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Die Manipulation der modernen Gesellschaft durch "Unterschichtenfernsehen"

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitun

2. „Unterschichtenfernsehen“
2.1 Zum Begriff
2.2 Kritikpunkte an der Debatte zum „Unterschichtenfernsehen“
2.3 „Unterschichtenfernsehen“ - Wirklich die Schuld der Unterschicht?
2.4 Zwischenfazit

3. Zu den Zuschauertendenzen
3.1 Beschreibung des Fernsehverhaltens der Deutschen

4. Die Manipulation der Gesellschaft I
4.1 Das GfK-Problem
4.2 „Unterschichtenfernsehen“ als Profitbringer der Wirtschaft
4.3 Kurze Bezugnahme auf die gesellschaftlichen Auswirkungen
4.4 Zwischenfazit

5. Die Manipulation der Gesellschaft II
5.1 „Unterschichtenfernsehen“ als Risikofaktor für die Demokratie?

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ fand das erste Mal Verwendung in dem Satiremagazin Titanic von 1996. Im Frühjahr 2001 bezeichnete Jochen Hörisch von der Universität Mannheim die Sender RTL und Sat.1 als „Unterschichtenfernsehen“.[1] Beide Male jedoch konnte er sich in der Öffentlichkeit nicht durchsetzten. Erst Harald Schmidt im Jahr 2005 löste mit seiner Verwendung eine breit gefächerte Diskussion über die „neue Armut“ aus.[2] Soeben zur ARD zurückgekehrt, betitelte er seinen alten Arbeitgeber Sat.1 mehrfach als „Unterschichtenfernsehen“[3].

Doch was wird unter „Unterschichtenfernsehen“ eigentlich verstanden? Und wer oder was soll eigentlich „Unterschicht“ sein?

Diesen Frage stelle ich mich im folgenden Kapitel. Zudem möchte ich wissen, ob der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ auch das bezeichnet, was er zu bezeichnen scheint, ob er also zutreffend ist, ob man wirklich eine konkrete soziale „Schicht“ ausmachen kann, die sich diesem „Unterschichtenfernsehen“ zuwendet, die Quoten schafft, welche für den Fortbestand dieses Fernsehens sorgen, oder ob die Anschuldigungen der Debatte nicht doch eine breitere Masse, womöglich auch aus der Nicht-“Unterschicht“ betreffen.

Ich wende mich anschließend dem Phänomen selber zu und beschreibe anhand von Statistiken, wie die Marktanteile der Sender aussehen, was der Verbraucher im Fernsehen schaut und zu welchen Sendern und Programmen die Zuschauer in den Jahren 2009 und 2010 tendierten. Hierbei bin ich damals auf ein Problem aufmerksam geworden: das GfK-Problem, das Problem der Gesellschaft für Konsumforschung, die einzige Marktforschungsgruppe, welche sich mit den TV-Quoten auseinandersetzt, die einzigen Statistiken, auf die sich Zeitungen, Forschungsberichte, etc. berufen, für mich ein Anlass diese Forschungsergebnisse zu hinterfragen. Ausgehend von dieser Problematik vertrete ich die Überzeugung, dass „Unterschichtenfernsehen“ ganz klar im Interesse der Wirtschaft steht, es ist ein profitabler Einkommenszweig vieler wirtschaftlicher Unternehmen und erzieht den Zuschauer primär zum Konsumenten.

In einer weiterführenden These befürchte ich, dass das so genanntes „Unterschichten-fernsehen“ auch auf politischer Ebene negative Auswirkungen auf den Zuschauer und partizipierenden Bundesbürger hat. Ich tendiere stark zu der Behauptung, dass „Unterschichtenfernsehen“ Politikern und politischen Handlungen gewisse Spielräume einräumt, es narkotisiert die Bevölkerung, entpolitisiert sie und gewöhnt sie an einen Zustand der Kontrolle.

2. „Unterschichtenfernsehen“

2.1 Zum Begriff

Der TV-Entertainer Harald Schmidt entnimmt die Bezeichnung des „Unterschichten-fernsehens“ dem 2004 von dem Soziologen Paul Nolte publizierten Buch „Generation Reform“.[4] Dieser kommt hier explizit auf eine „neue Unterschicht“ zu sprechen, derer sich die deutsche Sozialpolitik zuwenden solle.[5]

Der Begriff „neue Unterschicht“ lässt vermuten, dass die herkömmliche Definition der „Unterschicht“, welche das „Proletariat“ der früheren Industriegesellschaft intendierte[6], nach Marx die Klasse abhängiger Beschäftigter, die über nichts als über ihre eigene Arbeitskraft verfügen, also einem semantischen Wandel unterlag. Mit „Unterschicht“ ist demzufolge nicht mehr die alte Arbeiterklasse gemeint. Laut Nolte sei die heutige „neue“ Unterschicht ein Zusammensetzung aus einem Teil ebenjener alten Arbeiterklasse, welche den Aufstieg in materieller Sicherheit mit einem Bildungsminimum nicht mehr geschafft habe und einer, wie er es nennt, „Fürsorgeklasse“[7], eine auf Sozialhilfe angewiesene Klasse. Die moderne Unterschicht sei zerrissen „zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit, zwischen Teilzeitarbeit und Sozialhilfe, zwischen Schwarzarbeit und frustriertem Totalrückzug, auch: zwischen völliger Entpolitisierung und Anfälligkeit für den Populismus.“[8] Im letzten Teil dieses Zitats deutet der Soziologe bereits auf das Problem dieser neuen Unterschicht: es äußert sich im Desinteresse an politischen Ereignissen, zum zweiten im Populismus, eine volksnahe Politik mit dem Ziel, die Gunst der Massen durch die Dramatisierung der politischen Lage zu gewinnen[9], sprich also, durch die Emotionalisierung des Zuschauers. Scheinbar könnte Bildung diesem Desinteresse und dieser Emotionalisierung, welche das kritisch-rationale Denken behindert, entgegenwirken. Und allem Anschein nach liegt eben hier das Problem, denn es scheint sich bei der „neuen Unterschicht“ um eine Bildungsunterschicht zu handeln, ihre „Benachteiligung äußert sich insofern weniger als Mangel an Geldressourcen“ als dass sie finanziell vom Staat unterstützt werden, z.B. durch Arbeitslosengeld, sondern „eher als Mangel an kulturellen Ressourcen ()“[10]. Die Massenmedien würden hier zur neuen lingua franca: „Dieter Bohlen muss man kennen, was immer man von Adorno oder der Renaissancekunst weiß ().“[11]

[...]


[1] Amend, Christoph: Was guckst du?, in: DIE ZEIT 11/2005

[2] Engel, Esteban: „TV ersetzt die reale Welt“, in: Stern, 1.11.2006

[3] Klaus, Elisabeth/ Röser, Jutta: „Unterschichtenfernsehen“, S.264

[4] Klaus, Elisabeth/ Röser, Jutta: „Unterschichtenfernsehen“, S.264

[5] Nolte, Paul: Generation Reform, S. 58

[6] ebd.

[7] ebd., S.60f.

[8] ebd., S.61

[9] http://www.duden.de/rechtschreibung/Populismus

[10] Nolte, Paul: Generation Reform, S.65

[11] ebd., S. 63

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656372103
ISBN (Buch)
9783656372226
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209599
Institution / Hochschule
Università degli Studi di Firenze
Note
1,0
Schlagworte
manipulation gesellschaft unterschichtenfernsehen

Autor

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