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Der Einfluss der Nachrichtenagenturen auf die Berichterstattung der Printmedien

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ausgangssituation in Deutschland
2.1 Die bestehende Konkurrenzsituation der Nachrichtenagenturen
2.2 Die Monopolstellung der „Deutschen Presseagentur“

3. Die Verwendung von Agenturmaterial
in den Printmedien
3.1 Gründe für unkritische Rückgriffe auf Agenturmaterial
3.2 Agenda-Setting-Effekte der Nachrichtenagenturen
3.3 Nachrichtenagenturen als Gatekeeper

4. Zusammenfassende Darstellung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Mediennutzer ist jeder von uns täglich einem stetigen Nachrichtenfluss ausgesetzt, dessen Informationen wir bewusst oder unbewusst rezipieren und verarbeiten. Egal ob beim aktiven Konsum einer Tageszeitung oder dem passiven Mithören von Nachrichten im Auto – der Strom an Informationen wirkt beständig auf uns ein. Die Einflüsse, die die verschiedenen Medien auf uns haben, prägen unsere Meinungen und Ansichten entscheidend. Jedoch stellt sich hier nicht nur die Frage, wie und auf welche Weise die Medien auf uns einwirken. Es ist auch von besonderem Interesse, woher die verwendeten Informationen überhaupt stammen und wer darüber entscheidet, was eigentlich in der Öffentlichkeit thematisiert wird.

Hierbei lohnt es sich den Weg einer Nachricht in den Printmedien zurückzuverfolgen und die einzelnen Schritte detailliert zu analysieren. Bevor eine Information den Rezipienten einer Tageszeitung erreicht, wird sie von Journalisten recherchiert und aufbereitet, wobei diese sich unterschiedlicher Quellen bedienen. Neben Informanten und eigener Recherche greifen Redakteure in besonderem Maße auf Materialien und Beiträge zurück, die von Nachrichtenagenturen bereitgestellt wurden. Natürlich erleichtert die Nutzung von Agenturmaterial das journalistische Arbeiten erheblich, da der einzelne Akteur so auf übersichtliche Art und Weise auf eine große Menge solide recherchierter Informationen zugreifen kann.

Jedoch darf dabei eine freie und gründliche Zusatzrecherche nicht vernachlässigt werden, da ein Journalist stets die verschiedenen Blickwinkel und Meinungsbilder eines Themas beleuchten sollte. Aus diesen Gründen ist es empfehlenswert auch das Angebot und Material von Nachrichtenagenturen immer einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Folgende Fragestellung sollte niemals außer Acht gelassen werden: Inwiefern beeinflussen die Nachrichtenagenturen die Berichterstattung?

Im Rahmen dieser Arbeit wird vor dem Hintergrund einschlägiger empirischer Studien aufgezeigt, wie stark die Berichterstattung der deutschen Printmedien durch die Nachrichtenagenturen geprägt ist. Da die Redakteure der Nachrichtenagenturen „grundsätzlich am Muster der ,Objektiven Berichterstattung‘ fest[halten]“ (Weischenberg 2001: 35), ist der Begriff „Beeinflussung“ hier im weiteren Verlauf nicht als Unterstellung einer Manipulation, sondern als eher unbewusste und indirekte Einwirkung auf das deutsche Mediensystem zu verstehen. Nach einem kurzen Überblick über die besondere Konkurrenzsituation zwischen den Nachrichtenagenturen in Deutschland, wird erläutert aus welchen Gründen Journalisten auf Agenturmaterial zurückgreifen und welche Auswirkungen dieses Vorgehen mit sich bringt.

2. Die Ausgangssituation in Deutschland

Um zu verstehen, wer die Berichterstattung in deutschen Printmedien maßgeblich beeinflusst, ist zunächst zu klären, wie sich die Gruppe der Nachrichtenagenturen überhaupt zusammensetzt. Die hierbei bestehende Konkurrenzsituation auf dem innerdeutschen Informationsmarkt bestimmt logischerweise die Reichweite der Einflussnahme der einzelnen Agenturen. Sobald eine einzelne Agentur von deutlich mehr Journalisten abonniert wird, steigt auch die Wahrscheinlichkeit einer erhöhten Einflussnahme auf die Nachrichtensituation. Da grundsätzlich angenommen wird, dass die Agenturen auf das Mediensystem unterschiedlich einwirken, soll nun geklärt werden, welche der bestehenden Institutionen und Organisationen in welchem Ausmaß die Berichterstattung beeinflusst.

