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"Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger: Ethische Aspekte im Umgang mit Alzheimer und Demenz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Mit Alzheimer leben?

2 Demenz und Alzheimer
2.1 Begriffsklärung
2.2 Daten und Statistiken

3 Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil: Ethische Gesichtspunkte im Roman
3.1 Spätes Erkennen von Demenz
3.2 Menschenwürde und Vollwertigkeit Demenzkranker
3.3 Wahrheit und Lüge
3.4 Umgang mit der Heimatlosigkeit
3.5 Beziehung zu einem Alzheimerkranken
3.6 Altern und Tod
3.7 „Positive“ Auswirkungen der Demenz

4 Die Krankheit des Jahrhunderts

Literaturverzeichnis

1 Mit Alzheimer leben?

Über die Erinnerung sagt der deutsche Erzähler Jean Paul (17631825): „Das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“[1] Das ist in der Tat eine treffende Umschreibung, denn in Erinnerungen zu schwelgen kann niemandem verboten werden und es kann wundervoll sein sich an schöne Dinge immer und immer wieder zu erinnern. Allerdings ist die Alzheimerkrankheit zur Zeit Jean Pauls noch unentdeckt und so müssen wir heute leider sagen, dass uns dieselbe sehr wohl aus dem Paradies der Erinnerung vertreiben kann, indem sie es Stück für Stück auflöst. Dies muss August Geiger, der Vater des Schriftstellers Arno Geiger, an sich selbst erfahren. Der Autor schildert wie sein Vater versucht in der kleinen, wackeligen und stets unsicheren Welt, in der ihn die Krankheit gefangen hält, zurechtzukommen und wie er und seine Umwelt sich durch die Demenz verändern. Alzheimer ist eine Krankheit, die nicht nur auflöst, sondern auch Spuren hinterlässt und das nicht nur am Betroffenen. Arno Geiger erzählt von seiner Art und Weise mit einem an Alzheimer erkrankten Menschen umzugehen, mit ihm zu leben und ihn zu schätzen. Gleichzeitig schreibt er die noch verbleibenden Erinnerungen des Vaters und an den Vater nieder, damit sie nicht von der Krankheit getilgt werden können. Neben der Verarbeitung der eigenen Erlebnisse teilt er auch wichtige Gedankengänge zu Leben, Familie und Heimat mit dem Leser. Im Verlauf des Romans sind diese Aspekte zentral und so wird auch immer wieder die Auswirkung der Krankheit auf sie beschrieben. Kann ein an Alzheimer erkrankter Mensch noch ein eigenständiges Leben führen? Wie interagiert er mit anderen Menschen? Was ist der richtige Zugang zu einem Erkrankten und gibt es überhaupt noch eine Verbindung zwischen seiner Welt und der der anderen? Diese und andere Fragen werden in dieser Hauptseminararbeit anhand des Romans erörtert, um zumindest ein wenig Licht in das Dunkeln um die Alzheimerkrankheit zu bringen, schließlich kann jeder ungeahnt damit in Berührung kommen, ob als Erkrankter oder Angehöriger eines Betroffenen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, woran man ist und wie man damit weiterleben kann.

2 Demenz und Alzheimer

Die Begriffe „Demenz“ und „Alzheimer“ werden oft synonym verwendet und oft wissen Menschen nicht einmal genau, was genau sich hinter diesen Wörtern verbirgt.

Man assoziiert damit in der Regel größtenteils Vergesslichkeit. Für das korrekte Verständnis im Zusammenhang mit dem Roman „Der alte König in seinem Exil“ erfolgen hier Definitionen der Begriffe und ihre Abgrenzung voneinander.

2.1 Begriffsklärung

Zunächst zur Demenz: Das Wort „Demenz“ stammt aus dem Lateinischen und ist von demens abgeleitet, was „unvernünftig, wahnsinnig“ bedeutet[2]. Allein durch diese Erklärung lässt sich also schon annehmen, dass bei Demenz nicht nur Vergesslichkeit, sondern allgemein Verwirrung eine große Rolle spielt. Nun zur Differenzierung der Begriffe:

„Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten einhergehen und die dazu führen, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr eigenständig durchgeführt werden können. Dazu zählen die AlzheimerDemenz, die Vaskuläre Demenz, Morbus Pick, Frontotemporale Demenz und weitere Demenzformen.“[3]

