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Eine Skizze der Potentiale und Möglichkeiten moderner Modellversuche und deren Verhältnis zur Berufsbildungspolitik

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung
1.1 Thematik
1.2 Fragestellung
1.3 Vorgehensweise

2.0 Die neuen Herausforderungen der Berufsbildungspolitik
2.1 Der Staat / Die Berufsbildungspolitik und deren Einfluss auf die Berufsbildung

3.0 Modellversuchsforschung und die Berufsbildungspolitik
3.1 Eine Definition der Modellversuchsforschung
3.2 Der Verfahrensablauf von Modellversuchen
3.3 Potentiale der Modellversuchsforschung für die Politikberatung
3.4 Die Berufsbildungspolitik und ihr Verhältnis zur Modellversuchs- forschung/Eine Betrachtung der Risiken

4.0 Fazit und Reflexion

5.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

„Im weitesten Sinne meint Politik die sich auf Macht stützende Verfolgung von Zielen. Traditionsgemäß gilt der Staat als zentraler politischer Akteur. In einem modernen demokratisch verfassten und institutionellen Gemeinwesen ist er befugt, unter Wahrung der individuellen Grundrechte divergierende gesellschaftliche Interessen organisierend so zu umgreifen, dass sie seinen Zielen dienlich werden, zumindest jedoch mit ihnen kompatibel bleiben. Dabei stellen sich ihm Sachfragen unterschiedlicher Art. Allgemeine, oft nur vage umrissene politische Intentionen, müssen als konkrete Sachziele gefasst werden und auf sie hin sind wirksame Mittel zu identifizieren und zu arrangieren. Die hierfür erforderliche Fachkompetenz ist in der Legislative und Exekutive oft nur unzureichend vorhanden.“ (Kaiser/Petzold 2006; S. 158) Dies ist auch nicht besonders verwunderlich, denn der politische Akteur hat zur Formulierung dieser konkreten Sachziele nur eine wesentliche Aufgabe. Unter Einbeziehung aller relevanten Rahmenbedingungen, Daten und der möglichen Konsequenzen seines Handelns trifft er – so das Idealbild – seine Entscheidungen. Im Normalfall empfiehlt es sich deshalb für den politischen Akteur, einschlägige Fachdisziplinen zu Rate zu ziehen, (vgl. Kaiser/Pätzold 2006; S. 158) um seiner Verantwortung gerecht zu werden. Zur Lösung von Mittel-Zweck-Problemen kann vor allem die Wissenschaft ein starker Partner sein. Eines der großen und wichtigen Probleme, welchen sich die Politik zu stellen hat, ist unmittelbares Thema dieser Arbeit.

1.1 Thematik

Der komplexe Prozess der Eingliederung nachwachsender Generationen in das Beschäftigungssystem ist eines der akuten politischen Probleme in Deutschland. Das in der Bundesrepublik seit 1964 vorhandene Duale System, also die Ausbildung junger Menschen an zwei Lernorten, hat sich als überaus robust, beständig und überlebensfähig erwiesen. Dennoch unterliegt die Gesellschaft einem beständigen Wandel, der durch Fortschritt in Technik und Wissen bestimmt ist. Den durch diesen Wandel bedingten Veränderungen kann sich weder die Politik noch die Wissenschaft entziehen. (vgl. Berger 2009; S. 1)

