Lade Inhalt...

Motivation in der offenen Jugendarbeit

Seminararbeit 1991 16 Seiten

Zusammenfassung

Offene Jugendarbeit ist im Unterschied zur verbandlichen mit der Problematik konfrontiert, daß der Besuch ihrer Freizeitstätten zwar einen hohen Grad an Freiwilligkeit aufweist, jedoch die Aktivierung von Eigentätigkeit, die für pädagogische Arbeit notwendig ist, durch die gegebene Unverbindlichkeit erschwert wird.
Die Frage, ob in der offenen Jugendarbeit Bedingungen für die Motivation Jugendlicher geschaffen werden und somit auch Sozialisationsprozesse in Gang gesetzt werden können, ist mitentscheidend für die politische Bewertung. Eine Förderung der entsprechenden Einrichtungen oder ihre Verlagerung in den verbandlichen Bereich sind von einer solchen Bewertung abhängig.
Ziel dieser Arbeit ist es, zum einen Schwierigkeiten bei der Motivation Jugendlicher aufzuzeigen und zum anderen Bedingungen und Verfahren zu untersuchen, die eine Motivierung ermöglichen.

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in das Thema

2. Merkmale offener Jugendarbeit
2.1 Aspekte der pädagogischen Arbeit
2.2 Unverbindlichkeit im Freizeitheim
2.3 Ausgangssituation und Erwartungshaltung der Besucher

3. Motivierung
3.1 Überbrückung von Unverbindlichkeit
3.2 Interessenorientierung der Angebote
3.3 Interessenverstärkung bis zur Eigentätigkeit

4. Bewertung

Literaturverzeichnis

1. Einführung in das Thema

Der Beweggrund für diese Arbeit besteht in der öffent­lichen Diskussion um die Aufgabenbereiche der offenen Ju­gendarbeit in der BRD und ihre Möglichkeiten, diese wahr­zunehmen. Strittig ist, ob und inwieweit städtische Frei­zeitheime mit einer prinzipiellen Einhaltung von Offenheit in der Lage sind, pädagogischen Einfluß auf Jugendliche auszuüben, oder ob sie nur die Funktion der sinnvollen Freizeitgestaltung erfüllen können. Besitzt diese Form der Jugendarbeit also erzieherische und sozialisatorische Wir­kung, oder dient sie nur dazu, durch ein großes Freizeitangebot die Aktivitäten Jugendlicher von „der Straße“ in städtische Räume und unter die Aufsicht von Pädagogen zu verlagern? Letztere Funktion wird angesichts steigender Jugendkriminalität häufig von Eltern genannt; eine Ein­schätzung, die jedoch wohl eher der Angst vor negativen, außerhäuslichen Einflüssen auf die Kinder entspringt und nicht dazu angetan ist, das Engagement der Kinder in Jugendeinrichtungen zu unterstützen.[1]

Offene Jugendarbeit ist im Unterschied zur verbandlichen mit der Problematik konfrontiert, daß der Besuch ihrer Freizeitstätten zwar einen hohen Grad an Freiwilligkeit aufweist, jedoch die Aktivierung von Eigentätigkeit, die für pädagogische Arbeit notwendig ist, durch die gegebene Unverbindlichkeit erschwert wird.

Die Frage, ob in der offenen Jugendarbeit Bedingungen für die Motivation Jugendlicher geschaffen werden, und somit auch Sozialisationsprozesse in Gang gesetzt werden können, ist mitentscheidend für die politische Bewertung. Eine Förderung der entsprechenden Einrichtungen oder ihre Ver­lagerung in den verbandlichen Bereich sind von einer sol­chen Bewertung abhängig.

