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(Neue) Medien und Kognition: Wie Online-Medien unser Denken beeinflussen

Bachelorarbeit 2010 37 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

2 Medienkulturgeschichte: Von den alten zu den neuen Medien

3 Zum Begriff der ‚neuen Medien’
3.1 Welche Medien sind heute neu?
3.2 Online-Medien als neue Medien
3.2.1 E-Mail
3.2.2 Usenet
3.2.3 IRC (Internet Relay Chat)
3.2.4 Das World Wide Web (WWW-Browser)
3.3 Erfolgsgaranten für neue Medien

4 Medien und Kognition
4.1 Der Übergang von der oralen Kultur zur Schriftkultur und seine Auswirkungen auf die menschliche Kognition
4.2 Die Informationsgesellschaft der Gegenwart und die Veränderungen kognitiver Strukturen
4.2.1 Neue Medien und die menschliche Intelligenz
4.2.2 Welche Bedeutung haben neue Medien
4.2.2.1 für die Aufmerksamkeit?
4.2.2.2 für die Wahrnehmung?
4.2.2.3 für den Wissenserwerb?
4.2.2.4 für die Erinnerung?
4.2.2.5 für das Denken?

5 Sind neue Medien ein Teil unseres kognitiven Systems?
5.1 Die These des erweiterten Geistes
5.2 Kritik an der ‚Extended Mind Thesis’

6 Fazit

7 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Annähernd jeder Bereich unseres Lebens ist heute einem rapiden Wandel unterworfen – und das nachhaltiger denn je. Geschuldet ist dies wohl auch und vor allem den modernen (Kommunikations-)Technologien und den damit einhergehenden Veränderungen im menschlichen Kommunikationsverhalten. Medien und die sie ermöglichenden Technologien „katalysier[en] Veränderungen – Veränderungen in dem, was wir tun, und in unserer Denkweise“ (Turkle 1984: 9). Technologien bestimmen damit unsere Wahrnehmung, unsere Art der Kommunikation, ja, unsere gesamte Lebenswelt: Unsere Gesellschaft hat sich zu einer mediendurchdrungenen Gesellschaft entwickelt. Das ist mittlerweile weithin anerkannt. Ohne Medien wäre das Funktionieren unserer modernen Gesellschaft kaum mehr denkbar.

Gleichzeitig konstatiert Virilio (1994: 10), dass Massenmedien mittlerweile bereits „den Schritt vom Notwendigen zum Überflüssigen“ vollzogen hätten. Ihnen folgen neue Medien auf den Fuß, die oft nicht Massenmedien sind (vgl. Schmitz 1995: 7). In rasantem Tempo durchdringen diese neuen Medien alle Ebenen unserer Gesellschaft, ohne dass wir die Folgen noch erfassen könnten. Alltägliche Lebens- und Arbeitswelten sind davon betroffen, „Menschen werden von ihren Medien mit- und hingerissen“ (Schmitz 1995: 8). Das Postulat der zunehmenden Flexibilität ist eines der Resultate – oder um es in einen kulturpessimistischeren Duktus zu bringen: brüchige Strukturen und Unwägbarkeiten im sozialen Miteinander sind die Folge.

Ein solches Medium, das in einem nicht unerheblichen Zusammenhang mit diesen Veränderungen steht, ist das Internet – oder, um es korrekter auszudrücken: die einzelnen Medien, aus denen sich das Internet zusammensetzt. Das Internet ist in den vergangenen Jahren vermehrt aus seinem früheren Nischendasein herausgetreten und erreicht heute breite Bevölkerungsschichten. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die benutzerfreundliche Hypermedialität des World Wide Web begünstigt. Auch „Web 2.0“-bezogene Tools (O’Reilly 2005: o.S.) haben einen Wandel eingeläutet: jenen vom schlichten Rezipieren im Internet dargebotener Inhalte hin zur Möglichkeit, diese Inhalte aktiv mitzugestalten. Der Internetnutzer, die Internetnutzerin, ist somit nicht länger auf das ausschließliche Konsumieren beschränkt, sondern kann mit der eigenen Meinung präsent sein und so an der Netzwerkumgebung aktiv teilhaben (vgl. mpfs 2007: 42). „User werden Autoren und bringen aktuelle Inhalte ein, korrigieren Fehler und sorgen für eine ‚lebendige’ Website.“ (Kerres 2006: 2)

