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Angebote zur Förderung der Kreativität in der Erwachsenenbildung

Diplomarbeit 2003 140 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Übersicht der Abbildungen

1. Einleitung
Der äußere Rahmen

2. Grundlagen und Gedanken zur Kreativität
2.1 Vom Ende des Genies
2.2 Geschichte der Kreativitätsforschung
2.3 Versuch einer Definition von Kreativität
Zusammenfassung

3. Kreativitätsforschung
3.1 Einflussfaktoren der Kreativität
3.1.1 Die kreative Person
3.1.2 Der kreative Prozess
3.1.3 Das kreative Produkt
3.1.4 Das kreative Umfeld
3.1.5 Hemmende und fördernde Faktoren
3.2 Kreativität in der Gehirnforschung
3.3 Kreativität und der Einfluss von Stress
3.4 Wo bekommen Menschen kreative Einfälle?
Zusammenfassung

4. Kreativität im Unternehmen
4.1 Bedeutung von Wissen und ‚Frühaufklärung’
4.2 Innovation
4.3 Feststellen des kreativen Potentials
4.4 Einfluss der Unternehmensstruktur
4.5 Ansatzpunkt für die Weiterbildung
Zusammenfassung

5. Kreativitätstechniken Probleme sowie situative Umstände als
5.1 Auswahlkriterium für Methoden der Ideenfindung
5.2 Methoden der Ideenfindung
5.2.1 Analyse-Methoden
5.2.1.1 Progressive Abstraktion
5.2.1.2 Hypothesen-Matrix
5.2.1.3 KJ-Methode
5.2.1.4 NM-Methode
5.2.2 Systematisch-analytische Methoden
5.2.2.1 Morphologische/-r Matrix/ Kasten
5.2.2.2 Attribute Listing
5.2.2.3 Morphologisches Tableau
5.2.2.4 Funktionsanalyse
5.2.2.5 Sequenzielle Morphologie
5.2.2.6 Problemlösungsbaum und Relevance-Tree
5.2.2.7 Mind-Mapping
5.2.3 Intuitiv-kreative Methoden
5.2.3.1 Brainstorming
5.2.3.2 Imaginäre Brainstorming
5.2.3.3 Diskussion
5.2.3.4 Anonyme Brainstorming
5.2.3.5 Solo-Brainstorming
5.2.3.6 Didaktische Brainstorming / Little Technik
5.2.3.7 Destruktiv-konstruktive Brainstorming
5.2.3.8 “And-also”-Methode
5.2.3.9 Creative Collaboration Technique
5.2.3.10 Brainwriting / Methode 635
5.2.3.11 Brainwriting-Pool
5.2.3.12 Buzz-Sitzung
5.2.3.13 Collective-Notebook-Methode
5.2.3.14 Delphi-Methode
5.2.3.15 Kärtchen-Befragung
5.2.3.16 Metaplan
5.2.3.17 Idea-Engineering
5.2.3.18 Trigger-Technik
5.2.3.19 Inkubation
5.2.3.20 Bionik
5.2.3.21 Heuristische Prinzipien/ Osborn-Checkliste
5.2.3.22 Suchfeldauflockerung
5.2.3.23 Weitwinkelprinzip
5.2.3.24 Synektik
5.2.3.25 TILMAG-Methode
5.2.3.26 Synektische Konferenz
5.2.3.27 Visuelle Synektik
5.2.3.28 BBB-Methode
5.2.3.29 Reizwortanalyse
5.2.3.30 Force-Fit-Spiel
5.2.3.31 Semantische Intuition
5.2.3.32 Forced-Relationship
5.2.3.33 Katalog-Technik
5.2.3.34 Nebenfeldintegration
5.2.3.35 SIL-Methode
5.2.4 Die Kopplung von Methoden der Ideenfindung
5.3 Aktuelle Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Kreativitätstechniken
Zusammenfassung

6. Interview
6.1 Formen qualitativer Interviews
6.2 Konzeption der Leitfragen
6.3 Aufzeichnung und Transkiption
6.4 Auswertung

7. Zum Schluss

III. Anhang

IV. Literaturverzeichnis

V. Stichwortverzeichnis

II. Übersicht der Abbildungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Kreativität ist zu einem Schlüsselbegriff in unserer heutigen Zeit geworden. Überall im täglichen Leben wird man damit konfrontiert. So zum Beispiel bei der Auswahl eines Geburtstagsgeschenkes, beim Einrichten der neuen Wohnung, bei der Aufgabenbewältigung im Beruf sowie in vielen anderen alltäglichen Situationen. Die Kreativität ist eben nicht mehr nur der Kunst zuzuschreiben, vielmehr bezeichnet sie eine Strategie zur erfolgreichen Umweltbewältigung durch Problemlösung.

Gerade in der Wirtschaft erhofft man sich von kreativen Mitarbeitern den benötigten Innovationsschub, ohne den heutzutage kein Unternehmen mehr konkurrenzfähig bleibt. Es ist immer wichtiger geworden, schnell, flexibel und innovativ auf den immer schneller werdenden Markt reagieren zu können, um sich einen Markterfolg zu sichern. Innovativ bedeutet, eine Idee in einen Markterfolg umzusetzen. Dies ist die Krönung der unternehmerischen Kreativität.

„ Ideenfindung (Kreativität) + Ideenrealisierung = Innovationsfähigkeit1

Genau deshalb gibt es zahlreiche Bildungsanbieter, welche angeblich die in jedem von uns schlummernden kreativen Kräfte wecken, entfalten oder befreien können.

Diese Diplomarbeit macht es sich zur Aufgabe, die von Bildungsanbietern angebotenen Methoden zu untersuchen, welche die kreativen Potentiale für innovative Zwecke in Unternehmen nutzbar machen wollen.

Eine produktive Möglichkeit der Ideenfindung in Unternehmen stellen Kreativitätstechniken dar. Die Weiterbildung bietet ihnen die Möglichkeit, diese Techniken zuvor in einem ‚freien’ Raum zu

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erlernen, auszuprobieren und kreativitätshemmende Blockaden abzubauen. Dies fällt nicht jedem Menschen leicht, da diese Techniken von den Teilnehmern verlangen, ungewohnte Verhaltensweisen zu zeigen.

Kreativitätstechniken bilden den Schwerpunkt dieser Arbeit. Zum einen soll aufgezeigt werden, welche Techniken für welches Problem geeignet sind. Zum anderen soll untersucht werden, ob die Anwendung solcher Techniken einen effektiven Nutzen für Unternehmen haben.

Bei der wohl bekanntesten Methode der Ideenfindung, dem Brainstorming, wurde inzwischen nachgewiesen, das die Anwendung keinen signifikanten Einfuß auf die Zahl der verwertbaren Ideen hat. Es fehlen jedoch noch eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen weiterer Techniken, um eine allgemeine Aussage über die Nützlichkeit von Kreativitätstechniken geben zu können. Doch die bisherigen Erkenntnisse führen in der Wissenschaft zu einschlägigen Meinungen, welche in dieser Arbeit vorgestellt werden sollen.

