Lade Inhalt...

Neugründung einer Aidshilfe in Mannheim unter besonderer Berücksichtigung des Fundraisings und des Sozial-Marketings

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Neugründung einer Aidshilfe in Mannheim
1.1 Ausgangslage
1.2 Anstoß und Gründe für eine Neugründung

2. Finanzierung, Geschäftsform und Vereinsname
2.1 Wahl der Geschäftsform
2.2 Wahl des Vereinsnamens

3. Wahl des Vorstandes und Personalbedarf
3.1 Wahl des Vorstandes
3.2 Expliziter Personalbedarf
3.3 Aufgabenverteilung

4. Standortfrage und Raumbedarfsplanung
4.1 Standort
4.2 Raumplanung

5. Sozial-Marketing-Konzept
5.1 Organisationsanalyse
5.2 Marktanalyse
5.3 Marketingstrategie, -ziel und -mix
5.4 Marketingkontrolle

6. Fundraising-Konzept
6.1 Situationsanalyse
6.2 Organisationsinterne Gesichtspunkte
6.3 Organisationsexterne Gesichtspunkte
6.4 Fundraisingziele
6.5 Maßnahmenplan
6.6 Realisierungsphase 1
6.7 Realisierungsphase 2
6.8 Realisierungsphase 3
6.9 Darstellung von drei Fundraising-Instrumenten
6.10 Kontrolle der Fundraising-Aktionen

7. Zusammenfassung und Ausblick

Einleitung

Im Jahr 2010 wurde die Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V. geschlossen und die Beratungstätigkeit wie auch die Präventionsarbeit eingestellt. Im Rahmen des kostenlosen HIV-Antikörpertests bietet das Gesundheitsamt Mannheim eine Erstberatung und Vermittlung an. Die Psychologische Schwulen- und Lesbenberatung Rhein-Neckar e.V. hat im Auftrag der Stadt Mannheim vorübergehend die psychosoziale Beratung von HIV/Aids Erkrankten übernommen. Das Konzept einer neu zu gründenden Aidshilfe-Einrichtung unter besonderer Berücksichtigung des Fundraisings und des Sozial-Marketings basiert auf dem Engagement des Landes Baden-Württemberg aus dem Jahr 1987. In diesem Jahr wurde das Aktionsprogramm AIDS ins Leben gerufen. Damit hat das Land zum Ausdruck gebracht, dass die HIV/Aids-Prävention und Beratung von Länderseite gewünscht und getragen wird.[1] In Anbetracht der stetig steigenden monetären Belastungen von Land und Kommune ist mit einem Rückgang der Fördergelder zu rechnen. Somit rückt das Fundraising als Mittel zur Mitfinanzierung sozialer Einrichtungen in den Vordergrund und wird infolgedessen zur Führungsaufgabe. Es ist das Ziel in einem Zeitraum von drei bis vier Jahren einen Teil der benötigten Gelder über das Fundraising zu gewinnen. Eine weitere Aufgabe ist es, neben den klassischen Beratungs-, Begleitungs- und Präventionsangeboten, neue Marktsegmente zu erschließen.

Alle nachfolgenden Funktionen wurden der vereinfachten Lesbarkeit wegen in der maskulinen Schreibweise dargestellt.

1. Neugründung einer Aidshilfe in Mannheim

1.1 Ausgangslage

Nach fünfundzwanzigjährigem Bestehen wurde im Juni 2010 ein Insolvenzverfahren gegen die Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V. eingeleitet. Dieser Umstand ist das Ergebnis einer langjährigen Misswirtschaft und tiefgreifender geschäftsführender Fehlentscheidungen, welche in letzter Konsequenz nicht mehr reguliert oder abgewandt werden konnten. Ausschlaggebend war für die letztendliche Schließung der Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V. das Fehlen von Konzepten, kurz-, mittel- und langfristigen Zielen und der daraus folgenden Kontrolle der Maßnahmen. Interne Querelen auf Vorstands- und geschäftsführender Ebene, gravierende Fehler in der Geldmittelverwaltung und eine ungenügende Kommunikation auf allen Anspruchsebenen waren weitere Gründe, welche die Manövrierfähigkeit der Einrichtung behinderten. Hieraus wiederum ergab sich eine außerordentlich hohe Fluktuation von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Das Fehlen von Konzepten führte dazu, dass die jeweiligen Mitarbeiter gezwungen waren eigene Konzepte und Vorgehensweisen zu entwickeln, welche wiederum nicht kommuniziert und in ein übergeordnetes Organisationsziel eingebunden werden konnten. Dies hatte zum einen Einfluss auf die Qualität der psychosozialen Beraterleistung und der internen Abläufe, zum anderen erschwerte es das Fundraising und behinderte hierdurch den gewünschten Spendenfluss. Die Akzeptanz und Anerkennung der Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V. bei den von HIV/Aids Betroffenen, deren Familien, Szenezugehörigen, Mitgliedern, ehrenamtlichen Mitarbeitern, Sponsoren und Förderern - im Folgenden Stakeholder genannt - verschlechterte sich im Laufe der Jahre drastisch.[2] Beratungssuchende nahmen die Leistungen der Aidshilfe Heidelberg und Kaiserslautern zunehmend in Anspruch. Die ursprüngliche Intension der Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V., Menschen, die von HIV/Aids betroffen sind, eine qualifizierte, psychosoziale und rechtliche Hilfe anzubieten, war nicht mehr gegeben. Das in den letzten Jahren temporär eingesetzte Fundraising und die dazugehörige Öffentlichkeitsarbeit konnten auf diesen Grundlagen nur geringe Erfolge vorweisen. Die negative Reputation der Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V. erzeugte einen tiefgreifenden Vertrauensverlust. Die Stakeholder beantworteten dieses fehlende Vertrauen in die Leistungen der Aidshilfe, indem sie sich abwandten, die Unterstützung einstellten oder andere Einrichtungen aufsuchten.