Diese Veränderungen in der Wahrnehmung und Nutzung des Internets können nicht nur festgestellt, sondern auch bewertet werden. „Neben den ausdruckserweiternden und kreativitätsunterstützenden gibt es auch einschränkende und perspektivenverengende Momente, vor allem dort, wo man sich den Vorgaben des Mediums gedankenlos überlässt.“ (Schmitz 1995: 33)

Allein deshalb scheint es gerechtfertigt, sich mit der Medien- bzw. Internetnutzung des Menschen differenzierter auseinanderzusetzen. Als Perspektive soll in der vorliegenden Arbeit die neurobiologische gewählt werden, die eine Untersuchung außerhalb der üblichen Diskussion zwischen verbohrter Technikphobie und der Weltsicht derer, die das Internet längst als unentbehrlichen Teil ihrer Existenz akzeptiert haben, erlaubt – oder um es mit Umberto Eco (1987) auszudrücken: zwischen „Apokalyptiker[Inne]n“ und „Integrierten der Wissensgesellschaft“. Aus diesem Anliegen heraus soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, wie die im Internet vertretenen Medien bzw. das Internet als solches mit Veränderungen in der mentalen Architektur des Menschen zusammenhängen. Welche Bereiche der menschlichen Kognition ändern sich? Gibt es überhaupt nachweisbare Änderungen? Inwieweit sind neue Medien Teil unseres Verstandes?

Eine Frage, die in diesem Kontext ebenfalls interessant erscheint, aber im Rahmen der vorliegenden Arbeit wohl nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, ist folgende: Werden wir die neuen Medien beherrschen oder werden wir uns von ihnen beherrschen lassen?

Als Ausgangspunkt der Arbeit dient zunächst eine auszugsweise Skizzierung des medialen Wandels. Ferner erfolgt im darauffolgenden Kapitel 3 eine Begriffsdefinition des Terminus „Neue Medien“ unter besonderer Berücksichtigung der Internet-Medien. Ziel ist es dabei, ein umfassendes, aber keineswegs vollständiges Bild der computervermittelten Kommunikation im Internet zu geben. Es bleiben beispielsweise alle Formen der computervermittelten Kommunikation, die in anderen Computernetzen (beispielsweise in Intranets) stattfinden, ebenso unberücksichtigt wie etwa eine medienökonomische Auseinandersetzung mit der sogenannten New Economy oder die Rolle des Internets für den E-Commerce. In Kapitel 4 werden die besonderen Auswirkungen interaktiver, hypermedialer Medien auf die menschlichen Denkstrukturen analysiert. Kapitel 5 geht der Frage nach, ob (neue) Medien als Teil unseres erweiterten kognitiven Systems gesehen werden können. Hierzu wird die sogenannte ‚Extended Mind Thesis’, aufgestellt 1998 von Andy Clark und David Chalmers, vorgestellt und kritisch hinterfragt. Das finale Kapitel bietet einen Überblick über die gewonnenen Erkenntnisse der Arbeit.

2 Medienkulturgeschichte: Von den alten zu den neuen Medien

In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gliederte Pross (1972) die „Geschichte der Medien als Medienkulturgeschichte“ (Faulstich 2000: 23) schematisch in drei große Phasen, „deren Übergänge jeweils als ‚Kulturschocks’ empfunden“ (Faulstich 2000: 23) wurden: Bis etwa 1500 dominierten „Primärmedien“ (Pross 1972: 128). Kennzeichnend für diese ist die unmittelbare Verständigung zwischen Menschen in Kleingruppen, die keinen Einsatz von Technik für die Vermittlung benötigt. Eine Grundbedingung für die Kommunikation über Primärmedien ist damit das räumliche und zeitliche Beisammensein der KommunikationsteilnehmerInnen. Aus diesem Grund werden diese Medien bei Pross (1972: 128) auch als Medien des „menschlichen Elementarkontaktes“ bezeichnet. Zum Empfangen über Primärmedien vermittelter Botschaften setzen Menschen ihre Sinne ein. Beispiele für solche Botschaften sind Mimik, Gestik, Gebärden, Theater oder in früheren Zeiten ErzählerInnen oder SängerInnen. Auch die Sprache zählt dazu. Faulstich (2000: 23) hat einen ähnlichen Medienbegriff unter dem Namen „Menschmedien“ eingeführt.

