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Die Bildung und Inhalte der nationalen Identität in der Alten Eidgenossenschaft

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die nationale Identität
2.1 Nationale Identität als Mischung aus politischen Ideen, Symbolen und staatlichen Angeboten der Identifikation
2.2 Die Alte Eidgenossenschaft und ihre nationale Identität

3. Aus einzelnen Orten wird ein Bund mit gemeinsamen Inhalten nationaler Identität
3.1 Vorgeschichte und Bundesschließung der drei ersten Eidgenossen
3.2 Die Mythen als besonderer Inhalt des National- bewusstseins
3.2.1 Bedeutung und Darstellung der Mythen
3.2.2 Bedeutung der Mythen und der Mythenfiguren für die nationale Identität
3.3 Weitere Faktoren der nationalen Identität
3.3.1 Festlichkeiten als Zeichen der eigenen Identität
3.3.2 Das Schweizerkreuz als Zeichen der Zusammen- gehörigkeit
3.3.3 Bauernideologie

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Arbeit sollte es auf jeden Fall um die Mythen der Schweizer Eidgenossenschaft und vor allem um die Auffassung der Mythen in der Alten Eidgenossenschaft gehen. Doch beschäftigt man sich isoliert mit den Mythen, insbesondere den wichtigsten Mythen und zwar die der Befreiungstradition, Wilhelm Tell und dem Rütlischwur, so gelangt man bald an einen Punkt, wo das Thema erschöpft ist. Die Mythen selbst und die Grundlage die zur Entstehung der Gründungsmythen beitrug, d.h. Bundesschluss und Abwehr gegen die Willkürherrschaft der Habsburger sind schnell zusammengefasst. Auch die Diskussion ob war oder erfunden, gibt nicht viel her, da dies eine Kontroverse ist, die bis heute auch von vielen Forschern und Historikern nicht diskutiert wird. Natürlich kann man die Fakten gegenüberstellen und die Diskussion fortsetzten, doch würde ich alleine und in der begrenzten Zeit kaum zu einem Ergebnis kommen. Denn dies ist eine Kontroverse die schon seit vielen Jahren von namhaften Forschern diskutiert wird. So habe ich mir die Frage gestellt, wieso die Mythen überhaupt an solcher Bedeutung gewonnen haben. Denn in vielen Ländern gibt es Nationalmythen, doch dringen diese nicht auf diese enorme Weise in das politische Bewusstsein der Menschen ein, wie es bei den Alten Eidgenossen der Fall war. Ich bin beim Lesen der entsprechenden Literatur in diesem Zusammenhang immer wieder auf die Begriffe nationale Identität und Nationalbewusstsein gestoßen und schnell wurde mir dabei klar, dass diese eben genannten Mythen für das Empfinden der Alten Eidgenossen stand und auch bis heute immer noch im Empfinden der Schweizer vorhanden sind. Es fiel mir beim Lesen auch auf, dass die Alten Eidgenossen nicht nur die Mythen als Einzigartig ansahen, sondern dass sie auch in vielen anderen Punkten ein sehr stolzes Volk im Bezug auf ihre Eidgenossenschaft waren und sich durchaus von anderen Ländern der damaligen Zeit unterschieden haben und sich auch unterscheiden wollten. So wollte ich gerne der Frage nachgehen, welche Inhalte zum Nationalbewusstsein der Schweizer gehören, durch was sich der Eidgenosse zur damaligen Zeit mit der Alten Eidgenossenschaft identifiziert hat und vor allem voraus diese Identifikationsgegenstände entstanden sind. Ganz bewusst möchte ich dabei besonders ausführlich auf das Thema der Mythen eingehen. Zum einen sollte das Thema der Mythen schon zu Beginn meiner Arbeit einen Kern ausmachen und so wenig wie die Mythen isoliert betrachtet hergeben würden, so wichtig sind sie, wie bereits erwähnt, im Zusammenhang mit dem Nationalbewusstsein der Alten Eidgenossen.

Welches Augenmerk auf die Mythen und die nationale Identität der Alten Eidgenossenschaft gelegt wurde, zeigt die zahlreiche bisher erschienene Literatur und die Forschung, die ihr Augenmerk darauf gelegt hat. Ein Name auf welchen man in diesem Zusammenhang immer wieder stößt, ist der Name des Schweizer Historikers Ulrich Im Hof. Zahlreiche Bücher zum Thema Alte Eidgenossenschaft, Mythen und nationale Identität hat er herausgebracht. Ebenso war er an einem nationalen Forschungsprogramm der Schweiz zum Thema „Kulturelle Vielfalt und nationale Identität“ beteiligt.

Ausgehend von der Literatur Ulrich Im Hofs und weiter Literatur zu diesem Thema beginnt meine Arbeit mit einer Darstellung, was nationale Identität bedeutet und was sie im speziellen in der Alten Eidgenossenschaft bedeutete. Wie bereits erwähnt, nehmen die Mythen einen großen Teil der Arbeit ein, weil sie einfach der bedeutendste Teil im nationalen Bewusstsein der Alten Eidgenossen waren und aus der Entstehung der Alten Eidgenossenschaft hervorgegangen sind. Zuletzt möchte ich auf weitere „Faktoren“ eingehen, die auch aufzeigen, wie die Alten Eidgenossen ihr Nationalbewusstsein gemeinsam dargestellt und auch gelebt haben.

