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Das Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche nach Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils

Hausarbeit 2012 12 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Die römisch-katholische Kirche zwischen Dogma, Demut und Demokratie

2. Die Kirche im Heilsplan Gottes
2.1 Die biblische Verankerung
2.2 Die katholische Kirche in der Bildersprache der Bibel
2.3 Die katholische Kirche als Ebenbild der Kirche Gottes

3. Die Rolle des Gottesvolkes

4. Kirchliche Ämter
4.1 Der Papst
4.2 Die Bischöfe
4.3 Die Priester
4.4 Die Diakone

5. Die Laien

6. Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der Kirche

7. Die Orden

8. Endzeitlicher Charakter und Einheit mit der himmlischen Kirche

9. Die Gottesmutter
9.1 Maria als Geschenk Gottes
9.2 Maria als Mutter Jesu und der Kirche

10. Verdiente Theologen

11. Die Entwicklung der katholischen Kirche nach dem 2. Vatikanum
11.1 Die Beziehung zu den Juden und den Ostkirchen
11.2 Laien als Mitarbeiter
11.3 Orden und Klerus
11.4 Ökumene und Weltmission
11.5 Katholische Kirche und Staat

12. Ausblick: Ermutigung und Enttäuschung

Literaturangaben

1. Einleitung: Die römisch-katholische Kirche zwischen Dogma, Demut und Demokratie

Im Zweiten Vatikanum präsentiert sich die römisch-katholische Kirche neu. Sie stellt Christus wieder in das Zentrum des Glaubens. Mit der Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium (lat. für “Christus ist das Licht der Völker“) vom 21.11.1964 entwirft sie zum ersten Mal ein Gesamtbild ihrer Herkunft, ihrer Struktur und ihrer Aufgaben. Sie tritt ein in einen theologischen Dialog mit christlichen und nichtchristlichen Kirchen. Ihre Aussagen zum “Gottesvolk” verdeutlichen, dass die Dienste aller Christen in der Kirche maßgeblich sind.

Thema dieser Arbeit ist die Darstellung des Selbstbildes der römisch-katholischen Kirche, wie es das Zweite Vatikanische Konzil erarbeitet und für wahr hält.

Grundlage ist die Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, die alle für das Zweite Vatikanum wichtigen Aussagen enthält. In den acht Kapiteln mit seinen 69 Artikeln behandelt das Zweite Vatikanum die Grundlagen christlichen Glaubens, beschreibt das kirchliche Leben und behandelt Ordnungsprinzipien. Hierbei beschränkt sie sich auf allgemeine Vorgaben und beschäftigt sich in jedem Kapitel mit bestimmten Einzelthemen. Das erste Kapitel erarbeitet zum Beispiel das Unterthema “Glauben”.

In dieser Arbeit werden in Abschnitt 1 bis 9 die wichtigsten Aussagen des 2. Vatikanums vorgestellt. Wesentliche Selbstaussagen zu Identität, Ursprung, Hierarchie und Ämtern werden ebenso behandelt wie die Stellung der Laien, der Orden und der Gottesmutter.

In Abschnitt 10 erfolgt eine kurze Vorstellung namhafter Mitarbeiter des 2. Vatikanums. In Abschnitt 11 wird angeschnitten, wie sich die römisch-katholische Kirche nach dem 2. Vatikanum entwickelt. Im Ausblick erfolgt eine Bewertung der gewonnenen Ergebnisse.

2. Die Kirche im Heilsplan Gottes

Die römisch-katholische Kirche sieht Jesus Christus als Zentrum der Kirche ( Lumen Gentium 5)[1]. Aus göttlicher Vorherbestimmung entsteht sie (LG 2). Gottes Reich beginnt mit ihr (LG 5). Ihren Auftrag, das Wort Gottes allen Völkern dieser Welt zu verkünden (LG 5), möchte sie liebevoll und demütig ausführen (LG 5). Hierbei ist zu beachten, dass die katholische Kirche den Plan Gottes für die Welt nicht in allen Einzelheiten kennt. Schon der Apostel Paulus weiß um die Unmöglichkeit, Gottes Wege auszuforschen (Vgl. Röm.11, 33-36).

Die römisch-katholische Kirche sieht sich als Wahrzeichen und Werkzeug Gottes (LG 1) . Wahrzeichen deshalb, weil sie ein Zeichen für die Vereinigung mit Gott ist. Als Werkzeug Gottes, da er mit ihrer Hilfe Einheit unter den Menschen schafft (LG 1). Jesu Worte, seine Handlungen und seine Person sind ihr Vorbild (LG 1). Gottes Liebe zu den Menschen zu bringen erkennt sie als ihr Wesen und ihren Sinn. Dies kann als konkreter Aufruf zum Handeln begriffen werden, wobei dieser Aufruf an Kleriker und Laien geht. So kämpft sie zum Beispiel für Religionsfreiheit, da diese der Würde des Menschen entspricht (LG 36, 116). Auch das Eintreten für Arme, Kranke und Benachteiligte bedeutet ein Anerkennen der Würde, die jeder Mensch vor Gott hat (LG 1).