Zwischen 1500 und 1900 tritt neben die Primärmedien ein neuer Medientypus: die „Sekundärmedien“ (Pross 1972: 127), zunächst als Individual-, später als Massenmedien gebräuchlich. Sekundärmedien sind Schreib- und Druckmedien (vgl. Faulstich 2000: 23), die asynchron produziert und rezipiert werden können. Ihnen ist gemein, dass die RezipientInnen die transportierte Bedeutung ohne Empfangsgeräte, also mit ihren eigenen Sinnen, aufnehmen können (vgl. Pross 1972: 127f.). Als Beispiele seien hier die Schriftrolle, der Kalender oder das Flugblatt genannt. Mit Erfindung der Druckerpresse kommen zudem die noch heute geläufigen Medien Zeitung, Zeitschrift oder Buch hinzu.

Während des 20. Jahrhunderts verlagert sich die gesellschaftliche Verbreitung und Dominanz der Medien zunehmend auf die sogenannten „Tertiärmedien“ (Pross 1972: 224). Tertiäre oder elektronische Medien (vgl. Faulstich 2000: 23) sind solche Medien, bei denen sowohl die ProduzentInnen als auch RezipientInnen über technische Gerätschaften zum En- bzw. Decodieren von Informationen verfügen müssen (vgl. Pross 1972: 224). Beginnend mit der Telegraphie haben sich im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche dieser elektronischen Kommunikationsmittel herausgebildet. Ebenfalls in die Kategorie der Tertiärmedien fallen Speichermedien, bei denen die RezipientInnen technische Geräte zum Abrufen der darauf enthaltenen Informationen benötigen. Als Beispiele seien hierfür Tonträger wie Schallplatten, Kassetten und CDs genannt (vgl. Faulstich 2000: 30).

Die Gliederung von Pross (1972) sollte sich durch die rapiden technischen Neuerungen bald als unzureichend herausstellen. Die Notwendigkeit einer Erweiterung dieses Modells drückt Winter (2000) folgendermaßen aus:

Die medienwissenschaftliche Unterscheidung von Primär-, Sekundär- und Tertiärmedien, deren Kriterium der Technikeinsatz ist, muss kategorial erweitert werden, um die für Online-Medien konstitutiven Übertragungsprotokolle und Client-Server-Programme berücksichtigen zu können. Bei einer entsprechenden Definition lassen sich die Online-Medien dann als Gruppe der Quartärmedien hinzufügen. (Winter 2000: 275)

Die Phase der Vorherrschaft von digitalen oder Quartärmedien prägt mit ihrem Trend zur Individualnutzung den Beginn des neuen Jahrtausends (vgl. Faulstich 2000: 23). Kammer et al. (1990: 5) zufolge sind die elektronischen Digitalmedien zu Beginn der 1990er Jahre bereits zu „Dominanzmedien“ geworden.

Verwendet wurde der Terminus „Quartärmedien“ bereits von Faßler (1997: 117ff.). Er versteht darunter die „computerbasierten und -verstärkten Medienbereiche netztechnischer und elektronisch-räumlicher Konsumtion, Information und Kommunikation“, die Technikeinsatz bei der digitalen Distribution verlangen. Diese setzen, wie Tertiär-Medien, einen doppelten Technikeinsatz voraus, allerdings wird die klassische Beziehung zwischen SenderIn und EmpfängerIn, die klare Trennung der Rollen ProduzentIn und RezipientIn, zunehmend aufgelöst. Informationen und Kommunikation werden im Kontext der Globalisierung beschleunigt und können jederzeit über das Internet abgerufen werden. Die Bedeutung raum-zeitlicher Abstände wird im Zeitalter der Quartärmedien immer verschwindender (vgl. Winter 2000: 275). Als Beispiel für quartäre oder digitale Medien seien hier die Online-Medien wie etwa das World Wide Web oder die E-Mail genannt.

Für Faulstich (2000: 23) ist ein grundlegendes Charakteristikum des Schemas der Medienkulturgeschichte die temporale Verkürzung der einzelnen Medienepochen: So dauerte die Phase der Primärmedien noch dreißig- bis vierzigtausend Jahre, die Phase der Sekundärmedien vierhundert, die Phase der Tertiärmedien nur mehr einhundert Jahre und die Phase der Quartärmedien wird seiner Einschätzung nach mutmaßlich noch erheblich kürzer ausfallen.

Parallel zur Beschleunigung in der Mediengeschichte beschleunigen auch die Menschen mit und durch Medien ihre Erfahrungen und die Weitervermittlung derselben: „Was früher langsam, in kleinen Gruppen und in unmittelbarer Berührung menschlicher Sinne mit der Außenwelt geschah, passiert heute schnell, massenhaft und meist über Zeichen.“ (Schmitz 1995: 7)

Interessant in diesem Kontext erscheint die Frage, was nun beim Übergang von einer Medienepoche zur nächsten geschieht. Wie verhalten sich althergebrachte und bis dahin unbekannte Medien zueinander?