2.1 Die bestehende Konkurrenzsituation der Nachrichtenagenturen

Zurecht bezeichnet Jürgen Wilke den deutschen Markt als den am stärksten umkämpften Nachrichtenmarkt der Welt (vgl. Wilke 2007: 330). Neben der Deutschen Presse Agentur (dpa) konkurrieren die britische Agentur Reuters (rtr), die französische Agence France-Presse (AFP) und die deutsche dapd Nachrichtenagentur (dapd) um wertvolle Marktanteile. Letztere entstand aus der Zusammenlegung des deutschsprachigen Angebotes der amerikanischen Agentur Associated Press (AP) mit dem Deutschen Depeschendienst (ddp). Während die ausländischen Agenturen Reuters und AFP sich auf ein limitiertes deutschsprachiges Angebot beschränken, stellt die dapd seit 2011 die zweite Vollagentur Deutschlands dar (vgl. dapd – die nachrichtenagentur 2001). Ebenfalls erwähnenswert ist das Angebot der

sogenannten Spezialagenturen, welche sich auf relativ eng begrenzte Themengebiete festlegen. Hierzu zählen vor allem der Evangelische Pressedienst (epd) und die Katholische-Nachrichtenagentur (KNA), welche überwiegend auf kirchliche Themen spezialisiert sind, sowie der Sport-Informations-Dienst (SID).

Diese weltweit einzigartige Konkurrenzsituation resultiert vor allem aus diversen historischen und wirtschaftlichen Gründen, deren Nennung an dieser Stelle zu sehr in die Tiefe gehen würde (vgl. Pürer 2007: 29). Wichtig ist vor allem, dass sich „im Zuge der Digitalisierung, der Informationsverbreitung übers Internet und infolge der wirtschaftlichen Krise der Zeitungen und Zeitschriften“ (Pürer 2007: 29) das Nachrichtengeschäft, sowohl global als auch in Deutschland, deutlich verschärft hat. Stärker denn je konkurrieren die Nachrichtenagenturen nun um die entscheidenden Abonnements und Marktanteile. Für den Journalisten als Endkunden bietet sich hierdurch die Möglichkeit, das Angebot mehrerer Agenturen parallel zu nutzen und durch vergleichende Analyse des Materials und erhöhte Quellenvielfalt das Risiko einer Beeinflussung zu minimieren.

Dies erscheint insbesondere lohnenswert, wenn man den „sehr hohen Exklusivanteil bei dpa und ddp/adn“ (Rössler 2002: 170) in Betracht zieht. Laut einer Studie des Kommunikationswissenschaftlers Patrick Rössler überschneidet sich die Berichterstattung der verschiedenen Nachrichtenagenturen nur in sehr geringem Ausmaß, was auf eine hohe Informationsvielfalt schließen lässt. Allerdings muss hierbei in Betracht gezogen werden, dass diejenigen Themen, die alle Agenturen gleichermaßen aufgreifen, eher als allgemein relevant betrachtet werden und somit eine stärkere Gewichtung erfordern (Rössler 2002: 171). Bei den wichtigen und zentralen Themen besteht also eine höhere Gefahr der Überschneidung. Dennoch ist eine hohe Quellenvielfalt gewährleistet, da „mehr als die Hälfte der Tageszeitungen drei und mehr Agenturen beziehen“ (Wilke 2007: 332).

2.2 Die Monopolstellung der „Deutschen Presseagentur“

Besonders hervorzuheben ist auch die Monopolstellung, die die dpa auf dem deutschen Pressemarkt inne hat. Um eine einseitige Interessensbildung und politische Gefährdung auszuschließen, darf der Staat keine Anteile an der Agentur erwerben und kein Gesellschafter mehr als 1,5 Prozent des Stammkapitals besitzen (vgl. Meyn 2004: 198f.). Die Notwendigkeit dieser Maßnahme wird offensichtlich, wenn man berücksichtigt, dass mehr als 95% der deutschen Tageszeitungen die Dienste der dpa abonniert haben und täglich in Anspruch nehmen (vgl. Resing 2006: 245). Spricht man also von einer Beeinflussung der Berichterstattung durch Nachrichtenagenturen in Deutschland, so kann man in den meisten Fällen die dpa als Hauptverursacher betrachten, da sie die größte Reichweite besitzt. Insbesondere kleine, auflagenschwache Lokalzeitungen haben aufgrund des eingeschränkten finanziellen Spielraums häufig nur den Basisdienst der dpa abonniert. Sie stützen sich in der Berichterstattung des nationalen und internationalen Zeitgeschehens meist ausschließlich auf diese Quelle oder übernehmen die Agenturmeldungen direkt (vgl. Meyn 2004: 197). Unter den gegebenen Umständen ist also eindeutig eine Beeinflussung feststellbar, jedoch beschränkt sich diese auf Blätter mit geringen Auflagen und betrifft die Leitmedien im Printbereich höchstens geringfügig.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656379423
ISBN (Buch)
9783656381136
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210312
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Schlagworte
einfluss nachrichtenagenturen berichterstattung printmedien

Autor

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Titel: Der Einfluss der Nachrichtenagenturen auf die Berichterstattung der Printmedien