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Die Bedeutung des Jugendmarktes für die Sparkassen

Hausarbeit 2012 19 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in die Problemstellung
1.1 Ziele der Arbeit
1.2 Vorgehensweise

2. Zielgruppe „Jugendliche“
2.1 Definition Begriff „Jugendliche“ bzw. „Wer ist das überhaupt?“
2.2 Wünsche und Erwartungen der Jugendlichen an die Sparkasse
2.3 Einflussfaktoren auf das Konsumverhalten

3. Marktpotential der Zielgruppe „Kinder und Jugendliche“
3.1 Vermögen von Kindern und Jugendlichen
3.2 Kaufkraft von Kindern und Jugendlichen

4. Bedeutung des Jugendmarktes für die Sparkassen
4.1 Gründe und Nutzen des Jugendmarktes für die Sparkassen
4.2 Angebote der Sparkassen für Kinder und Jugendliche
4.3 Vertriebsformen im Jugendmarkt
4.4 Medienpräsenz und Werbung

5. Herausforderungen und Schwierigkeiten des Jugendmarktes
5.1 Chance oder Risiko?
5.2 Demografischer Wandel und Konkurrenz
5.3 Fazit

6. Anhänge
6.1 Anhang 1: Übersichten und Grafiken
6.2 Anhang 2: Literaturverzeichnis
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
6.2 Anhang 2: Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Problemstellung

1.1 Ziele der Arbeit

„Wir brauchen die Herausforderung der jungen Generation, sonst würden uns die Füße einschlafen“[1]

…waren einmal Worte von Willy Brandt, die sich zweifelsohne auf die Bedeutung des Jugendmarktes für die Sparkassen übertragen lassen. Neue Kunden sind nicht nur in Zeiten einer Wirtschaftskrise von existenzieller Bedeutung. Eine wichtige Zielgruppe sind dabei Kinder und Jugendliche. Welche genaue Bedeutung diese dabei einnehmen, welche Chancen und Risiken dabei entstehen können und vor welchen Herausforderungen die Sparkassen beim Jugendmarkt u.a. im Hinblick auf Kosten und demografischer Entwicklung stehen, soll in dieser Arbeit kritisch beleuchtet werden.

1.2 Vorgehensweise

Zunächst wird erläutert, welche Altersgruppen der Begriff „Jugendliche“ umfassen kann, welche grundsätzlichen Erwartungen diese an die Sparkassen haben und welche Faktoren auf ihr Kaufverhalten Einfluss nehmen können. Anschließend wird das Vermögen und die Kaufkraft der Jugendlichen untersucht. Folgend wird auf das Nutzen des Segmentes „Jugendmarkt“ für die Sparkassen, sowie auf die Produktangebote inklusive Vertriebsformen und Medienpräsenz, eingegangen.

Weiter werden Herausforderungen und Schwierigkeiten des Jugendmarktes im Hinblick auf den demografischen Wandel und die Konkurrenz erörtert und in der Schlussbetrachtung mit einem meinungsbildenden Fazit abgeschlossen.

2. Zielgruppe „Jugendliche“

2.1 Definition Begriff „Jugendliche“ bzw. „Wer ist das überhaupt?“

Der Begriff „Jugendphase“ ist aus soziologischer Sicht wissenschaftlich nicht klar definiert. Er beschreibt eher eine Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenleben. Dabei ist zu erwähnen, dass sich die Differenzierung von Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben im Verlauf der historischen Entwicklung erheblich verändert hat. Definierte man früher die Jugendzeit lediglich als Zeit zwischen Pubertät und Volljährigkeit, sieht die Soziologie die Jugendphase heute eher als eine Phase, die mit der Pubertät beginnt und erst mit der kompletten Übernahme der Erwachsenenrolle im Zuge einer Partnerschaft, oder mit dem Eintritt in die Berufswelt endet, was ein Lebensalter von ca. 28, in Ausnahmefällen sogar bis hin zu 33 Jahren bedeuten kann. Wann genau der Lebensabschnitt „Jugend“ abgelegt wird, hängt unter anderem auch von der individuellen Persönlichkeitsentwicklung ab, sowie der Frage, ob die betroffene Person noch unter erwachsener Autorität (z. B. Elternhaus) lebt.[2]