2.1 Die biblische Verankerung

Ihre Glaubenswurzeln stammen aus dem Judentum (LG 2). Danach schloss Gott durch Jesus Christus einen neuartigen Bund mit der Menschheit (LG 2). Durch die Nennung im Text als “ältere Brüder” erfahren die Juden eine gewollte Aufwertung seitens der römisch-katholischen Kirche. Sie lehnt jede Judenfeindlichkeit ab, denn Gott verteilt seine Gaben ohne Reue (Vgl. Röm.11, 28-29).

Das Geheimnis Jesu Christie feiert die katholische Kirche in der Eucharistie. In ihr und durch sie erfüllt sich für sie die Errettung der Menschen immer neu und ist Symbol für die Einheit aller Christen (LG 3). Papst Johannes Paul II. sieht darin die Kirche verwirklicht: >>Diese Begegnung und Einheit, deren Urbild die Einheit der Apostel um Christus beim Letzten Abendmahl ist, formt und verwirklicht die Kirche << (Johannes Paul II. 1980: 4).

Durch den Heiligen Geist wächst die Kirche (LG 4). Ihre innere und äußere Einheit sieht sie als Symbol der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist (LG 4) .

2.2 Die katholische Kirche in der Bildersprache der Bibel

Die katholische Kirche definiert sich wesentlich aus einer biblischen Bildersprache. Bildhafte Beschreibungen von Kirche als ”Gottes Bauwerk” (Vgl. 1. Kor.3, 9) erreichen die Menschen. Der Filmemacher Udo Wallraf bestätigt das. Er sieht auch einen Zusammenhang zwischen den Bildern in der Bibel und europäischer Kultur: >>Die Darstellung der Bilder in der Bibel [ … ] hat das Kulturschaffen im europäischen Raum mitbegründet und prägt es nach wie vor, nicht selten auch unterschwellig<< (Wallraf 2001).

2.3 Die katholische Kirche als Ebenbild der Kirche Gottes

Die katholische Kirche definiert sich als real existierendes Abbild der Kirche Gottes. Sie verfolgt das Ziel, Gottes Kirche in unserer Welt herzustellen (LG 8, 12-13). Da Jesus Christus auf Erden die sichtbare Kirche gründet und er Gott und Mensch zugleich ist, sieht sich die römisch-katholische Kirche als sein Abbild (LG 8, 10) und erhebt den Anspruch, die wahre Kirche Christi zu sein. Sie erkennt jedoch an, dass auch andere Kirchen und Religionen Bestandteile der Heiligung und Wahrheit besitzen (LG 8, 14). Diese Einsicht öffnet sie für den Dialog mit anderen, auch nichtchristlichen Kirchen.

Heute akzeptiert die katholische Kirche ihre Unvollkommenheit (LG 8,13). Die Theologin Johanna Rahmer erkennt einen Zusammenhang zwischen Unvollkommenheit und Wiederbelebung der Kirche: >>Aber alle Erneuerung hängt davon ab, ob wir Mut zur Wahrheit haben - ob wir unsere eigene Unvollkommenheit eingestehen, und die Unvollkommenheit der Kirche auch<< ( Rahmer 2012: 1).

3. Die Rolle des Gottesvolkes

Als Ergebnis göttlichen Handeln entsteht das Gottesvolk. Zu ihm sind nach Konzilsmeinung alle Menschen gerufen (LG 13). Gott möchte die Menschen als ein Volk retten (LG 9). Wie oben aufgeführt, wird Israel als das erste Volk Gottes genannt, dann folgen Juden und Heiden ( LG 9). Neu ist die Betonung des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen, das bedeutet , dass alle Mitglieder der Kirche die gleiche Würde besitzen (LG 10). Durch diese Aussage sind glaubende Menschen mehr als Persönlichkeiten geachtet und weniger als

Empfänger kirchlicher Belehrungen.

Das noch unfertige Volk Gottes geht seinen zeitlichen Weg der Vollendung mit Gott entgegen (LG 6 + 8) und benötigt deshalb eine Organisation, die Aufgaben, Rechte und Pflichten jedes einzelnen Gläubigen festlegt (LG 18).

[...]


[1] Nachfolgend wird „Lumen Gentium“ mit „LG“ abgekürzt.

Details

Seiten
12
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656378372
ISBN (Buch)
9783656380962
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210092
Note
2,3
Schlagworte
selbstverständnis kirche aussagen zweiten vatikanischen konzils Aufbruch Hoffnung

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