Ziel dieser Arbeit ist es, zum einen Schwierigkeiten bei der Motivation Jugendlicher aufzuzeigen und zum anderen Bedingungen und Verfahren zu untersuchen, die eine Motivie­rung ermöglichen. Dabei soll bedacht werden, daß Un­verbindlichkeit überwunden und Eigentätigkeit aktiviert werden muß, um pädagogische Einflußnahme zu erreichen. Hierzu sollen zunächst einige Überlegungen zu pädago­gischer Arbeit und ihren Aufgaben angestellt werden, denen eine Definition von Jugendarbeit zugrunde liegt. An­schließend werden Probleme bei der Motivierung dargestellt, die sich aus der Ausgangssituation im Freizeitheim und der Erwartungshaltung der Jugendlichen ergeben. Danach steht im Hauptteil der Versuch an, Ansätze zur Lösung des Moti­vierungsproblems zu beschreiben, was die Beschäftigung mit der Frage beinhaltet, wie Verbindlichkeit geschaffen werden kann. Eine zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse bildet den Abschluß.

Die Arbeit stützt sich überwiegend auf Ausführungen Klemens Peterhoffs,[2] die dank seiner mehrjährigen Tätigkeit in der Münchner Jugendarbeit einen fundierten Bezug zur Praxis zu besitzen scheinen.[3]

2. Merkmale offener Jugendarbeit

2.1 Aspekte der pädagogischen Arbeit

Nach einer Definition, die in dem dieser Arbeit voraus­gegangenen Seminar gegeben wurde, ist „Jugendarbeit Frei­willigkeit und Eigentätigkeit in Auseinandersetzung mit der Gesellschaft“.[4]

Die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft bezieht sich auf zwei für die Entwicklung des Heranwachsenden grund­legende Komponenten. Zum ersten auf die Erziehung des Ju­gendlichen als ein „Hineinziehen“ in die konventionellen gesellschaftlichen Strukturen, und zweitens auf die Ab­grenzung des Jugendlichen von diesen Strukturen als eine Form der Neuorientierung. Beide Aspekte sind bei der Ent­wicklung wichtig und haben einander zu ergänzen: Eine gewisse Anpassung junger Generationen an gegebene Werte und Normen ist erforderlich, um einen Erhalt der Gesellschaft zu gewährleisten. Ohne Neuorientierung verkäme Gesellschaft jedoch zu einem starren Schematismus und würde nicht die Möglichkeit zu erneuernden, eventuell verbessernden Pro­zessen in sich tragen.

Um sich gemäß dieser Komponenten zu entwickeln, sind bestimmte Lernprozesse der Jugendlichen notwendig.[5] Lern­prozesse, die ihnen Klarheit über sich selbst und ihre Vor­stellungswelt mit ihren Werten und Interessen verschaffen. Aber auch Lernprozesse hinsichtlich der Erwartungen, die andere an sie herantragen, und der Vorstellungen, wie eigene und Erwartungen von außen miteinander in Einklang gebracht werden können. Kommunikation und Erfahrungen mit anderen können entscheidende Hilfen für eine Identifikation mit bestimmten Vorstellungen - und somit für das Erlangen von Identität - bieten. Der Pädagoge hat die Aufgabe, die Jugendlichen dabei zu unterstützen, sich ihrer eigenen Interessen und Bedürfnisse klar zu werden. Weiterhin muß er sie gezielt motivieren, ihre den pädagogischen Zielsetzun­gen entgegenkommenden Interessen in eigentätige Aktivitä­ten umzusetzen, damit die geforderten Lernprozesse er­möglicht werden. Eigenständigkeit und Mündigkeit bilden letztlich das Ziel pädagogischer Arbeit.

[...]


[1] Vgl. Peterhoff: Motivationale Lernprozesse. S. 8

[2] Vgl. Peterhoff: Motivationale Lernprozesse.

[3] Ebd. S. 1-2.

[4] Proseminar: Methoden und Formen außerschulischer Jugendarbeit. Leitung: Dr. Albert Wunsch. Universität Düsseldorf. WS 1990/91.

[5] Vgl. Peterhoff: Motivationale Lernprozesse. S.27.

Details

Seiten
16
Jahr
1991
ISBN (eBook)
9783656376361
ISBN (Paperback)
9783656377313
DOI
10.3239/9783656376361
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Erziehungswissenschaftliches Institut
Erscheinungsdatum
2013 (Februar)
Schlagworte
motivierung jugendarbeit

Autor

Zurück

Titel: Motivation in der offenen Jugendarbeit