Aus juristischer Sicht ist der Jugendbegriff durch den Gesetzgeber dagegen klar definiert: Jugendliche sind Jungen und Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren. Mit Vollendung des 14. Lebensjahres endet aus juristischer Sicht die Kindheit. Ab dem 18. Geburtstag gelten junge Menschen als volljährig und haben alle Rechte und Pflichten eines Erwachsenen. Betrachtet man Kinder und Jugendliche nun aus der Marketing-sicht, erscheint eine weitgefasste, flexible Definition sinnvoller, als eine starre altersmäßige Katalogisierung.[3]

Bei vielen Sparkassen wird allerdings eine klare Altersbandbreite für den offiziellen Jugendmarkt gesetzt: Diese liegt bei 0-17 Jahren und schließt damit auch die Kindheit mit ein. Sie orientiert sich an dem Grundgedanken, dass bereits ab der Geburt die Vertriebsinitiative beginnen sollte.

2.2 Wünsche und Erwartungen der Jugendlichen an die Sparkasse

Um Wünsche und Erwartungen der gewünschten Zielgruppe erfassen zu können, muss man die Jugendlichen selbst zu Wort kommen lassen. Wie halten es die Jugendlichen mit dem Thema „Finanzen“? Was ist den jungen Kunden an einer Bank eigentlich besonders wichtig? Was bindet Jugendliche an „ihre Bank“? Das sind die Fragen, die sich Kreditinstitute jedes Jahr aufs Neue stellen sollten, um im Jugendmarkt wettbewerbsfähig bleiben zu können. In einer repräsentativen Umfrage vom Mai 2010 wurden Jugendliche im Alter von 13-20 Jahren per Onlinefragebogen befragt. Das Geschlechterverhältnis männlich zu weiblich betrug 50/50. Die Anzahl der beantworteten Fragebögen lag bei 1.010.

Das Ergebnis dieser Befragung zeigte, dass den Jugendlichen in absteigender Reihenfolge, die Freundlichkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, niedrige Preise/Gebühren, eine hohe Guthabenverzinsung, die Filialnähe mit dichtem Geldautomatennetz, sowie eine gute Beratungsqualität am wichtigsten sind. (vgl. 6.1 Anhang 1, Übersichten und Grafiken, Abb.1) Dieselbe Umfrage wurde in der Altersgruppe der 21 bis 29-jährigen durchgeführt. Aufgrund der in 2.1 diskutierten Bandbreite des Jugendbegriffs ist der Vergleich der Befragungsergebnisse aufschlussreich.

Interessanterweise kamen hier sehr ähnliche Ergebnisse zum Vorschein: Die niedrigen Gebühren rückten vor auf Platz 1, gefolgt von der Freundlichkeit der Mitarbeiter, dem dichten Geldautomatennetz und den hohen Guthabenzinsen. Als fünfter Punkt wurde genannt: Die Filiale soll in der Nähe sein. Die „gute Beratungsqualität“ folgt erst gleich darauf.[4] (vgl. 6.1 Anhang 1, Übersichten und Grafiken, Abb.2)

Nach der Analyse der Erwartungen von jungen Leuten, wird im nächsten Abschnitt deren Konsumverhalten untersucht.

2.3 Einflussfaktoren auf das Konsumverhalten

Das Konsumverhalten der Jugendlichen hat seinen Ursprung im Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland. Sie gibt den Rahmen für das Erziehungssystem vor, indem es Leistungen fordert, z. B. um seinen Bedarf an Arbeitskräften zu decken.[5] Als Vergütung für die Leistung wird Lohn in Form von Geld bezahlt, das wiederrum für die Befriedigung der Bedürfnisse durch Konsumgüter verwendet werden kann. Neben dem Wirtschaftssystem und dem staatlichen Erziehungssystem bilden weitere Eckpfeiler die Rahmenbedingungen, in denen Konsumverhalten und Gelderziehung von Kindern und Jugendlichen ablaufen. Gemäß dem Modell der ökonomischen Sozialisation können weitere Einflussvariablen das Konsumverhalten beeinflussen. Diese Einflussvariablen lassen sich in drei Sparten aufteilen:[6]

