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Europäische Siedler und ihr Einfluss auf die Ureinwohner Amerikas von den ersten Besiedlungsversuchen bis zur Amerikanischen Revolution

Hausarbeit 2011 21 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Status Quo- Die Amerikanischen Ureinwohner in der Zeit der Ersten Besiedlungen
2.1 Das Soziale Leben der Ureinwohner
2.2 Spannungsverhältnisse zwischen den Stämmen

3 Indianer und die Europäer- Der Zusammenprall der Kulturen

4 Gründe für die Massive Dezimierung der Indianer

5 Die Indianer und die Europäischen Kolonien
5.1 Die Spanischen Gebiete
5.2 Die Französischen Gebiete
5.3 Die Englisch Geprägten Gebiete
5.3.1 Die Südlichen Kolonien
5.3.2 Die Mittelatlantik Kolonien
5.3.3 Die Neuenglandkolonien

6 Versklavung in der Frühphase der Neuengland-Kolonien

7 Die Spätphase der Kolonien im 18. Jahrhundert am Beispiel der Neuengland-Kolonien

8 Die Indianer und die Union

9 Fazit und Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Gründung von Amerika war für uns Europäer ein Meilenstein der Demokratieentwick­lung. Gleichsam war es das erste Mal in der Geschichte, dass sich Menschen einen allgemei­nen Grundrechtekatalog gaben und einem König abschworen. In der Zeit der „glücklichen Vernachlässigung“ zwischen 1713 und 1763 bildete sich eine eigenständige politische Kul­tur, die die Basis für die Unabhängigkeitserklärung und die Amerikanische Revolution sein sollte. In dieser Zeit schafften es die Kolonien, sich selbst zu verwalten, so dass sogar einige Gouverneure von des Siedlern selbst gewählt wurden. Dieser Aspekt der Geschichte ist daher sehr gut erforscht und populärgeschichtlich aufgearbeitet.

Die eigenständige Beschäftigung mit der Geschichte der amerikanischen Ureinwoh­ner ist für die Geschichtswissenschaft unsere Wissenschaftsdisziplinjedoch vergleichsweise neu. Erst seit Mitte des letzten Jahrhunderts kann man davon sprechen, dass die indigene Be­völkerung des nordamerikanischen Kontinents in den Fokus der Forschung gerückt ist. Etwa seit diesem Zeitpunkt werden die Schätzungen über die Einwohnerzahl der Indianer konstant nach oben korrigiert.1 Die Quellenlage gestaltet sich dabei nicht immer einfach, denn zum ei­nen gibt es zumeist lediglich Aufzeichnungen von Siedlern und Kolonisten und zum anderen sind Aufzeichnungen und Gegendarstellungen von Indianern aus dieser Zeit entweder nicht vorhanden und/ oder wurden erst im späteren Verlauf aus mündlichen Überlieferungen auf­geschrieben.

Diese Hausarbeit soll einen kurzen Einblick in die Entwicklung der „aufeinanderpral­lenden Kulturen“ geben.2 Dabei wird sie sich auf einen groben Überblick von der Zeit der ers­ten Beisiedlungsversuche der Neuen Welt zu Beginn des 17. Jahrhunderts bis zur Amerika­nischen Revolution beschränken und versuchen, Bezüge der einzelnen Phasen in Verbindung zu setzten. Weiterhin wird der soziokulturelle Einfluss, den die Europäer auf die Ureinwoh­ner Amerikas ausgeübt haben, Gegenstand dieser Arbeit sein. Das Thema bietet sehr viele Kontroversen und bisher ungeklärte Fragen, weshalb also nicht Anspruch auf ein umfassen­des Werk erhoben werden kann. Vielmehr kann diese Arbeit nur ein Versuch sein, die vie- len Einflussfaktoren, Gegebenheiten und Spannungsverhältnisse in einen groben Zusammen­hang zu setzten. Besonders wichtig ist dabei die Frage, wie die Kulturen der Siedler Einfluss auf das tägliche Leben der Indianer genommen haben und die Lebensgrundlage dieser Völker veränderte. Zu diesem Zweck wird sich die Arbeit anfänglich etwas näher mit den Grundele­menten der indigenen Kulturen beschäftigen, um so für die weitere Bearbeitung mit Hilfe der Chronologie bis zur Gründungsphase der Vereinigten Staaten eine bessere Ausgangsposition zu schaffen.

