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Das Gedicht „An Anna Blume” von Kurt Schwitters als literarische Collage

Hausarbeit 2011 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Informationen über Kurt Schwitters

3 Inhaltliche Zusammenfassung

4 Merkmale einer Collage in der bildenden Kunst 4.1 Begriffserläuterung der „Collage”
4.2 Schwitters gründet „Merz”
4.3 Künstlerische Ziele
4.4 Analyse von Collagetechnik anhand von „Merzbild Einunddreißig“... 4.4.1 Prinzip der „Entformelung“
4.4.2 Prinzip der „Durchbildung”
4.4.3 Aufbau einer Collage in der „Merzkunst”
4.4.4 Weitere Charakteristika

5 Merkmale einer Collage in der Literatur. 5.1 Begrifflichkeit „Montage” und „Collage”
5.2 Das Prinzip des „Gesamtkunstwerkes”
5.3 Literarische Collagen
5.4 Analyse der Collagetechnik
5.4.1 Prinzip der „Entformelung“
5.4.2 „Durchbildung“ in abgeänderter Form

6 Merkmale einer Collage in dem Gedicht „An Anna Blume“
6.1 Grammatikalische Besonderheiten
6.1.1 Groß- und Kleinschreibung
6.1.2 Syntax
6.1.3 Wortgrammatik
6.2 Inhaltliche Besonderheiten
6.2.1 Bereich der Kochkunst
6.2.2 Tierreich
6.2.3 Farbenwelt
6.3 Gattungstheoretische Besonderheiten
6.3.1 Brief
6.3.2 Tagebucheintrag
6.3.3 Rätsel
6.3.4 Lied
6.4 Orthographische Besonderheiten
6.4.1 Kongruenz
6.4.2 Zusammengesetzte Wörter
6.5 Interpunktion
6.6 Verstheoretische Besonderheiten

7 Schlussfolgerung

Bibilografie

1. Einleitung

Kurt Schwitters, eine der „renommiertesten Künstler-Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts” (22), war der Begründer der sogenannten „Merzliteratur”, eine von ihm neu erschaffenene und so benannte Kunstrichtung. Er schockierte mit seinen Gedichten. Eines davon sorgte für beträchtliches Aufsehen unter der Bevölkerung. Schwitters gab ihm den Titel: „An Anna Blume“ (9, S. 27 f.). Dieses Gedicht wird von Thomas Phelps als „vollchromatisiertes Liebesgedicht“ (6, S. 1) beschrieben.

Nach der Veröffentlichung dieses Gedichtes im Jahre 1919 waren viele davon überzeugt, dass Kurt Schwitters nun vollkommen den Verstand verloren habe. Jedoch wird beim Analysieren schnell klar, dass dies ein Meisterwerk seiner Zeit ist, Spengemann beschreibt es sogar als ein „Zeitdokument“ (13, S. 5). Bei weiterem Recherchieren kann eine interessante Aussage zur künstlerischen Qualität des Werkes gefunden werden: „Die Wort-Collagen Schwitters’ wirkten und beeinflussten noch jüngste Dichter, z.B. Enzensberger, Heißenbüttel und Rühmkorf, wenn diese sie auch mit anderem Vorzeichen benützen“ (21). So beginnt man das Gedicht mit anderen Augen zu sehen. Bei genauerer Betrachtung tun sich zahlreiche Fragen auf: Was sind die Merkmale einer Collage? Gibt es Collagen in der Literatur? Gibt es Gemeinsamkeiten in Literaturcollagen und Collagen aus dem Bereich der Bildenden Kunst? Kann An „Anna Blume“ als literarische Collage bezeichnet werden? Diese Fragen sollen in dem folgenden Extended Essay analysiert werden.

In dem Aufsatz werden direkte und sinngemäße Referenzen zu anderen Werken, welche nummeriert sind, gemacht; diese können in der an das Ende gestellten Bibilographie nachgeschlagen werden.