3 Zum Begriff der ‚neuen Medien’

In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten hat sich in Abgrenzung zu den traditionellen Massenmedien Presse, Hörfunk und Fernsehen „die sachlich wenig aussagekräftige Redeweise“ (Schmitz 1995: 11) von ‚neuen Medien’ eingebürgert. Ratzke (1982: 14) zählt zu neuen Medien „alle die Verfahren und Mittel (Medien), die mit Hilfe neuer oder erneuerter Technologien neuartige, also in dieser Art bisher nicht gebräuchliche Formen von Informationserfassung und Informationsbearbeitung, Informationsspeicherung, Informationsübermittlung und Informationsabruf ermöglichen“.

Damit ist der Begriff der neuen Medien ein zeitbezogener, jede Epoche hat ihre eigenen neuen Medien, oder wie Chun (2007: 2) es ausdrückt: „All media were once new media and emergent media may be seen as instances of both risk and potential.”

Wie auch in früheren Epochen – man ziehe nur den Buchdruck als Beispiel heran – begegnet ein Teil der Bevölkerung neuen Kommunikationstechniken zunächst mit Skepsis, vor allem da die technische Entwicklung den Bedürfnissen und Gestaltungsmöglichkeiten zumeist weit voraus ist. Aus einer gewissen Ratlosigkeit heraus nutzen Menschen neue Kommunikationstechnologien daher zunächst als Fortführung des Alten mit anderen Mitteln (vgl. Schmitz 1995: 10), solange bis diese ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben. Die neuen Medien sind laut Schmitz (1995) dabei, die alten Medien entweder weitgehend zu durchdringen oder „einer immer einflussloseren Vergangenheit anheim fallen zu lassen“ (Schmitz 1995: 7). Er betont dabei folgenden Aspekt:

Entgegen mancher Vorurteile verdrängen die neuen [Medien] die alten nicht […], sondern sie erweitern zunächst die kommunikative Vielfalt der Gesellschaft. Elektronische Post in einem Unternehmen zum Beispiel ersetzt weder die mündliche noch die telefonische noch die traditionelle schriftliche, sondern sie intensiviert die gesamte Kommunikation. (Schmitz 1995: 9)

Auch Faulstich (1994: 29) konstatiert, „dass bislang noch kein Medium von einem anderen überflüssig gemacht oder verdrängt worden wäre. Allerdings hat jedes der neu entstehenden Medien einen Funktionswandel bei bereits bestehenden Medien zur Folge gehabt.“

Auf welche Medien trifft dies nun zu? Welche konkreten Medien kann man heute überhaupt als neue Medien bezeichnen?

3.1 Welche Medien sind heute neu?

Ratzke (1982: 12f.) fasste in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Vielzahl von Techniken unter dem Begriff der neuen Medien zusammen, wie etwa die elektronische Schreibmaschine, die Kamera, das Mikrofon, die OCR-Maschine, das Magnetband, die Bildplatte, der Kopierer, der Mikrofilm, der Videotext, das Satelliten- und Kabel-Fernsehen, das Autotelefon, der Bildfernsprecher oder Bildplattenspieler, um nur einige zu nennen. Viele dieser Apparaturen sind aus heutiger Sicht bereits wieder alt oder gar veraltet.

Im Laufe der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bürgerte sich der Terminus ein für alle elektronischen, digitalen, interaktiven Medien und Multi- und Hypermedia-Anwendungen, die im Bereich der Quartärmedien angesiedelt sind, sowie für den Kontext der Netzpublikation, ebenso wie für zahlreiche Einzelentwicklungen im technischen (Hardware-)Bereich, die Multimedialität, Hypertextstruktur, Interaktivität und Simulation ermöglichen (vgl. Aufenanger 1998: 2). Damit werden „[d]ie Neuen Medien […] als solche vorzugsweise über ihre Funktionalität […] identifiziert“ (Paschen et al. 2001: 35).

Kern dieser Technologien sind hoch leistungsfähige Computer verschiedenster Formen, deren Besonderheit unter anderem darin besteht, dass sie nicht darauf beschränkt sind, isoliert zu arbeiten, sondern sowohl lokal […] als vor allem auch überörtlich und letztlich weltweit […] nahezu unbegrenzt vernetzbar sind und dabei gleichberechtigt wechselseitigen Austausch (‚Interaktivität’) erlauben. (Boehnke et al. 1999: 9)

Eine detaillierte Auflistung neuer Medien unterliegt aber auch heute unaufhaltsam Veränderungen, werden doch laufend neue Technologien entwickelt. Analytisch ist der Ausdruck ‚neue Medien’ also nicht sinnvoll abgrenzbar.