Trotz alledem erlebt das Thema Kreativität und Kreativitätstechniken zur Zeit eine große Popularität. Die Masse an wissenschaftlicher und noch unüberschaubarer Anzahl an nicht-wissenschaftlicher Literatur lässt fast den Überblick zu diesem Thema verlieren. Dies ist wohl Anlass genug, sich mit diesem Thema näher auseinander zu setzen und einen Überblick zu geben.

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Der äußere Rahmen

Im folgenden wird beschrieben, wie die Arbeit aufgebaut ist, was mit jedem Kapitel erreicht werden soll und mit welchen Methoden an die Beantwortung herangegangen worden ist.

Kapitel 2: Grundlagen und Gedanken zur Kreativität

In diesem Kapitel soll geklärt werden, ob nur auserwählte Menschen kreativ sein können oder ob diese Fähigkeit bei jedem Menschen gleich ausgeprägt ist.

Dabei ist darzustellen, wie man überhaupt dazu kam, sich mit diesem Phänomen näher zu beschäftigen und wie man Kreativität definiert. Als Grundlage diente die Auswertung von Literatur.

Kapitel 3: Kreativitätsforschung

Um aussagekräftige und gefestigte Aussagen zur Kreativität geben zu können, sind die Erkenntnisse der Kreativitätsforschung von großer Bedeutung. Es soll der Frage nachgegangen werden, was es bedeutet kreativ zu sein und was einen Menschen zu dieser Fähigkeit ermöglicht.

Es werden nur zu diesem Thema interessante Aspekte der Forschung zusammengetragen, die bei der Literaturrecherche relevant erschien.

Kapitel 2 und 3 bilden die Grundlage für das Verständnis zu diesem Thema.

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Kapitel 4: Kreativität im Unternehmen

In Kapitel 4 soll der Schulterschluss zwischen den theoretischen Grundlagen der Kreativität und der Anwendung in der Wirtschaft erläutert werden. Die zu beantwortenden Kernfragen sind: Wozu sind Kreativität und Innovationen für Unternehmen wichtig? Welchen Beitrag können Weiterbildungseinrichtungen leisten?

Kapitel 5: Kreativitätstechniken

Dieses Kapitel bildet ein Schwerpunkt der Diplomarbeit. Es soll dargestellt werden, welche Kreativitätstechniken es überhaupt gibt und für welche Problemstellungen sie sich eignen.

Die Auflistung und Beschreibung dieser einzelnen Techniken erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, dennoch stellt sie eine umfangreiche und ausführliche Sammlung dar. Auch hierzu ist die Anwendung von zahlreicher Literatur notwendig gewesen, um ein umfangreichen Überblick der verschiedenen Techniken zu erhalten. Außerdem werden Untersuchungsergebnisse vorgestellt, welche die Wirkungsweise des Brainstorming von Osborn überprüft..

Kapitel 6: Interview

Ein zweiter Schwerpunkt dieser Arbeit bildet die Konfrontation des Themas mit Fachleuten. Entgegen noch nicht ausreichend bewiesenen Erkenntnissen und fehlenden Untersuchungen (,da diese sehr umfangreich und kompliziert sind,) soll ein Spiegelbild dessen wiedergegeben werden, welche Meinungen in der Fachwelt zu diesem Thema vorherrschen. Dabei werden vor allem Gespräche mit Personen geführt, die sich mit dem Thema Kreativität wissenschaftlich in irgendeiner Weise schon auseinandergesetzt haben.

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Kapitel 7: Zum Schluss

Aufgrund der erlangten Erkenntnisse in dieser Arbeit soll am Ende

eine Aussage darüber getroffen werden, inwiefern

Weiterbildungseinrichtungen durch spezielle Angebote die Kreativität und somit die Innovationsfähigkeit von Unternehmen fördern können und wie sinnvoll und erfolgsversprechend solche Maßnahmen sind.

Anhang

Im Anhang werden zu einigen im Kapitel 5. aufgezählten Kreativitätstechniken jeweils ein Beispiel dargestellt und visualisiert.

Anmerkungen:

- In dieser Arbeit werden durchweg maskuline Formen verschiedener Begriffe verwendet. Wenn zum Beispiel von Teilnehmer gesprochen wird, sind die Teilnehmerinnen durch die gewählte Diktion automatisch mit einbezogen.
- Es wird die klassische Zitierweise mit Fußnoten gewählt, um ein umblättern zur verwendeten Literatur zu ersparen und den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen.
- Wenn in dieser Arbeit von Weiterbildung gesprochen wird, ist sie als ein spezifischer Teilbereich der Erwachsenenbildung zu sehen, in dem es vorwiegend um die Erlangung beruflicher Kompetenzen und Fähigkeiten geht.

Grundlagen und Gedanken zur Kreativität

2. Grundlagen und Gedanken zur Kreativität

Zu Beginn dieser Arbeit soll zunächst einmal dargestellt werden, aus welchem Verständnis heraus man erkannt hat, dass es so etwas wie ‚Genialität’ oder ‚Kreativität’ geben muss. Ein geschichtlicher Abriss zeigt auf, was die Ursachen für das plötzliche wissenschaftliche Interesse waren und wie sich daraus ein Forschungszweig entwickelte. Am wichtigsten jedoch ist die Festlegung einer Definition zum Begriff ‚Kreativität’. Bis heute hat man sich noch nicht auf eine genormte Definition einigen können, da dieses Phänomen zu komplex ist und trotz jahrelanger Forschung noch nicht ausreichend Erkenntnisse vorhanden sind.

2.1 Vom Ende des Genies

Häufig schrieb man nur dem ‚Genie’ kreative Fähigkeiten zu. Deshalb verwendet man auch heute noch den Begriff ‚Genialität’ synonym für ‚Kreativität’. Doch wie kam man zu dieser Ansicht?

Das Wort ‚Kreativität’ lässt sich aus dem lateinischen Wort ‚creare’ herleiten, welches ursprünglich in der Theologie verwendet wurde. Es bedeutet soviel wie schöpfen und erschaffen, doch diese Fähigkeit sprach man nur dem ‚Creator’, dem Schöpfer-Gott, zu. Gerade im christlichen Abendland wurde die Nachahmung jener göttlichen Fähigkeit eine besondere Bedeutung zugesprochen, welche erst durch die Musen (die neun Töchter des Zeus) oder göttlichen Eingebungen bestimmten Menschen verliehen wurde. Anders konnte man sich diese undefinierbare Eigenschaft, eine großartige Leistung hervorzubringen, nicht erklären. Es entstand ein neuer Menschentypus, den man Genie nannte. 2

Grundlagen und Gedanken zur Kreativität

Bekannte Vertreter waren aus der Kunst Johann Sebastian Bach (1685 - 1750); Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791); Leonardo da Vinci (1452 - 1519), aus der Politik Napoleon I. Bonaparte (1769

- 1821), sowie aus der Wissenschaft Charles Darwin (1809 - 1882), um nur einige zu nennen.