2. Die nationale Identität

2.1 Nationale Identität als Mischung aus politischen Ideen, Symbolen und staatlichen Angeboten der Identifikation

Unter nationaler Identität versteht man das Zugehörigkeitsgefühl einer einzelnen Person zu einer Nation.[1] Fühlt sich ein Mensch einer Nation zugehörig, so stimmen seine Vorstellungen von einer gültigen Nation mit den Vorstellungen, des Territoriums, welchem er sich zugehörig fühlt, überein. Der Mensch identifiziert sich mit der Nation, es herrscht ein Zugehörigkeits- oder auch Heimatgefühl. Synonym zur nationalen Identität kann der Begriff Nationalbewusstsein verwendet werden.

Doch was macht die Nation aus, damit sich einzelne Menschen zugehörig fühlen? Welche Identifikationsangebote werden dem Menschen angeboten? So wie der menschliche Charakter aus verschiedenen Ebenen besteht und sich in unterschiedlicher Art und Weise ausdrückt, so ist dies auch bei einer Nation der Fall. So drückt sich der Staat auf einer ideologischen und einer symbolische Ebene aus und er bietet staatliche Identifikationsangebote mit welchen sich der Einzelne identifizieren kann. Auf der ideologischen Ebene ist von Bedeutung, wer im Staat offiziell Leben darf, also in die Staatsgemeinschaft aufgenommen wird und aus welchen Gründen Jemand ausgeschlossen werden kann, ob eine Homogenität[2] zwischen den Bürgern herrschen und welche Eigenschaften der einzelne Bürger überhaupt haben soll und ob der Staat als Ganzes ein Ziel verfolgt. Auf der symbolischen Ebene sind, wie der Name schon sagt, Inhalte mit Symbolcharakter von Bedeutung. Dies können beispielsweise der Name einer Nation sein, woher dieser kommt und wie er entstanden ist oder mythologische Erzählungen über die Geschichte einer Nation. Die staatlichen Angebote stehen meist stellvertretend für nationalistische Gefühle und können in Form von Flaggen, Hymnen, Münzen oder Uniformen auftreten um nur ein paar wenige dieser Angebote zu nennen.[3] Sie helfen auch, den Staat nach Außen hin zu repräsentieren.

2.2 Die Alte Eidgenossenschaftund ihre nationale Identität

Die nationale Identität war vor allem bei den Alten Eidgenossen von großer Bedeutung,[4] da sie die Entwicklung zu der Gemeinschaft, wie sie dann insbesondere ab 1513[5] bestand, sowie ihre Gemeinschaft selbst als etwas Besonderes sahen. Die Alten Eidgenossen hatten ein sehr ausgeprägtes Nationalbewusstsein, welches in vielfältiger Weise dargestellt wurde. Vor allem die Mythen, welche sich aus der Geschichte des Zusammenschlusses entwickelten, wurden als etwas Einzigartiges betrachtet und mit Stolz erzählt. Sie wurden „zu einer Quelle politischer Kraft des Volkes“[6] Ob die Mythen tatsächlich war sind oder sich aus vielen Erzählungen in der Phantasie der Menschen entwickelt haben, soll im Folgenden nicht hinterfragt werden. Eindeutig ist, dass diese Mythen von den Alten Eidgenossen angenommen wurden und diese, den Stolz auf ihre Gemeinschaft unterstützen.[7] Neben den Mythen, welche mit Sicherheit einen Hauptbestandteil im Nationalbewusstsein der Alten Eidgenossen einnahm, wenn es darum ging, sich mit ihrem Staat zu identifizieren, gab es viele weitere Bestandteile welche für den Nationalstolz der alten Eidgenossen stehen[8].

[...]


[1] Mit Nation ist ein Territorium gemeint, in welchem ein politisches Konzept besteht, durch welches das Zusammenleben der Einzelnen geregelt ist. Vgl. Jansen, Christian; Borggräfe, Henning: Nation, Nationalität, Nationalismus. Historische Einführungen, Frankfurt/Main, 2007, Seite 10.

[2] Mit Homogenität ist eine Gleichheit zwischen den einzelnen Bürgern in einem Staate gemeint z.B. hinsichtlich der Sprache, der Konfession oder dem Aussehen.

[3] Jansen, Christian; Borggräfe, Henning: Nation, Nationalität, Nationalismus. Historische Einführungen, Frankfurt/Main, 2007, Seite 18-19.

[4] Als Alte Eidgenossenschaft wird die Schweizer Eidgenossenschaft bezeichnet wie sie vom ersten Bündnis 1291 bis zum Beginn der Helvetischen Republik 1798 bestanden hat.

[5] Im Jahr 1513 bestand die Alte Eidgenossenschaft aus dreizehn Orten, welche sich im Laufe der Jahre angeschlossen haben, sowie aus den zugewandten Orten und den gemeinen Herrschaften. Dieses Bündnis bestand bis zum Beginn der Helvetischen Republik

[6] Dürrenmatt Peter: Schweizer Geschichte. Von der Urgeschichte bis zur Gegenwart, Zürich, 1976, Seite 96, linke Spalte.

[7] Ebd. Seite 96

[8] Siehe Kapitel 3.3.1. – 3.3.3

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656374237
ISBN (Buch)
9783656703402
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v209723
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
Provinzen Kantone Reichskreise Alte Eidgenossenschaft Schweiz Nationale Identität Schiedsgerichtsbarkeit Willhelm Tell

Autor

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