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Klimaflüchtlinge – Zukunftsperspektiven eines missachteten Phänomens

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte

Leseprobe

Inhalt

„1.0 Einleitung
„1.1 Definition von Klimaflüchtlingen

„2.0 Ursachen für Klimaflucht
„2.1 Abwärtsspirale aus Armut und Verwundbarkeit

„3.0 Reaktionen und sich daraus ergebene Zukunftsperspektiven
„3.1 Reaktionen auf die entstehenden Probleme
„3.2 Reaktionen auf die Klimaflüchtlinge
„3.2.1 Beispiel: Deutschland und die EU

„4.0 Fazit

Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Klimaflucht ist eine weitreichende Folge des Klimawandels und stellt wie kaum ein anderer Bereich in der Thematik der Umweltpolitik eine derart enge Verbindung zu sozialen, moralischen und menschenrechlichen Aspekten dar. Trotzdem fand dieses Thema lange Zeit in der Wissenschaft keine große Beachtung. So schrieben Jakobeit und Methmann 2007 in ihrer Studie noch:

„ Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Phänomen der Klimaflüchtlinge steht mithin vergleichsweise noch am Anfang - und das bei einem Problem, das immer mehr Menschen vor allem in den Entwicklungsländern zu betreffen scheint und das für Millionen von ihnen katastrophale Auswirkungen haben könnte. “ 1

In der folgenden Hausarbeit werde ich der Fragestellung nachgehen, welche Zukunftsperspektiven es für dieses Phänomen und vor allem für die im Zitat erwähnten Millionen von betroffenen Menschen gibt. Dazu werde ich zunächst die verschiedenen Definitionen von Klimaflüchtlingen und die dazugehörigen Debatten aufzeigen. Dann werde ich die Ursachen, die zu Klimaflucht führen können, erläutern. Im Hauptteil werde ich anhand von einigen ausgewählten Beispielen von bisherigen Reaktionen aufzeigen, welche Zukunftsperspektiven zu erwarten und möglich sind. Am Ende werde ich in einem Fazit zusammenfassend noch einmal die Fragestellung debattieren.

1.1 Definition von Klimaflüchtlingen

Am 24. November 2005 entschied sich die Regierung von Papau Neuguinea rund 1000 Personen von den Carteret-Inseln zu evakuieren. Die ringförmige Inselgruppe war in der Vergangenheit öfters überschwemmt worden, so dass Süßwasserquellen versalzten und der Boden unfruchtbar wurde.2 In der öffentlichen Debatte werden diese Menschen häufig als die ersten Klimaflüchtlinge bezeichnet. Doch auch genau diese Geschichte ist bezeichnend für die Debatten um den Begriff Klimaflüchtling. Denn bereits vor der Evakuierung hatte das dort ansässige UN-Entwicklungsprogramm bestritten, dass es einen Zusammenhang zwischen den Überflutungen und dem Klimawandel gäbe. Stattdessen sei das Absprengen von wichtigen Korallenriffen Ursache der Überschwemmungen gewesen.3

Nach Genfer Flüchtlingskonvention ist ein Flüchtling ein Menschen, der:

„ (...) aus begründeter Furcht vor Verfolgung, aus Gründen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischenüberzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtung nicht in Anspruch nehmen will. “ 4

Nach dieser Definition gibt es also überhaupt keine Klimaflüchtlinge, da der Klimawandel in der Genfer Flüchtlingskonvention überhaupt nicht als Grund für Flucht angesehen wird. Ebenfalls problematisch ist, dass ausschließlich Flucht über die Landesgrenze hinaus als Flucht definiert wird. Muss eine Person ihren Wohnort aufgrund des Klimawandels verlassen, verlässt aber nicht ihr Heimatland, so würde die Definition der Genfer Flüchtlingskonvention sie also gleich aufgrund von zwei Merkmalen nicht als Flüchtling anerkennen.

