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Beibehaltung des Status Quo. Die Pfadabhängigkeit von Unternehmen

Seminararbeit 2012 24 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Pfadabhängigkeit
1.1 Entwicklung der Theorie
1.2 Auslösende Mechanismen
1.3 Phasenmodell der Pfadabhängigkeit

2 Auswirkung von Phadabhängigkeit auf den strategischen Handlungsspielraum
2.1 Analyse der Ausgangssituation
2.2 Strategischer Handlungsspielraum

3 Zusammenfassung der Erkenntnisse und Forschungsausblick

Anhang

Dokumentation Literaturrecherche

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Phasenmodell der Pfadabhängigkeit

Abbildung 2: Die Bestimmung des strategischen Handlungsspielraumes der Unternehmung

Einleitung

Unternehmen haben auf langfristige Sicht des Öfteren mit dem Problem des Paradox of Success zu kämpfen. Demnach führt vergangener Unternehmenserfolg zu strategischer Beständigkeit.[1] An dem Wort Success haftet eine positive Bedeutung, die im Zusammenhang mit Unternehmen eine Würdigung der Unternehmensleistung darstellt. Dadurch fühlen sich die Unternehmen in ihrem Tun und Handeln bestätigt und die besagte Beständigkeit tritt ein. Widersprüchlich erscheint jedoch, dass die Unternehmen dadurch von Zeit zu Zeit immer mehr ihre Fähigkeit verlieren, zu erkennen, wann es notwendig ist, etwas an ihrer Zielsetzung oder ihrer Strategie zu ändern. Sie gehen davon aus, dass das Vorgehen, welches in der Vergangenheit schon zu erheblichem Unternehmenserfolg geführt hat, auch in der Zukunft die gewünschten Ergebnisse hervorbringt.[2] Dabei werden aber unvorhergesehene Umweltveränderungen nicht bedacht.

Die Theorie der Pfadabhängigkeit besagt, dass es letztendlich zu dem Punkt kommt, an dem ein Unternehmen zu einer Handlungsalternative nicht mehr fähig ist - dem Lock-In. Nach dem Erreichen dieses Punktes ist eine Änderung der aktuellen Situation auf Grund zu hoher Wechselkosten unwirtschaftlich.[3] Das bekannteste Beispiel für Pfadabhängigkeit und den darauffolgenden Lock-In ist der QWERTY-Standard - die heutige Buchstabenanordnung auf der Computertastatur. Trotz effizienter Alternativen ist ein Wechsel zu einer anderen Anordnung aufgrund der hohen Verbreitung und Etablierung unmöglich.[4] Der Markt befindet sich im Lock-In. Die nachfolgende Arbeit soll klären, warum Unternehmen ihre Flexibilität, eine geeignete Handlungsalternative zu wählen, verlieren und welche Auswirkungen eine festgestellte Pfadabhängigkeit für das Unternehmen hat.

Im ersten Kapitel wird zunächst die Entwicklung der Pfadabhängigkeitstheorie dargestellt, woraufhin die Pfadabhängigkeit auslösenden Mechanismen mit besonderer Betrachtung der increasing returns (= steigende Grenzgewinne) aufgezeigt werden. Abschließend werden anhand des Phasenmodells der Pfadabhängigkeit[5] die genauen Merkmale eben dieser hervorgehoben und die Eigenschaften pfadabhängiger Prozesse beschrieben. Im Zuge dessen wird Pfadabhängigkeit zu anderen Formen der Inflexibilität abgegrenzt. Anschließend wird im zweiten Teil der Arbeit darauf eingegangen, inwiefern sich Pfadabhängigkeit auf den strategischen Handlungsspielraum von Unternehmen auswirkt. Dazu soll vorweg geklärt werden, an welchem Punkt ein Unternehmen merkt, dass es auf einem bestimmten Pfad festgehalten wird, wozu die Analyse der Ausgangssituation eines Unternehmens dienen soll. Danach wird auf den strategischen Handlungsspielraum selbst eingegangen und welche Anforderungen er an ein Unternehmen stellt.

Im letzten Teil werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst. Abschließend wird ein Forschungsausblick gegeben, der hervorhebt, welche Bereiche noch gründlicher untersucht werden müssen.