1.2 Anstoß und Gründe für eine Neugründung

In Baden Württemberg leben zurzeit (Stand Ende 2010) ~7.800 Menschen mit HIV/AIDS. Davon sind ~5.900 Männer und ~1.900 Frauen betroffen. Im Jahr 2010 haben sich ~290 Männer und ~40 Frauen neu infiziert. Etwa 50 Menschen sind im Jahr 2010 an den Folgen der Infizierung mit dem HI-Virus gestorben. Seit Beginn der Epidemie haben sich ~9.600 Menschen infiziert. Die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Epidemie beläuft sich auf ~2.900.[3] In Mannheim wurden bis heute 253 positive Befunde mitgeteilt.[4] Im Jahr 2010 haben sich 38 Menschen mit dem HI-Virus neu infiziert.[5] Die Entfernung zu den umliegenden Beratungseinrichtungen mit dem Schwerpunkt Prävention und psychosoziale Beratung beträgt zwischen 10 und 30 Kilometern. Zeitgleich zur Schließung der Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V. im Juni 2010 haben sich in Ludwigshafen Aktivisten zusammengeschlossen und den Arbeitskreis Aidshilfe Ludwigshafen e.V. gegründet, welcher auf Selbsthilfegruppen-Basis arbeitet, Präventionsprojekte initiiert und umsetzt. In Mannheim bietet die Einrichtung Plus e.V. (Psychologische Schwulen- und Lesbenberatung e.V.) in Form einer Interimslösung die psychosoziale Beratung für HIV/Aids Betroffene an. Vor diesen Hintergründen ist die Gründung einer Aidshilfeeinrichtung in Mannheim dringend erforderlich.

2. Finanzierung, Geschäftsform und Vereinsname

Ausgangssituation: In der Vergangenheit wurde die Aidshilfe Mannheim-Ludwigshafen e.V. wie folgt von der Stadt Mannheim, der Stadt Ludwigshafen, dem Land Baden-Württemberg und dem Land Rheinland-Pfalz unterstützt: Stadt Mannheim ~48.000 Euro, Stadt Ludwigshafen ~7.500 Euro, Land Baden-Württemberg mit ~40.000 Euro und das Land Rheinland-Pfalz mit ~18.500 Euro.[6]

