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Erziehungsziele unter dem Einfluss von Humanismus und Reformation am Beispiel Philipp Melanchthon

Hausarbeit 2001 17 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Allgemeine Einführung
1.2 Zur Person Philipp Melanchthon
1.3 Renaissance und Humanismus

2. Hauptteil
2.1 Melanchthons Auffassung von der Pädagogik
2.2 Schulorganisation
2.3 Das Bild des Lehrers
2.4 Praktische Beiträge Melanchthons zur Reform des Bildungswesens

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

Erklärung zu selbständigen Verfassung

1. Einleitung

1.1 Allgemeine Einleitung

Die nachstehende Arbeit beschäftigt sich mit der Zeit des Renaissance-Humanismus. Genauer betrachtet werden die Erziehungsziele dieser Zeit und welche neuen Anforderungen an die Lehrer gestellt wurden. Es ist sehr interessant zu beobachten, aus welcher Motivation heraus und mit welchem Engagement sich bestimmte Personen nach dem Mittelalter daran machten, eine Neuordnung in der Gesellschaft und somit auch im Bildungssystem voranzubringen.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht ein Mann, der im deutschsprachigen Raum bedeutende Veränderungen in der Bildung erzielte. Philipp Melanchthon machte diese Themengebiete mit zu den Hauptaufgaben seines Wirkens.

Vor allem Mitte des 16. Jahrhunderts beherrschte das Phänomen der Glaubensspaltung maßgeblich die historische Bühne. Technische Entwicklungen und neue Entdeckungen dieser Zeit zwang viele Gelehrte, den Blick auf den Gebiet der Bildung in eine andere Richtung zu lenken. Würde man jeden einzelnen Aspekt der zur Reform geführt hat betrachten, würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Philipp Melanchthon war der wichtigster Vertreter der humanistischen Bildung, darüber sind sich die meisten Autoren[1] einig und deshalb verdient er das Hauptaugenmerk. Er war derjenige, der viele Theorien der Erziehung in die Tat umsetzte, obgleich eigene oder gleichgesinnter humanistischer Denker dieser Zeit. Das die Bildungsbewegung des Humanismus, angeführt von Erasmus von Rotterdam, zum Bildungsprogramm wurde, ist Leistung von Philipp Melanchthon. Unter seinem Talent formierten sich die Universitäten im humanistischen Geist.

1.2 Zur Person Philipp Melanchthons

Philipp Melanchthon wurde am 16. Februar 1497 in Bretten geboren. Er war der älteste Sohn des kurpfälzischen Rüstmeisters Georg Schwartzert, neben einem Bruder und drei Schwestern. Seine Mutter, Barbara, war die Tochter eines Schultheißen. So stammt Philipp Melanchthon aus einer wohlhabenden Familie, der es in dieser Umbruchszeit nicht gerade schlecht ging. Ohne diesen finanziellen Hintergrund hätte er kaum den Beruf eines Gelehrten ausüben können.[2]

Schon früh verlor Philipp Melanchthon seinen Vater. Danach übernahm sein Großvater die Erziehungsverantwortung. Dieser hatte den berühmten Hebraisten Johann Reuchlin als Schwager, bei dem er gerne und oft Rat für die Erziehung Philipps einholte. So bekam er strenge und tüchtige Lehrer, die Philipp vor allem im Lateinischen und Griechischen förderten. Schon mit 12 Jahren ging Philipp Melanchthon an die Universität von Heidelberg.

1512 wechselte er an die Universität von Tübingen, wo er erst einmal ein großes Interesse an den Schriften von Erasmus entdeckte. Nach dem Erreichen des Magisters, mit 17. Jahren, begann er mit seinen ersten Vorlesungen über altrömische Dichter und Philosophen, wie zum Beispiel Cicero, Vergil oder Livius. Doch auch zu diesem Zeitpunkt setzte er sein Studium weiter fort und beschäftigte sich mit Lektüren mathematischer, juristischer und medizinischer Schriften.[3]

Zusammen mit weiteren humanistisch gesonnenen Freunden entstand eine Streitschrift gegen die traditionelle Theologie und Kirchlichkeit. Durch diese Affäre der ‚Dunkelmännerbriefe’[4] geriet er in Spannungen zu den Tübingern Theologen.

In Tübingen veröffentlichte Philipp Melanchthon erstmals ein Buch der griechischen Grammatik. Durch diesen Erfolg empfahl ihn sein Großonkel Reuchlin als Professor für Griechisch nach Wittenberg. Hier lehrte er bis zu seinem Lebensende griechische und lateinische Literatur, Rhetorik, Dialektik und philosophische Ethik.

Vor seinen Studenten machte er den äußerlichen Eindruck eines kleinen, mageren, schwächlichen Knaben mit einem kleinen Sprachfehler. Jedoch beeindruckte er die Zuhörer durch sein energisches Auftreten und durch Inhalt und Form seiner Lehre. Deshalb war er als akademischer Lehrer ungemein beliebt.[5]

1520 heiratete er, auf drängen seiner Freunde, eine Tochter des Wittenberger Bürgermeisters, Katharina Krapp. Zusammen bekamen sie 4 Kinder.