1 Pfadabhängigkeit

Der Ausdruck Pfadabhängigkeit bezeichnet weniger einen Zustand, als vielmehr einen prozessorientieren Vorgang, der letztendlich zum Lock-In führt.[6] Es gibt einige Beispiele, die verdeutlichen, welche Auswirkungen das Erreichen einer derartigen Situation für ein Unternehmen, beziehungsweise wie in dem Fall des QWERTY-Standards, für eine Technologie hat. In diesem konkreten Beispiel ist das Erreichen des Lock-In auf die historische Entwicklung der Schreibmaschinentastatur zurückzuführen und weniger auf die Entwicklung des technischen Standes.[7] Nach den Ausarbeitungen des Wirtschaftswissenschaftlers Paul A. David (1985) zu dieser Problematik bestimmen die zu Anfang eines Prozesses gemachten Entscheidungen dessen Ausgang.[8] Zusätzlich dazu verstärken positive Rückkopplungseffekte den Verlauf solcher Entwicklungen, was im zweiten Unterkapitel noch genauer betrachtet wird.

Im Bezug auf Unternehmen kann man sich Pfadabhängigkeit anhand der Entwicklung des Bertelsmann-Buchclubs näher anschauen. So musste der Buchclub als eigenständiger Bereich im Konzern aufgegeben werden, da er nicht mehr tragbar war.[9] Das Clubgeschäft hätte neu ausgerichtet und umgestaltet werden sollen. Jedoch wurde, seit der Eröffnung 1950, an der Geschäftsstrategie kaum etwas verändert, was dazu führte, dass nach und nach immer mehr Mitglieder ihre Mitgliedschaft kündigten und somit die Umsätze sanken. Da an der strategischen Ausrichtung nach 50-jährigem Bestehen dennoch festgehalten wurde, kam es soweit, dass der Buchclub für die meisten seiner Kunden den Reiz verlor.[10]

Ein weiteres Beispiel für Pfadabhängigkeit liefert der Kamerahersteller Leica. Demnach hat die Leica Camera AG ihren Fokus vor allem auf die traditionelle Fotografie gerichtet und dadurch versäumt, sich der neuen Generation Digitalfotografie zu widmen.[11] Um die Komplexität der Pfadabhängigkeit zu erkennen, die sich hinter diesen vergleichsweise einfachen Beispielen verbirgt, sollte man sich die Entwicklung der Theorie genauer betrachten.

1.1 Entwicklung der Theorie

Der Kern der Theorie ist, wie vorab schon angesprochen, dass eine in der Vergangenheit getroffene Entscheidung durch Selbstverstärkungsmechanismen den Grundstein für zukünftige Entscheidungen legt. Den Ursprung dieser These, sowie weitere Feststellungen bezüglich der Theorie der Pfadabhängigkeit, lässt sich Mitte der 80er Jahre in den Ausführungen von David zum Thema des QWERTY-Standards finden.[12] Als Ausgangspunkt seiner Überlegungen führt er das Bestehen einer echten Alternative zum QWERTY-Standard an. So konnten mit dem Dvorak Simplified Keyboard (DSK) u. a. viele Rekorde im Bezug auf schnelles Tippen über einen langen Zeitraum gehalten werden. Trotz den Vorzügen des DSK setzte sich auf lange Sicht die QWERTY-Tastatur durch. Anfangs wurde diese entwickelt, um im Gegensatz zu anderen Schreibmaschinentypen Probleme mit der Mechanik zu verhindern, während diese dafür konzipiert waren, schnell damit schreiben zu können. Später etablierten sich Schreibmaschinen mit einer derartigen Tastatur, weil für Büros vor allem solche Maschinen gekauft wurden, mit denen die Schreibkräfte ohne Probleme arbeiten konnten. Gleichzeitig mussten neue Arbeitskräfte mit der Tastatur umgehen können, die in den meisten Büros verwendet wurde.[13] Die Entscheidung, eine Schreibmaschine zu entwickeln, die keine Probleme mit der Mechanik mit sich brachte und deshalb erfolgreich war, legte den Grundstein für die darauffolgenden Entscheidungen bezüglich des Einsatzes dieser Tastatur.

