkt die Geburtenzahl, wird auch in den Folgejahren die Zahl der Hochschulabsolventen und somit die der Hochqualifizierten sinken. Noch dramatischer wird dies laut Koppel, Plünnecke bei Betrachtung der Jahre 2027 und 2028, in denen ca. 100.000 mehr Hochqualifizierte den Arbeitsmarkt verlassen, als junge Hochqualifizierte nachrücken werden.[25] Eine zunehmende Fachkräftelücke, insbesondere im Segment der Hochqualifizierten, ist die Folge.

Im Gegensatz zur Bundesregierung, sieht Prof. Dr. Herbert Brücker, Leiter des Forschungsbereichs Internationale Vergleiche und europäische Integration im IAB, den Fachkräftemangel nicht ausschließlich in der demografischen Entwicklung Deutschlands begründet. Er sieht hier vielmehr konjunkturelle und strukturelle Ursachen.[26] Zum einen sei auf Grund der Strukturreformen im deutschen Arbeitsmarkt, die in der letzten Dekade vorgenommen wurden, das Lohnniveau gesunken und dadurch die Arbeitsnachfrage der Unternehmen gestiegen. Zum anderen haben die, im internationalen Vergleich, nur niedrigen Reallohnsteigerungen in Deutschland dazu geführt, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen verbessert hat. Wodurch die Nachfrage nach Fachkräften ebenfalls gestiegen sei.[27]

[...]


[1] Handelsblatt, 2012.

[2] vgl. Duden, 2012a.

[3] vgl. Kettner, 2012, S.16.

[4] Bundesagentur für Arbeit, 2012b, S.3.

[5] vgl. Koppel, Plünnecke, 2009, S.11.

[6] vgl. Kettner, 2012, S.16.

[7] vgl. Bosch, 2011, S.584.

[8] vgl. Bosch, 2011, S.584.

[9] vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, 2012.

[10] vgl. Koppel, Plünnecke, 2009, S.17.

[11] vgl. Koppel, Plünnecke, 2009, S.14ff.

[12] vgl. Bienzeisler, Bernecker, 2008, S.10f.

[13] vgl. Bundesagentur für Arbeit, 2012b, S.7.

[14] vgl. Koppel, Plünnecke, 2009, S.13.

[15] vgl. ebenda, S.7.

[16] vgl. Koppel, Plünnecke, 2009, S.7f.

[17] vgl. Bundesagentur für Arbeit, 2012b, S.6.

[18] vgl. Bosch, 2011, S.585.

[19] Koppel, Plünnecke, 2009, S.8.

[20] vgl. ebenda, S.8.

[21] Vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, 2011a, S.1.

[22] vgl. Statistisches Bundesamt, 2006, S.15.

[23] vgl. Das Portal zur Fachkräfte-Offensive, 2012d.

[24] vgl. Statistisches Bundesamt, 2006, S.5ff.

[25] vgl. Koppel, Plünnecke, 2009, S.37.

[26] vgl. Brücker, 2011, S.587.

[27] vgl. Bosch, 2011, S.584.

Details

Seiten
57
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656355649
ISBN (Buch)
9783656357513
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208236
Institution / Hochschule
Deutsche Außenhandels- und Verkehrsakademie DAV Bremen
Note
1,3
Schlagworte
Fachkräftemangel prekäre Arbeitsverhältnisse atypische Beschäftigungsverhältnisse Wirtschaftsstandort Deutschland Fachkraft Demografischer Wandel MINT Ursachen Folgen

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