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Walter Benjamins 'Die Aufgabe des Übersetzers' unter Einbeziehung seiner Übersetzung von Charles Baudelaires 'A une passante'

Hausarbeit 2009 10 Seiten

Literaturwissenschaft - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übersetzung als Form: was macht eine Übersetzung aus?

3. Übersetzung als Ausdruck des Verhältnisses von Sprachen

4. Die Aufgabe des Übersetzers

5. „A une passante“ im Vergleich mit „Einer Dame“

6. Fazit

1. Einleitung

Walter Bendix Schönflies Benjamins „Die Aufgabe des Übersetzers“ war eigentlich nur eine Art Vorwort zu seinen Übersetzungen von Charles Baudelaires „Tableaux Parisiens“. Für die Geschichte der Übersetzung wurde es zu einem wichtigen Übersetzungskonzept. In seinem Essay behandelt er nicht nur die Aufgabe eines Übersetzers, sondern Dinge die darüber hinaus gehen. In dieser Arbeit soll herausgefunden werden, was Benjamin sich unter der Aufgabe eines Übersetzers vorstellt und welche Kriterien er einer guten Übersetzung abverlangt. Weiterhin sollen seine Vorstellung von den Merkmalen und Veränderungen der beiden Basisformen „Original“ und „Übersetzung“ dargestellt werden. Ebenso soll überprüft werden, ob er seine Aufgabe in seinen eigenen Übersetzungen wirklich bewerkstelligt oder sie nur anderen Übersetzern mit auf dem Weg gegeben hat. Um den Faden durch die Gedankengänge Benjamins nicht zu verlieren, sollen die Zusammenhänge des Textes Stück für Stück erklärt werden. Die Gliederung orientiert sich deshalb an drei Themenkomplexen des Textes.

Im zweiten Gliederungspunkt geht es um den ersten Abschnitt des Textes, in dem Übersetzung als eine Form festgelegt wird. Außerdem wird ihr Zusammenhang zu Original und Übersetzer vorgestellt. Der dritte Punkt behandelt dann den zweiten Abschnitt, der das Verhältnis von verschiedenen Sprachen, das in der Übersetzung zum Ausdruck kommt, zeigt. Die Sprache wird hier als „Form“ der beiden Grundformen ausgearbeitet, die in verschiedenen Sprachkreisen aufgespalten wurde, im Ursprung aber eine Reinheit ihres Sinnes besitzt. Der vierte Punkt stellt den dritten Teil des Textes mit der Aufgabe des Übersetzers dar, die den Übersetzer als eine Art Erlöser des Originals erscheinen lässt. Schließlich soll im vorletzten Punkt die Übersetzung „Einer Dame“ von Walter Benjamin mit dem Original „A une passante“ von Charles Baudelaire verglichen werden. Dieser Vergleich soll dazu dienen, ob herausgefunden werden kann, in wieweit Benjamin seine gestellte Aufgabe ausführt.

2. Übersetzung als Form: was macht eine Übersetzung aus?

Walter Benjamin beginnt sein Essay „Die Aufgabe des Übersetzers“ mit einer Erklärung, die es dem Leser ermöglicht den folgenden Text und die nachgestellten Gedichtübersetzungen unter einem bestimmten Blickwinkel zu betrachten. Er geht davon aus, dass kein Kunstwerk für einen bestimmten Empfänger angefertigt wurde und nur den Umgang und die entsprechende Nutzung des Werkes von ihm abverlangt. Benjamin verweist damit auf die Selbstreferenzialität eines Textes, was der Theorie vom „Tod des Autors“ von Roland Barthes ähnelt. Da er den Abschnitt an den Anfang stellt, könnte man denken, es sei eine Art Verteidigung dessen, was er später noch schreiben wird.

