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Volkswirtschaftliche Investitionen in Humankapital. Ein Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit

Wissenschaftlicher Aufsatz 2011 27 Seiten

VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Humankapital
2.2 Investitionen in Humankapital

3. Untersuchungsrahmen
3.1 Mentales Modell
3.2 Methodik

4. Untersuchung von Humankapitalinvestitionen
4.1 Die mikroökonomische Investitionsentscheidung
4.2 Investitionen in Bildung
4.2.2 Vorschulbereich
4.2.3 Schulische Bildung
4.2.4 Betriebliche Weiterbildung
4.2.5 Informelle Weiterbildung
4.3 Investitionen in Gesundheit
4.4 Migration
4.5 Staatliche Einflussnahme auf die Humankapitalakkumulation
4.5.1 Öffentliche Investitionen in Humankapital
4.5.2 Staatliche Eingriffe
4.5.2.1 Eingriffe in die Ertragsdauer
4.5.2.2 Besteuerung der Erträge

5. Ergebnisse
5.1 Zusammenfassung
5.2 Limitationen
5.3 Implikationen für Forschung und Praxis
5.4 Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Investitionen in Humankapital sind durch die zunehmende Globalisierung der Märkte als Produktions- und Standortfaktor von entscheidender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft geworden. Die Humankapitalakkumulation trägt dabei zum Wachstum der gesamten Volkswirtschaft bei und eröffnet durch den Anstieg der Arbeitsproduktivität deren Individuen bessere Verdienstmöglichkeiten. Somit begründet sich ökonomischer Wohlstand und die Stellung im internationalen Wettbewerb neben einem wachsenden Realkapitalstock auch durch Investitionstätigkeiten in Humankapital.[1] Die Nachfrageentwicklung des Produktionsfaktors Arbeit zuungunsten von gering qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland ist primär nicht der Außenhandelskonkurrenz, sondern dem technischen Wandel zuzuschreiben. Es sind nicht alle Branchen gleichermaßen von dem Importdruck betroffen, wohl aber von dem technischen Fortschritt der vergangenen Jahre.[2] Eine asymmetrische Entwicklung von Bildung und Fortschritt kann dabei ein hohes Ausmaß an ökonomischen Risiken mit sich bringen.

Eine Studie der makroökonomischen Research-Abteilung der Deutschen Bank kam 2005 zu dem Ergebnis, dass Humankapital der wichtigste Produktionsfaktor überhaupt für moderne Volkswirtschaften ist, indem sie empirisch eine Korrelation zwischen Humankapitalwachstum und Wirtschaftswachstum nachweisen konnte.[3] Obwohl das Humankapital in den vergangenen beiden Jahrhunderten mindestens genauso stark angestiegen ist wie der Realkapitalstock,[4] werden Theorien zu volkswirtschaftlichen Entscheidungen über Humankapitalinvestitionen in der Literatur immer noch nicht in dem Ausmaße diskutiert wie jene über Sachkapitalinvestitionen.

Die Brisanz der Thematik Humankapital in Deutschland ergibt sich nicht zuletzt aus den im Jahr 2001 veröffentlichten Ergebnissen der ersten PISA[5] -Studie. Trotz des damaligen PISA-Schocks belegte Deutschland 2007, sechs Jahre später, einen nur bescheidenen Platz im internationalen Vergleich für Bildungsausgaben zwischen den OECD-Ländern. Mit Investitionen[6] von 4,7% am Bruttoinlandsprodukt für Bildung bleibt Deutschland in der OECD nach Tschechien, Italien und der Slowakei das Land mit den prozentual geringsten Ausgaben.[7]

1.2 Zielsetzung

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es, dem Leser[8] einen systematisierenden Überblick zu volkswirtschaftlichen Humankapitalinvestitionen zu geben. Das dieser Arbeit zugrunde liegende mentale Modell soll hierzu die relevanten Einflussgrößen auf der Mikro-, Meso- und Makroebene zu Humankapitalinvestitionen strukturieren und diskutieren. In dieser Arbeit werden quantifizierbare und auch nicht messbare Aspekte der Humankapitalakkumulation vorgestellt, und zwar mit dem Anspruch, ein möglichst vollständiges Bild darüber zu präsentieren.

Die Entscheidung über Investitionen in das eigene Humankapital betrifft jeden einzelnen Menschen unmittelbar. Jeder steht dabei vor der Entscheidung, in welcher Art und in welchem Ausmaß investiert werden soll. Die vorliegende Arbeit soll in diesem Zusammenhang aufzeigen, wie das zugrunde liegende Kalkül für Humankapital auf mikroökonomischer Ebene aussieht, welche unterschiedlichen Arten von Investition es gibt und welche Faktoren auf Makroebene darauf einen Einfluss ausüben.