- Sozialisationsagenten: Eltern, Gleichaltrige, Markt, Schule, Medien
- Sozialstrukturelle Variablen: Schicht, Einkommen, Bildung der Eltern
- Alter, Geschlecht

Den eigentlichen ökonomischen Sozialisationsprozess, d. h. das soziale Erlernen des Konsumverhaltens von Jugendlichen, sowie die kognitive Entwicklung beginnt zu allererst durch Beobachtung und Nachahmung der Eltern in einem Prozess der indirekten Beeinflussung. Ein passendes Beispiel hierfür ist das Begleiten der Eltern beim Einkaufen. Hier bekommen die Kinder Einblicke, welche Güter in welchen Geschäften ausgesucht werden und wie bezahlt wird. In einem zweiten Schritt, wenn der Einfluss der Familie gegen Ende des Grundschulalters geringer wird, bekommt der Konsum eine emotionale Variable, die sich auf die Bedeutung bestimmter Güter für die persönliche, soziale Rolle bezieht und bedeutend für die Wahrnehmung durch die Umwelt ist. Beobachten kann man dies z. B. bei einer Gruppe Jugendlicher, die bestimmte Markenkleidung trägt.[7]

3. Marktpotential der Zielgruppe „Kinder und Jugendliche“

3.1 Vermögen von Kindern und Jugendlichen

Um einen ersten Eindruck gewinnen zu können, weshalb sich Banken so stark auf diese Zielgruppe konzentrieren, soll das Vermögen, sowie die Kaufkraft von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6-19 Jahren anhand von Grafiken dargestellt werden.

Sparguthaben in Mio. Euro: 2010 (Grafik Nr. 1, vgl. Trend Tracking Kids 2011)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

64% der 6-19-Jährigen hatten per Ende 2010 Sparguthaben von insgesamt € 4,93 Mrd.

*(= „ja, habe gespartes Geld.“)

Sparguthaben in Mio. Euro: 2011 (Grafik Nr. 2, vgl. Trend Tracking Kids 2011)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

50% der 6-19-Jährigen hatten per Ende 2011 Sparguthaben von insgesamt € 4,29 Mrd.

3.2 Kaufkraft von Kindern und Jugendlichen

a: „Gesamt“, b: „nach Altersgruppen“, c: „nach Geschlecht“

(a: Grafik Nr. 3, vgl. Trend Tracking Kids 2011)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2010 2011

2010 (b: Grafik Nr. 4, vgl. TTK 2011) 2011 (b: Grafik Nr. 5, vgl. TTK 2011)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6-19 Jahre 6-12 Jahre 13-19 Jahre 6-19 Jahre 6-12 Jahre 13-19 Jahre

2010 (c: Grafik Nr. 6, vgl. TTK 2011) 2011 (c: Grafik Nr. 7, vgl. TTK 2011)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jungen Mädchen Jungen Mädchen

Zusammenfassend lässt sich deutlich erkennen, dass sich das Sparguthaben der Zielgruppe im Jahre 2011 zum Vorjahr um € 0,64 Mrd. verringert hat, die Kaufkraft jedoch um € 3,42 Mrd. gestiegen ist. Die Quintessenz daraus ist, dass die Jugendlichen über viel Geld verfügen und somit großes Potential für die Sparkassen im Jugendmarkt besteht. Welche genauen Gründe ein hohes Engagement rechtfertigen, wird im folgenden Punkt erläutert.