Ausgestattet mit besonderen Persönlichkeitsmerkmalen und der Fähigkeit zu außergewöhnlichen Denkprozessen, glaubte man gerade in der Romantik an die Existenz von Genies, die erst durch plötzliche Eingebungen und Geistesblitze großartige Ideen entwickeln konnten.

Doch mit Beginn der Kreativitätsforschung Mitte des 20. Jahrhunderts versuchte man herauszufinden, welche besonderen Merkmale diese kreativen Personen haben und was es ihnen erlaubt, in einen götterähnlichen Rang gehoben zu werden. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, das es nicht möglich ist, genaue Persönlichkeitsmerkmale zu benennen, die ‚Genies’ von nicht kreativen Menschen unterscheiden. Weiterhin müssen psychische Eigenschaften nicht im kausalen Zusammenhang mit einer späteren kreativen Tätigkeit stehen. Hinzu kommt, dass selbst die größten Künstler und Wissenschaftler nicht ständig kreativ sind. Es ist also falsch, Genialität in einem Individuum zu suchen. „ Genialität ist vielmehr eine Eigenschaft, die die Gesellschaft einem Künstler als Reaktion auf sein Werk verleiht - wobei sich ihr Urteil darüber, was genial ist, ständigändert. “ 3 Auch die Tatsache, das zu unterschiedlichen Zeiten eine Person als Genie gelten kann und dann wiederum nicht mehr, widerspricht zusätzlich dem Konzept des Genies.

Als die Zeit der Behavioristen kam, sah man keine Notwendigkeit mehr darin, sich mit der Kreativität näher zu befassen. Das Problem bestand in der Begrenztheit des Behaviorismus auf das rein Beobachtbare oder messbare Verhalten, einer Reiz-ReaktionsGrundlagen und Gedanken zur Kreativität

Verbindungen oder der Konditionierung. Kreatives Denken war für diese Methode zu komplex und konnte so nicht erfasst werden. Inzwischen billigt man jedem Menschen die geistigen Grundstrukturen der Kreativität zu. Jedoch durch Bildung und Sozialisation, Einbindung in feste Strukturen und Normen, gemachte Erfahrungen usw. nimmt diese Fähigkeit ab und kann sich in unterschiedlichen Begabungen wiederspiegeln.4

Das Genie bleibt also ein Mythos aus vergangenen Zeiten.

2.2 Geschichte der Kreativitätsforschung

Die Kreativitätsforschung entstand in den 60er-Jahren, u.a. als Folge des ‚Sputnik-Schocks’. Am 04. Oktober 1957 schossen die Sowjets den ersten künstlichen Satelliten auf eine Erdumlaufbahn und Funkamateure auf der ganzen Welt konnten ein ‚Piep-Piep’ von ‚SPUTNIK I’ empfangen. Schon kurz darauf, am 03. November, flog das erste Lebewesen, die Hündin ‚Laika’ auf ‚SPUTNIK II’ in den luftleeren Raum. Nachdem der Versuch der Vereinigten Staaten, durch einen Raketenstart am 06. Dezember die ‚Niederlage des kalten Krieges’ auszugleichen versuchte und dies in einem Flammeninferno auf der Startrampe endete, war Amerika und die westliche Welt schockiert. Niemand rechnete zu dieser Zeit mit so einem wissenschaftlichen Vorsprung der Sowjets und somit wurde in Amerika ein Boom in der Forschung ausgelöst. Um das Überleben der Nation sichern zu können, musste die Förderung der Kreativität in Angriff genommen werden. Dies gab dann den Anstoß für viele Forschungsvorhaben, zudem unter anderem das Apollo-Projekt zählte.

Der ‚Sputnik-Schock’ war aber nur ein Anlass neben vielen anderen, der das kreative Handeln der Menschen in den Vordergrund rückte.

Grundlagen und Gedanken zur Kreativität

In einigen anderen Wissenschaften machte man gleichzeitig Entdeckungen, die der Kreativität ebenfalls zu Ruhm verhalfen. Wie z.B. der lehrende Ökonom und spätere Nobelpreisträger Robert Solow am Massachusetts Institut of Technology nur ein Jahr vor dem Sputnik-Start. In seiner Forschung ging er der Frage nach, welche Quellen und Ursachen das Wirtschaftswachstum voranbringen. Zur Verwunderung der gesamten Fachwelt fand er heraus, dass jene Faktoren, die man traditionell als die wichtigsten Ursachen des wirtschaftlichen Wohlstandes betrachtete, Arbeitskräfte und Realkapital, das Wachstum nur zu einem geringen Teil, besser gesagt zu einem Achtel verhalfen. Sieben Achtel werden durch Innovationen oder technischen Fortschritt hervorgerufen.5 In der Wirtschaft sind dies nur andere Namen für Kreativität.

In einem anderen Wissenschaftsgebiet, der Psychologie, stellte Roy Paul Guilford schon bereits 1950 sein neues Modell des menschlichen Intellekts vor, in dem das ‚kreative Denken’ eine zentrale Rolle spielte.6

Weiter war es dieselbe Zeit, in der die wichtigsten Kreativitätstechniken bekannt wurden. Schon Anfang der 1950erJahre entwickelte Osborn das Brainstorming7, das wohl auch heute noch bekannteste Mittel der Ideenfindung. Weitere Techniken folgten z.B. von Zwicky (morphologischer Ansatz) 8 und Gordon (Synektik) 9. Die Kreativität breitete sich auf fast alle Wissenschaftsbereiche aus, der Physik, Chemie, Linguistik, Mathematik u.v.m. Keine Wissenschaft konnte die Kreativität für sich alleine beanspruchen.

Aufgrund all dieser Ereignisse in den 1950er und 1960er-Jahren wurde die Kreativität zu einem wirtschaftlich und politisch hochsensiblen Thema.

Grundlagen und Gedanken zur Kreativität

2.3 Versuch einer Definition von Kreativität

Für den weiteren Verlauf der Arbeit ist es wichtig, eine Definition des Begriffes ‚Kreativität’ festzulegen. Die Forschung hält keine einheitliche Definition bereit, zudem lässt sich in der Literatur eine sehr große Bandbreite und dementsprechend eine unüberschaubare Vielfalt von Definitionsansätzen finden. Für jedermann hat Kreativität eine andere Bedeutung, wohl auch davon abhängig, in welchem Zusammenhang und auf welchen Wissenschaftsgebiet man sich damit auseinandersetzt.

