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Rohstoffinvestments. Einfluss der Rohstoffspekulation auf die Lebensmittelpreise und den weltweiten Hunger

Bachelorarbeit 2012 45 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einleitung und Problemstellung

2 Der Rohstoffhandel
2.1 Historie
2.2 Einteilung der Rohstoffe
2.3 Agrarrohstoffe

3 Rohstoffe am Kapitalmarkt
3.1 Kassamarkt
3.2 Terminmarkt
3.2.1 Forwards
3.2.2 Futures
3.2.3 Optionen
3.3 Rohstoffbörsen
3.4 Marktteilnehmer

4 Möglichkeiten der Rohstoffinvestition
4.1 Commodity Futures
4.2 Aktien
4.3 Indizes
4.4 Zertifikate
4.5 Exchange Traded Products

5 Chancen und Risiken von Rohstoffinvestments

6 Rohstoffspekulation und die Nahrungsmittelpreise

7 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassifizierung der Rohstoffe

Abbildung 2: Agrarrohstoffe und ihre wichtigsten Terminbörsen

Abbildung 3: Korrelation der Renditen eines Rohstoff- und Aktienindexes

Abbildung 4: Weizenpreise im Finanzmarktfieber

Abbildung 5: Zusammenhang von spekulativem Geldzufluss und Preissteigerungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einleitung und Problemstellung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den zahlreichen Möglichkeiten der Rohstoffinvestition und inwieweit die Spekulation Einfluss auf die Rohstoffpreise hat und somit Mitschuld am wachsenden Hunger in der Welt trägt.

Aufgrund des Rohstoffbooms in den letzten Jahren wurden immer mehr Instrumente entwickelt, um es nicht nur Großinvestoren, sondern auch privaten Anlegern zu ermöglichen, an der Rohstoffhausse teilzunehmen. Seit 2000 ist der Zulauf an die Rohstoffbörsen ungebremst, abgesehen von einem kurzen Einbruch aufgrund der Finanzkrise im Jahr 2008. Dass der Commodity Markt einen solch regen Zulauf erhält, hängt vor allem mit der Deregulierung der Rohstoffmärkte sowie dem Platzen der Dotcom-Blase zusammen. Durch den Einbruch des Aktienmarktes suchten Anleger Alternativen und fanden sie in den Rohstoffinvestments. Aufgrund der niedrigen Zinsen, die man bei den Banken bekam, lockten die Commodity Börsen mit hohen Renditen und einem Inflationsschutz.

Durch den extremen Zulauf an die Börsen und bei „over-the-counter“-Geschäften wuchs die Zahl der Spekulanten an den Warenterminmärkten rasant. Während viele Investoren aufgrund des sehr komplexen Marktes ihr gesamtes Geld verlieren, profitieren die Banken und Börsen in riesigem Ausmaß. Die steigende Volatilität an den Märkten nützt vor allem diesen zwei Gruppen, da sie höhere Gebühren und Sicherheitsleistungen veranschlagen können.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird untersucht, ob es wirklich die Spekulanten sind, die die Preise in die Höhe treiben, oder ob diese nur als Sündenbock für Preisspitzen herhalten müssen. Sind die zunehmende Unsicherheit und die starken Preisschwankungen auf die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage zurückzuführen, oder trägt doch der enorme Kapitalzufluss durch die Spekulanten dazu bei?

Es gilt zu hinterfragen, ob der weltweite Hunger durch die Spekulation mit Rohstoffen, vor allem mit Agrarrohstoffen und Öl, angeheizt wird, oder doch die Fundamentaldaten für höhere Preise verantwortlich sind.

2 Der Rohstoffhandel

2.1 Historie

Der Handel mit Rohstoffen ist wahrscheinlich fast so alt wie die Menschheit selbst. Ganze Epochen wurden nach Rohstoffen benannt, die damals von zentraler Bedeutung für die Menschen waren: Beginnend mit der Kupferzeit, gefolgt von der Bronze- und der darauf folgenden Eisenzeit.