4. Bedeutung des Jugendmarktes für die Sparkassen

4.1 Gründe und Nutzen des Jugendmarktes für die Sparkassen

Ein erklärtes geschäftspolitisches Ziel der Sparkassen ist es, hohe Marktanteile im Aktiv-, Passiv-, und Provisionsgeschäft zu erzielen. Daraus lässt sich Nutzen Nr. 1 ableiten: „Möglichst viele Kunden gewinnen“ und das in möglichst frühem Alter, am besten schon ab der Geburt. Um diese frühe Kundenverbindung dauerhaft halten zu können, kommt Nutzen Nr. 2 ins Spiel: „Möglichst viele zufriedene Kunden halten.“ Eine zeitnahe, persönliche Betreuung eines Neugeborenen beispielsweise vermittelt den Eltern Interesse und Wertschätzung. Herausgestellt hat sich mittlerweile, dass eine Kontoverbindung allein nicht mehr ausreicht, um Kunden dauerhaft zufrieden zu stellen. Von großer Bedeutung ist der „ganzheitliche Beratungsansatz“, sowie lebensbegleitende Zusatzleistungen (dazu näheres im nächsten Abschnitt). Ein weiterer Nutzen, Nr. 3, für die Sparkassen ist „Die Verstärkung des Wettbewerbsdruck auf die Konkurrenz“. Werden junge Kunden schon früh an die Sparkasse gebunden und wird die Verbindung aus Kundensicht als sehr zufriedenstellend betrachtet, kann ein Abwanderungsrisiko stark reduziert werden. Mit dieser Strategie wird gleichzeitig auch ein Gegengewicht gegen den Konkurrenzdruck geschaffen. Der persönliche Kontakt schafft persönliche Beziehungen und damit eine Vertrauensbasis, die sich positiv auf die Sparkasse auswirkt (Nutzen Nr. 4). Wo diese Strategie ihre Grenzen haben kann, wird in einem der nächsten Kapitel erörtert. Der Nutzen Nr. 5 für die Sparkassen lässt sich über „Multiplikatoren“ erreichen, was in der Vergangenheit oft unterschätzt wurde. Zufriedene wie nicht zufriedene Kunden sprechen über ihre Erfahrungen bei der Sparkasse. Dieser Vorteil sollte zu eigenen Gunsten genutzt werden. Wenn Jugendliche sich positiv äußern und Weiterempfehlungen aussprechen, kann dies sich nur vorteilhaft für die Sparkasse auswirken.[8]

4.2 Angebote der Sparkassen für Kinder und Jugendliche

Ausgehend von dem Wunsch der Sparkassen, einen Kunden lebenslang an sich zu binden, fand bereits im Jahr 2008 eine Neuausrichtung der Angebote im Jugendmarkt durch den Deutschen Sparkassenverband statt. Da jede Sparkasse Produkte mit eigenen spezifischen Ausstattungsmerkmalen im Angebot hat, werden die Produkt-beschreibungen allgemein gehalten. Es folgt nun die von der Neuausrichtung aus-gehende verfeinerte Zielgruppendefinition, sowie die zugehörigen passenden Produkte.

Kleinkinder (0-7 J.): mini Sparkonto (=mitwachsendes Girokonto, kostenlos, mit Kundenkarte, Guthabenverzinsung, Kontoführung auf Guthabenbasis, Verfügung durch Eltern), KNAX Geschenk bei Kontoabschluss etc., Vergünstigungen bei Kooperations-partnern, evtl. Bonusheft für Einzahlungen mit Geschenkanreiz, Veranstaltungen, z. B. anlässlich des Weltspartages

Grundschüler (7-11 J.): Taschengeldkonto (=mitwachsendes Girokonto, Sparkassen-Card, individuelles Verfügungslimit bestimmt durch die Eltern, erster Umgang mit eigenem Geld), Eintritt in KNAX Club mit KNAX Heft, Möglichkeit der Teilnahme an Ausfahrten, Events, Gewinnspielen, etc., Stundenpläne, Kalender, Internetauftritt, Führerscheinsparbuch (oft mit hoher Guthabenverzinsung), evtl. Bildungssparbuch (mit Sammeln von Stempeln für gute Schulnoten)

Schüler ab Kl. 5 (11-16 J.): Schülerkonto (=mitwachsendes Girokonto, s.o.), Prepaid-Handy aufladen am GAA, Eintritt in redpec/sclub mit eigenem Magazin, Internet-auftritt, Vergünstigungen, Events, etc.

