Lade Inhalt...

Matrimonium - Patrimonium. Vermögensrechtliche Aspekte der römischen Ehe

Seminararbeit 2012 12 Seiten

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstantins historische Wurzeln

3. Das „lanificium“ als Korrektiv der Sittlichkeit römischer Frauen

4. Betrachtung der erlassenen Kaisergesetze im Bezug auf den Ehebruch

5. Betrachtung des erlassenen Kaisergesetzes im Bezug auf die Ehescheidung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Seminararbeit werde ich mich mit den Sanktionen des Ehebruchs, sowie der Scheidungsgesetzgebung in der Spätantike, so die moderne Bezeichnung dieser Übergangsepoche von der Antike zum Mittelalter, und den damit verwobenen Sitten- und Moralvorstellungen Konstantins des Großen (270/288 n. Chr. - 337 n. Chr.) auseinandersetzen.

Die Abstammung Konstantins, sowie die abgefassten Kaisergesetze im Corpus Iuris Civilis und im Codex Theodosianus werden uns wertvolle Aufschlüsse über die Denk- und Sichtweise des Mitbegründers der konstantinischen Kaiserdynastie gewinnen lassen.

Zeitlich wird die Herrschaftszeit dieses römischen Kaisers (306 n. Chr. - 337 n. Chr.) in jene des Dominats eingeordnet. Wir befinden uns hier in der so genannten postklassischen Periode (285 n. Chr. - 565 n. Chr.)

Der Begriff des Dominats wurden vom deutschen Historiker Theodor Mommsen in der althistorischen Forschung geprägt. Er definiert es als Zwangsstaat mit dominantem Herrscher. Auch geht auf ihn die Unterscheidung zwischen später Kaiserzeit einerseits und der frühen und hohen Kaiserzeit, dem Prinzipat, andererseits zurück.

Der Literaturnobelpreisträger Mommsen vertrat die Meinung, dass sich der römische Kaiser vom princeps, dem ersten Bürger des Staates, zum Herrn des Staates, dem dominus, aufgeschwungen habe. Somit habe sich, so Mommsen, das spätrömische Reich immer mehr in einen orientalischen Zwangsstaat verwandelt.

Kritiker wenden ein, dass der Terminus dominus und das damit verbundene Phänomen bereits wesentlich früher auftrat, etwa unter Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.)

Abgesehen davon wird der Terminus des Zwangsstaates von einigen Geschichtswissenschaftlern als historisch nicht begründbar bezeichnet. Fakt ist, dass das Heer (magister militium), der Hof, die Verwaltung und die Kirche zusammen die Geschicke des römischen Reiches zur Zeit der Spätantike lenkten.

Historiker betonen, dass die Einwirkung dieser Institutionen weniger als Zeichen der Dominanz des Herrschers, sondern eher als Signal der Unterminierung der Alleinherrschaft ausgelegt werden kann. Wie oben gezeigt, sah Mommsen das anders.

Die genaue zeitliche Abgrenzung dieser Epoche ist unter Experten umstritten, letztlich aber durch die Zeitangabe der Geburt und des Todes der entsprechenden Herrscher für das Thema selbst irrelevant. Der Beginn der Spätantike kann wohl mit dem Regierungsantritt des römischen Kaisers Diocletian 284 n. Chr. angenommen werden.

Auch das Ende dieser Epoche steht im wissenschaftlichen Diskurs. Es kann jedoch gesagt werden, dass die Spätantike im Westen des römischen Reiches mit dem Zerfall Westroms und der Absetzung des letzten Kaiser Romulus Augustulus durch den weströmischen Offizier Odoaker endet. Im Osten des Reiches wird das Ende der Spätantike entweder mit dem Tod des oströmischen Kaisers Iustinian 565 n. Chr. oder mit der arabischen Expansion im 7. Jahrhundert definiert.

2. Konstantins historische Wurzeln

Um das von Kaiser Konstantin vertretene Meinungsbild von Sitte und Moral besser nachvollziehen zu können, ist es unumgänglich, die historischen Hintergründe etwas näher zu beleuchten. Die Einstellung Konstantins kann nämlich durchaus als eine historisch gewachsene, und somit mit den erlassenen Kaisergesetzen eng umwobene bezeichnet werden.