„ Kreativität, schöpferische Kraft “ 10

„ Kreativität (lat.), schöpferische, gestaltende Kraft, Ideenreichtum, Erfindungsgabe “ 11

„ Kreativität (lat.), schöpfer. Kraft und Fähigkeit, zu der sowohl originales Denken als auch der Wille gehört, sichüber bestehende Vorstellungen hinaus zu bewegen. Bezeichnend ist das Aufspüren neuer Problemlösungen. “ 12

„ Kreativität [lat.], Fähigkeit, originelle, ungewöhnl. Einfälle zu entwickeln und sie produktiv umzusetzen. “ 13

Kreativität ist „ die hervorragende Denkfähigkeit zur Lösung schlecht strukturierter und schlecht definierter Probleme wie Such-, Analyse und Auswahlprobleme. “ 14

Grundlagen und Gedanken zur Kreativität

Kreativität ist „ als eine aktualisierte Dimension im Kontext einer schöpferischen Tätigkeit betrachtet, die sich in neuartigen und wertvollen Produkten verwirklicht. “ 15

„ In der Kunst ... “ bedeutet Kreativität „ ...das Erschaffen außergewöhnlicher Werke, die sich von traditionellen Auffassungen unterscheiden und zugleich die Wertschätzung zumindest des kunstverständigen Publikums finden. “ 16

Dies stellt nur einen kleinen Auszug der vorhandenen Definitionsmöglichkeiten dar, doch folgende Begriffe sind in vielen Definitionen wiederzufinden: ‚schöpferisch’, ‚neu’ und ‚wertvoll’. Das Adjektiv ‚schöpferisch’ lässt sich aus der Übersetzung des Begriffes ‚Kreativität’ von dem lateinischen Wort ‚creare’ herleiten. Dies bedeutet soviel wie ‚schöpfen’ und ‚erschaffen’. Jedoch fand dieses Adjektiv eher in der Theologie Verwendung, deshalb soll ihm in diesem Definitionsversuch keine Bedeutung zukommen. Außerdem empfiehlt es sich in Definitionen, keine Wörter zu wählen, welche ebenfalls einer nähere Erläuterung bedürfen. 17 Übrig bleiben die Beschreibungen; ‚neu’ und ‚wertvoll’. Karl Heinz Brodbeck unternimmt den Versuch, die Definition des Begriffes ‚Kreativität’ damit herzuleiten, indem er die Frage stellt: „ Was ist eigentlich unkreativ, für welche Sachverhalte werden wir es ablehnen, von Kreativität zu sprechen? “ 18 Als Antwort auf diese Frage kommt er zur Einsicht, dass die bloße Wiederholung von etwas nicht als kreativ bezeichnet werden kann. „ Das Bremsen und das Betätigen der Kupplung beim Autofahren, das Öffnen einer Tür undähnliche Routinehandlungen sind zwar nützlich, nicht aber

Grundlagen und Gedanken zur Kreativität kreativ. “ 19 Ein weiteres Beispiel: „ Versuche ich das Problem, meinen Wagen in Gang zu bringen, dadurch zu lösen, daßich mit dem Kopf gegen die Wand stoße, so mag das durchaus eine neuartige Reaktion sein “ 20, das Problem wird jedoch mit dieser neuartigen Idee nicht gelöst.

Aus dieser Überlegung heraus kommt man zur folgender Definition:

„ Kreativität ist die Hervorbringung von etwas Neuem, das auf irgendeine Weise wertvoll ist. “ 21

Wie schon zuvor aufgezeigt wurde, finden sich diese beiden Elemente, etwas ‚neues’ und ‚wertvolles’, auch in anderen Definitionsansätzen wieder. Auch in dieser Arbeit soll dieser Definitionsansatz als Grundlage zum Verständnis von Kreativität dienen.

Es ist aber auch bei dieser Definitionswahl auf folgendes Problem hinzuweisen. Wann etwas ‚neu’ oder ‚wertvoll’ ist, sind keine objektiven Betrachtungsweisen. Wenn mehrere Personen unabhängig eine neue Idee entwickeln, ohne das sie Kenntnis voneinander haben oder diese Idee nicht publik machen, stellt sich die Frage, ob dann alle Ideen mit demselben Inhalt neu sind. Außerdem wird es in einer pluralistischen Gesellschaft immer wieder Menschen und Gruppen geben, die den Wert von etwas bestreiten, während andere diesen Wert gerade behaupten. Es wird also strittig bleiben, wann eine Idee oder ein Produkt als ‚neu’ und ‚wertvoll’ anerkannt wird.22

Für die hier vorliegende Arbeit soll jede Problemlösung als kreativ gelten, die für eine Einzelperson neuartig ist, unabhängig davon, wie viele andere Personen zur selben Lösung gelangen.

Grundlagen und Gedanken zur Kreativität Zusammenfassung Kreativität ist die Hervorbringung von etwas Neuem, das auf irgendeine Weise wertvoll ist. Diese Fähigkeit bleibt nicht nur Genies vorbehalten, sondern jeden Menschen wird diese Befähigung zugesprochen, kreativ zu sein. Jedoch gibt es Unterschiede in der Ausprägung dieser Fähigkeit, ausgelöst z.B. durch unterschiedliche Sozialisationsbedingungen, Lernbedingungen, Erfahrungen oder anregende Umgebungen.

3. Kreativitätsforschung

Die Kreativitätsforschung ist der Bereich, der mit wissenschaftlichen Methoden die Fähigkeit ‚kreativ zu sein’ erklären versucht und effektiv nutzbar machen will.

Natürlich können in dieser Arbeit nicht die gesamten Erkenntnisse der Kreativitätsforschung dargestellt werden. Hier dargestellt werden lediglich die Aspekte, die die Grundlage des kreativen Verständnisses bilden und für diese Arbeit wichtig erscheinen. Zugeordnet ist die Kreativitätsforschung hauptsächlich der Psychologie, da man davon ausgeht, das Kreativität menschliche Verhaltensprozesse sind. Gerade in der Wirtschaft versucht man einen produktiven Nutzen aus den Erkenntnissen dieser Forschung zu ziehen und kreativitätsfördernde Faktoren zu verstärken und kreativitätshemmende Faktoren zu eliminieren.

3.1 Einflussfaktoren der Kreativität

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die zur kreativen Lösung eines Problems beitragen. Diese sind in folgender Grafik mit ihren Zusammenhängen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1: Einflussfaktoren der Kreativität

Quelle: Knieß, M: Kreatives Arbeiten. München 1995, S. 3.

In den nächsten Kapiteln sollen die einzelnen Einflussfaktoren näher beschrieben werden. Es soll deutlich gemacht werden, dass das Finden kreativer Lösungen von vielfältigen Faktoren abhängig ist, bis von dem ‚Input’ (Problemstellung) eine kreative Leistung (‚Lösung’) herauskommt.

3.1.1 Die kreative Person

Es soll nun darum gehen, was einen kreativen Menschen ausmacht. Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, wie man kreative Persönlichkeiten erkennen kann. Zum einen über besondere Persönlichkeitsmerkmale, Eigenschaften und Einstellungen und zum anderen über die direkte Messung entfalteter Kreativität in bestimmten Situationen und bestimmten Anforderungen.