Eine Definition von Umweltflüchtlingen selber wird in einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen beschrieben. Demnach sind Umweltflüchtlinge:

„ (...) solche Menschen die aufgrund von merklicher Umweltzerstörung, die ihre Existenz gefährdet und ernsthaft ihre Lebensqualität beeinträchtigt, gezwungen sind, zeitweilig oder dauerhaft ihren natürlichen Lebensraum zu verlassen. “ 5

Diese Definition beschreibt jedoch zum einen Umweltflüchtlinge, welche nicht immer mit Klimaflüchtlingen gleich zu setzen sind. Zum anderen ist diese Definition aufgrund ihrer Weitläufigkeit umstritten, denn meistens ist nicht der Klimawandel alleine Ursache für die Flucht.6

Einen anderen Ansatz hat Biermann, der Umweltflüchtlinge in vier Gruppen teilt. Diese sind:

- Degradation: Menschen in deren Heimat durch einen schleichenden Prozess Naturschätze verhindert oder vermindert werden
- Desaster: Menschen die durch eine vom Klimawandel erzeugte Naturkatastrophe ihr zu Hause verlieren
- Destabilisierung: Menschen in deren Heimat aufgrund des Klimawandels keine Stabilität im sozialen Gefüge mehr besteht7

Diese verschiedenen Ansätze zeigen wie umstritten allein die Definition von Klimaflüchtlingen in der Wissenschaft und auch im internationalen politischen System ist. Dies ist zum einen sicher ein Grund warum das Thema wissenschaftlich erst am Anfang steht, zum anderen führt es aber zu weiteren Problemen. Dadurch dass Klimaflüchtlinge in der Genfer Konvention keine Beachtung finden und es kein vergleichbares derartiges internationales Abkommen gibt, gibt es auch keinen verbindlichen Umgang mit diesen Menschen. Die einzelnen Staaten können sie wie gewöhnliche Migrant*innen behandeln und somit häufig leichter wieder abschieben, als wenn diese den Flüchtlingsstatus hätten.

2.0 Ursachen für Klimaflucht

Einer Studie des von Kofi Anan gegründeten Global Humanitarien Forum prognostiziert, dass vier Milliarden Menschen von den Folgen des Klimawandels gefährdet sein werden.8 Einige von diesen ergreifen das Mittel der Flucht. In diesem Absatz möchte ich Gründe nennen die zur Flucht führen können. Zwei möchte ich besonders hevorheben, da diese bei den späteren Beispielen eine große Rolle spielen.

Zum einen ist hier der Anstieg des Meeresspiegels zu nennen, der vor allem Inselstaaten und küstennahe Regionen bedroht. Prof. Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimaforschung beschreibt in einem Interview welche Auswirkungen ein Worst-Case-Fall mit einem Temperaturanstieg von 4°C hätte:

„ (...) Man müsste zum Beispiel mit mehreren Metern Meeresspiegelanstieg rechnen, in den nächsten Jahrhunderten würden dann reihenweise Küstenstädte im Wasser versinken. “ 9

[...]


1 Jakobeit, Cord; Methmann, Chris: Klimaflüchtlinge - Die verleugnete Katastrophe. Hamburg, 2007, Seite 3

2 Podbregar, Nadja; Schwanke, Karsten; Frater, Harald: Wetter, Klima, Klimawandel: Wissen für eine Welt im Umbruch. Berlin Heidelberg, 2009, Seite 105

3 Jakobeit, Cord; Methmann, Chris: Klimaflüchtlinge - Die verleugnete Katastrophe. Hamburg, 2007, Seite 3

4 Jakobeit, Cord; Methmann, Chris: Klimaflüchtlinge - Die verleugnete Katastrophe. Hamburg, 2007, Seite 9

5 Jakobeit, Cord; Methmann, Chris: Klimaflüchtlinge - Die verleugnete Katastrophe. Hamburg, 2007, Seite 9

6 Jakobeit, Cord; Methmann, Chris: Klimaflüchtlinge - Die verleugnete Katastrophe. Hamburg, 2007, Seite 9 - 10

7 Biermann, Frank: Umweltflüchtlinge - Ursachen und Lösungsansätze. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 2001, B12, Seite 25 - 28

8 Rathgeber, Theodor: Klimawandel verletzt Menschenrechte - Über die Voraussetzung einer gerechten Klimapolitik. Berlin, 2009, Seite 9

9 Podbregar, Nadja; Schwanke, Karsten; Frater, Harald: Wetter, Klima, Klimawandel: Wissen für eine Welt im Umbruch. Berlin Heidelberg, 2009,Seite 38

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656367901
ISBN (Buch)
9783656368427
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209200
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Schlagworte
klimaflüchtlinge zukunftsperspektiven phänomens

Autor

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Titel: Klimaflüchtlinge – Zukunftsperspektiven eines missachteten Phänomens