„Zur gesellschaftlichen Funktion der Berufspädagogik als Wissenschaft gehört es, berufsbildungspolitische Konzepte kritisch zu hinterfragen und ihre praktische Umsetzung kritisch zu begleiten.“ (Kaiser/Pätzold 2006; S. 158) Dies bedeutet, dass sie sich genau dieser oben geschilderten Probleme anzunehmen hat. Dabei sollte sie vor allem auch als Ratgeber in bildungspolitischen Fragen fungieren. „Darüber hinaus gewinnt sie ihre soziale Legitimation dadurch, dass sie über berufserzieherische Sachverhalte – insbesondere über Wirkungszusammenhänge – informiert, einschlägige Beiträge zur Sinnorientierung liefert, sowie berufserzieherische Gestaltungshilfe leistet. (Kaiser/Pätzold 2006; S. 158) Dabei kommt, wenn man den fortschreitenden Wandel der Gesellschaft und die Berufsbildung als sehr junge wissenschaftliche Disziplin betrachtet, vor allem dem Bereich der Berufsbildungsforschung eine besondere Aufgabe zu. Diese Teilsparte der Berufspädagogik stützt ihre Erkenntnisse vor allem auf praktische Erfahrungen, welche nach wissenschaftlichen Kriterien auf ihre Eignung überprüft werden.

Die Berufsbildungsforschung ist somit die überwiegend erfahrungsgeleitete Suche nach Antworten auf Schwierigkeiten der Berufsbildung. Dabei unterliegt sie keinem einheitlichen Identitätsraster. (vgl. Eckert/Tramm 2004 S. 55 ff.) Sie untersucht hauptsächlich den Erwerb von fachlicher Qualifikationen und Kompetenzen, das berufliche Lernen, sowie die Qualität von Berufsbildungsmaßnahmen. (vgl. Eckert/Tramm 2004 S. 76) Praktische Erfahrungen und deren Ergebnisse werden auf ihre Eignung überprüft, ausgewertet und interpretiert, um auf die Praxis anwendbare und übertragbare Lösungsvorschläge für die oben genannten Probleme zu generieren. (vgl. Rauner 2002, S. 21) Eines der Instrumente, welchem sich die Berufsbildungsforschung als handlungsorientierte Wissenschaft bedient, ist die Modellversuchsforschung. Gerade die Gestaltung und Evaluation beruflicher und betrieblicher Bildungsprozesse in Modellversuchen galt bisher als […] „Impulsgeber und Impulsverstärker für eine Modernisierung der Berufsbildung. (Holz 2000, S. 19)

Die Modellversuchsforschung als Instrument der Gestaltung von Berufspraxis, ist bereits seit 30 Jahren etabliert. Dabei wurde sie zunehmend „unter dem Gesichtspunkt des Transfers ihrer Ergebnisse bewertet.“ (vgl. Rauner 2002, S 1) […]„Das Verhältnis von Modellversuchsforschung und Berufsbildungspolitik war hingegen von geringem Interesse. Berufsbildungspolitische Programme und Interventionen wurden weitestgehend ohne Bezug auf die Modellversuchsforschung durchgeführt.“ (Severing 2005, S. 1) Wissenschaftler wie Severing sind der Auffassung, dass die Modellversuchsforschung angesichts der oben skizzierten Herausforderungen, große Potentiale für die Berufsbildungspolitik entfalten kann. (vgl. Severing 2005, S. 1) Diese Potentiale werden offensichtlich bisher nicht ausreichend genutzt und gefördert.

1.2 Fragestellung

Aufgrund der oben angedeuteten Problematik gilt es also zu fragen, wieso die Modellversuchsforschung bei der Politikberatung keine wesentliche Rolle spielt und was sich verändern müsste, damit sich die Berufsbildungspolitik dieses Instrument besser erschließen könnte. Dabei sollen vor allem die Potentiale der Modellversuchsforschung für die Politikberatung aufgezeigt und erörtert werden.

1.3 Vorgehensweise

Dazu soll im Folgenden zunächst auf die neuen Herausforderungen der Berufsbildungspolitik eingegangen werden. Hier soll vor allem auf die immer komplexer werdenden Berufsausbildungen verwiesen werden, in denen Gründe für die sich schnell ändernden Qualifikationsanforderungen aufgezeigt werden. Im Anschluss darauf soll die Modellversuchsforschung als solches ausführlich definiert werden, um deren Zugänglichkeit und Nutzen für die Bildungspolitik in Deutschland aufzeigen zu können. Besonderes Augenmerk kommt bei der Untersuchung auch der bisherigen Nutzung von Modellversuchen zu. Es soll ausführlich beschrieben werden, welche Motivation und Intention die beteiligten politischen Akteure dazu veranlasste Ergebnisse von Modellversuchen in Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen. Nachdem das Verhältnis von Berufsbildungspolitik zu Modellversuchen ausreichend skizziert worden ist, soll erörtert werden, was getan werden könnte, um dieses Verhältnis positiv zu stärken.

