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Interpretation "Abschied" - Heinrich Böll

Referat / Aufsatz (Schule) 2010 8 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Interpretation „Abschied“, Heinrich Böll

Picassos „Les Demoiselles d’Avignon“ - Woraus entsteht diese Ästhetik? Die abgebildeten Frauen sind kubistisch dargestellt, z.T. fast ins androgyne tendierend. Es ist ein Werk voll fragiler Persönlichkeiten, deren Schönheit nicht aus Elementen typischer Ästhetik entsteht. Da sind keine perfekten Proportionen, keine Symmetrie. Fragen stellen sich, wer ist dies dort? Was hat sich verändert in der Wahrnehmung? Wer sieht sie so? Welch eine spezielle Faszination muss man doch empfinden um jemanden so unkonventionell darzustellen und doch so schön. Der Kubismus löst die ursprüngliche Formensprache auf um sie in kubischer Art und Weise neu zusammenzusetzen. Aus bekannten Elementen, aus alten Formen entsteht so ein neuer Eindruck, bekannt zwar, aber trotzdem eine andere Botschaft vermittelnd. Es ist auch die Idee wie ich jemanden wahrnehme. Was ich in meinem Kopf zeichne. Es geht hier um Kontraste. Wie sich diese Ansicht verändert. Als Maler halte ich meine Eindrücke auf Bildern fest, als Schriftsteller auf Papier. In diesem Verhalten spricht der Drang den Moment nicht flüchten zu lassen, sondern ihn fest zu halten, erst nur skizzenartig dann immer weiter, bis er fast realistisch neuentsteht. So fragil wie die Damen in Picassos Gemälde sind auch die Erinnerungen selbst. Wenn wir sie nicht festhalten, werden sie sich verflüchtigen und wir werden uns an sie nur noch im Lichte unserer neuen Empfindungen erinnern, oder sie werden nur noch ein blasses Abbild ihrer ehemaligen Schönheit. Manchmal lassen wir diese Erinnerungen aber auch absichtlich gehen. Weil wir uns verändert haben. Weil die Welt sich verändert hat. Obwohl wir sie noch immer empfinden möchten glauben wir, dass dies nicht mehr möglich ist. Dann zeichnen wir ein neues Bild. Dieses Bild sagt uns, dass diese Situation nie wieder erlebbar ist. Dieses Bild ist vielleicht nicht immer war. Vielleicht ist da etwas, dass uns ein flüstert wir müssten uns lösen, obwohl wir es besser wissen. Aber wenn sich die eigene Persönlichkeit verändert hat, widerstehen wir vielleicht dem Verlangen der Stimme nicht, weil sie zu ignorieren uns in eine Welt voll Unsicherheit leitet. In eine zerbrechliche Vision, die so unrealistisch erscheint, dass die Umstände zum größten Faktor werden. Wir lassen unsere Wünsche gehen, wir lassen sie davon fahren, wir vergessen alles und wir bereuen es vielleicht viel zu lange.

Heinrich Böll schreibt in „Abschied“ über das Gehenlassen, über das Zurücklassen einer Vision, einfach weil die Unsicherheit zu groß ist, die Umstände zu schwierig. Die Handlung dieser Kurzgeschichte spielt sich auf einem Bahnsteig ab, auf diesem steht ein Mann, der mit einer Frau in einem Zug spricht. Es wird deutlich, dass sie sich schon länger kennen und sie unterhalten sich darüber, dass die Frau nach Schweden reisen wird, um dort mit ihrem Lebenspartner zu wohnen. Die Unterhaltung zeigt auf, dass die beiden sich lieben, dies jedoch nicht äußern können, was auch dadurch deutlich wird, dass der Mann auf der Bildebene mit seinem Bein spricht. Letztendlich verabschieden sie sich und der Zug fährt ab. Thematisch bewegt sich der Text also im Bereich der unerfüllten Liebe, die mit der Abschiedsthematik verbunden wird und insgesamt im Kontext der Nachkriegszeit in Deutschland steht. Diese Einordnung in die Literatur nach 1945 wird an Anhaltspunkten im Text deutlich, wie z.B. der genannten Kriegsgefangenschaft (Z.52ff). Außerdem sind sowohl die Beinverletzung als auch die gesamte Abschiedsthematik Anhaltspunkte für einen Text dieser Zeit, zumal der einfach parataktische Satzbau und die stilmittelarme Sprache auf einen Nachkriegstext hinweisen. Mit einem für die Kurzgeschichte typischen unvermittelten Einstieg setzt die Geschichte auf dem Bahnsteig ein und gliedert sich dann in etwa drei größere Abschnitte. Im ersten Teil etwa von Zeile 1 bis 39, wird zunächst die Einführung in die Szene statt, die Protagonisten führen ein Gespräch über ihre gemeinsame Vergangenheit. Im zweiten Abschnitt, etwa von Zeile 40 bis 61 wird das Gespräch dann auf die Kriegsthematik und die Zukunft gelenkt, bzw. die Pläne der Protagonisten. Im letzten Abschnitt von Zeile 62 bis 102 findet zwar noch einmal ein Gespräch über die zukünftigen Pläne statt, jedoch ist dieses jetzt eher vor dem Hintergrund der wechselseitigen Gefühle zu sehen, die vor allem durch die Ich-Erzähler Perspektive aus Sicht des Mannes deutlich werden. Da es sich weitest gehend um einen Dialog handelt ist von einer Zeitdeckung auszugehen, jedoch ist in den Phasen der Beschreibung durch den Ich-Erzähler eher eine Zeitstreckung zu erkennen.

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Details

Seiten
8
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656420637
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208265
Note
1
Schlagworte
interpretation abschied heinrich böll

Autor

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Titel: Interpretation "Abschied" - Heinrich Böll