Des Weiteren werden bei der Beschreibung der Investitionsformen vereinzelte quantitative Investitionsgrößen dargestellt, welche einen rein komparativen Charakter besitzen, um die verschiedenen Investitionsarten untereinander und zwischen Volkswirtschaften gegenüberzustellen und vergleichbar zu machen.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Humankapital

Kapital wird volkswirtschaftlich als Vermögen definiert, welches zur Erzielung von Einkommen eingesetzt wird. Dieses untergliedert sich in Geld-, Sach- und Humankapital. Wobei unter Letzterem der Bestand an Erfahrungen, Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Individuums, einer Gruppe oder einer Erwerbsbevölkerung verstanden wird, welcher als Faktor in den Produktionsprozess einfließt.[9] Der Humankapitalstock einer Volkswirtschaft ist das Ergebnis der in der Vergangenheit getätigten Investitionen und stellt somit eine für einen bestimmten Zeitpunkt betrachtete Bestandsgröße dar.

Humankapital erfüllt im weitesten Sinne die Eigenschaften von Kapital im neoklassischen Sinne. Es unterscheidet sich unter anderem darin von Sachkapital, dass es nicht veräußerbar ist, da kein Markt existiert, auf dem Humankapital gehandelt wird. Dies resultiert daraus, dass es unmittelbar und untrennbar an Menschen gebunden ist, und es besitzt somit eine zeitlich limitierte Lebensdauer.[10] Der Hauptinput für Humankapitalakkumulation ist die dafür aufgebrachte Zeit t.[11] Nicht zu vernachlässigen sind jedoch auch die durch die Akkumulation entstehenden Kosten C:

(1) Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Akkumulation des Produktionsfaktors Humankapital erfolgt über Investitionstätigkeit, wobei ein geringer Bestandteil an Fertigkeiten bereits angeboren ist, welcher über die Lebenszeit ausgebaut werden muss, um die Fähigkeiten gewinnbringend in den Produktionsprozess einfließen zu lassen. Dabei variiert die individuelle Kontrolle über die Art und Intensität der Investitionen während der Lebenszeit. In sehr jungen Jahren werden Entscheidungen zu Humankapitalinvestitionen von Individuen überwiegend von Eltern, Lehrern, der Gesellschaft und Regierung getroffen, wobei spätere Investitionen von früher getätigten abhängig sind und auf diesen aufbauen.[12]

Humankapital lässt sich unterscheiden in allgemeines und spezifisches. Spezifisches Humankapital ist zwischen Sektoren, Firmen und Berufen nicht transferierbar, allgemeines hingegen schon.[13] Eine weitere Systematisierung ergibt sich aus der Einteilung in potenzielles und aktives Humankapital. Letzteres wird durch die Erwerbsbevölkerung zur Erzielung von Faktoreinkommen eingesetzt, wohingegen potenzielles im weitesten Sinne den Gesamtbestand an Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten einer Volkswirtschaft umfasst. Des Weiteren kann Humankapital qualitative und quantitative Aspekte einnehmen. Die quantitativen Investitionen lassen sich anhand der Bildungsdauer operationalisieren, wohingegen die Qualität einer Bildungseinrichtung nur schwer zugänglich ist.

2.2 Investitionen in Humankapital

Unter Investitionen wird im volkswirtschaftlichen Sinne eine Stromgröße verstanden, welche sich auf einen bestimmten Zeitraum bezieht. Wenn HK 0 dem Humankapitalstock anfangs einer Periode entspricht und HK * der angestrebte Humankapitalbestand ist, betragen die Investitionen in Humankapital:

(2) Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Analog zum Sachkapital unterliegt auch Humankapital Abschreibungen, wenn es mehrperiodisch genutzt wird. Investitionen in Human- und Sachkapital setzen einen Konsumverzicht voraus, woraus sich eine konkurrierende Beziehung zwischen den beiden Faktoren ergibt. Jedoch kann Realkapital positive externe Effekte auf das Humankapital entwickeln und umgekehrt.[14] Es scheint leicht verständlich, dass besser ausgebildete Menschen technisch anspruchsvollere Maschinen betätigen können und ein höherer Ausbildungsstand sich positiv auf den technischen Fortschritt auswirkt, wodurch eine Produktivitätssteigerung mit geringerem Kapitaleinsatz erreicht werden kann.