Auf Grund des von der Landesregierung Baden-Württemberg beschlossenen Aktionsprogramms AIDS im Jahr 1987 werden die Aidshilfevereine mittels einer Freiwilligkeitsleistung gefördert.[7] Voraussetzung hierfür ist die Präventionsarbeit für junge Erwachsene und besonders gefährdete Zielgruppen (Männer, die mit Männern Sex haben), die Beratungstätigkeit, die Gemeinnützigkeit des Vereins, die Aufnahme in den Landesverband Aidshilfe Baden-Württemberg e.V. und die Einhaltung der Qualitätsstandards und Leitlinien des Landesverbandes. Die Landesregierung Baden-Württemberg geht von einer zusätzlichen Unterstützung von Seiten der Kommune aus, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass im Falle einer Aidshilfe Neugründung in Mannheim das Grundkonzept und die unterstützende Finanzierung im Gemeinderat neu diskutiert und entschieden wird. Es liegt kein Automatismus bezüglich der in der Vergangenheit gezahlten Unterstützung vor.[8] Die derzeitige Finanzierung der Interimsberatung Plus e. V. durch die Stadt Mannheim lässt indessen ein deutliches Interesse der Kommune an der Präventions- und Beraterleistung erkennen. Laut der Aussage einer Mitarbeiterin des Sozialministeriums Baden-Württemberg besteht ein eindeutiges Interesse, der Neuinfektion von Aids/HIV durch kontinuierliche Aufklärung, Prävention und Beratung entgegenzuarbeiten.[9] Im Rahmen von Steueranpassungen auf Landes- und Gemeindeebene besteht die Möglichkeit von rückläufigen Fördergeldern. Diese Schwankungen gilt es in die Grundfinanzierung zu integrieren. Hieraus ergibt sich deutlich die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Geldmittelbeschaffung von dritter Seite, dem Fundraising. Im Zuge eines erfolgreichen Fundraisings können Finanzierungsunsicherheiten aufgefangen, der Erhalt der Einrichtung gesichert, neue Unterstützungsmöglichkeiten für die Betroffenen angeboten und weiterführende Dienstleistungen entwickelt werden. Um einen Ansatz in der Finanzierung der neuen Einrichtung zu erarbeiten, bieten sich die Zahlen aus dem Jahr 2010 an, welche hier ausschließlich eine Orientierungshilfe darstellen und keineswegs verbindlich sind. Ausgehend von der im Jahr 2010 geleisteten Unterstützung in Höhe von ~88.000 Euro pro Jahr, ergibt sich bei einer durchschnittlichen Jahresmiete von 8.400 Euro, den Personalkosten in Anlehnung an den TVöd 11, den weiteren Nebenkosten, den zu tätigenden Neuanschaffungen, sonstigen Aufwendungen und dem Fundraisingbudget ein geringer Finanzspielraum in Höhe von 300,00 Euro.[10] Diese grobe Aufstellung, welche im Einzelnen dezidiert geprüft und berechnet werden muss, stellt hier nur eine Leitlinie dar:

Jahresvergütung 100% Stelle 30.000 Euro

Jahresvergütung 75% Stelle 22.500 Euro

Jahresvergütung 50% Stelle 15.000 Euro

Jahresmiete á 700 Euro 8.400 Euro

Strom und Nebenkosten á 150 Euro 1.800 Euro

Neuanschaffung PC, Drucker 2.500 Euro

Neuanschaffung Büromöbel 1.000 Euro

Neuanschaffung, Einrichtung 2.000 Euro

Sonstige Aufwendungen 2.000 Euro

Fundraising Budget 2.500 Euro

= 87.700 Euro

2.1 Wahl der Geschäftsform

Für die Aufnahme der Obliegenheiten einer Mannheimer Aidshilfe ist die Gründung eines eingetragenen Vereins empfehlenswert, welcher nach § 52 der Abgabenordung die Gemeinnützigkeit beim zuständigen Finanzamt beantragen kann.[11] Auf der Grundlage der Gemeinnützigkeit, welche dezidiert aus dem Freistellungsbescheid des bearbeitenden Finanzamts für Körperschaften zu entnehmen ist, darf der Verein Spendenbescheinigungen ausstellen und verfügt über eine Anzahl von Steuererleichterungen wie z.B. der teilweisen Befreiung von Körperschafts- und Gewerbesteuer oder Vergünstigungen im Bereich der Umsatzsteuer.

2.2 Wahl des Vereinsnamens

Der Name des neu zu gründenden Vereins sollte sich visuell und auditiv direkt erschließen. Der inhaltliche Zweck und die Aufgabe müssen klar erkennbar sein. So empfiehlt sich der Name Aidshilfe Mannheim e.V..

[...]


[1] www.landtag-bw.de/WP13/Drucksachen/3000/13_3817_d.pdf

[2] Als Stakeholder (engl.) wird eine natürliche oder juristische Person bezeichnet, die ein Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses hat. Quelle: Wikipedia.de

[3] Epidemiologische Kurzinformation des Robert-Koch-Instituts, Berlin

[4] Robert Koch-Institut: SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: <08.03.2011>

[5] www3.rki.de/SurvStat/ResultList.aspx

[6] Information: Landesverband Aidshilfe Rheinland-Pfalz e.V.

[7] www.landtag-bw.de/WP13/Drucksachen/3000/13_3817_d.pdf

[8] Lt. telefonischer Aussage Frau Cussnick, Stadt Mannheim, Fachbereich Gesundheit

[9] Lt. telefonischer Aussage Frau Schweizer, Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg

[10] TVöd = Tarifvertag für den öffentlichen Dienst

[11] Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern. Quelle: Wikipedia.de

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656391883
ISBN (Buch)
9783656392361
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210514
Note
2
Schlagworte
Fundraising Sozialmarketing Spendenakquise Mittelakquise NPO NGO Vereine Mittelbeschaffung Spenden Sponsoring

Autor

Zurück

Titel: Neugründung einer Aidshilfe in Mannheim unter besonderer Berücksichtigung des Fundraisings und des Sozial-Marketings