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Chinesische Entwicklungszusammenarbeit in Afrika - Das Angola-Modell

Eine Win-Win Situation für beide Parteien?

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung – Chinas Impulse zum Engagement in Afrika

2. Chinesische Entwicklungszusammenarbeit in Afrika
2.1. Differenzierung der ausländischen Direktinvestitionen
2.2. Das Angola-Modell

3. Analyse der Chancen und Risiken des Angola-Modells für die Empfängerländer
3.1. Vorteile durch chinesische Infrastrukturprojekte
3.2. Lock-In Effekte

4. Abwägung vor dem Hintergrund des gegenseitigen Nutzen

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang
6.1. Kreditrating afrikanischer Länder
6.2. Voraussetzungen chinesischer Vertragspartner

1. Einführung – Chinas Impulse zum Engagement in Afrika

Die Beziehung der Volksrepublik China zum afrikanischen Kontinent ist nicht neu, hat jedoch in den letzten Jahren eine Intensivierung erfahren. Um die enormen Wachstumsraten der letzten Jahrzehnte fortführen zu können, ist es für China als vergleichsweise ressourcenarmes Land unbedingt notwendig, sein Interesse ressourcenreichen Staaten wie denen Afrikas zu widmen. Dies lässt sich gut anhand des Beispiels Öl verdeutlichen: Gemessen am Ölverbrauch liegt China auf Platz 4 der Weltrangliste[1], fördert jedoch nicht einmal die Hälfte des Verbrauchs im eigenen Land[2]. Die Öl-Reserven betrachtend, liegt die Volksrepublik weit abgeschlagen auf Platz 14[3]. Deswegen stellen Afrikas wenig erschlossene Reserven an Produktionsmitteln aller Art für China eine Möglichkeit dar, sich einen kontinuierlichen Rohstoff-Zufluss zu sichern. Speziell im Ölbereich beherbergt Afrika die letzten großen Reserven[4] die nicht von westlichen Konzernen erschlossen wurden. So wuchs der Gesamthandel mit Afrika von US $ 10,6 Milliarden im Jahr 2000, auf US $ 43,3 Milliarden im Jahr 2009 an.[5] Noch macht der Handel mit Afrika einen relativ geringen Anteil am Außenhandel der VR China aus[6] wächst jedoch überdurchschnittlich schnell und ist daher nicht wenig bedeutsam. Fasst man die Importe und Exporte zusammen, hat China die USA schon als Afrikas größten Handelspartner abgelöst.[7] Dies unterstreicht den Aufschwung der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit, der unter anderem auf die ausgeprägte Komplementarität von Handel, ausländischen Direktinvestitionen und Entwicklungshilfe zurückzuführen ist.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit chinesischen Direktinvestitionen in Afrika, wobei auf die spezielle Vorgehensweise zur Rohstoffsicherung durch das Angola-Modell eingegangen wird. Nach der Erläuterung des Modells werden die Chancen und Risiken dieser Art von Investition erläutert. Abschließend werden resultierende Vor- und Nachteile abgewägt und vor dem Hintergrund der von China angestrebten Strategie des mutual benefit[8] ausgewertet.

2. Chinesische Entwicklungszusammenarbeit in Afrika

Ein Charakteristikum der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Afrika und China ist, dass die drei Hauptsäulen – Handel, Direktinvestitionen und Entwicklungshilfe auf denen die Beziehung basiert, miteinander verkettet sind und komplementär ausgeführt werden.[9] Im Folgenden wird der Fokus auf die Erklärung des Zusammenhangs von Handel und Direktinvestitionen gelegt.

2.1. Differenzierung der ausländischen Direktinvestitionen

Es besteht die Gefahr ausländische Direktinvestitionen mit Portfolioinvestitionen oder normalen Handelsabkommen zu verwechseln, obwohl entscheidende Unterschiede bestehen: Während bei ausländischen Portfolioinvestitionen ausschließlich der finanzielle Gewinn durch eine Investition in ein ausländisches Wirtschaftssubjekt im Vordergrund steht, geht es bei ausländischen Direktinvestitionen (ADI) mehr um den Einfluss und die Kontrolle auf die Geschäftstätigkeit im Ausland. Wichtigstes Abgrenzungskriterium zu reinen Handelsabkommen hingegen ist die Dauer der Abkommen. Normale Handelsabkommen haben einen kurzfristigen, einmaligen Charakter, während ADI auf langfristige Vorteile und Renditen abzielen.[10] Um langfristig bilaterale Wirtschaftsbeziehungen aufbauen und das Ziel der Ressourcensicherung realisieren zu können, ist es für China somit notwendig, Investitionen mit resultierender Einflussnahme in afrikanische Unternehmungen zu tätigen, oder chinesische Unternehmen in Afrika zu etablieren. Aufgrund der Tatsache, dass viele Staaten Afrikas bisher nicht kreditwürdig sind und auch noch nicht über das Gütesiegel des Internationalen Währungsfonds (IWF) verfügen, sind Investitionen in diese Länder mit signifikanten Risiken verbunden. Aus diesem Grund greift die chinesische Regierung vermehrt auf eine Sonderform der ADI zurück, die unter dem Namen Angola-Modell bekannt geworden ist. Gleichzeitig bietet diese Form der Investitionen für Empfängerländer die einzige Möglichkeit der Geldschöpfung, die nicht mit horrenden Zinsen aufgrund des hohen Ausfallrisikos einhergeht.