Flavius Valerius Constantinus wurde an einem 27. Februar nach 280 n. Chr. in Naissus, dem heutigen Niš in Serbien, gegen Ende der Epoche des Prinzipats, also der frühen und hohen Kaiserzeit, als außerehelicher Sohn des Constantius Chlorus und der Helena, einer Gastwirtin, bestenfalls concubina[1], geboren.

Dem Konkubinat begegnen wird verstärkt seit den Augusteischen Ehe- und Sittegesetzen. Es handelt sich hierbei um eine Verbindung mit einer Frau (concubina), mit der, unter Anderem auf Grund des Standesunterschiedes, keine rechtsgültige Ehe eingegangen werden kann. Auch kann es sich um eine Gemeinschaft handeln, bei der die Partner keine Eheabsicht hegen.[2]

Auch Konstantin zeugte einen vorehelichen Sohn, Crispus, mit der Konkubine Mamertina. Im April des Jahres 326 n. Chr., Konstantin herrschte zu dieser Zeit nicht mehr bloß im Westen des Reiches, sondern bereits unumschränkt allein, ertappte er diesen bei unerlaubtem Geschlechtsverkehr mit seiner Ehefrau Fausta. Kaiser Konstantin verfügte daraufhin die Exekution seines damals 21-jährigen Sohnes bei Aquileia ohne jeglichen formalen Prozess. Auch Fausta lässt er, als sie mit einem Kurier erwischt wird, „in zartem bis zartestem Alter“, im überhitzten Bad verschmachten.[3]

Um die Thematik des Ehebruchs einzugrenzen, sei erwähnt, dass ca. 18 vor Chr. mit der „lex iulia de adulteriis“ der Ehebruch zum ersten Mal in den Bereich der öffentlichen Verbrechen gezogen wurde. Die Einführung zweier neuer ständiger Gerichtshöfe für das Verbrechen des Ehebruchs geht auf Augustus zurück.[4]

Die brutalen und unmenschlichen, aber doch von sehr emotionalem Ton getragenen Bestimmungen zum Sexualstrafrecht (Ehebruch und Scheidung, Entführung, Verbindungen mit eigenen Sklaven und Konkubinen), können wie zuvor bereits erwähnt, als Ausfluss dieser Erlebnisse, welche den

Kaiser zu prägen schienen, verstanden werden. Auch wird sich zeigen, dass der Kaiser in anderen Gesetzen nicht derart kaltblütig zu reagieren, sondern sogar, ob sachlich oder unsachlich sei später erläutert, zu differenzieren schien.

Diese Kaisergesetze, auf die nachfolgend noch näher eingegangen werden wird, müssen jedoch stets auch im Hinblick auf seine Mutter Helena betrachtet werden. Denn die Wurzeln Helenas als caupona-stabularia, also als eine in einer einem Stall angeschlossenen Schenke arbeitende Frau, wie es uns von Ambrosius überliefert wurde, sollen noch Jahrzehnte nach Konstantins Tod Schaden an seiner Reputation verursacht haben. So sind uns Dokumente überliefert, welche den Versuch Iulians , dem Neffen Konstantins, belegen die einfache Herkunft Helenas mit der einer Prostituierten gleichzusetzen, und somit die Legitimation Konstantins als Kaiser in Abrede zu stellen.

3. Das „lanificium“ als Korrektiv der Sittlichkeit römischer Frauen

Frauen, die eine derartige Vergangenheit aufwiesen, wie eben auch Konstantins Mutter und andere uns überlieferte Frauen[5], erfuhren soziale Ächtung innerhalb der Gesellschaft und der Rechtsordnung. Entsprachen sie doch so gar nicht dem im Epitaph zu Ehren der Allia Potestas (CIL 6,37965) geprägten Rollen- und Sittenbild der musterhaften „Hausfrau“, bei der die Wolle nie aufhörte aus den Händen zu fließen, sodass diese Schwielen trug.

Das „lanificium“ ist somit als Korrektiv der Sittlichkeit, als gewünschtes Idealbild für die römische Frau zu verstehen.