Was David mit seiner Ausarbeitung bezüglich des QWERTY-Standards aussagt ist, dass Pfadabhängigkeit durch kleine historische Ereignisse beziehungsweise „historical accidents“ ausgelöst werden kann, die zu Beginn eines Prozesses stattfinden.[14] Im Laufe der Zeit wurden jedoch noch weiterführende Theorien aufgestellt, die mögliche Auslöser für Pfadabhängigkeit liefern. Increasing returns werden zum Beispiel in Verbindung mit small historical events als treibende Kraft für die Vorgänge angeführt, die zu Pfadabhängigkeit führen.[15]

Arthur war auf diesem Gebiet einer der ersten Ökonomen, der eine Theorie bezüglich der Pfadabhängigkeit modelliert und eben diesen Zusammenhang angesprochen hat. So führen increasing returns dazu, dass es immer mehrere mögliche Ausgänge oder Resultate einer Aktion gibt. Aber wie kommt es nun zur Auswahl eines bestimmten Ausgangs? An dieser Stelle kommen die kleinen historischen Ereignisse zum Einsatz, denn laut Arthur „(…) to understand how one outcome is selected we need to follow step by step the process by which small events cumulate to cause the system to gravitate toward that outcome rather than the others.“[16]

Im Gegensatz zu den beiden vorausgehenden theoretischen Ansätzen war es Sydow et al. besonders wichtig, Pfadabhängigkeit von anderen Gründen für Inflexibilität abzugrenzen und zu verstehen, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen ein Unternehmen überhaupt pfadabhängig wird. Dazu entwickelten sie ein theoretisches Gerüst, das weniger die Auslöser, sondern vielmehr das generelle Verständnis von Pfadabhängigkeit in den Mittelpunkt stellt.[17] Dieses wiederum ist essentiell bei dem Versuch, bestehende Pfade brechen zu wollen. Das vorgeschlagene theoretische Gerüst unterscheidet drei Phasen, die aufeinander aufbauen. Dabei ist die Rede von „(1) singular historical events, (2) which may, under certain conditions, transform themselves into self-reinforcing dynamics, and (3) possibly end up in an organizational lock-in.“[18] Jedoch sind die sogenannten historical events nicht die einzigen Grundlagen, auf denen Pfadabhängigkeit basieren kann. Ebenso werden interorganisationale Beziehungen betrachtet. Diese können auch pfadabhängig werden und somit das Unternehmen und dessen Entwicklung beeinflussen.[19]

Trotz der bisherigen Erkenntnisse ist das Feld der Pfadabhängigkeit längst nicht bis ins letzte Detail erforscht. Aufgrund der individuellen organisatorischen Ausrichtungen eines Unternehmens fällt es schwer, pauschalisierte Aussagen zu treffen. Dennoch sollen die dargelegten Theorien helfen zu verstehen, warum ein nicht immer idealer Status Quo beibehalten wird. Das Polya-Urnen Modell, das Pfadabhängigkeit auf einfache, mathematische Weise erklärt, dient der Veranschaulichung der Theorie.[20] Dabei liegen in einer Urne eine rote und eine weiße Kugel. Mit verbundenen Augen wird nun eine der Kugeln aus der Urne genommen. Danach wird die entnommene Kugel plus einer zusätzlichen Kugel derselben Farbe in die Urne zurückgelegt. Wurde zum Beispiel eine rote Kugel entnommen, sind nach dem ersten Durchgang insgesamt zwei rote Kugeln und eine weiße in der Urne. Somit ist die Wahrscheinlichkeit gewachsen, dass im zweiten Durchlauf wieder eine rote Kugel gegriffen wird. Diese Vorgehensweise wird so lange weitergeführt, bis die Wahrscheinlichkeit, eine weiße Kugel zu greifen, auf das Minimum beschränkt ist. An diesem Beispiel wird deutlich, welche Auswirklung eine zu Anfang gemachte Entscheidung auf den weiteren Verlauf der Ereignisse hat. Um das theoretische Konzept abzurunden, wird im folgenden Abschnitt näher auf die Pfadabhängigkeit auslösenden Mechanismen eingegangen.

1.2 Auslösende Mechanismen

Um zu verstehen, wie es überhaupt zu Pfadabhängigkeit kommt, müssen verschiedene Mechanismen der Selbstverstärkung angeschaut werden, die alle dazu beitragen können, dass ein Unternehmen in die Pfadabhängigkeit gerät und schließlich im Lock-In landet.