Grundsätzlich lassen sich derzeit aber als Kennzeichen der neuen Medien die rechnergestützte Handhabung, das digitale Vorliegen der Daten sowie ihre Multimedialität und die Interaktivität beim Umgang mit diesen Daten festhalten: „Anders als althergebrachte Massenmedien unterstützen die jüngeren neuen Medien oft wechselseitige und dezentralisierte Kommunikation; man braucht nicht nur zu lesen, hören und schauen, sondern kann auch schreiben, sprechen, produzieren, reagieren und verändern“ (Schmitz 1995: 11). Ermöglicht wird dies auch durch die bereits erwähnte Multimedialität: Bisher getrennte Einzelmedien verschmelzen zu einem Komplex aus mehreren Medien, der gleichzeitig mehrere Sinnesorgane anspricht, sich mehrerer Symbolsysteme bedient und damit einen kommunikativ-informationellen Mehrwert vermittelt (vgl. Lang 2004: 303). Ein Medienkonglomerat, das dieser Definition im Besonderen entspricht, ist wohl das Internet mit seinen Online-Medien.

3.2 Online-Medien als neue Medien

Der Begriff ‚Internet’ bezeichnet die Vernetzung mehrerer voneinander unabhängiger Computernetze auf der Basis der TCP/IP-Protokollfamilie […] [,] fungiert mittlerweile aber auch als Sammelbezeichnung für Anwendungen der Internet-Technologie. (Winter 2000: 274)

Mitte der 1990er Jahre trat neben ‚Internet’ die Bezeichnung ‚Online-Medien’, die auf eine Unterscheidung der medialen Nutzungsmöglichkeiten zielt, welche sich aufgrund verschiedener Software- und Vernetzungsvoraussetzungen durch das „globale ‚Netzvernetzungsnetz’“ (Winter 2000: 274) ergaben.

Internet und Online-Medien müssen aber klar unterschieden werden, weist das Internet als solches doch keinerlei medienspezifischen Eigenschaften auf: Es gewährleistet lediglich den Datenaustausch zwischen Computern und Netzen durch die dafür entwickelten Übertragungsprotokolle (vgl. Winter 2000: 274ff.). So kommt dem Transmission Control Protocol (TCP) die Aufgabe zu, zu übertragende digitale Daten gleichsam in Päckchen aufzuteilen und sie am Zielort wieder korrekt zusammenzusetzen oder bei Übertragungsschwierigkeiten eine erneute Absendung der Daten einzuleiten. Das Internet Protocol (IP) dagegen dient dazu, den Zielrechner zu identifizieren und den Verbindungsaufbau zum Zielrechner zu realisieren (vgl. Winter 2000: 274ff.).

„Die Nutzung des Internet […], das selbst noch kein Medium ist, wird [also] erst durch Online-Medien möglich.“ (Winter 2000: 276) Winter (2000: 276) unterscheidet derer vier – nämlich E-Mail, Usenet, IRC (Inter Relay Chat) sowie den WWW-Browser.

3.2.1 E-Mail

Die ‚E-Mail’ ist eine rechnergestützte Einrichtung, durch die die BenutzerInnen elektronische Nachrichten verfassen, austauschen, lesen, speichern und manipulieren können und zwar innerhalb des Internets, aber auch über die Grenzen von Netzen hinaus. So ist beispielsweise ein Versenden von Nachrichten in Netze kommerzieller BetreiberInnen möglich (vgl. Winter 2000: 277).

Die Nachrichten selbst können nur aus unformatiertem Text (Text Mail), aus Sprache (Voice Mail) oder aus verschiedenen Medien (Multimedia Mail) bestehen. Die E-Mail bietet mannigfaltige Vorteile gegenüber Medien mit äquivalenten Funktionen: So ist sie schneller und unkomplizierter als ein Brief zu senden und zu empfangen und erfordert – anders als das Telefon – keine zeitliche Co-Präsenz (vgl. Winter 2000: 277).

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Details

Seiten
37
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656367840
ISBN (Buch)
9783656369554
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209228
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,0
Schlagworte
Neue Medien Kognition Veränderung des Denkens Mediatisierung Medialisierung Schrift Web 2.0 Denkstrukturen

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