Durch seine Lehre und pädagogische Begabung wurde er Berater beim Aufbau von mehreren Lateinschulen (Eisleben, Magdeburg, Nürnberg). Weiter führte Philipp Melanchthon Visitationsreisen im Auftrag des sächsischen Kurfürsten durch, deren Aufmerksamkeit der Schulen, der Kirche und der religiösen Erwachsenenbildung galt. Immer wieder wurde Philipp Melanchthon in theologische, kirchliche und politische Auseinandersetzungen hineingezogen.

In Wittenberg gewann er Martin Luther als engen Freund, in deren Auftrag er häufig Reisen als gelehrter Sprecher der Protestanten unternahm, da Martin Luther als Gebannter und Geächteter Kursachsen kaum verlassen konnte. So fuhr er auf den Reichstag zu Augsburg von 1530, den Konvent in Worms von 1540 und dem Reichstag zu Regensburg von 1546. Besondere Verantwortung fiel ihm nach dem Tod Martin Luthers 1546 zu, denn er wurde Führer der Lutheraner.

Am 19. April 1560 verstarb Philipp Melanchthon nach einer kurzen Krankheit in Wittenberg.

1.3 Renaissance und Humanismus

Um den Drang nach Veränderungen in der Erziehung von Philipp Melanchthon besser verstehen zu können, muss man sich die Epoche des Renaissance – Humanismus genauer ansehen. Zu Beginn sollen deshalb die Begriffe Renaissance und Humanismus getrennt voneinander betrachtet werden.

Der Begriff Renaissance ist im allgemeinen Verständnis in Frankreich geprägt und in Umlauf gesetzt worden. Der Ursprung dieses Wortes liegt jedoch in Italien. Ausschlaggebend dafür war die Entwicklung der künstlerischen Malerei. Man war zu dieser Zeit der Meinung, dass das griechisch – römische Altertum die Blütezeit der Kunst war und in der Antike ihre absolute Vervollkommnung gefunden hatte. Doch im Mittelalter (seit Konstantin[6] und Silvester[7] ) begann der Zerfall dieser hervorragenden Kunst. Italien lebte in dieser Zeit von plumper und harter Malerei byzantinischer Künstler. Bis im 13. Jahrhundert eine Wende eintrat und zwei Florentiner Maler, Cimabue und Giotto, sich die alten griechischen Meister als Vorbild nahmen. Ihre Kunstwerke übertrafen die der Antike und so begann die ‚Wiedergeburt’ und Restauration der alten antiken Kunst. Aus ihr heraus entstanden später weitere Bewegungen, wie zum Beispiel die Vertiefung und Erregung des Seelenlebens, die Befreiung des Individuums, das Erwachen des Persönlichkeitsgefühls, die Wiederentdeckung der Natur, der realistische Kunststil und vieles mehr. Die ‚Wiedergeburt’ breitet sich auch schnell auf andere Künste und nicht nur in Malerei aus. Vielfach begann man mit den Studien antiker Autoren wie Livius, Vergil, Aristoteles. Man drängte wieder dazu, die nationale Größe Roms, deren Ehre, Anerkennung und Ruhm wiederherzustellen.[8]

[...]


[1] wie z.B. Günther Böhme, Klaus Petzold

[2] Die Tätigkeit eines Gelehrten wurde in dieser Zeit nicht als ein ordentlicher Beruf anerkannt, da nichts sichtbar Produktives geschaffen wurde. Deshalb wurden diese Gelehrten auch nur im geringen Maße oder gar nicht finanziell entlohnt.

[3] Melanchthon/ Schmidt (Hrsg): Glaube und Bildung. Texte zum christlichen Humanismus. Stuttgart 1997, S.4 ff

[4] (lat.: Epistolae obscurorum virorum) fingierte satirische Briefsammlung, dienten zur Unterstützung des Humanisten Johannes Reuchlin in dessen Streit mit den Kölnern Theologen, verspotten mittelalterliche Gelehrsamkeit, absichtlich in schlechten Latein geschrieben, 1. Teil von C. Rubianus 1515, 2. Teil von U. v. Hutten 1517

[5] entspricht der Beschreibungen mehrer Studenten, wie z.B. Johann Kessler 1523

[6] Konstantin der Große (280 – 337), römischer Kaiser (Caesar), wurde nach Siegen gegen Maxentius (312) im Westen und Licinius (324) im Osten Alleinherrscher im römischen Gesamtreich

[7] Papst Silvester I. (seit 314), angeblich Konstantin den Großen getauft, Tagesheiligen 31. Dezember

[8] vgl. Burdach, Konrad: Reformation-Renaissance-Humanismus. Zwei Abhandlungen über die Grundlage moderner Bildung und Sprachkunst. Darmstadt 1978, S. 4 ff

Details

Seiten
17
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638246972
ISBN (Buch)
9783638848084
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20964
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Allgemeine Pädagogik
Note
2,3
Schlagworte
Erziehungsziele Einfluss Humanismus Reformation Beispiel Philipp Melanchthon

Autor

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