Danach leitet Benjamin den Bezug zur Übersetzung eines Werkes ein für die die gleichen Regeln bestehen. Eine Übersetzung kann ebenso wenig den Lesern gelten, wie ein Original. Beide sind Formen von Texten und sollen beziehungsweise können nichts vermitteln oder aussagen. Eine Übersetzung, die sich doch an einer Mitteilung versucht, ist also nach Benjamin eine schlechte Übersetzung, weil sie Unwesentliches vermittelt. Auch die „ungenaue Übermittlung eines unwesentlichen Inhalts“[1] soll eine schlechte Übersetzung ausmachen. „Ungenau“ heißt für Benjamin nicht- dichterisch, nicht- geheimnisvoll (genug). Geht ein Übersetzer also „genau“ vor, heißt das keineswegs, dass er sich Wort für Wort vornimmt - im Gegenteil, er sollte möglichst den dichterischen Aspekt des Werkes durch seine eigenen Worte einfangen können. Auf „Genauigkeit“ geht Benjamin in einem späteren Abschnitt des Textes noch näher ein.

Benjamin stellt nun die These auf „Übersetzung ist eine Form“[2]. Diese Form basiert auf dem Original und hängt von der Übersetzbarkeit eines Originals ab, wenn es einen passenden Übersetzer gibt und das Original auch in eine Übersetzung passt. Eine schlechte Übersetzung muss also nicht unbedingt die Schuld des Übersetzers sein, sondern hängt vor allem vom Original und dessen Bedeutung ab. Benjamin begründet eine Unübersetzbarkeit mit einer religiösen, übermenschlichen Anschauung: „entsprechend bliebe die Übersetzbarkeit sprachlicher Gebilde auch dann zu erwägen, wenn diese für die Menschen unübersetzbar wären.“[3] Er schlussfolgert, dass die Übersetzung als Form eine Übersetzbarkeit von bestimmten Werken erfordert. Wenn also ein Original schon zu viel mitteilt und seine Sprache deshalb zu wenig Dichterisches beinhaltet, soll es weniger übersetzbar sein.

Original und Übersetzung stehen also im Zusammenhang, da die Übersetzung sich aus dem „Überleben“ und „Fortleben“ des Originals entfaltet. Benjamin zufolge kann dieses neue Leben erst in einem späteren Jahrhundert als der Ursprungstext geboren werden. Allerdings hängt das vielleicht eher von der zufälligen (Wieder)Entdeckung oder Nachfrage von Werken in einem anderen Sprachkreis ab. Carol Jacobs interpretiert in Benjamins Lebensmetapher sogar eine „Reifung“ und „Keimung“ des Originals hinein, die nie vollendet werden kann: „Die Entfaltung, die das Leben des Originals in der Übersetzung erfährt, lässt ihre Saat nie ganz aufgehen.“[4] Das kann auch gar nicht passieren, da eine vollendete Übersetzung ja ohnehin eine übermenschliche Kraft erfordert. Eine Entfaltung beziehungsweise Vollendung muss außerdem nicht stattfinden, weil „[...] die Übersetzung zuletzt zweckmäßig für den Ausdruck des innersten Verhältnisses der Sprachen zueinander“[5] ist. Die Bedeutungen dieses Ausdrucks sowie dieses Verhältnisses sollen im folgenden Punkt behandelt werden.

[...]


[1] Walter Benjamin, Die Aufgabe des Übersetzers, in: ders. Gesammelte Schriften Bd. IV/1, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 1972, S. 9

[2] ebd.

[3] ebd., S. 10

[4] Carol Jacobs, Die Monstrosität der Übersetzung, in: Übersetzung und Dekonstruktion, hg. von Alfred Hirsch, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 1997, S. 167

[5] Walter Benjamin, Die Aufgabe des Übersetzers, S. 12

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656355564
ISBN (Buch)
9783656356318
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208251
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
walter benjamins aufgabe übersetzers einbeziehung übersetzung charles baudelairse
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Titel: Walter Benjamins 'Die Aufgabe des Übersetzers' unter Einbeziehung seiner Übersetzung von Charles Baudelaires 'A une passante'