Dokumentiert sind auch Termingeschäfte im antiken Griechenland, bei denen Bauern ihre Olivenernte auf Termin veräußerten, oder der Terminhandel von Weizen im alten Rom.[1]

Im Jahr 1570 wurde in Großbritannien aufgrund des regen Handels die erste Warenterminbörse der Welt gegründet, die sogenannte „Royal Exchange“. An ihr wurden vor allem Lebensmittel, Metalle und Hölzer gehandelt.

Nach der Tulpenmanie in Holland Mitte des 17. Jahrhunderts, bei der mancher Haus und Hof verpfändet hatte, nur um an der Spekulation mit Tulpenzwiebeln teilzunehmen, kühlte das Interesse an Warenterminbörsen merklich ab. Der Zusammenbruch des Tulpenhandels im Jahr 1637 führte zum ersten Börsen-Crash in der Geschichte.

Erst Mitte des 19.Jahrhunderts wurden die Vorteile von Warentermingeschäften wiederentdeckt. In Chicago, einem der Hauptanbaugebiete von Getreide, fiel die Weizenernte so hervorragend aus, dass die Landwirte dafür nicht genügend Lagerhäuser hatten und die Preise somit ins Bodenlose fielen. Als die Weizenernte vorbei war und mit der Zeit der Bestand immer geringer wurde, profitierten nicht die Bauern, sondern die Lagerhausbesitzer von den steigenden Preisen. Um ebenfalls von den höheren Preisen profitieren zu können, beschlossen die Landwirte, durch ein den heutigen Futures-Kontrakten ähnliches System den Weizenpreis das ganze Jahr hindurch zu handeln, wodurch es den Farmern möglich war, den noch relativ hohen Preis für ihre Verkäufe per Termin zu nutzen.[2] Somit entstand im Jahr 1848 die Chicago Board of Trade (CBOT), mit deren Gründung zur Standardisierung von Warentermingeschäften, zu einem transparenteren Handel und einem leichteren Marktzugang beigetragen wurde. Vor allem durch das Kapital der Spekulanten war ausreichend Liquidität vorhanden, um den jederzeitigen Kauf oder Verkauf von Waren zu garantieren.[3] Ende der 60er Jahre kam es durch den massenhaften Weizenimport der Sowjetunion zu einer regelrechten Rohstoffhausse, die erst im Jahre 1982 wieder in eine Baisse überging. Der Handel mit Rohstoffen erfreut sich heute wieder größter Beliebtheit. Besonders das rasante Wachstum Chinas und der damit einhergehende exponentielle Anstieg der Metall- und Agrarimporte trug zum Aufschwung der Rohstoffinvestitionen bei. Erst durch den Untergang der Bank Lehman Brothers und der dadurch ausgelösten Finanzkrise kam es wieder zu einer Abkühlung an den Rohstoffmärkten. Im Jahr 2012 fragen sich viele, ob die Rohstoff-Hausse nun endgültig vorbei ist, oder das aktuelle Marktniveau den perfekten Einstiegszeitpunkt darstellt. Auf der einen Seite sinkt durch die noch immer stagnierende bzw. schwache Wirtschaftslage die Nachfrage nach Rohstoffen, auf der anderen Seite bieten vor allem Edelmetalle eine Möglichkeit, sich gegen die Geldinflation abzusichern.

2.2 Einteilung der Rohstoffe

Den Begriff Rohstoff bzw. Commodity genau abzugrenzen, erweist sich als schwierig. Grundsätzlich versteht man darunter natürliche, noch unbehandelte Ressourcen, die in der Natur gefördert werden, um anschließend direkt konsumiert zu werden oder um als Ausgangsmaterialien zur weiteren Verarbeitung zu dienen. Rohstoffe lassen sich prinzipiell in Soft- und Hard Commodities einteilen. Während Soft-Commodities stetig nachwachsen, sind die Vorkommen und Abbaumöglichkeiten von Hard-Commodities endlich.