In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bleiben jedoch viele Humankapitalinvestitionen wie beispielsweise staatliche Ausgaben für das Gesundheits- und Schulwesen unberücksichtigt und fließen in die Konsumausgaben mit ein.[15] Auch bei den individuellen Ausgaben ist es in der Theorie schwierig und in der Praxis gar unmöglich, zwischen Bildung zu unterscheiden, die zum Konsum zählt, und jener, welche als Investition zu betrachten ist.[16] Der Frage nach dem investiven Anteil an Bildungsaufwendungen gingen Ökonomen schon früher nach. Schulz, als Mitbegründer der Humankapitaltheorie, wies dabei auf den Investitionscharakter solcher Ausgaben hin, indem er die daraus resultierenden Erträge berücksichtigte. Nach ihm stellen nur jene Aufwendungen Investitionen in Humankapital dar, welche zur Förderung der beruflichen Tätigkeit beitragen und aktiv von Erwerbspersonen genutzt werden.[17]

Für Humankapitalinvestitionen werden abnehmende Grenzerträge angenommen, da, wie aus der Definition für Humankapital hervorgeht, dieses immer an die Lebensdauer seines Besitzers gebunden ist. Durch diese zeitliche Restriktion sinkt mit zunehmendem Alter die verbleibende Nutzungsdauer und somit nehmen auch die erzielbaren Erträge ab. Dies und die limitierten intellektuellen Kapazitäten eines jeden Individuums sprechen daher für abnehmende Grenzerträge einer zusätzlichen Einheit Humankapital.

3. Untersuchungsrahmen

3.1 Mentales Modell

Das nachfolgende Modell bildet auf der einen durch seine Struktur den kognitiven Rahmen ab, in dem dieser Bericht bearbeitet wurde, auf der anderen präsentieren die Inhalte bereits die erarbeiteten Ergebnisse. Eine ausführliche Erläuterung zu jedem Punkt erfolgt in Kapitel 4.

Tabelle 1: Mentales Modell – Systematisierung der Investitionsformen in Humankapital

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] vgl. Rissiek, Jörg, Investitionen in Humankapital, Wiesbaden. (Gabler Verlag) 1998, 1.

[2] vgl. Pfeiffer, Friedhelm/Falk, Martin, Der Faktor Humankapital in der Volkswirtschaft - Berufliche

Spezialisierung und technologische Leistungsfähigkeit, Baden-Baden (Nomos Verlag) 1999, 16.

[3] vgl. Stefan Schneider, Humankapital wichtigster Wachstumstreiber - Erfolgsmodelle für 2020, in:

http://www.dbresearch.de/PROD/DBR_INTERNET_DE_PROD/PROD0000000000188568.pdf, 14.06.2005

abgerufen am 30.04.2011.

[4] vgl. Blanchard, Oliver/Illing, Gerhard, Makroökonomie, München (Pearson Studium) 2009, 354.

[5] Programme for International Student Assessment

[6] gemessen an direkten und indirekten Ausgaben für Bildung durch private und öffentliche Mittel

[7] vgl. OECD, Education at a Glance 2010: OECD Indicators, in:

http://www.oecd.org/dataoecd/45/39/45926093.pdf, 2010 abgerufen am 04.06.2011.

[8] Um die Lesbarkeit dieser Arbeit zu erleichtern, wird bei Personenbezeichnungen in der Regel die männliche Form verwendet. Es sind jedoch sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint

[9] vgl. Kamaras, Endre, Humankapital Grund des Wachstums?, Marburg. (Tectum Verlag) 2003, 12.

[10] vgl. Rissiek, Jörg, Investitionen in Humankapital, Wiesbaden. (Gabler Verlag) 1998, 17.

[11] vgl. Trostel, Philip A., The Effect of Taxation on Human, in: The Journal of Political Economy, Vol. 101,

No. 2 (1993), 327-350, 328.

[12] vgl. Kamaras, Endre, Humankapital Grund des Wachstums?, Marburg. (Tectum Verlag) 2003, 14.

[13] vgl. Pfeiffer, Friedhelm/Falk, Martin, Der Faktor Humankapital in der Volkswirtschaft: Berufliche

Spezialisierung und technologische Leistungsfähigkeit, (Nomos Verlag) 1999, 12.

[14] vgl. Rissiek, Jörg, Investitionen in Humankapital, Wiesbaden. (Gabler Verlag) 1998, 17-18.

[15] vgl. Kamaras, Endre, Humankapital Grund des Wachstums?, Marburg. (Tectum Verlag) 2003, 21.

[16] vgl. OECD, Human Capital Investment: An International Comparison, Paris (Centre for Educational Research

and Innovation) 1999, 10.

[17] vgl. Schultz, Theodore W., Investment in Human Capital: The Role of Education and of Research. New York.

(Free Press) 1971, 25.

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656388036
ISBN (Buch)
9783656389279
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210584
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Europäische Wirtschaftspolitik
Note
1,7
Schlagworte
volkswirtschaftliche investitionen humankapital faktor wettbewerbsfähigkeit

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