2. Informationen über Kurt Schwitters

Kurt Schwitters gehört zu den bedeutsamsten Schriftstellern und Künstlern des 20. Jahrhunderts, welcher den Dadaismus stark durch seine Werke prägte und die „Merzliteratur“ begründete. Er war in der Kunst bereichsübergreifend tätig wie zum Beispiel als Lyriker, Theoretiker, aber auch als Aktionskünstler. Geboren wurde er am 20. Juni 1887 in Hannover als Sohn eines Geschäftsmannes. In seinen jungen Jahren wurde er als Einzelgänger beschrieben, stark leidend unter seinen häufigen Epilepsieanfällen. In den Jahren von 1908 bis 1914 besuchte Schwitters die Kunstgewerbeschule in Hannover. Wenig später siedelte er nach Dresden über, um dort eine Ausbildung an der Kunstakademie anzufangen, wo er Helma Fischer kennenlernte, welche er später heiratete. Zum Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Schwitters zum Kriegsdienst eingezogen, wodurch er seine Laufbahn als Künstler und Schriftsteller zunächst nicht einschlagen konnte. Nach dem Ende des Krieges begann er seine ersten Collagen zu schreiben und gründete in Hannover seine eigene

„Dada-Einrichtigung“. Ein Jahr später, 1919, veröffentlichte er seine erste Gedichtsammlung mit dem Namen „An Anna Blume”, die Schwitters bekannt machte. Daraufhin reiste er durch Deutschland und die U.S.A., wobei er Kontakte mit Tristan Tzara, Hans Arp und anderen bekannten Schriftstellern knüpfte. Im Jahr 1932 gab er die Zeitschrift „Merz” heraus, zudem nahm er aktiv in verschiedenen Gruppen wie „Cercle et Carré", „Abstraction-Création", aber auch „die abstrakten Hannover" teil. Es gelang Schwitters in den 1930er Jahren internationale Erfolge mit seiner Merzserie zu erlangen. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten als „entarteter” Künstler eingestuft und erhielt Veröffentlichungs- und Ausstellungsverbot. Dies führte dazu, dass er sich entschloss, Deutschland zu verlassen und nach Norwegen auszuwandern. Dort gelang es ihm, einen Merzbau, eine Assemblage in räumlichen Dimensionen, namens „Haus am Bakken" zu gründen und damit den Bekanntheitsgrad seiner Werke zu steigern (vgl. 10). Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Norwegen flüchtete Schwitters nach England, wo er in Internierungslagern festgehalten wurde.

1944 starb er an einem Schlaganfall in London.

3. Inhaltliche Zusammenfassung

Das Gedicht „An Anna Blume“ von Kurt Schwitters ist ein Liebesgedicht, welches vom Leser interpretiert werden soll. Elizabeth Gamard, eine Professorin an der Tulane Universität und Autorin von verschiedenen Werken, schreibt, es wäre möglich, dass „An Anna Blume“ für Schwitters erste Liebe „Else“ (2, S. 80) steht.

4. Merkmale einer Collage in der bildenden Kunst

4.1. Begriffserklärung der „ Collage “

Vor dem Eintauchen in das Thema ist es unabdinglich, sich mit dem Begriff der „Collage“, der ursprünglich der bildenden Kunst entstammt, auseinanderzusetzen. Der Wortursprung kann in dem französischen Wort „coller“, was so viel bedeutet wie leimen, kleben, wiedergefunden werden. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten Collagen von Pablo Picasso und dessen französischem Zeitgenossen Georges Braque (vgl. 15).

„Eine künstlerische Collage kann beispielsweise Zeitungsausschnitte, Bänder, Stücke farbigen Papiers, Fotografien enthalten, die auf einen festen Untergrund oder Leinwand geleimt

wurden“ (18).