Nachstehende Abbildung zeigt demgemäß die weitere Aufteilung der Rohstoffe und listet jene Güter auf, die für die Börse von zentraler Bedeutung sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Klassifizierung der Rohstoffe[4]

2.3 Agrarrohstoffe

Da im weiteren Verlauf dieser Arbeit besonders die Spekulation mit Agrarrohstoffen im Vordergrund steht, wird in diesem Abschnitt hauptsächlich auf die bedeutendsten agrarischen Produkte eingegangen, welche an den Warenterminbörsen gehandelt werden. Da die Rohölpreise sich erheblich auf die Lebensmittelpreise niederschlagen, werden auch diese kurz erörtert.

Rohöl

Energierohstoffen wird an den Weltmärkten die höchste Bedeutung beigemessen. Aus diesem Grund machen sie auch in den Indizes das größte Gewicht aus. Die bekanntesten Sorten neben dem amerikanischen WTI (West Texas Intermediate) Öl sind das Light Sweet Crude Oil, welches an der NYMEX notiert, und das Brent Crude Oil, welches an der ICE gehandelt wird. Die Kontraktgröße beläuft sich bei beiden Varianten auf 1.000 Barrel und notiert in US Dollar je Barrel. Der NYMEX Light Sweet Crude Future ist der meistgehandelte Rohstoffkontrakt der Welt. Die wichtigste Liefersorte hierbei ist das zuvor erwähnte, hochwertige WTI Öl. Der Kontrakt wird wegen seiner hohen Liquidität von vielen Marktteilnehmern beim Risikomanagement und als Absicherung eingesetzt.[5]

Weizen

Weizen ist noch vor Mais der wichtigste landwirtschaftliche Rohstoff. Von zentraler Rolle sind der Soft Red Winter Wheat oder Chicago-Weizen und der Hard Red Winter Wheat oder Kansas-Weizen, wobei sich die Angabe „Winter“ auf den Zeitpunkt der Aussaat bezieht, während „hard“ bzw. „soft“ die klimatischen Bedingungen kennzeichnen,

unter denen die Pflanzen gezogen werden.[6] Jährlich werden um die 630 Millionen Tonnen Weizen produziert, die vornehmlich zur Lebensmittelproduktion verwendet werden. Weiters dient er als Futtermittel in der Viehwirtschaft und gewinnt durch die hohen Rohölpreise immer mehr Bedeutung bei der Herstellung von Biokraftstoffen. Die Weizen-Kontrakte notieren sowohl an der CBOT als auch am KCBT (Kansas City Board of Trade) in US-Cent je Scheffel („bushel“), wobei 1 bushel 27,2155 kg Weizen entspricht.

Mais

Mais gehört zu den wichtigsten Agrarprodukten der Welt und der Mais-Future ist einer der am stärksten gehandelten Rohstoff-Kontrakte überhaupt.[7] Die weltweite Mais-Produktion beträgt jährlich ca. 700 Millionen Tonnen. In Industrieländern werden 2/3 der Ernte als Futtermittel verwendet, in Schwellenländern dient Mais hauptsächlich als Nahrungsmittel. Wie Weizen eignet sich auch Mais zur Erzeugung von Biokraftstoffen wie z.B. Ethanol. In den USA wurde 2009 bereits ein Drittel der Maisproduktion zur Herstellung von Ethanol verwendet.[8] Die täglichen Preisschwankungen beim Handel mit Mais sind nach oben und unten mit einem Limit von 20 US-Cent versehen.[9]

Mais-Kontrakte notieren in US-Cent je Scheffel, wobei ein bushel 25,4012 kg entspricht.

