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Typische Merkmale von Franz Kafkas Autorschaft am Beispiel der Erzählung "Die Verwandlung"

Essay 2012 5 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Analyse der Erzählung „Die Verwandlung“ im Hinblick auf Erzählverfahren und Sprachstil und Erläuterung der Funktion der gewählten Darstellungsverfahren im Blick auf Erzählgegenstand und Erzählabsicht

Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ beginnt mit einer Rahmenhandlung, in der die Hauptfigur eingeführt wird. Der Leser erfährt den Namen und Beruf des Protagonisten und erhält einen ersten Eindruck in sein durch permanenten Stress gekennzeichnetes Leben. Der unter familiärem und beruflichem Druck stehende Gregor Samsa erkennt nach dem Aufwachen, dass er sich über Nacht zu einem „ungeheuren Ungeziefer“ verwandelt hat. Dieser höchst seltsame Umstand macht ihn nur anfangs verblüfft, im späteren Verlauf der Geschichte gewöhnt er sich daran, genauso wie seine Familienmitglieder.

Erzählt wird aus der dritten Perspektive, bisweilen scheint der Erzähler jedoch ein auktorialer zu sein, zum Beispiel in der Feststellung „Es war kein Traum“, die dem Absurden eine „Realitätsgarantie“ gibt, so dass sich der Leser der Glaubhaftigkeit des Erzählten vergewissern kann. Ansonsten liegt die personale Erzählsituation bzw. die interne Fokalisierung (nach Gérard Genette) vor. Der personale Erzähler ist für Kafkas Werk typisch: Das Geschehen wird bei ihm stets aus der Sicht des Protagonisten geschildert, so dass der Leser in der Regel lediglich genauso viel bzw. wenig über die Ereignisse Bescheid weiß wie der Charakter selbst. Bis auf den Schlussteil, in dem die Geschichte nach Gregors Ableben fortgesetzt wird, ist der Leser auch hier gleichsam auf die Darstellung des Protagonisten selbst angewiesen und sieht sich genötigt ihm über die geschilderten Geschehnisse den Glauben zu schenken. Obgleich also keine Ich-Erzählerperspektive vorliegt, gelingt es Kafka, eine an die Figur unzertrennlich gekoppelte Perspektive zu ermöglichen, die gleichzeitig eine gewissen Distanz zu dem Erzählten schafft.

In der ersten Szene der Erzählung sind die Erzählzeit und die erzählte Zeit praktisch gleich. Das zeitdeckende Erzählen weist obendrein keine Anachronie auf: Weder Prolepsen noch Analepsen sind festzustellen. Die Reflexionen des Protagonisten über seinen Beruf weisen jedoch eine iterative Erzählstruktur auf, wie zum Beispiel in den Sätzen „Tag aus, Tag ein auf der Reise“ oder „Wenn ich zum Beispiel im Laufe des Vormittags ins Gasthaus zurückgehe...“. Diese Textstellen weisen auf sich in Gregors Leben wiederholende Ereignisse hin. Ansonsten verbleibt die Erzählstruktur stets in der Jetzt-Zeit und folgt weitestgehend einem chronologischen Muster.

Der Text ist durchzogen von zitierter und erzählter Figurenrede, die an mehreren Stellen die Merkmale eines Bewusstseinsberichtes aufweist. Der Leser erhält einen Einblick in die Gedanken des Protagonisten, was durch der Erzählerkommentar „dachte er“ mehrmals deutlich angezeigt wird. Manche Textstellen weisen transponierte Figurenrede auf, die den Erzähler von der Hauptfigur deutlicher abhebt (z.B. in den Worten „Was aber sollte er jetzt tun?“). Gelegentlich liegt ein Erzählerbericht vor, der dem Leser Hintergrundinformationen liefert (z.B. „Samsa war Reisender“).

[...]

Details

Seiten
5
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656356936
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v208343
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
Kafka Verwandlung Erzählverfahren Interpretation Expressionismus

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Titel: Typische Merkmale von Franz Kafkas Autorschaft am Beispiel der Erzählung "Die Verwandlung"