Klasse 10/ Ausbildung (16-17 J.): Jugendgirokonto (=mitwachsendes Girokonto, s.o.), OnlineBanking, redpec/sclub Eintritt, optional: Prepaid-Kreditkarte

Berufsstarter/ Studium (18- ca. 30 J.): Girokonto (=Endstufe des mitwachsenden Girokontos mit Vergünstigungen durch Kooperationspartner, für Schüler / Studenten / Azubis kostenlos, optional: Kreditkarte, Dispositionskredit, S-POOL Mitgliedschaft mit Vergünstigungen, Internetauftritt etc., evtl. Studentenbetreuungsprogramm (kosten-lose Kreditkarte, Studienkredit, etc. )[9]

Um wichtige Provisionsgeschäfte auch im Jugendmarkt abschöpfen zu können, bieten die Sparkassen in der Regel neben den hauseigenen Produkten zusätzlich Produkte von Verbundpartnern an. (z. B. Deka Investmentfonds, LBS, Sparkassenversicherung) Passende Produktbündel je nach Lebensabschnitt sind z. B. Vorsorgeversicherungspakete (auch bereits für Neugeborene), Renten-/Lebensversicherungen, Bausparverträge z. B. bei Ausbildungsbeginn mit Möglichkeit auf Erhalt von Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage, Fondssparpläne, Berufsunfähigkeitsversicherungen, betriebliche Altersvorsorgeverträge, Riester-Sparpläne, etc. Es macht durchaus Sinn so früh wie möglich mit dem Anbieten von Cross-Selling Produkten zu beginnen, da die Mitkonkurrenten „nicht schlafen“ und ebenfalls mit größten Aktivitäten auf die junge Zielgruppe zugehen. Im Cross-Selling besteht bei den Sparkassen noch Nachholbedarf (siehe auch Gliederungspunkt 5.2).

4.3 Vertriebsformen im Jugendmarkt

Die strategischen Ansätze der Banken und Sparkassen sind sich in der Preis- und Produktpolitik sehr ähnlich. Auch im Stil der Kommunikationspolitik zeigt sich oft kein großer Unterschied. Werbeaussagen gleichen sich immer mehr an, gerade aufgrund der hohen Transparenz und Gleichartigkeit der Bankprodukte. Dabei rückt die Frage, über welchen Vertriebsweg der junge Kunde künftig erreicht werden soll, in den Fokus.

Grundsätzlich sind 4 mögliche Vertriebswege zu unterscheiden: „stationär“ (Geschäftsstellen, Beratungscenter, SB-Geräte, Servicecenter, etc.), „mobil“ (Außendienst, freie Vermittler, etc.), „medial“ (Onlinebanking, Telefonmarketing, Direkt-Mailing, Radio, Internet/email, TV, etc.) und „besondere“ (Messen, Kundenclub, Externe Partner, Kunden werben, etc.). Welcher Weg nun der Richtige ist, wird von den Sparkassen unterschiedlich beantwortet. Letztendlich entscheidet der Kunde über den erfolgreichen Vertriebsweg.[10] Der Schlüssel zum Erfolg ist die richtige Kombination der verschiedenen Möglichkeiten. (vgl. 6.1 Anhang 1: Übersichten und Grafiken, Abb.3)

4.4 Medienpräsenz und Werbung

Die Sparkassen sind in der wettbewerbspolitischen Auseinandersetzung bemüht, sich als Einheit zu präsentieren und ein positives Leistungsbild und Image in der Öffentlichkeit abzugeben. Dazu gehört ein einheitliches Erscheinungsbild (Corporate Design: Rotes Sparkassen „S“) für die Präsentation, sowie die Identität der Darstellung, die in der Werbung stattfindet. Nach diesen Prinzipien entstand die Gemeinschaftswerbung für die Sparkassen, die neben der gesamten Gruppe auch immer dem einzelnen Institut zugutekommt. Dies alles zusammen unterstützt letztendlich die Identifizierung der Kunden mit den Sparkassen.[11] Als aktuelles Beispiel sei hier die kürzlich abgeschlossene Girokonto Kampagne „Giro sucht Hero“, vertreten durch die bei den Jugendlichen derzeit hoch im Kurs stehenden TV-Figuren „Yoko und Klaas“, genannt.