Sojabohnen

Obwohl die weltweite Nachfrage nach Sojabohnen über der von Mais und Weizen liegt, werden jährlich nur ca. 220 Mio. Tonnen produziert. Der Nachfrageboom ergibt sich zunächst durch die steigende Nutzung von Sojabohnen als Futtermittel, aber vor allem durch die Verwendung zur Herstellung von Biokraftstoffen. In Chicago werden vorwiegend so genannte GMO (Genetically Modified Organism)-Sojabohnen gehandelt, die aus genetisch verändertem Saatgut gezogen wurden.[10]

Reis

Trotz seiner Bedeutung als eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel ist der organisierte Terminhandel mit Reis im Vergleich zu Weizen oder Mais unbedeutend und wenig liquide.[11]

Zucker

Der Anbau von Zuckerrohr erfolgt in tropischen und subtropischen Regionen der Erde, wobei Brasilien mit 16% der weltweiten Herstellung der bedeutendste Zuckerproduzent ist. In Brasilien wird die Hälfte der Ernte für die Produktion von Biotreibstoff verwendet.[12] Die globale Ethanol-Produktion stützt sich zu über 60% auf Zucker.[13]

Kaffee

Kaffee ist für die meisten Menschen kaum mehr wegzudenken und auch an den Warenterminbörsen wird eifrig mit Kaffeebohnen gehandelt. Die wichtigsten Sorten sind hierbei die europäische Arabica, welche ausschließlich an der New York Board of Trade (NYBOT) gehandelt wird, und die asiatische Robusta.

Lebendrind

Als Lebendrind wird an den Warenterminbörsen ein schlachtreifes Rind bezeichnet. Beim Börsenhandel mit Lebendrind sollte man seine Aufmerksamkeit neben Tierkrankheiten auch stets auf die Entwicklungen bei den Mastrindern richten, da ein Mangel an Mastrindern sich im weiteren Verlauf auch auf die Preise bei Lebendrind auswirken wird.

3 Rohstoffe am Kapitalmarkt

Der Rohstoffhandel erfolgt am Kapitalmarkt, auf dem langfristige Finanztitel gehandelt werden. Der Handel mit Rohstoffen erfolgt hierbei entweder am Kassamarkt, auch Spot-Market genannt, oder am Terminmarkt. Die entscheidendere Rolle bei Geschäften und Investitionen in Rohstoffe spielt jedoch der Terminmarkt. Aufgrund dessen werden im Folgenden die wichtigsten Terminmarktgeschäfte näher erläutert.

3.1 Kassamarkt

Der Kassamarkt dient dem physischen Erwerb eines Gutes zum aktuellen Kassakurs. Der Kassakurs oder Spot-Price bezeichnet den heute für einen sofortigen Kauf beziehungsweise Verkauf gültigen Preis.[14] Unmittelbar nach der Abwicklung des Geschäftes erfolgten dann die Lieferung, Abnahme und Bezahlung. Die maximale Frist für die Lieferung und Bezahlung liegt bei zwei Tagen. Diese individuellen Vereinbarungen zwischen Käufer und Verkäufer werden nicht über die Börse, sondern Over-the-counter abgewickelt. Aufgrund der fehlenden Standardisierung birgt der Kassamarkt jedoch erhebliche Risiken und ist deshalb für Investoren kaum interessant.

3.2 Terminmarkt

Der Terminmarkt, das Gegenstück zum Kassamarkt, bietet den Vorteil, dass bei Abschluss des Geschäftes zwar der Preis fixiert wird, jedoch noch keine Leistung von den Vertragspartnern erfolgen muss. Termingeschäfte beziehen sich auf Wertpapiere, Währungen, Rohstoffe oder andere Finanzinstrumente. Sie werden entweder über die Börse oder außerbörslich gehandelt. Hierbei wird grundsätzlich zwischen bedingten und unbedingten Termingeschäften unterschieden. Bei unbedingten Geschäften ist man zum Kauf bzw. zur Lieferung vom vorher vereinbarten Gut zum vorher vereinbarten Zeitpunkt verpflichtet. Hierzu zählen Forwards und Futures.

Eine Option, wie der Name sagt, gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, die Option auszuüben und einen Future-Kontrakt, zu einem vorher vereinbarten Preis, zu erwerben.[15] Somit handelt es sich bei der Option um ein bedingtes Termingeschäft.