Demenz ist also ein Hyperonym zur Alzheimerkrankheit, die als eine der häufigsten Variationen der Demenz auftritt. Alzheimer ist daher immer eine Demenzkrankheit, aber eine Demenzkrankheit ist nicht immer eine Alzheimerkrankheit. Wichtig ist dabei, dass Demenz die ganze Persönlichkeit betrifft und wesensverändernd ist.[4]

Die Krankheit Alzheimer (lat. Morbus Alzheimer) ist nach dem deutschenPsychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer (18641915) benannt, der ihre Symptome 1906 als erster beschrieben hat. Bei dieser Erkrankung erfolgt eine Veränderung im Körper, die allmählich zu einer immer häufigeren und gravierenderen Gedächtnisabschwächung und später zum Gedächtnisverlust führt.[5]

„Das Anfangsstadium der Alzheimer’schen Krankheit wirkt täuschend harmlos – das erste beobachtbare Symptom ist vielleicht nur ein schlechtes Gedächtnis. Danach aber folgt ein stetiger Verfall. Alzheimerpatienten zeigen oft allmähliche Persönlichkeitsveränderungen wie Teilnahmslosigkeit, mangelnde Spontanität und Rückzug aus sozialen Interaktionen. Im fortgeschrittenen Stadium verstummen Alzheimerpatienten oft völlig, sind apathisch und vergessen sogar die Namen von Ehepartnern und Kindern.“[6]

Dieser Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben, da er für die spätere Diskussion des Romans wichtig ist und der Verlauf der Krankheit wie hier zitiert geschildert wird.

2.2 Daten und Statistiken

Eine kurze statistische Einordnung soll einen groben Überblick über die Erkrankung an Demenz verschaffen:

„In Deutschland leben gegenwärtig etwa 1,2 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von Ihnen sind von der AlzheimerKrankheit betroffen. Jahr für Jahr treten fast 300.000 Neuerkrankungen auf. Die Zahl der Demenzkranken nimmt infolge der Bevölkerungsalterung kontinuierlich zu. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf etwa 2,6 Millionen erhöhen. Dies entspricht einem mittleren Anstieg der Patientenzahlen um fast 35.000 pro Jahr. “[7]

Es bestätigt sich die vorhergehende Aussage, dass die Alzheimerkrankheit die häufigste Form der Demenz ist. Mit zwei Dritteln dominiert diese Variante eindeutig. Wichtig ist auch, dass immer mehr Menschen an Demenz erkranken, weshalb ihre Symptome nicht ignoriert werden dürfen, insbesondere da sich das Krankheitsrisiko bei Menschen über 65 alle fünf Jahre verdoppelt[8]. Hierzu folgende Statistik:

Abbildung 1: Inzidenz von Demenzen in Abhängigkeit vom Alter[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter dem Gesichtspunkt des demographischen Wandels in Deutschland ist diese Statistik erwähnenswert, da in Zukunft statistisch gesehen mehr ältere und damit mehr demenzgefährdete Menschen erwartet werden. Demenz und Alzheimer sind also Phänomene, über die man informiert sein sollte und um mit demenzkranken Menschen richtig umgehen und leben zu können, muss man sich zunächst über einige ethische Aspekte klar werden, die nun anhand des Romans „Der alte König im Exil“ von Arno Geiger diskutiert werden.

[...]


[1] Müller, 14.08.2012.

[2] Vgl. Bibliographisches Institut GmbH 19.08.2012.

[3] Hartmann 19.08.2012.

[4] Vgl. Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie: Eine Einführung. Thieme Verlag 2002, S.167 .

[5] Vgl. Phillipp G. Zimbardo; Richard. J. Gerrig: Psychologie. Pearson Studium Verlag 2008, S.267.

[6] Zimbardo & Gerrig: Psychologie, S.267.

[7] Saxl, 19.08.2012.

[8] Zimbardo & Gerrig: Psychologie, S.267.

[9] Saxl,19.08.2012.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656388937
ISBN (Buch)
9783656389248
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210557
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Arno Geiger Der alte König in seinem Exil Alzheimer Demenz Ethik der Narration Ethik Ethische Gesichtspunkte Ethische Themen Umgang mit alten Menschen Familie

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Titel: "Der alte König in seinem Exil" von Arno Geiger: Ethische Aspekte im Umgang mit Alzheimer und Demenz