Bei der zuerst erwähnten Möglichkeit haben Nütten und Sauerfeld 11 Faktoren des innovativen Leistungspotentials entwickelt. Dabei orientierten sie sich hauptsächlich an den Aussagen von Guilford (beginnend mit seinen richtungsweisenden Aufsatz „ Kreativität “ 1950)23 und den Ergebnissen von G. Ulmann. Die daraus gewonnene große Anzahl von Eigenschaften, untergliedert in ‚kreative Fähigkeiten’, ‚begleitende intellektuelle Fähigkeiten’ und ‚begleitende Persönlichkeitsmerkmale’ bedurften anschließend einer empirischen Überprüfung. Es wurden Befragungen von Praktikern aus unterschiedlichen Branchen durchgeführt, die Erfahrungen mit kreativen Mitarbeitern haben konnten.24

Das Gesamtergebnis hat die in der Literatur vorherrschende Ansicht bestätigt, dass das Kreativitätskonzept aus diversen Faktoren, jedoch mit unterschiedlichen Gewichtungen bestehen muss. Die folgende Aufzählung stellt zugleich deren ermittelte Wertigkeit dar, beginnend mit der Höchsten.

Divergentes Denken

Man gibt sich nicht nur mit einer Lösung zufrieden, sondern sucht parallel dazu weitere neue Ideen. Dabei geht man von der Annahme aus, dass sich die Chancen einer kreativen Problemlösung erhöhen, wenn möglichst viele Ideen produziert werden.25

Unkonventionelles Denken

Man kann sich für Neuerungen begeistern und sieht eine Chance darin.

Gedankenflüssigkeit

Damit ist der Einfallsreichtum einer Person gemeint.

Originalität

Eine Person entwickelt ungewöhnliche Ideen.

Aufspüren von Problemen

Man erkennt Chancen frühzeitig.

Elaboration

Dies bedeutet, dass Ideen und Wissen exakt ausgearbeitet werden.

Reicher Wortschatz

Jemand hat eine passende Ausdrucksweise und kann Dinge auf verschiedene Art und Weise umschreiben.

Konzentrationsfähigkeit

Man kann sich einer Aufgabenstellung oder Sache aufmerksam widmen.

Redefinition

Wird auch als Abstraktionsfähigkeit bezeichnet. Dies bedeutet, ausgehend von einer Fragestellung diese solange zu verändern und zu ersetzten, bis der Kern des Problems gefunden worden ist. Wesentliches kann von Unwesentliches getrennt werden.

Realitätskontrolle

Vorschläge werden kritisch überprüft, ob sie zu erwünschten Ergebnis führen.

Organisationsfähigkeit

Durch gute Planung und konsequente Durchführung errecht eine Person das reibungslose Funktionieren von Arbeitsabläufen.

Diese 11 Faktoren können als Grundlage dafür genutzt werden, durch spezielle Bestimmungsverfahren das Innovationspotential bei vorhandenen oder zukünftigen Mitarbeitern zu ermitteln.

Es lassen sich diese Faktoren noch durch weitere Eigenschaften ergänzen:

- Ein wichtiges Merkmal ist das Wissen. Alle die Menschen, von denen man sagt, sie haben bedeutende kreative Entdeckungen und Leistungen vollbracht, waren intellektuell hochstehend und besaßen ein umfangreiches Fachwissen. Denn je mehr Wissen vorhanden ist, desto mehr gedankliche Kombinationen sind möglich.

Dennoch ist eine Korrelation zwischen IQ und der Kreativität unbekannt. Es könnte zwar nachgewiesen werden, das Personen, die als kreativ anerkannt waren, einen außergewöhnlich hohen IQ besaßen, aber ein Umkehrschluss, das Menschen mit einem hohen IQ gleich kreativ sind, lässt sich nicht herstellen.26

- Es muss die Bereitschaft vorhanden sein, auch Risikos einzugehen, ungewöhnliche Positionen zu vertreten, ungewöhnliche Richtungen einzuschlagen sowie im Denken und Handeln neues zu probieren.
- Außerdem sollte die Fähigkeit, anderen Menschen von den eigenen Ideen zu überzeugen und vertreten zu können, vorhanden sein. Es nützt wenig, wenn bedeutende Gedanken nicht weitergegeben werden können.
- Von Vorteil wäre auch, wenn Personen weniger ausgeprägte soziale, religiöse Werthaltungen besitzen, da diese von vornherein ein verlassen fester Strukturen und Ansichten verhindern.
- Eines der wichtigsten Eigenschaften ist die Offenheit und Toleranz neuen Ideen gegenüber. Nichts ist kreativitätshemmender, wenn man von Anfang keine Neuerungen zulässt und sich auf vermeintlich Bewährten ausruht.

3.1.2 Der kreative Prozess

In der Kreativitätsforschung wurden zahlreiche Phasenschemata zum kreativen Prozess entwickelt. So z.B. das Modell von Walles (1926), von Marr (1973) oder von Geschka/ Reibnitz (1977). Das 4-PhasenSchema, welches 1950 von Guilford vorgestellt wurde, ist das

Modell, welches am meisten verbreitet ist und soll deshalb näher vorgestellt werden.27

Phase 1: Vorbereitung

In dieser Phase soll sich bewusst gemacht werden, dass ein Problem existiert. Danach folgt eine Analyse des Problems. Zusammenhänge müssen transparent gemacht werden und die betroffenen Personen dringen tiefer in die Problemstruktur ein. Man kommt zu der Erkenntnis, das die Aufarbeitung des relevanten Wissens in der Regel nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führt und das Problem nur durch weitergehende Studien zu lösen ist. Häufig steigen dann der Problemdruck und die Frustrationsgefühle.

Phase 2: Inkubation

Wenn sich nach intensiver Problembearbeitung keine Lösung findet und der Problemdruck und die Frustrationsgefühle steigen, bietet es sich an, entspannende Aktivitäten auszuüben. Das Problem wird eine Zeit lang beiseite gelegt und man beschäftigt sich mit etwas ganz anderem. Dabei wird das Problem an das Unterbewusstsein abgegeben. Hier werden verschiedene Denkinhalte und problemfremde Wissensbereiche nach ähnlichen und übertragbaren Mustern durchsucht. Dieser Prozess wird aber erst freigesetzt, wenn man sich nicht mehr bewusst mit viel Stress und Ängsten, also dem eigentlichen Problem beschäftigt. In dieser Phase findet eine Verarbeitung von zahlreichen Informationen und Daten aller Art statt. Das Ergebnis ist jedoch zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.