4.2. Schwitters gründet „ Merz “

Kurt Schwitters war schon in jungen Jahren von Kunst fasziniert und entschied sich daher, die Kunsthochschule zu besuchen. Später wurde er von Theodor Däubler als „einer der stärksten Künstler, denen lebensfähige Abstraktionen gelingen“ (8) beschrieben. Kurt Schwitters gehörte zu einem der Begründer der Collagetechnik und beschrieb seine Tätigkeiten 1930 wie folgt: „Ich malte, nagelte, klebte, dichtete und erlebte die Welt in Berlin” (7, S. 219). Da sich seine Bilder nicht in eine bestehende Gattung einordnen ließen, gründete er eine neue Gattung namens „Merz“. Die Entstehung dieses Begriffs führt auf den Titel der „Kommerz und Privatbank“ zurück, woraus Schwitters die Silbe „Merz“ ausgeschnitten hatte (vgl. 14, S. 42). Er meinte: „Ich nannte nun all meine Bilder als Gattung nach dem charakteristischen Bilde MERZbilder.“ (28, S. 103) Kurt Schwitters definierte seine Merzmalerei wie folgt: „Merz bedeutet wesentlich die Zusammenfassung aller erdenklichen Materialien“ (17, S. 4).

4.3. Künstlerische Ziele

Geprägt vom Ersten Weltkrieg, welcher große Teile Europas in Schutt und Asche zurückließ und viele Menschen das Leben kostete, wollte Schwitters mit „Merz“ die Menschen aufrufen, Neues zu schaffen und nicht abermals den alten Konventionen zu gehorchen. Ein Beispiel hierfür kann in seinem 1930 veröffentlichten „Merzbild Einunddreißig“ gefunden werden (vgl. 14, S. 42). Dieses Kunstwerk stellt unter Anwendung von Collagetechnik ein Rad dar, das technischen Umbruch und Dynamik repräsentieren soll. Damit verdeutlicht er seine Absicht „gegen starre Konventionen in Gesellschaft, Kultur und Politik“ (20) zu rebellieren. All dies geschah während der Zeit des Dadaismus, dessen Manifest hieß: „Kunst soll ein Ungeheuer sein, das unterwürfige Gemüter aufschreckt, kein Bonbon, das die Esszimmer von Tieren in menschlicher Verkleidung schmückt…” (19, S. 14).

4.4. Analyse von Collagetechnik anhand von „ Merzbild Einunddreißig“

Da der Begriff „Collage“ der Kunst entstammt und erst später als eine Technik auf literarische Werke übertragen wurde, ist es von großer Bedeutung, primär die Charakteristika der Collage in dem Bereich der Kunst herauszuarbeiten. Dafür bietet es sich an, eine Kunstcollage auf die verschiedenen darin verwendeten Techniken hin zu untersuchen. In dem von Kurt Schwitters veröffentlichten „Merzbild Einunddreißig“, welches oft exemplarisch für Kunstcollagen verwendet wird, sind die Techniken klar aufgezeit.

4.4.1. Prinzip der „ Entformelung ”

Zuerst ist hier das Prinzip der „Entformelung” aufzuführen. Dieses besteht darin, dass Gegenstände, aber auch Materialien, ihren Sinn in der Kunst verlieren und für etwas anderes verwendet werden (vgl. 14, S. 44). Im „Merzbild Einunddreißig” wird von verschiedenen Materialien Gebrauch gemacht, welche zu einem Großteil aus „Abfall” bestehen, ein Leitgedanke des „Merz”. Der Künstler fügt sie auf seine Art zusammen, wobei sie ihren ursprünglichen Charakter verlieren. Der Betrachter soll nur ihre Form wahrnehmen. Jedoch ist dies in „Merzbild Einunddreißig” nicht voll ausgeprägt, da das Publikum den Geldschein beispielshalber nicht nur als rechteckige Form wahrnimmt, sondern assoziative Verbindungen knüpft. Schwitters erklärt: „Kaputt war sowieso alles, und es galt, aus den Scherben Neues zu bauen. Das ist Merz“ (5, S. 61).

[...]

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656379348
ISBN (Buch)
9783656380078
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210399
Institution / Hochschule
Munich International School
Note
A*
Schlagworte
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