Einschlägige Kommentare der Rechtswissenschaft im Prinzipat belegen, dass sich Rechtsgelehrte und Rechtsexperten dieser Annahme der Unmoral anschlossen. Vor allen Dingen der Beruf der Kellnerin in einer öffentlichen Gaststätte wurde dem einer unterprivilegierten und im debilen Bereich angesiedelten Frau gleichgesetzt. Der Ausdruck „debil“ wird hier benutzt, da aus der Literatur zu entnehmen ist, dass diese Schicht der Frauen sogar als zu „blöd“ angesehen wurde, um überhaupt schuld- und somit straffähig zu sein.

Auch die Rechtsordnung der Spätantike war von dieser Vorstellung durchdrungen. Wie die Betrachtung der Gesetzesstellen zeigen wird, hat sich diese Ansicht weit über 200 Jahre in den Köpfen der Menschen und somit auch in den Gesetzen gehalten.

4. Betrachtung der erlassenen Kaisergesetze im Bezug auf den Ehebruch

Sowohl im Codex Iuris Civilis als auch im Codex Theodosianus finden sich Kaisergesetze, welche Sittlichkeitsnormen im Bezug auf die entsprechenden Ränge innerhalb der Bürgerschaft im Rahmen der Schuld- und Strafbarkeit des Ehebruchs erkennen lassen.

Besonders ins Auge sticht dabei jenes 326 n. Chr. erlassene Gesetz, mit welchem Konstantin vielleicht gegen die vorherrschende Meinung ankämpfte, und somit die Ehrbarkeit Helenas über jeden Zweifel zu erhob.

CTh. 9,7,1

Imp. Constantinus a. Africano v. c.

Quae adulterium commisit, utrum domina cauponae an ministra fuerit, requiri debebit, et ita obsequio famulata servili, ut plerumque ipsa intemperantiae vina praebuerit; ut, si domina tabernae fuerit, non sit a vinculis iuris excepta, si vero potantibus ministerium praebuit, pro vilitate eius, quae in reatum deducitur, accusatione exclusa, liberi, qui accusantur, abscedant, quum ab his feminis pudicitiae ratio requiratur, quae iuris nexibus detinentur, hae autem immunes a iudiciaria severitate praestentur, quas vilitas vitae dignas legum observatione non credidit.

[...]


[1] Zitat bei Benjamin, Conrad, Constantinus (Nr. 2), RE 4/1 (1900), 1014; vgl. Seeck, Otto, Helena (Nr. 2), RE 7/2 (1912) 2820-2822; Ders „Geschichte des Untergangs der antiken Welt, 1, Darmstadt 1966 (=Stuttgart 1921),47; Consolino, Franca Ela, Helena Augusta: From Inkeeper to Empress, in: Fraschetti, Roman Women, 141-159. 225-227 (mit Literaturangaben).

[2] Höbenreich, E. (2010), Nichts leichter als Frau: Das Gewicht des römischen Rechts. In I. Fischer, Geschlechterverhältnisse und Macht. Lebensformen in der Zeit des frühen Christentums (S. 66). Wien.

[3] Liebs, Detlev, Unverhohlene Brutalität in den Gesetzen der ersten christlichen Kaiser, in: Behrends, Okko - Diesselhorst, Malte - Voss, Wulf Eckart, Hg., Römisches Recht in der europäischen Tradition. Symposion aus Anlaß des 75. Geburtstages von F. Wieacker, Ebelsbach 1985, 98-99; Quellen bei Benjamin, Constantinus, 1021; siehe noch Seeek, Otto, Geschichte des Untergangs der antiken Welt, 3, Darmstadt 1966 (=Stuttgart 1921), 429-430.

[4] Vgl B. Santalucia, Verbrechen und ihre Verfolgung im alten Rom.

[5] Rotloff, Lebensbilder Römischer Frauen: Kulturgeschichte der Antiken Welt, Zabern 2006.

Details

Seiten
12
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656379447
ISBN (Buch)
9783656382096
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210174
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Römisches Recht
Note
1
Schlagworte
Römisches Recht Matrimonium Patrimonium Römische Ehe Römisches Eherecht Konstantin lanificium Codex Theodosianus Corpus Iuris Civilis Dominat

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Matrimonium - Patrimonium. Vermögensrechtliche Aspekte der römischen Ehe