2 Status Quo- Die Amerikanischen Ureinwohner in der Zeit der Ersten Besiedlungen

Zum Zeitpunkt der ersten regen Kontakte zwischen der alten und der neuen Welt hatten sich in Amerika sehr unterschiedliche Kulturen ausgebildet.3 Die Bandbreite reichte von primiti­ven Jägergesellschaften bis hin zu städtischen Hochkulturen mit Strukturen, die im Aufbau einem neuzeitlichen Staat in Europa ähnlich waren. Einige der Hochkulturen schafften es sogar auf eine beachtliche Größe, wie beispielsweise die Anasazi, die Siedlungen mit bis zu 23 Civas, den traditionellen Zeremonien- und Versammlungsräumen, und über 200 Wohn­einheiten in einer Art Stadt bauten. Die Mississippi-Kulturen schuf sogar gewaltige Erdpyra­miden, die stellenweise die der alten Ägypter an Größe übertrafen. Leider gingen die meisten dieser Kulturen aber an der Zerstörung ihrer natürlichen Lebensgrundlage unter. Genaues Wissen in Form von geschrieben Überlieferungen existiertjedoch nach derzeitigem Wissens­stand nicht, unter anderem weil Europäer bei ihrer Eroberung gezielt einheimische Priester töteten, die Träger des kulturellen Gedächtnisses ihrerjeweiligen Kultur waren.4 Damit ging ihr Wissen für immer verloren.

2.1 Das Soziale Leben der Ureinwohner

Wie oben bereits erwähnt, bilden die Indianer keine homogene Gruppe. Der Terminus ist mehr als Oberbegriff zu verstehen, da die Indianer in “Tribes” (Stämmen) über den gesamten Kontinent verteilt lebten. Diese Gemeinschaften waren spirituell geprägt. Die Orientierung oder ihr Glauben galt der Natur, Naturphänomenen wie Blitz und Donner oder einzelnen Ele­menten wie Feuer und Wasser. Die Verehrung von gewissen Phänomenen war so vielseitig, dass sie neuen Göttern offen gegenüber standen. Jeder Stamm hatte eigene für ihn heilige Orte oder Altare. Priester waren zudem eine wichtige Säule und nahmen eine herausragende Stellung innerhalb der Gemeinschaft ein. Sie besaßen zudem wichtige spirituelle Funktionen und dienten als Beistand bei wichtigen Entscheidungen.

Die Sozialstruktur vieler Stämme war durchaus klar strukturiert. So wissen wir aus den Berichten von John Smith, der ab 1580 Gebiete rund um die Chesapeake Bay erkundete, dass komplexe Strukturen mit verschiedenen Ebenen und Hierarchien innerhalb und zwi­schen der einzelnen Stämme bestanden haben mussten.5 Ebenso gab es Versammlungen von Häuptlingen, die über mehrere Hunderte oder gar Tausende von Eingeborenen herrschten. Dabei besaßen erstere teilweise uneingeschränkte Macht über die Mitglieder ihres Stammes und sogar über deren Leben und Tod.6 In der Kultur der Indianer gab es eine klare Aufgaben­teilung zwischen Männern und Frauen.7 Die Männer waren für Feldrodung, das Jagen und Fischen zuständig, und die Frauen verdienten sich in Feldarbeit, dem Sammeln von Früch­ten und der Versorgung der Kinder. Dies machte Frauen zu hochgeschätzen Mitgliedern der Gemeinschaft, womit die indianische Kultur keine patriarchalische Kultur war. Damit hing das Wohl der Gemeinschaft auch stark von den Frauen ab. Durch die Aufzeichnungen von Smith und Strachey sahen die Europäer in den Indianern vielerorts den Ausdruck vom „ed­len Wilden”.8 Rousseau beschrieb sie in seinem Werk “Discours sur ľinégalité“ von 1750 als beispielhafte Menschen, die in seinem Verständnis am nächsten zum Naturzustand lebten. Gleichwohl dies lediglich eine subjektive Interpretationssache ist, zeigt es auch, dass die in­digene Bevölkerung in Europa als Idealbinder eines erstrebenswerten Typus wahrgenommen wurden.