Phase 3: Erleuchtung

Nach einer nicht bestimmbaren Zeit entsteht dann plötzlich eine intuitive Einsicht, eine vage ungefähre Vorstellung von dem, wie die Lösung des Problems aussehen könnte. Die Idee ist häufig noch schemenhaft, wenig detailliert, möglicherweise visionär anmutend. Häufig beschreibt man dieses Ereignis auch als ‚Gedankenblitz’ oder als ‚Aha-Effekt’, der auch viel zu schnell wieder verworfen, vergessen oder ignoriert wird. Die meisten Ideen entstehen außerhalb vom Arbeitsplatz, z.B. während Freizeitaktivitäten, unter der Dusche oder beim Autofahren. Auch Träume können zu solchen Ideen führen. 28 Eigene Erfahrungen haben gezeigt, dass es sich empfiehlt, immer einen Notizblock dabei zu haben, um die Idee sofort schriftlich festzuhalten, damit sie gedanklich nicht wieder verloren geht.

Phase 4: Verifikation

Nachdem die Idee niedergeschrieben ist, kann man mit der Überprüfung beginnen, ob die Idee den Anforderung genügt und zur Lösung des Problems beiträgt. Erst in dieser Phase können alle bekannten Möglichkeiten der Ideenbewertung angewandt werden. Häufig hat man in Unternehmen, aber auch bei alltäglichen Problemen, die Schwierigkeit, das die erst Phase, die Vorbereitung, und die vierte Phase, die Verifikation, strukturiert und intensiv durchlaufen werden. Für die zweite Phase, die Inkubation, und die dritte Phase, die Erleuchtung, werden in Unternehmen häufig keine Zeiten zur Verfügung gestellt und wenig gefördert. Dies resultiert zum Teil aus dem nicht vorhandenen Gut, der Zeit. Stress und Problemdruck sind die ärgsten Feinde der Kreativität. 29

3.1.3 Das kreative Produkt

Das kreative Produkt ist das Ergebnis der kreativen Leistung einer Person. Darunter ist nicht nur ein materielles Produkt zu verstehen, sondern auch eine kreative Idee oder ein kreativer Einfall. Es stellt sich jedoch die Frage, wann zu erkennen ist, wann eine kreative Idee oder kreatives Produkt entstanden ist? Der ungarische Emigrant Mihaly Csikszentmihalyi entwickelte hierzu ein ‚Systemmodell’, indem es heißt, das Kreativität nur in den Wechselbeziehung dreier Komponenten im System wahrnehmbar ist. Die erste Komponente dieses Systems ist die ‚Domäne’. Diese besteht aus einer Reihe von symbolischen Regeln und Verfahrensweisen, wie z. B. die Mathematik.

Die zweite Komponente ist das ‚Feld’. Dazu gehören Personen, die entscheiden, ob eine neue Idee oder ein neues Produkt in die Domäne aufgenommen werden soll oder nicht. Dies können Fachleute aus bestimmten Domänenteilgebieten sein oder auch die gesamte Gesellschaft.

Die dritte Komponente des Systems ist das ‚Individuum’, welches sich mit den Inhalten aus der Domäne beschäftigt und diese transformiert. Wird so eine Veränderung von dem ‚Feld’ als wertvoll anerkannt, so wird dies ein fester Bestandteil der Domäne. Nachfolgende Generationen nutzen diese veränderten Inhalte der ‚Domäne’ wiederum als Startpunkt weiterer Veränder- und Neuerungen.30

Durch diese Betrachtungsweise ergibt sich auch, das ‚Kreativität’ nicht als Persönlichkeitsmerkmal anerkannt werden kann, sondern auch davon abhängig ist, ob das kreative Produkt von der Domäne aufgenommen wird oder nicht. Dies kann durch Zufall oder

Beharrlichkeit geschehen oder einfach, weil man zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 2: ‚Systemmodell’ der Kreativität nach Czikszentmihalyi

Natürlich stößt man an dieser Stelle wieder auf das Problem, ein Maß dafür zu finden, wann eine Idee oder ein Produkt neu und wertvoll ist, um von einem ‚Feld’ in eine ‚Domäne’ zugelassen zu werden. Außerdem kann nach diesem ‚Systemmodell’ Kreativität nur dann bestehen, wenn es ein ‚Feld’ gibt, welches die neuen Beiträge anerkennt und legitimiert. Was ist aber mit kleineren, nicht kulturell bedeutsamen, alltäglichen und persönlichen Problemlösungen, für die es keine allgemeinen symbolischen Regeln in einer ‚Domäne’ gibt und zudem ein ‚Feld’ von Experten fehlt, die überprüfen, ob diese Idee legitim ist?

Entsprechend dieser Arbeit zugrunde liegenden Definition von Kreativität, gelten auch Problemlösungen von Einzelpersonen als kreativ, solange sie neuartig und auf irgendeine Weise wertvoll sind.

3.1.4 Das kreative Umfeld

Für das Zustandekommen eines kreativen Produkts ist nicht nur die kreative Person alleine maßgebend, auch dem kreativen Umfeld kommt eine große Bedeutung zu. Mit dem kreativen Umfeld ist der Ort gemeint, an dem kreatives Denken stattfindet und dieses durch verschiedene Faktoren beeinflussen kann.

Solche Faktoren werden beschrieben als kreativitätsfördernde bzw. hemmende Faktoren, die nicht von der kreativen Person direkt ausgehen, sondern auf diese von außen einwirken.

Der Ort, an dem man kreativ tätig sein soll, kann in dreierlei Hinsicht sehr wichtig sein.31

Erstes braucht man einen Zugang zu der ‚Domäne’, in der man arbeiten will. Informationen sind nicht gleichmäßig im Raum verteilt, sondern sammeln sich an verschiedenen geografischen Orten. Zweitens gibt es eine ungleichmäßige Verteilung von neuartigen Anregungen. Bestimmte Umgebungen bieten einem die Möglichkeit, mit Konventionen zu brechen und ungewöhnliche, bisher neuartige Ideen freien Lauf zu lassen.

Auch der Zugang zu den ‚Feldern’ ist nicht gleichmäßig im Raum verteilt. Die Orte, an denen neue Ideen oder neue Produkte entstehen, müssen nicht identisch mit denen sein, wo die Neuerungen durch das ‚Feld’ anerkannt werden. So können eine Vielzahl von Neuerungen unentdeckt bleiben und nie in eine ‚Domäne’ aufgenommen und als kreativ klassifiziert werden. Je größer die Nähe zu wichtigen Forschungslabors, Fachbereichen, Instituten, Zeitschriften oder Tageszentren ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eine Anerkennung durch ein ‚Feld’ zu erlangen und somit in eine ‚Domäne’ aufgenommen zu werden. Zu beachten ist aber auch, das durch den Eintritt in diese Umgebung der Leistungsdruck steigt und der starke Wettbewerb eine hemmende Wirkung auf die Kreativität haben kann.32

Es gibt keine Patentlösung, welche Umgebung die Entwicklung der Kreativität am besten fördert. Es mag sinnvoll sein, sich an die Orte der ‚Domäne’ oder des ‚Feldes’ zu begeben, denn einige genießen den Wettbewerbsdruck und blühen dann erst richtig auf. Für andere jedoch kann dieser Druck hinderlich sein.

