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Das Modell der „vier Ohren“ und besondere Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation

Seminararbeit 2012 9 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 „So war das doch gar nicht gemeint”

2 Das Vier-Ohren-Modell
2.1 Die Sachebene
2.2 Die Selbstoffenbarung
2.3 Die Beziehungsebene
2.4 Der Appell

3 Was ist Kultur?

4 Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation

5 Resümee

6 Quellenverzeichnis

1 „So war das doch gar nicht gemeint”

"Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren." (Watzlawick o.J.)

Dieses Zitat des berühmten Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick drückt den Stellenwert der Kommunikation in unserem menschlichen Dasein aus. Um menschliche Beziehungen zu verstehen, muss man deren Kommunikation verstehen. Die Kommunikation ist ein komplexer Vorgang aus vielen einzelnen Schritten und Aspekten. Solange die Kommunikation „glatt“ läuft, ist dies nicht gleich ersichtlich, doch sobald es zu einem Missverständnis kommt, fragt sich wohl jeder Beteiligte, was da jetzt „schief gelaufen“ ist und spürt, dass da „etwas nicht stimmt“.

Zur Vermeidung von Missverständnissen und vor allem für einen erfolgreichen Umgang mit ihnen ist es von großem Nutzen zu wissen und zu verstehen, was Kommunikation eigentlich ist, und wie sie abläuft. Der erste Teil der vorliegenden Arbeit widmet sich diesem Aspekt: Das Vier-Ohren-Modell[1] nach Friedemann Schulz von Thun, der die Kommunikation in ihre Einzelteile zerlegt, soll hier vorgestellt werden.

Jeder Mensch verfügt über „Vorwissen“ – unsere Erfahrungen, unsere Verhaltensweisen, unser Wissen etc. – alles was wir durch unsere Sozialisation und unser bisheriges Leben erlernt haben. Dieses Vorwissen bringen wir in unsere Kommunikation mit ein. Je unterschiedlicher dieses Vorwissen ist, desto größer ist die Chance, dass man sich „missversteht“, also dass man etwas anders versteht, als es gemeint war. Bei Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung ist das „Vorwissen“ besonders unterschiedlich. Diese „besonderen Schwierigkeiten“ sollen im zweiten Teil erläutert und auf das VOM angewendet werden.

2 Das Vier-Ohren-Modell

Das VOM stammt aus der Kommunikationspsychologie und wurde von Friedemann Schulz von Thun entworfen. Es erläutert, dass die Interaktion zwischen zwei oder mehr Menschen, also Kommunikation, ein komplizierter Vorgang ist, der aus dem Senden und Empfangen von sog. Nachrichten besteht. Eine Nachricht ist also eine Kommunikationseinheit, die selbst wiederum aus kleineren Einheiten, sog. Botschaften besteht. Nach Schulz von Thun hat eine Nachricht vier Ebenen: Der Sachinhalt, der Aspekt der Selbstoffenbarung, der Beziehungsaspekt und der Appellaspekt (siehe Kapitel 2.1 – 2.4.). Im VOM wird eine Nachricht als Quadrat dargestellt und die vier Aspekte als vier Seiten einer Nachricht abgebildet (siehe Abb. 1). Auf jeder Seite der Nachricht werden also Botschaften gesandt. Botschaften können verbal oder non-verbal durch Gestik, Mimik, Tonfall, Körperhaltung etc. gesendet werden. Eine Nachricht ist also ein ganzes „Paket“ von einzelnen Botschaften. Meist nehmen wir aber eben nur dieses Gesamtpaket war, und sind uns nicht der einzelnen Aspekte oder Botschaften bewusst – weder bei den Nachrichten, die wir senden als auch denen, die wir empfangen. Dies liegt daran, dass wir von Geburt an kommunizieren und unsere Art zu kommunizieren so automatisiert haben, dass man sich dessen kaum bewusst ist und sich im Alltag eher selten Gedanken darüber macht – eben nur dann, wenn „etwas schief läuft“.

Abb. 1: Das Nachrichtenquadrat des VOM

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eichler, W. und J. Pankau (2012)

Abb. 2: Die vier Ohren des Empfängers einer Nachricht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eichler, W. und J. Pankau (2012)

Möchte ich als Sender[2] jemandem etwas mitteilen, also eine Nachricht senden, muss ich diese in eine verständlich Form bringen. Schulz von Thun nennt dies Codieren, also meine Botschaften in Sprache, Gestik, Mimik etc. umwandeln. Als Empfänger wiederum muss ich diese Botschaften decodieren, um sie verstehen und interpretieren zu können. Genau hier beginnt die Schwierigkeit: Nie gibt es eine Garantie bzw. eine sichere Überprüfung dessen, ob meine Nachricht so angekommen und verstanden wurde, wie ich sie senden wollte, bzw. ob die Nachricht, so wie ich sie empfangen habe, auch gesendet wurde. Eine Möglichkeit einer solchen Überprüfung ist das Feedback, also eine Nachricht des Empfängers an den Sender darüber, wie die ursprüngliche Nachricht bei ihm angekommen ist, mit der Frage, ob es auch so gemeint war. Hierbei ist zu beachten, dass aber auch diese Feedback-Nachricht codiert und decodiert werden muss und es zu fehlerhaftem Verstehen kommen kann. Im Folgenden sollen die einzelnen Ebenen, also die vier Seiten einer Nachricht erläutert werden (siehe Abb. 2). Hierzu soll als Beispiel der Satz „Du, da vorne ist grün.“ dienen, den der Mann im Auto zu seiner Ehefrau sagt (siehe Abb. 3).

[...]


[1] Im Folgenden VOM abgekürzt

[2] Zum besseren Verständnis hier jeweils von „Sender“ und „Empfänger“ gesprochen. Selbstverständlich sind hiermit sowohl männliche als auch weibliche Sprecher und Sprecherinnen gemeint.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656368144
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209173
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
Schlagworte
modell ohren schwierigkeiten kommunikation

Autor

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