2.2 Spannungsverhältnisse zwischen den Stämmen

Lange bevor die europäischen Siedler den amerikanischen Kontinent betraten, bekämpften sich die einzelnen Stämme untereinander in teilweise erbitterten Kriegen. Krieg ist sogar als ein essenzielles Element der in indianischen Kulturen anzusehen, insbesondere unter Män­nern. Durch Krieg wurden andere Stämme unterworfen oder zurückerobert. Sie drehten sich hauptsächlich um Frauen, Kinder, die Erhaltung von Macht oder Rache, und in den seltene­ren Fällen um Land, Besitz oder Eroberung.9 Einige Rivalitäten führten sogar so weit, dass es teilweise traditionelle Feinde für einzelne Stämme gab. Die Strategien der Stämme waren dabei teilweise sehr unterschiedlich, sie glichen sich aber in einem Punkt: der Dauer der Kon­flikte. Zumeist waren sie von kurzer Dauer, weshalb es statt langer und verlustreicher Stra­tegiekriege mehr Überraschungskriege, Hinterhalte oder auch Verrat gab. Die Überlebenden aus den besiegten Stämmen wurden dabei in der Regel in bestehende integriert.

Die Ankunft der Europäer markiert so nicht ein plötzliches Ausbrechen von Stam­meskriegen, sondern erhöhte vielmehr die Dynamik der Konflikte. Dies geschah zum einen durch die von den Europäern importierten neuen Waffen, und zum anderen durch eine für die Indianer neue Art der Kriegsführung.

3 Indianer und die Europäer- Der Zusammenprall der Kulturen

Bereits bevor die ersten dauerhaften Siedlungen der Europäer in der Neuen Welt gegründet worden waren, kamen die Indianer in Kontakt mit den „weißen Männern“.10 Indianer wurden teilweise gefangen genommen und versklavt, um ihre Existenz zu bestätigen, sie als Exoten in der Alten Welt zu präsentieren oder ganz einfach um Profit aus ihrem Verkauf zu schla­gen.11 Von da an begannen die Konflikte zwischen indianischen Stämmen und Europäern gewalttätig zu werden. Die Gründe dieser Konflikte sind so vielseitig wie die Anzahl der Gruppen, die involviert waren. Missverständnisse waren an der Tagesordnung.12 Die Neue Welt forderte alle Beteiligten. Schon bald nachdem die ersten Europäer den neuen Kontinent betreten hatten, begannen sie die Indianer dafür zu bezahlen, dass sich diese gegenseitig an­griffen und die Eroberer so einen wirtschaftlichen Vorteil aus den Spannungen zwischen den Indianerstämmen ziehen konnten.13

Sobald die Indianer versuchten, sich den Bestrebungen der Eroberer auf Landnahme zu widersetzten, war die Antwort der Europäer um so brutaler. Obwohl die Indianer die Neu­ankömmlinge beispielsweise an den großen Seen sogar als Handelspartner oder Verbündete willkommen hießen, wandelte sich die Beziehung über kurz oder lang ebenfalls in Gewalt. Die Kulturen, die hier aufeinander prallten, konnten nicht verschiedener sein. Krankheiten, die aus der alten Welt mitgebracht worden waren, rafften einen Großteil der indigenen Bevöl­kerung hin. Die Europäer jagten und dezimierten Beutetiere, sie vernichteten oder plünder­ten die Ernten. Die meisten der Indianer fühlten sich daher bis an die Grenzen ihrer Existenz bedroht, und fürchten dabei nicht nur um ihr Land, sondern auch um ihr Leben.14

Eine neue Phase leutete der erste Anglo-Powhatan Krieg von 1609 bis 1614 und der Anglo-Pequot Krieg von 1636 bis 1637 ein, in denen, in direkter kriegerischer Auseinander­setzung viele Indianer ihre Leben ließen. John Wintrop beschrieb die Landnahme später wie folgt:

„[The Landjwhich we took peaceably, built a house upon it, and so it hath continued in our peaceable possession ever since without any interruption or Claim..., which being thus taken and possessed as vacuum domicilium gives us a sufficient title against all men.“15

In den Jahrzehnten nach der “vacuum domicilium” wurde dies zur verfolgten Handlungsma­xime vieler Siedler. Zudem fanden Europäer in Amerika für sich günstige Bedingungen vor, denn weder das Klima noch die Natur machten ihnen zu schaffen und die Böden waren so ergiebig, dass es den Siedlern wie das Paradies erschienen sein muss.