Im Bereich der Kunst gibt es zahlreiche Beispiele, dass eine schöne Landschaft zu neuen Ideen inspirieren kann. Dabei liefert die Natur außergewöhnliche Atmosphären, z.B. das Donnern der Meeresbrandung, der Duft von Blumen, das schimmernde Spiegelbild einer Kirche in Seen, welche die Künstler zu neuen Werken anregen. Jedoch gibt es bis heute keinen Beweis dafür, das eine schöne Umgebung die Kreativität fördert.

Nützlicher wäre wohl die Unterscheidung zwischen dem ‚Makroumfeld’ und dem ‚Mikroumfeld’. Das ‚Makroumfeld’ umfasst den gesamten sozialen, kulturellen und institutionellen Lebenskontext, welcher sich nur wenig beeinflussen lässt. Dagegen kann man das unmittelbare Umfeld, das ‚Mikroumfeld’, genau so gestalten, das es für die Kreativität förderlich sein kann. Man versucht einen Ort herzustellen, an dem es leicht fällt, die äußere Welt zu vergessen und sich voll und ganz auf die momentane Aufgabe zu konzentrieren. Auch hierfür gibt es kein allgemeingültiges Schema, dennoch gibt es einige Faktoren, die kreativitätshemmend oder -fördernd wirken können. Diese sollen im nächsten Kapitel vorgestellt werden.

3.1.5 Hemmende und fördernde Faktoren

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die hemmend oder fördernd auf die Kreativität von Menschen wirken können. Gerade für innovative Unternehmen ist die Einflussnahme auf die Gestaltung der Umgebung, in der ihre Mitarbeiter kreativ tätig sein sollen, wichtig, um kreative Prozesse zu behindern. Doch nicht nur die Umwelt, sondern auch die Erziehung und Ausbildung in unserer Gesellschaft tragen dazu entscheidend bei.

In Kapitel 3.1.1 ‚Die kreative Person’ wurden schon eine ganze Reihe fördernder Faktoren und Eigenschaften genannt, die eine Person mitbringen sollte, damit dem kreativen Prozess nichts im Wege steht. Es reicht aber meist nicht aus, wenn eine Person diese Fähigkeiten alleine besitzt. Das Umfeld hält eine breite Palette von ‚Kreativitätskillern’33 bereit.

Sicherheitsdenken

Man bringt nicht den Mut auf, neue Ideen zuzulassen und auszuprobieren. Fehler werden nicht zugelassen und deshalb denkt man defensiv.

Konkurrenzdruck

Dies ist zwar häufig ein Mittel, seine Mitarbeiter oder Team anzuspornen, dennoch für kreative Prozesse völlig ungeeignet. Konkurrenzdruck vermittelt ein Gefühl von Stress. Man verwendet seine gesamte Energie gegen den Konkurrenten, nicht aber auf die Lösung eines Problems.

Erwartungsdenken

Eine Eigenschaft der Kreativität ist es, dass man nicht vorhersagen kann, zu welcher Lösung man kommen wird. Wird von jemanden nun etwas ganz genaues erwartet, ist diese Person zu keiner kreativen Handlung mehr fähig. Sie nimmt dann nur noch das wahr, was von

ihr erwartet wird. Das macht sie blind für Abweichungen, Nuancen oder neue Erfahrungen und sie ist somit unfähig, etwas neues zu entdecken.

Belohnung

Wenn jemand an einer Prämie und nicht an der Lösung eines Problems interessiert ist, kann dieser nur selten kreativ sein. Der größte Anreiz sollte in der Aufgabe selbst liegen.

Sprunghaftigkeit

Nur das Produzieren von neuen Ideen und Einfällen reicht für den kreativen Prozess nicht aus. Dazu gehört auch das Bewerten und Überprüfen der Brauchbarkeit einer Idee. Dies ist oft ein mühsamer Weg. Es bringt nichts, sobald sich die ersten Schwierigkeiten bemerkbar machen, zum nächsten Einfall überzugehen. Vielleicht steckt in diesem Gedanken doch die ideale Lösung, welcher nur noch weiter ausgearbeitet werden muss.

Zeitdruck

Wer unter Zeitdruck Ideen produziert, läuft Gefahr, das er sich an den erstbesten Gedanken klammert und keine möglicherweise besseren Einfälle entwickelt. Dabei wird häufig die wichtige Inkubationsphase im kreativen Prozess ausgelassen. Außerdem bedeutet Zeitdruck Stress, was sich ebenfalls hemmend auf den kreativen Prozess auswirkt.

Schlechte Rahmenbedingungen

Hier ist besonders das kreative Umfeld gemeint. Zwar gibt es noch keine genauen Erkenntnisse darüber, wie sich das Umfeld auf die Kreativität auswirkt, aber bekannt ist, dass Mitarbeiter in einem Raum, in dem sie sonst ihre alltägliche Arbeit in der Regel verrichten, nicht auf Kommando kreativ sein können. Auch die Tageszeit, z.B. am Abend, wenn alle hungrig, müde und ausgelaugt sind, kann sich nachteilig auswirken.

Selbstzufriedenheit

Wenn für jemanden alles in Ordnung ist, wieso sollte er versuchen, etwas daran zu ändern? Bei zu starker Selbstzufriedenheit fehlt der

Ansporn, etwas neues zu entwickeln oder Verbesserung herbeizuführen.

Gleichgültigkeit, Desinteresse

Wer am Gelingen und Lösen einer Aufgabe nicht interessiert ist, wird zu keiner kreativen Handlung fähig sein. Es fehlt die Beharrlichkeit, sich voll und ganz einer Aufgabe zu widmen und entschlossen zu einer Lösung eines Problems beizutragen. Ein Mitarbeiter, der nur ‚seinen Job’ macht, ist für kreative Aufgaben ungeeignet.

Ungünstige Unternehmensstruktur

Auch die besten Ideen gehen unter, wenn die Unternehmensstruktur zu starke Hemmnisse aufweist. Dazu jedoch mehr in Kapitel 4.4 ‚Einfluss der Unternehmensstruktur’.

Mangelndes Selbstbewusstsein

Es wäre ein Verlust von kreativen Potential, wenn ein Mitarbeiter sich zuwenig zutraut. Häufig geschieht dies, wenn jemand eine Aufgabe übernehmen soll, die abseits seiner gewohnten Tätigkeit liegt und einiges an Kreativität erfordert. Wer also kein Risiko eingeht, weil er überzeugt ist, ohnehin zu scheitern, wäre mit kreativen Aufgaben überfordert.

