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Soziale Ungleichheit und Bildung in Talcott Parsons "Die Schulklasse als soziales System"

Übertragbarkeit in das heutige Schulsystem der BRD

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Talcott Parsons
2.1 Handlungstheorie
2.2 Systemtheorie
2.3 Strukturfunktionalismus

3. Die Schulklasse als soziales System

4. Bezug zum und Vergleich mit dem heutigen Schulsystem in der BRD

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Talcott Parsons (1902- 1979) gilt als einflussreichster Soziologe der Vereinigten Staaten von Amerika, vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die 1960er Jahre (Münch 2004: 42). In seinem Aufsatz "Die Schulklasse als soziales System: Einige Funktionen in der amerikanischen Gesellschaft (1959)" beschäftigt er sich im Wesentlichen mit zwei Probleme, zum einen will er ergründen unter welchen Voraussetzungen die Schulklasse den "Schülern die Bereitschaft und Fähigkeit zur erfolgreichen Erfüllung ihrer späteren Erwachsenenrolle" (1987: 103) vermitteln kann. Zum anderen geht es um die Verteilung der "menschlichen Ressourcen innerhalb der Rollenstruktur der Erwachsenengesellschaft" (1987: 103). Im Rahmen meines Studiengangs Berufspädagogik im Gesundheitswesen beschäftigt mich die Thematik, wie die Lehrtätigkeit gelingen kann. Welche Faktoren beeinflussen das Verhalten der Schüler[1], aber auch der Lehrer? In einer aktuellen Debatte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Benachteiligte Jungen- übermächtige Frauen?" (2011) wird der hohe Frauenanteil unter Grundschullehrern diskutiert. Bereits Parsons hat dies in seinem Aufsatz thematisiert (1987). Dies motiviert mich, die Aspekte des Schulsystems 1959 nach Parsons in den USA, auf das heutige Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland zu beziehen. Einleitend folgen einige biografische Daten Parsons und die von ihm entwickelten Theorien, welche zum besseren Verständnis seiner Arbeit beitragen.

2. Talcott Parsons

Parsons wurde 1902 in Colorado Springs, Colorado, USA, geboren. Im Jahre 1924 schließt er sein Studium in Massachusetts mit dem Bachelor of Arts ab. Daraufhin folgen zwei Jahre in Europa. Zu Beginn an der London School of Economics und anschließend an der Universität Heidelberg, an der er sich mit den Werken von Max Weber (1864- 1920) vertraut macht (Münch 2004: 41). Von Émile Durkheim (1858- 1917) und Max Weber beeinflusst, welche sich primär mit gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzen, fokussiert Parsons die Stabilität von Gesellschaftssystemen (Baumgart 1997: 81).

2.1 Handlungstheorie

In seinem Werk "The Structure of Social Action" verknüpft Parsons das theoretische Wissen von Alfred Marshall (1842- 1924), Vilfredo Pareto (1848- 1923), Émile Durkheim und Max Weber, und entwickelt daraus seine eigene Handlungstheorie. Aus der Synthese von Positivismus und Idealismus begibt er sich in den Voluntarismus (Münch 2004: 42- 43).

Im Voluntarismus beabsichtigt das handelnde Individuum, seine eigenen Wünsche, Interessen und Bedürfnisse zu erfüllen. Für die Beständigkeit der Gesellschaft ist der Erhalt der Werte und Normen essentiell. Das Individuum erlernt und verinnerlicht diese gesellschaftlichen Werte und Normen und richtet seine Handlungen danach aus. Folglich geht systemkonformes Verhalten gemeinsam mit der Befriedigung des Individuums einher (Baumgart 1997: 82).

2.2 Systemtheorie

In Zusammenarbeit mit Edward Shils (1910- 1995) entwickelt er die Theorie von Handlungssystemen. Handlungen werden situativ an kulturellen, sozialen oder physikalischen Objekten orientiert. Menschliches Handeln spiegelt sich in drei Subsystemen wider: dem Persönlichkeitssystem, dem sozialen und dem kulturellen System. Jedes System grenzt sich von seiner Umwelt ab und ist daran interessiert als System bestehen zu bleiben (Münch 2004: 56).

In das Persönlichkeitssystem fließen zwei Aspekte zusammen. Das Bedürfnis der Menschen einzigartig im Vergleich miteinander zu sein und eine stabile Persönlichkeit zu formen. Zusätzlich wird die Persönlichkeit durch erlernte Werte, Normen und der Erfüllung der Rollenerwartung beeinflusst (ebd.: 57-58).

Im sozialen System werden die sozialen Interaktionen betont. Ein Handelnder erwartet, dass sein Gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise reagiert und umgekehrt. Die Handlung gestaltet sich an den Erwartungen des Gegenübers (ebd.: 56- 57).

Das Kultursystem umfasst die gesellschaftlichen Werte. Damit sind neben der Sprache, die Literatur und die Kunst aber auch Baulichkeiten wie Theater, Supermärkte und Schulen gemeint (ebd.: 58- 59).

Die genannten Systeme sind nicht unabhängig zu betrachten. Sie stehen in ständigem Bezug zueinander und werden voneinander geprägt. Keines bekommt eine höhere Position zugeschrieben (Kaesler 1999: 33- 35). Des Weiteren werden Handlungen an folgenden fünf Dimensionen orientiert: Den sogenannten Orientierungsalternativen "pattern variables" (Münch 2004: 64) .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Tabelle 1 vgl. Münch 2004: 64)

Selbstorientiertes Handeln richtet die Entscheidungen auf die individuellen Bedürfnisse, wohingegen die Kollektivitätsorientierung die gemeinschaftlichen Normen und Erwartungen widerspiegelt (ebd.: 65).

Spezifische, im Verhältnis zu diffusen Handlungssituationen, enthalten klare Strukturen und bestimmte Rollen. So ist das Verhältnis zwischen Dozent und Student zunächst spezifisch, welches sich mit der Freundschaft des Dozenten zum Studenten zu einem diffusen Verhältnis differenziert (ebd.: 66).

Die Handlungen können eher sachlich (Affektive Neutralität) oder von Gefühlen und Empfindungen geleitet sein (Affektivität) (ebd.: 66- 67).

Der Partikularismus orientiert sich eher an den Neigungen Einzelner. So fragt eine Mutter nicht nach der Mitschuld ihres weinenden Kindes, sondern ergreift dessen Partei. Geht das weinende Kind hingegen zum Direktor der Schule wird die Frage nach der Gerechtigkeit hinterfragt. Somit ist die universalistische Orientierung an allgemeinen Maßstäben festgelegt (ebd.: 67).

[...]


[1] Im vorliegenden Text wird durchgängig die männliche Form benutzt. Im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes sind diese Bezeichnungen als nicht geschlechtsspezifisch zu betrachten.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656383352
ISBN (Buch)
9783656387251
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210124
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
2,0
Schlagworte
soziale ungleichheit bildung talcott parsons schulklasse system übertragbarkeit schulsystem

Autor

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Titel: Soziale Ungleichheit und Bildung in Talcott Parsons "Die Schulklasse als soziales System"