[...]


1 Vgl. hierzu die Aufschlüsselung der Forschungsschätzungen von Beginn der Entdeckung Amerikas bis heute in: Thornton Russell, American Indian Holocaust and Survival. A Polulation History since 1492, Norman: University of Oklahoma Press, 1987, S. 23ff.

2 Die These „Clash of Civilisations“ von Samuel Huntington beschäftigt sich zwar mit der Frage, wie nach dem Zusammenbruch der SU eine Weltordnung aussehen könnte. Sie ist damit zwar weit am Thema der Hausarbeit vorbei eingesetzt, aber ich habe diese Formulierung bewusst gewählt weil, dies meiner Mei­nung nach die Umstände der Besiedlung der Neuen Welt am besten zusammenfasst.

3 Jennings, Francis, Amerikanische Grenzen, in: Josephy, Alvin (Hrsg.), Amerika 1492. Die Indianervöl­ker vor der Entdeckung, Frankfurt/Main: Fischer Verlag 1991, S. 421.

4 Gassert, Philipp, Geschichte, In: Lösche, Peter (Hrsg.), Länderbericht USA. Geschichte, Politik, Wirt­schaft, Gesellschaft, Kultur, Bd. 690, Bonn: bpb 2008, S. 31.

5 Vgl. hierzu: Gülicher, Daniela, Integration - Assimilation - Rebellion: Indianer und Engländer in Virginia bis zum „Jamestown-Massaker“ (1622) in: Bellers, Jürgen/ Gründer, Horst (Hrsg.), Europäisch-indiani­scher Kulturkontakt in Nordamerika, Münster: LIT 1999, S. 27.

6 Ebd., S. 28.

7 Ebd., S. 29.

8 Heideking, Jürgen/ Mauch, Christof. Geschichte der USA, sechste, überarbeitet und erweiterte Auflage, Basel/Tübingen: A.Francke Verlag 2008, S. 4.

9 Gülicher, Daniela, Integration - Assimilation - Rebellion: Indianer und Engländer in Virginia bis zum „Jamestown-Massaker“ (1622) in: Bellers, Jürgen/ Gründer, Horst (Hrsg.), Europäisch-indianischer Kul­turkontakt in Nordamerika, Münster: LIT 1999, S. 29.

10 Ebd., S. 30.

11 Newell, Margaret E., Art. Indian Slavery in colonial New England, in: Gallay, Alan, Indian Slavery in Colonial America, Lincoln/London: University of Nebraska Press 2009, S. 34 und Vgl. hierzu Gründer, Horst, Indianer in Europa - Marginalien zum Exotismus, in: Geschichte und Kulturen. Zeitschrift zur Geschichte und Entwicklung der Dritten Welt (1999), Bd. 8, S. 102ff.

12 Gülicher, Daniela, Integration - Assimilation - Rebellion: Indianer und Engländer in Virginia bis zum „Jamestown-Massaker“ (1622) in: Bellers, Jürgen/ Gründer, Horst (Hrsg.), Europäisch-indianischer Kul­turkontakt in Nordamerika, Münster: LIT 1999, S. 34.

13 So geschehen im späteren Verlauf des 16. Jahrhunderts im heutigen South Carolina. Vgl.: Leamon, James S., Art. Legacies of Indian Warfare, in: Resch, John P., Americans at War. Society, Culture and the Homefront, Volume 1/3: 1500-1850, Detroit/New York/London u.a.:Thomson Gale 2005, S.106.

14 Ebd., S.106.

15 Vgl.: Allan, David, Vacuum Domicilium: The Social and Cultural Landscape of Seventeenth Century New England, <http://www.americancenturies.mass.edu/classroom/curriculum_12th/unit1/lesson2/allen. html>, zuletzt aufgerufen am 25.02.2011.

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656387831
ISBN (Buch)
9783656389675
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210496
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
kolonisten indianer europäische siedler einfluss ureinwohner amerikas zeit besiedlungsversuche amerikanischen revolution

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