Die verfolgte Marketingstrategie zeigte ihre Wirkung, denn laut mehrerer Umfragen in den vergangenen Jahren konnte die Sparkasse ihren Platz als Spitzenreiter im Punkt „Image“ bis heute dauerhaft halten. (z. B. im Jahr 2010 bei den 13 bis 29 Jährigen jeweils auf Platz 1)[12]

Zusätzlich ist es im Zeitalter der Facebook- und Twittergeneration für die Sparkassen von extrem wichtiger Bedeutung, auf diesen medialen Plattformen präsent und vor allem aktiv zu sein. Durch die Popularität, sowie die rapide Zunahme an Mitgliedern diverser sozialer Netzwerke, haben sich im zuvor beschriebenen „medialen Vertriebs-weg“ neue Möglichkeiten ergeben, an die Jugendlichen heranzutreten. Wie lange dieser „Social-Network-Hype“ anhält, weiß keiner, jedoch sollten die Sparkassen die Möglichkeiten dieses Vertriebsweges für sich nutzen, was gegenwärtig schon zum Teil erfolgt. Der Sprung auf den medialen Zug wurde also nicht verpasst, er muss aber noch weiter durch interessante, innovative Produktangebote und Werbekampagnen ausgebaut werden. Das Ziel sollte sein, dass alle Sparkassen auf diesen Plattformen vertreten sind.

5. Herausforderungen und Schwierigkeiten des Jugendmarktes

5.1 Chance oder Risiko?

Nach der Analyse der Chancen folgen nun die potentiellen Gefahren. Jugendgiro-konten verursachen überwiegend negative Deckungsbeiträge und sind eine Investition in die Zukunft. Ein großes Risiko ist daher die gestiegene Abwanderungsgefahr. Aufgrund der hohen Markttransparenz können sich junge Leute jederzeit über verschiedene Preise und Produkte informieren und fürchten auch nicht, dies offen beim Beratungsgespräch anzusprechen. Gerade die jungen Kunden haben eine nicht zu unterschätzende Kompetenz in „Sachen Finanzen“ entwickelt[13] und zeigen oft keine „Markentreue“, wenn es um bessere Preise oder Konditionen geht. Eigene Erfahrungswerte zeigen, dass gerade Studenten nach erfolgtem Studium-Ende die Kontoverbindung wechseln. Für die Sparkassen bedeutet dies gravierende Einbußen, denn ab Eintritt in ein Arbeitsverhältnis wird der junge Kunde ertragspolitisch gesehen, inklusive der Option auf Abschluss von weiteren Zusatzprodukten, erst richtig interessant. Außerdem gehen immer mehr junge Erwachsene „Mehrfachkontoverbindungen“ ein, was die Abwanderungsgefahr mit allen genannten Konsequenzen noch verstärkt.[14]

5.2 Demografischer Wandel und Konkurrenz

Ein weiterer Risikofaktor ist die Entwicklung des demografischen Wandels. Hauptgründe dafür sind die Faktoren Geburtenrate, Lebenserwartung und Migration. Seit dem Jahr 1972 ist die Zahl der jährlichen Sterbefälle höher als die der Geburten. Das Geburtendefizit wurde in den letzten drei Jahrzehnten durch Einwanderungsüberschüsse ausgeglichen. Die Bevölkerungszahl stieg sogar leicht an. Seit den 90er Jahren liegt die Geburtenrate jedoch unter den jährlichen Zuwanderungen. Des Weiteren nimmt die Lebenserwartung kontinuierlich zu. Das Resultat ist eine „schrumpfende, immer älter werdende Bevölkerungsstruktur.“[15]

(vgl. 6.1 Anhang 1, Übersichten und Grafiken, Abb. 4)