3.2.1 Forwards

Ein Forward-Kontrakt bestimmt heute, zu welchen Konditionen man Assets oder Waren zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft kauft oder verkauft.[16] Der Käufer nimmt die Long-Position ein, der Verkäufer die Short-Position. Es handelt sich hierbei um ein unbedingtes, außerbörsliches Termingeschäft, das „Over-the-counter“ abgewickelt wird. Das bedeutet, dass Forward-Kontrakte private, nicht standardisierte Verträge zwischen zwei Finanzinstitutionen oder zwischen einer Finanzinstitution und einem Geschäftskunden sind.[17]

Während die meisten Futures-Kontrakte vor dem Fälligkeitstermin glattgestellt werden, führen die meisten Forwardkontrakte zur Lieferung des materiellen Gutes oder der Schlussabrechnung per Kasse.[18] Forwardkontrakte beinhalten das Risiko, dass einer der Vertragspartner zum vereinbarten Liefertermin nicht zahlen bzw. nicht liefern kann.

3.2.2 Futures

„Rohstoffhandel“ und „Futures-Handel“ sind im Prinzip dasselbe.[19]

Im Gegensatz zu Forwards werden Futures an der Börse gehandelt. Ein Future-Kontrakt ist das gegenseitige Versprechen von Käufer und Verkäufer, zu einem bestimmten Preis, zu einem vereinbarten Zeitpunkt, eine festgelegte Menge einer bestimmten Ware in einer fixierten Qualität zu liefern (Verkäufer) oder abzunehmen (Käufer).[20] Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Commodity Futures, auch als Warentermingeschäfte bezeichnet, die sich auf Rohstoffe beziehen und Financial Futures, deren Handelsobjekt verschiedene Finanztitel sind.

Futures sind standardisierte Verträge, bei denen verbindliche Vereinbarungen hinsichtlich des Underlyings (Basiswert des dem Future zugrunde liegenden Vermögenswertes), der Kontraktgröße, der Liefervereinbarung, des Liefermonats, des Preises und der Qualität vereinbart werden. Besonders beim Handel mit Rohstoffen ist es wichtig, diese Vereinbarungen im Vorhinein zu treffen, um die richtige Qualität eines Produktes zu erhalten, oder um hohe Transport- oder Lagerkosten zu vermeiden.

Geht ein Investor von steigenden Kursen aus und möchte er von dem vermeintlichen Preisanstieg durch den Kauf von Futures profitieren, muss er zunächst seinen Broker kontaktieren. Der Broker wickelt den Kauf ab und fordert von seinem Investor einen gewissen Geldbetrag, der auf ein separates Konto eingezahlt wird. Dieser Betrag wird auch Margin oder Einschuss genannt und dient der Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit des Investors. Die erste Einzahlung auf dieses Konto wird auch als Initial Margin bezeichnet, wobei die Höhe je nach Kontrakt von der Börse vorgegeben wird. Bei einem Kontrakt handelt es sich um die kleinste handelbare Einheit eines Gutes.

Am Ende eines jeden Börsentages wird das Marginkonto angepasst, um den Gewinn oder Verlust des Investors wiederzugeben.[21] Hierbei handelt es sich um die Bewertungsmethode des Marking to Market. Sinkt der Future-Preis, führt das bei einer Long-Position zur Verringerung des Margin-Kontos. Durch den sogenannten Margin-Call wird sichergestellt, dass der Betrag des Margin-Kontos nie unter eine vorgegebene Mindesteinschussgrenze sinkt. Der Margin-Call bedeutet für den Investor den notwendigen Nachschuss von Kapital.

Das Clearing-House tritt an der Börse als Intermediär auf, der garantiert, dass beide Vertragsparteien ihren Verpflichtungen nachkommen und die jeweilige Transaktion durchführen. Das Clearing-House stellt die Lieferung aller Kontrakte an der Börse sicher und hand

Im Zusammenhang mit Futures ist das „Glattstellen“ von wesentlicher Bedeutung. Da die meisten Investoren nicht an der tatsächlichen Lieferung der Ware interessiert sind, werden sie ihre Position vor dem vereinbarten Liefertermin glattstellen. Bei der Glattstellung nimmt der Investor die entgegengesetzte Position zu seiner ursprünglichen ein, um die Positionen zu saldieren. So wird eine ursprüngliche Long-Position durch eine später eingegangene Short-Position mit identischen Kontraktspezifikationen automatisch egalisiert, eben glattgestellt.[22] Durch diesen Vorgang ist es möglich, an Rohstoffmärkten zu spekulieren, ohne jemals die Waren tatsächlich physisch zu erhalten. Dies ist vor allem bei agrarischen Rohstoffen von Bedeutung, da diese meist verderblich sind und die Lagerhaltung hohe Kosten verursachen würde.

