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Inklusion und Exklusion. Menschen mit Behinderung und Arbeitslosigkeit

Systemtheorie

Seminararbeit 2011 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Inklusion im Zusammenhang mit der Sozialen Arbeit mit Menschen mit Behinderung

2. Umgang mit Behinderung – Realität und normative Vorschläge

3. Anwendung der Arbeitsansätze auf meinen Arbeitsbereich (Projektleitung MAE- Maßnahmen)

4. Literaturverzeichnis

1.Inklusion im Zusammenhang mit der Sozialen Arbeit mit Menschen mit Behinderung

Der Begriff Inklusion wird mit verschiedenen Bedeutungen verbunden. Aus (sonder-) pädagogischer Sicht bezeichnet Inklusion den Prozess der Veränderung bestehender Strukturen, Ordnungen und Auffassungen mit dem Ziel, dass die Unterschiedlichkeit der einzelnen Menschen die Normalität ist. Die gesellschaftliche Teilhabe jedes Menschen soll dabei durch die benötigte individuelle Hilfe ermöglicht werden (Niehoff 2002:4).

Im Gegensatz zum systemtheoretischen Verständnis der Inklusion erfolgt keine Unterteilung in „System“ und „Umwelt“ (vgl. Vogel 2006:1).

Integration hingegen geht von der Betrachtung der sich unterscheidenden individuellen Menschen aus und bezeichnet den Prozess/ das Bestreben, unterschiedliche Menschen, z. B. Menschen mit Behinderung, in ein gesellschaftliches System einzugliedern. Integration geht somit von dem Vorhandensein einer Gesellschaft und parallelen „Randgruppen“ aus, während Inklusion die Unterschiedlichkeit der Menschen als gegebenen Normalitätsfaktor betrachtet und von einer Gesamtheit ausgeht. „In Abgrenzung zum Begriff der Integration, der sich i. a. mit der Frage der Reintegration auseinandersetzt, wird es eine inklusive Gesellschaft erst gar nicht zur Ausgrenzung kommen lassen“ (Niehoff 2002: 10).

Im Gegensatz zur Integration stellt Inklusion die Gleichwertigkeit der Menschen in den Vordergrund, z. B. sind im Menschen mit Behinderung im Sinne der Inklusion selbstverständlich gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft. Integration hingegen geht von dem Bedarf aus, Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft einzugliedern. Nur oberflächlich betrachtet scheint Integration ein Prozess (mit Weg- und Zielbeschreibung) und Inklusion ein Zustand (des Einschlusses) zu sein; Inklusion ist jedoch noch kein gegenwärtiger Zustand, sondern ein gewünschtes Ideal einer neuen Gesellschaft; “Inklusion erfordert zuallererst ein gleichermaßen individuelles, gesellschaftliches und

(Bildungs-)politisches Umdenken“ (Dannenbeck 2011:17).

Spätestens seit dem Bekanntwerden des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderung, der UN- Menschenrechtskonvention, welche am 29.03.2009 in Kraft getreten ist, ist der Begriff Inklusion zum zentralen Ziel bei den Bemühungen um die Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderung geworden. Zentrale Begriffe sind „Zugehörigkeit“ und „Teilhabe“ (vgl. Bernzen 2011: 24). Aus ethischer Sicht wird der Begriff „Inklusion“ mit den Begriffen „Autonomie“, „Befähigung“ und „Anerkennung“ verbunden (vgl. Spiess 2011:11). Mit dem Gedanken der Inklusion hat die Arbeit mit und für Menschen eine grundlegende Neuorientierung, einen Paradigmenwechsel, erfahren (vgl. Bernzen 2011: 26).

Systemtheoretiker kritisieren das aus pädagogischer Sicht verkürzte Inklusionsverständnis (vgl. Dannenbeck 2009: 17). Sie weisen darauf hin, dass Inklusion, im Gegensatz zu Integration, unteilbar ist: Inklusion schließt Grenzen der Inklusionsfähigkeit aus. Es dürfen nicht die körperlichen, psychischen oder geistigen Eigenschaften der Menschen sein, welche entscheidend für den Ort und die Bedingungen der Teilhabe an Bildung und Gesellschaft sind; es ist eine bildungspolitische Aufgabe, die durch die Bedingungen der jeweiligen gesellschaftlichen Teilsysteme erzeugten Barrieren für Teilhabe zu beseitigen. Parallel ergeben sich daraus die (provokante) Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung von Menschen mit Behinderung, ihre Funktionen sowie die Bedingungen und Prozesse ihrer Reproduktion durch Politik, Öffentlichkeit und Fachdisziplinen. Spannend ist die Betrachtung des Aspektes Kommunikation: entsprechend des Paradigmas der Theorie sozialer Systeme, dass nicht Menschen der Ausgangspunkt für eine Beobachtung der sozialen Wirklichkeit sind, sondern Kommunikation, ergibt sich die Frage, welche Rolle/ Funktion Menschen mit Behinderung erfüllen, die nicht sprechen und nur nonverbal kommunizieren können.

Nach Luhmann wird Integration nicht mehr mit den Aspekten Gleichgewicht und Harmonie in Zusammenhang gebracht und auch nicht mehr mit einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung. Integration ist demnach als Einschränkung von Freiheitsgraden eines Systems als Folge seiner Abhängigkeit von anderen Systemen in seiner Umwelt zu verstehen

(vgl. Weber 2009:3).

Inklusion bezieht sich, aus systemtheoretischer Sicht, nicht ausschließlich auf die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung. Dieser Gedanke verleitet dazu, sich hauptsächlich auf deren Integrationsbedarf zu konzentrieren. Bei der Inklusion geht es (im Gegensatz zur Integration) nicht mehr um die Frage, wie einzelne Personen mit bestimmten Eigenschaften (z. B. Behinderung oder abweichendem Verhalten) in ein bestehendes gesellschaftliches System aufgenommen werden, sondern um die Frage, wie gesellschaftliche Voraussetzungen so verändert werden können, dass Menschen mit ihren individuellen „Besonderheiten“ gut in dieser Gesellschaft leben können. Folglich gäbe es keine separierenden Fürsorgesysteme mehr, sondern Lebensräume mit gleichen (barrierefreien) Zugangschancen (vgl. Spiess 2010: 13).

Hinz und Boban betonen in Bezug auf den Inklusionsbegriff zum Beispiel die Überwindung einer negativen Sicht von Behinderung. Inklusion meint in ihrem Verständnis die „selbstverständliche Anerkennung aller“ (Hinz 2004:11). Das pädagogische Inklusionsverständnis beinhaltet, im Gegensatz zum systemtheoretischen Inklusionsverständnis, die Vorstellung einer Gesellschaft, die interne Differenzierung in unterschiedliche Teilsysteme negiert. Eine heterogene Gesellschaft, in Form eines Ideals, wird als Normalität betrachtet. Sie kann über gesellschaftliche Veränderungsprozesse erreicht werden (vgl. Hinz 2002: 356f).

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Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656376309
ISBN (Buch)
9783656376743
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209496
Institution / Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Systemtheorie

Autor

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Titel: Inklusion und Exklusion. Menschen mit Behinderung und Arbeitslosigkeit