3.2 Kreativität in der Gehirnforschung

Um Kreativität gezielt fördern zu können, sind genaue Kenntnisse über die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns notwendig. Das menschliche Gehirn besteht aus einer linken und einer rechten Hemisphäre, die mit dem ‚Corpus Callosum’, einem aus 200 Millionen Nervenfasern bestehenden dicken ‚Balken’, verbunden ist. Beide Gehirnhälften haben unterschiedliche Aufgaben und arbeiten getrennt voneinander. Die linke Hemisphäre ist zuständig für das sogenannte ‚digitale’ Denken, d.h. dort wird die Fähigkeit, analytische Tätigkeiten auszuführen, unterstützt. Informationen werden sequenziell abgearbeitet und arbeitet mit einer geringen Geschwindigkeit. In ihr ist das logische Denken verwurzelt, die Fähigkeit zu organisieren sowie zum planen. Weiterhin besitzt sie ein Zeitgefühl. Sie ist verantwortlich für die Aufnahme und Verarbeitung von Details und deren Analyse.

In der rechten Hemisphäre werden visuelle Bilder verarbeitet. Hierbei handelt es sich um das sogenannte ‚analoge Denken’, d.h. die Fähigkeit, kreativ zu sein, wird hier unterstützt. Informationen werden simultan und im Gegensatz zur linken Hemisphäre schnell verarbeitet, ohne Zeitbezug, dafür aber räumlich. Dort wird für den Gesamtüberblick und die Synthese aller aufgenommenen Daten und Erfahrungen gesorgt. Die Körpersprache und das Gedächtnis für Erlebnisse, Sachen und Personen sitzen in der rechten Hemisphäre. Die rechte Gehirnhälfte ist es, die uns mit Ideen und kreativen Impulsen versorgt.

Das ‚Corpus Callosum’ sorgt für die Übermittlung der Daten zwischen beiden Gehirnhälften. Hier kommt es zur Koordination beider Hemisphären. Die Kreativität entsteht erst durch die Nutzung beider Gehirnhälften mit ihren spezifischen Fähigkeiten.

Ein Beispiel für die unterschiedlichen Verarbeitungsgeschwindigkeiten der beiden Hemisphären könnte wie folgt sein:

„ Sie treffen auf der Straße einen alten Bekannten, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Er ist fülliger geworden und grauhaarig. Leider fällt ihnen der Name des Bekannten nicht sofort ein. Das simultan arbeitende rechte Gehirn erkennt sofort diesen Bekannten, obwohl die Bildinformation durch die Veränderung recht unzureichend ist. Die für die Namen zuständige linke Gehirnhälfte braucht in der sequenziellen Weise länger, bis sie darauf kommt, das er Helmut heißt. “ 34

[...]


1 Backerra, Hendrik/ Malorny, Christian/ Schwarz, Wolfgang: Kreativitätstechniken. Kreative Prozesse anstoßen, Innovation fördern, Die K7. 2. Auflage. München Wien 2002, S. 5.

2 vgl. http://www.grauezelle.de/gz_erlernbar.html

3 Weisberg, Robert W.: Kreativität und Begabung. Was wir mit Mozart, Einstein und Picasso gemeinsam haben. Heidelberg 1989, S. 121.

4 vgl. Kapitel 3.2 Kreativität in der Gehirnforschung

5 Frenkel, Michael/ Hemmer, Hans-Rimbert: Grundlagen der Wachstumstheorie. München 1999, S. 110f.

6 vgl. Kapitel 3.1.2 Die kreative Person

7 vgl. Kapitel 5.2.3.1 Methodische Grundlagen des Brainstorming

8 vgl. Kapitel 5.2.2.1 Morphologischer Kasten

9 vgl. Kapitel 5.2.3.4 Synektik

10 Störig: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. Stuttgart 1990, S. 591.

11 Grosses Universal Lexikon. Bindlach 1998, S. 470.

12 Großes Lexikon. a bis z. zeitnah und übersichtlich. Chur 1995, S. 495.

13 Der Brockhaus von A-Z in drei Bänden. GP-PHNOM. Mannheim 2000, S. 251.

14 Schlicksupp, Helmut: Innovation, Kreativität & Ideenfindung. 2. Auflage. unveränderter Nachdruck. Würzburg 1987.

15 Facaoaru, Cornelia: Kreativität in Wissenschaft und Technik.

Operationalisierung von Problemlösefähigkeiten und kognitiven Stilen. Bern 1985, S. 5.

16 Weisberg, Robert W.: Kreativität und Begabung. Was wir mit Mozart, Einstein und Picasso gemeinsam haben. Heidelberg 1989, S. 11.

17 vgl. dazu Kapitel 2.1 Vom Ende des Genies

18 http://www.grauzelle.de/gz_erlernbar.html

19 http://www.grauzelle.de/gz_erlernbar.html

20 Weisberg, Robert W.: Kreativität und Begabung. Was wir mit Mozart, Einstein und Picasso gemeinsam haben. Heidelberg 1989, S. 18.

21 http://www.grauzelle.de/gz_erlernbar.html

22 vgl. Kapitel 3.1.3 Das kreative Produkt

23 vgl. Guilford, J. P.: Kreativität. IN: Ulmann, Gisela (Hrsg.): Kreativitätsforschung. Köln 1973, S. 25ff.

24 vgl. Nütten, Ingeborg/ Sauermann, Peter: Die anonymen Kreativen. Instrumente einer innovationsorientierten Unternehmenskultur. Wiesbaden 1988, S. 91ff.

25 vgl. Stroebe, Wolfgang/ Nijstad, Bernard: Störe meine Kreise nicht! IN: Gehirn & Geist, 2/2003, S. 26.

26 vgl. Guilford, J. P.: Kreativität. IN: Ulmann, Gisela (Hrsg.): Kreativitätsforschung. Köln 1973, S. 30.

27 vgl. Guilford, J. P.: Kreativität. IN: Ulmann, Gisela (Hrsg.): Kreativitätsforschung. Köln 1973, S. 37.

28 vgl. Kapitel 3.4 Wo bekommen Menschen kreative Einfälle?

29 vgl. Kapitel 3.3 Kreativität und der Einfluss von Stress

30 vgl. Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. Aus dem Amerikanischen von Maren Klostermann. 5. Auflage. Stuttgart 2001, S. 46ff.

31 vgl. Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. Aus dem Amerikanischen von Maren Klostermann. 5. Auflage. Stuttgart 2001, S. 186ff.

32 vgl. Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. Aus dem Amerikanischen von Maren Klostermann. 5. Auflage. Stuttgart 2001, S. 185ff.

33 vgl. Nöllke, Matthias: Kreativitätstechniken. 3. Auflage. Planegg bei München 2002, S. 44ff.

34 Backerra, Hendrik/ Malorny, Christian/ Schwarz, Wolfgang: Kreativitätstechniken. Kreative Prozesse anstoßen, Innovation fördern, Die K7. 2. Auflage. München Wien 2002, S. 12f.

Details

Seiten
140
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638246927
ISBN (Buch)
9783638848091
Dateigröße
5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20959
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Erwachsenenbildung
Note
3,0
Schlagworte
Angebote Förderung Kreativität Erwachsenenbildung

Autor

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Titel: Angebote zur Förderung der Kreativität in der Erwachsenenbildung