3.2.3 Optionen

Optionen werden entweder an der Börse oder Over-the-counter gehandelt. Es handelt sich hierbei ebenfalls um standardisierte Verträge. Eine Option gibt dem Käufer das Recht, durch Ausübung derselben eine bestimmte Menge einer Ware zu einem festgelegten Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.[23] Somit berechtigt eine Option den Optionskäufer, eine bestimmte Menge eines bestimmten Gutes (Basiswert, Basisobjekt), zu einem festgelegten Preis (Ausübungspreis), zu einem festgelegten zukünftigen Zeitpunkt zu erwerben (Call-Option) bzw. zu veräußern (Put-Option).[24] Die festgelegte Menge wird wieder in Kontrakten angegeben, deren Größe je nach underlying variiert.

Der Unterschied zwischen einem Future und einer Option liegt darin, dass bei der Option ein Wahlrecht für den Käufer hinsichtlich der Ausübung besteht. Der Stillhalter hingegen ist bei Ausübung des Rechtes durch den Käufer verpflichtet, die Ware zu liefern oder abzunehmen. Hierfür erhält der Stillhalter (Verkäufer) eine Optionsprämie, die seinen maximalen Gewinn darstellt.

[...]


[1] Vgl. Dennin (2010), S. 14.

[2] Vgl. Siebers (1996), S. 8.

[3] Vgl. Siebers (1996), S. 9.

[4] Vgl. http://www.boerse.de/grundlagen/rohstoffe/Rohstoff-Klassifizierung|, abgerufen am 19 11.09.2012.

[5] Goldman-Sachs (2006), S.14.

[6] Vgl. http://gs-newsletter.aps-web.de/Rohstoff_Kompass.pdf, S.20, abgerufen am 12.09.2012.

[7] Vgl. Commerzbank (2010), S.409.

[8] Vgl. Commerzbank (2010), S.409.

[9] Vgl. http://www.rohstoff-welt.de/basiswissen/mais-corn.php, abgerufen am 12.09.2012.

[10] Vgl. http://gs-newsletter.aps-web.de/Rohstoff_Kompass.pdf, S.24, abgerufen am 12.09.2012.

[11] Vgl. Dennin (2010), S.143.

[12] Vgl. Dennin (2010), S.158.

[13] Vgl. http://www.rohstoff-welt.de/basiswissen/zucker-sugar.php, abgerufen am 12.09.2012.

[14] Vgl. Spremann, Gantenbein (2005), S. 206.

[15] Vgl. Blank, Carter, Schmiesing (1991), S. 18.

[16] Vgl. McDonald (2006), S.21.

[17] Vgl. Hull (2001), S. 55.

[18] Vgl. Hull (2001), S. 55.

[19] Rogers (2005), S. 88.

[20] Vgl. Siebers (1996), S. 17

[21] Vgl. Hull (2001), S.33.

[22] Vgl. Uszczapowski (1999), S. 197.

[23] Vgl. Siebers (1996), S. 52.

[24] Vgl. Rudolph, Schäfer (2005), S.19.

Details

Seiten
45
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656378792
ISBN (Buch)
9783656379232
Dateigröße
863 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210066
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Institut für Finanzwirtschaft
Note
1
Schlagworte
rohstoffinvestments- einfluss rohstoffspekulation lebensmittelpreise hunger

Autor

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Titel: Rohstoffinvestments. Einfluss der Rohstoffspekulation auf die Lebensmittelpreise und den weltweiten Hunger