2.2. Das Angola-Modell

Das Angola-Modell besteht aus resource-backed financial agreements[11], basierend auf den komplementären Bedürfnissen Afrikas und Chinas (siehe Tabelle 1). Afrika sucht nach Chinas Hilfe um die marode Infrastruktur auszubauen, während Chinas Interesse auf der Erschließung der Bodenschätze liegt.

Tabelle 1: Ökonomische Komplementaritäten[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Aufbau der Infrastruktur ist auch für effiziente Importe aus chinesischer Sicht notwendig. Ohne notwendige Infrastrukturmaßnahmen zu ergreifen, würden die überdurchschnittlich lange Transportdauer und die weltweit höchsten Transportkosten Importe aus Afrika unrentabel machen[13]. Außerdem könnte das volle Potenzial der Bodenschätze aufgrund des Flaschenhalses[14] der Infrastruktur nicht ausgeschöpft werden.

Nachdem Angola nach Ende des knapp 30 Jahre dauernden Krieges Finanzierungshilfen vom IWF und dem Paris Club[15] zum Wiederaufbau der im Krieg zerstörten wirtschaftlichen Grundlagen aufgrund von fehlenden Sicherheiten versagt wurden[16], wandte es sich chinesischer Hilfe zu. Im Jahr 2004 stellte die China Export-Import Bank (China ExIm) der Regierung Angolas einen ersten Kredit in Höhe von US $ 2 Milliarden zur Verfügung. Dieser wurde genutzt, um u.a. Straßen, die Wasserversorgung, die Elektrizitätsversorgung und die Telekommunikation auszubauen, beziehungsweise zu sanieren. Anfangs sollte der Kredit nach einer Schonfrist von 3 Jahren über 12 Jahre mit einer täglichen Lieferung von 10.000 Barrel Erdöl zurückgezahlt werden. Die Rückzahlungsdauer variiert jedoch, da der Rückzahlungskurs nicht fix, sondern an den Ölpreis gebunden ist[17]. Dieses Geschäft verlieh dem Angola-Modell seinen Namen.

[...]


[1] CIA, World Factbook 2011

[2] Christensen: „China in Africa – A Macroeconomic Perspective“, 2010, 3: 30% der Ölimporte Chinas kommen aus afrikanischen Ländern

[3] CIA, World Factbook 2011, Anm.: Öl-Reserven nur bis Platz 99 vorhanden; exponentielle Steigerung der Unterschiede der Ölreserven zwischen den Plätzen 14 – 1; Chinas Ölreserven belaufen sich auf nur 7,75 % der Ölreserven des Platz 1, Saudi Arabien.

[4] CIA, World Factbook 2011, der Ölvorrat der Staaten Afrikas beläuft sich auf 550% des Vorrats der VRC

[5] Zhonguo Tongji Nianjian, China Statistic Press, 2010

[6] Christensen: „China in Africa – A Macroeconomic Perspective“, 2010, 3

[7] Christensen: „China in Africa – A Macroeconomic Perspective“, 2010, 4

[8] Brautigam: The Dragon’s Gift, 2009, 2 , Übers.: gegenseitiger Nutzen

[9] Sindzingre: „The Rise of China in Sub Saharan Africa“, 2011, 26

[10] Zongwe: „On the Road to Post Conflict Reconstruction by Contract: The Angola Model“, 2010, 4

[11] Sieber-Gasser: „Sino-African State Trading in Services“, 2010, 6

[12] Foster: „Building Bridges“, 2008, 42

[13] Foster: „Building Bridges“, 2008, 23

[14] Sindzingre: „The Rise of China in Sub Saharan Africa“, 2011, 26, Anm.: ein limitierender Faktor wird auch als Flaschenhals bezeichnet

[15] „Club de Paris“ Website, Anm.: „The Paris Club is an informal group of official creditors whose role is to find coordinated and sustainable solutions to the payment difficulties experienced by debtor countries.“

[16] Corkin: „China’s Interest in Angolas Construction and Infrastructure Sector“, 2008, 164

[17] Christensen: „China in Africa – A Macroeconomic Perspective“, 2010, 20

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656371366
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209244
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
china afrika angola öl ressourcen win-win energiewettbewerb angola-modell direktinvestitionen

Autor

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