Was bedeutet dies nun für die Sparkassen? Durch die gesunkene und auch in Zukunft weiter sinkende Anzahl an jungen Kunden ist ein Kampf zwischen den Kreditinstituten um diese Zielgruppe ausgebrochen, der immer drastischere Formen annimmt. Da die Wechselbereitschaft im zunehmenden Alter abnimmt, müssen die Sparkassen ver-suchen, die jungen Leute so früh wie möglich an sich zu binden.[16] Sicherlich keine einfache Aufgabe, da direkte Konkurrenten wie Volks- und Raiffeisenbanken ähnlich aufgestellt sind und die gleichen Ziele verfolgen. Auch immer mehr Direktbanken und Branchenfremde sind in den Markt gedrungen, um an die hoch gefragte Zielgruppe zu gelangen.[17] Durch die Internetaffinität der Jugendlichen und die neuen Vertriebs-möglichkeiten des „Social-Networkings“ ist es den Direktbanken um ein Vielfaches vereinfacht worden, an diese Zielgruppe heranzutreten. Branchenfremde wie z. B. diverse Automobilhersteller dagegen schließen oft gleich bei Kaufabwicklung weitere Zusatzprodukte ab und führen das Finanzierungs-/Leasinggeschäft selbst durch.

5.3 Fazit

Der Jugendmarkt ist ein wichtiges, potentialreiches Teilsegment innerhalb der Sparkassen, dem trotz Internet die Beziehung „Mensch zu Mensch“ eine große Bedeutung zukommen muss. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Girokonto. Positive Deckungsbeiträge sind meist erst in der Zukunft möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen erst einmal Kosten investiert werden. Letztendlich geht es darum, den Kundenbestand für die Zukunft zu sichern und die jungen Kunden dauerhaft an die Sparkassen zu binden. Dazu müssen passende Produktangebote mit wettbewerbsfähigen Preisen, sowie ein persönlicher, lebensbegleitender und ganzheitlicher Beratungsansatz im Sinne des Sparkassenfinanzkonzeptes bestehen. Die Positionierung und Ausweitung des Online-Vertriebes ist unverzichtbar und wird von den jungen Kunden heutzutage erwartet. Die Anzahl der jungen Leute wird demografisch gesehen immer weniger, der Wettbewerb immer härter. Darum ist es sehr wichtig, Neukunden schon so früh wie möglich an die Sparkasse zu binden, vorhandene Marktanteile zu halten und gegen die Konkurrenz abzuschirmen. Die Sparkassen befinden sich als Marktführer im Jugendmarkt mit ihrem ausgeprägten Filialnetz, der außergewöhnlich guten Beratungskompetenz und der medialen Präsenz in einer exzellenten Position, die immer weiter ausgebaut werden sollte. So haben sie gute Aussichten, den Wettbewerb um diese Zielgruppe für sich zu entscheiden.

6. Anhänge

6.1 Anhang 1: Übersichten und Grafiken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Willy Brandt (1913-92), dt. Politiker (SPD), 1969-74 Bundeskanzler

[2] Vgl. Schäfers, 2005, S. 17-20

[3] Vgl. o.A., 1999, S. 13-14

[4] Vgl. o.A., 2010, S. 60

[5] Vgl. Lackmann, 2010, S. 26

[6] Vgl. Rosendorfer, 2000, S.19 zitiert nach Gunter/Furnham, 1998, S. 14

[7] Vgl. Rosendorfer, 2000, S.18-19

[8] Vgl. o.A., 1985. S. 16-17

[9] Vgl. o.A. 2008, S. 29

[10] Vgl. Schulte/Köhler, 1999, S. 112-113

[11] Vgl. Schulte/Köhler, 1999, S. 96

[12] Vgl. o.A., 2010, S. 63

[13] Vgl. Herbrich, 2008, S. 3

[14] Vgl. Kellers/Lammers, 2008

[15] Vgl. Gottschling/Saier/Weber, 2008, S. 18-21

[16] Vgl. Gottschling/Saier/Weber, 2008, S. 26-27

[17] Vgl. Ambros/Sasse, 2000, S. 32-38

[18] Vgl. o.A., 2010, S. 60

[19] Vgl. o.A., 2010, S. 60

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656355861
ISBN (Buch)
9783656357377
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208333
Note
2,5
Schlagworte
bedeutung jugendmarktes sparkassen

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