2.0 Die neuen Herausforderungen der Berufsbildungspolitik

Bisher basierten die Kenntnisse und Ergebnisse der Berufsbildung auf dem soliden Fundament der Institutionalisierung. Durch einen starken Praxisbezug und die Nähe zur Arbeitswelt konnten Veränderungen in Aus- und Weiterbildung, betrieblicher Bildung und sogar gänzlich neue Berufsbilder entwickelt werden. In den vergangenen Jahren ergaben sich aufgrund veränderter Strukturen grundsätzliche Funktionsprobleme der beruflichen Bildung. (vgl. Severing 2005, S. 2) Nach ausführlicher Literaturrecherche kristallisierten sich drei ganz wesentliche Bereiche heraus, die für diese Funktionsprobleme verantwortlich sind. In diesem Zusammenhang ist zunächst die Krise des Ausbildungsstellenmarktes zu nennen. (vgl. BMBF 2004, S.1 )

Es ist unbestritten, das die Anforderungen vieler Berufsausbildungen zunehmend komplexer werden. (vgl. Severing 2005, S. 2) Die Folge davon ist, dass immer mehr junge Menschen nach unten abfallen und nicht in der Lage sind die Herausforderungen des dualen Bildungssystems zu meistern. Diese jungen Menschen rutschen in das sogenannte Übergangssystem, welches sich im Moment nicht nur sehr teuer, sondern stellenweise als besonders nutzlos und eher herab qualifizierend auswirkt. „Zahlreiche Jugendliche vagabundieren durch Maßnahmekarrieren und machen noch vor dem Einstieg in Beruf und Arbeit die Erfahrung, dass sie nicht gebraucht werden(…)“ (Baethge, Solga, Wieck; 2007; S. 51). Greinert bezeichnet das Geschilderte sogar als ein „unter qualifikatorischen Gesichtspunkten“ weitgehend nutzloses Übergangssystem, dessen Name eine ganz offensichtlich beschönigende Verlegenheitsbezeichnung für einen sozialpolitisch skandalösen Dschungel von Warteschleifen ist. (vgl. Greinert 2007 S. 3). Auch nach oben hin steigen viele Menschen aus der normalen Ausbildung aus. Das duale System ist nicht mehr attraktiv genug, denn alternative Ausbildungsgänge oder ein Studium versprechen wesentlich bessere Berufsaussichten. (vgl. Severing 2005, S. 2) In einem Land, in dem im Gegensatz zum Ausland keine ausreichende Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschulbildung gegeben ist, (vgl. Mucke 2004, 16) ist dies auch nicht verwunderlich, zumal viele einträgliche Arbeitsplätze immer mehr auf die Reproduktion und Anwendung von Wissen ausgerichtet sind. Erschwerend kommt hinzu, dass der Ausbildungsstellenrückgang durch Zeitarbeit und vor allem durch die […] „Verschiebung der Beschäftigungsquoten vom immer schon ausbildungsintensiven produzierenden Sektor und vom Handwerk hin zum Dienstleistungssektor, der seinen Nachwuchs zu großen Teilen aus alternativen Ausbildungsgängen deckt“(Biersack/Kupka 2005. S. 32), stattgefunden hat.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656383093
ISBN (Buch)
9783656386513
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210580
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
politikberatung modellversuchsforschung eine skizze potentiale möglichkeiten modellversuche verhältnis berufsbildungspolitik

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