Dabei wird oft von sogenannten positiven Rückkopplungen (= positive feedback) und increasing returns gesprochen. Es gibt verschiedene Meinungen über die Wirkung von Feedback. Diese Arbeit beschränkt sich jedoch darauf, dass unter positiven Rückkopplungen diejenigen Effekte verstanden werden, die dazu führen, dass es sich zunächst mehr und mehr lohnt, auf dem entsprechenden Pfad zu bleiben. Das kommt daher, dass Unternehmen nach einer positiven Rückmeldung über ihre Leistung weiterhin verstärkt mit der vorhandenen Strategie arbeiten.[21] Es findet sozusagen ein Kreislauf statt: eine Strategie wird angewandt, das führt zu Erfolg und dieser wiederum dazu, dass wieder dieselbe Strategie verwendet wird, welche erneut zu Erfolg führt und so weiter. Daraus lässt sich schließen, dass das durchaus von der richtigen Entscheidungsfindung ablenken kann, da lediglich aufgrund des vergangenen Erfolges und nicht anlässlich der aktuellen Situation des Unternehmens entschieden wird. Dieser Mechanismus findet sich auch in dem Konzept der increasing returns wieder. Hierbei geht es darum, dass je besser eine Sache angenommen wird, sei es eine Technologie, eine Marke oder etwas ganz anderes, desto attraktiver wird diese Sache für zukünftige Anwender.[22] Wie bereits in 1.1 angesprochen, gibt es immer mehrere mögliche Ausgänge oder Ergebnisse einer Aktion. Welches Ergebnis, oder im Kontext dieser Arbeit welche Strategie, sich letztendlich als dominant durchsetzt lässt sich jedoch nicht so ohne weiteres vorhersagen. Hat sich jedoch eine Strategie durchgesetzt, schließt sich der Kreis und es kann zu Pfadabhängigkeit kommen. Was sich zunächst leicht verständlich anhört wird komplexer, wenn bedacht wird, dass es verschiedene Arten von increasing returns gibt, die unterschiedliche Hintergründe haben. Hierbei wären zunächst die sogenannten Lerneffekte zu benennen. Diese entstehen dadurch, dass die intensive Beschäftigung mit etwas das Gefühl vermittelt, sich damit auszukennen. Das macht das Beibehalten einer bestimmten Strategie beziehungsweise Alternative wahrscheinlicher.[23] Zudem sind die Koordinationseffekte zu benennen, die sich durch die Vorteile auszeichnen, welche die Anpassung an andere Marktteilnehmer mit sich bringt.[24] Letztendlich spielen hier auch die selbstverstärkenden Erwartungen eine Rolle. Wenn eine Sache die Vorherrschaft besitzt, erwartet man einfach, dass sie auch weiterhin der Schlüssel zu Macht und Erfolg ist.[25]

[...]


[1] Vgl. Audia et al. 2000, S. 837

[2] Vgl. Prahalad/Bettis 1986, S. 498

[3] Vgl. Sydow et al. 2009, S. 694 ; vgl. auch Robertson 2007, S. 13

[4] Vgl. Robertson 2007, S. 20

[5] Vgl. Sydow et al. 2009, S. 692

[6] Vgl. Sydow et al. 2009, S. 691

[7] Vgl. Schäcke 2006, S.27

[8] Vgl. David 1985, S. 335

[9] Vgl. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/ende-einer-aera-bertelsmann- buchclub-verliert-eigenstaendigkeit/4286794.html, Zugriff am 28.11.12

[10] Vgl. Holtmann 2008, S. 1 f.

[11] Vgl. Geißler 2007, S. 75; vgl. auch Dievernich 2008, S. 22

[12] Vgl. David 1985, S. 332 ff.

[13] Vgl. Schäcke 2006, S. 27

[14] Vgl. David 1985, S. 335

[15] Vgl. Arthur 1994, S. 24 f.

[16] Arthur 1994, S.28

[17] Vgl. Sydow et al. 2009, S. 689 ff.

[18] Sydow et al. 2009, S. 690

[19] Vgl. Sydow et al. 2009, S. 705

[20] Vgl. Arthur 1994, S. 36 ff.

[21] Vgl. Sydow et al. 2009, S. 694

[22] Vgl. Arthur 1994, S. 14

[23] Vg. Robertson 2007, S. 34

[24] Vgl. Arthur 1994, S. 112; vgl. auch Robertson 2007, S. 34

[25] Vgl. Arthur 1994, S. 112

Details

Seiten
24
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656372127
ISBN (Buch)
9783656671497
Dateigröße
807 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209568
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,0
Schlagworte
Pfadabhängigkeit Status Quo Handlungsspielraum Phasenmodell der Pfadabhängigkeit QWERTY-Standard Selbstverstärkungsmechanismen increasing returns SWOT-Analyse Paradox of Success Lock-In

Autor

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