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Die "Aulularia" des Plautus als Vorlage von Molières "Avare"

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalt der beiden Theaterstücke
2.1. Die Aulularia von Plautus
2.2. L’Avare von Molière

3. Kurzer, allgemeiner Vergleich der beiden Theaterstücke

4. Der Geizige und sein Gold
4.1. Der Geizige bei Plautus
4.2. Der Geizige bei Molière
4.3. Die Motivierung des Geizes

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Un homme arrive enfin, qui règle, dose et choisit ; qui prend un peu, mais donne davantage. (…) En ses heureuses mains le cuivre devient or. Cet homme, c’est MOLIÈRE“[1].

Molière ist bis heute der wohl bekannteste französische Komödiendichter der französischen Klassik[2]. Als Zugehöriger seiner Epoche orientierte er sich zumeist an Stücken aus der römischen, bzw. griechischen Antike. So auch in seiner Komödie L’Avare, die seit über dreihundert Jahren zu den meistgespielten Theaterstücken Molières und zur Weltliteratur überhaupt gehört[3]. Eine der Vorlagen für Molière waren die Aulularia des Plautus[4], ein Stück, das über die Jahrhunderte hinweg besonders in Frankreich auf eine lange Rezeptionsgeschichte zurückblicken kann[5].

Wie es allein schon der zeitliche Abstand zwischen den Stücken zeigt – die Aulularia des Plautus entstanden nämlich um 190 v. Chr[6], Molières Avare dagegen im 17. Jahrhundert[7] -, wurde der Avare voneinem ganz anderen gesellschaftlichen, politischen und auch religiösem Weltbild geprägt, als die Aulularia. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Molière zwar an Plautus orientiert und eine vergleichbare Geschichte erzählt, sie jedoch gegenüber dem Ursprungswerk in Charakteren und Motiven verändert und sie damit zu einem eigenständigen Werk macht.

In dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit sich die Aulularia des Plautus und der Avare des Molière inhaltlich vergleichen lassen und werde in dieser Hinsicht besonders die Hauptperson der beiden Stücke, den Geizigen betrachten. Zunächst werde ich zu diesem Zweck von beiden Stücken den Inhalt angeben, um die beiden Theaterstücke dann im nächsten Schritt allgemein vergleichen zu können. Danach widme ich mich der Figur des Geizigen, vergleiche Plautus Euclio mit Molières Harpagon und versuche herauszufinden, woher die Unterschiede in ihren Persönlichkeiten motiviert sind.

2. Inhalt der beiden Theaterstücke

2.1. Die Aulularia von Plautus

Bei den Aulularia handelt es sich um eine Komödie, von der fünf Akte erhalten sind. Die Hauptperson der Geschichte ist Euclio, der,ebenso wie sein Vater und Großvater vor ihm,ein geiziger und unfrommer Athener ist, so jedenfalls berichtet es zu Anfang der Geschichte, im Prolog, sein Lar, der Schutzgeist seines Hauses. Der Großvater Euclios besaß einen Topf voll Gold, den er aber aus Geiz versteckte und keinem Menschen davon erzählte, auch seinem eigenen Sohn nicht, nicht einmal mehr auf dem Sterbebett. Der Lar jedoch, der das Versteck des Großvaters kannte, und der wollte, dass Euclio seiner gottfrömmigen Tochter Phaedriaeine anständige Mitgift und eine ehrbare Hochzeit bieten kann, zeigte Euclio schließlich das Versteck des Großvaters. Phaedria ist nämlich schwanger von Lyconides, dem Neffen des Nachbarn Megadorus, der sie nachts betrunken auf einem Fest vergewaltigt hatte.[8]

Euclio jedoch tut nichts anders, als das Gold zu hüten und aus Angst vor Diebstahl sieht er ständig nach, ob es sich noch im Haus befindet.

Vor diesem Hintergrund spielt sich nun die Geschichte ab. Auslöser der Geschehnisse ist Megadorus, der Nachbar Euclios, der Phaedriazur Frau wünscht. Euclio willigt ein, sie ihm noch am selben Tag zu vermählen, weil Megadorus keine Mitgift fordert. Megadorus schickt daraufhin Köche, die ein Hochzeitsmahl bereiten sollen, in Euclios Haus, was dort zu Unruhe führt. Daher fürchtet Euclio um den im Haus verstecktenGoldtopfund versteckt ihn nun im nahe gelegenen Tempel der Fides. Der Sklave des Lyconides aber, der von diesem beauftragt worden ist, die Hochzeitsvorbereitungen zu beobachten, hört Euclio von dem Versteck reden und will das Gold dort suchen. Als Euclio ihn am Tempel der Fides sieht, stellt er den Sklaven zur Rede und versteckt das Gold wieder an einem anderen Platz. Der Sklave kann ihn jedoch dabei beobachten und stiehlt schließlich den Topf voll Gold.

Lycondides hat seiner Mutter unterdessen gestanden, was er Phaedria angetan hat und diese will daraufhin Megadorus die Hochzeit ausreden. Lycondides, der Euclio währenddessen über das gestohlene Gold klagen sieht und denkt, er klage über das Unglück seiner Tochter, die schon in den Wehen liegt, geht hin und gesteht Euclio seine Tat.Zunächst denkt Euclio, Lycondides gestehe, das Gold gestohlen zu haben, als er jedoch versteht, was tatsächlich gemeint ist, läuft er entsetzt ins Haus zu seiner Tochter.

Lycondides erfährt daraufhin über seinen Sklaven von dem Gold und verlangt von ihm, das Gold herauszurücken.

Ab diesem Punkt ist das Stück des Plautus leider verloren, doch aus antiken Inhaltsangaben und mithilfe von Fragmenten konnte der Schluss zumindestrekonstruiert werden[9]:

Lycondides kann den Sklaven zur Herausgabe des Goldes bewegen und gibt es zurück an Euclio, den er dadurch für sich einnimmt. Megadorus tritt von der Hochzeit zurück und Euclio gibt anstatt dessen Lycondides und Phaedria seinen Segen und schenkt dem jungen Paar zudem den Goldtopf, da er erkennt, dass dieser ihm nur Sorgen bereitet hat.

2.2. L’avare von Molière

Molières Avare ist eine Komödie in 5 Akten. Dergeizige Harpagon, ein reicher Pariser, der sein eigenes Wohlhaben akribisch beisammen hält und immer weiter zu vergrößern sucht,spielt darin die tragende Rolle, genauso wie eine Kassette mit 10.000Écus, die Harpagon am Vorabend der Handlungerwarb und aus Angst vor Diebstahl in seinem Garten vergrub.[10]

Harpagon hat zwei Kinder, Élise und Cléante, dieunter seinem Geiz leiden. Élise liebt Valère, der ihretwegen als Bediensteter, und zwar als Verwalter bei ihrem Vater arbeitet und sich erfolgreich bei ihm einschmeichelt, ohnedabei aufzudecken,dass er eigentlich aus gutem Hause stammt und nur auf die Rückkehr seiner Eltern wartet, die seit einem Schiffsunglück verschwunden sind. Cléante dagegen liebt Mariane, eine scheinbar arme junge Frau, die mit ihrer kranken Mutter in bescheidenen Verhältnissen lebt. Nun eröffnet aber Harpargon seinen Kindern, dass er selbstMariane zu ehelich beabsichtige, während erÉlise noch am selben Tag dem knapp 50-jährigen Seigneur Anselm, da dieser keine Mitgift fordert, zur Frau geben und seinen Sohn später an eine reiche Witweverheiraten möchte. Die Kinder sind von der Nachricht erschüttert und Valère dazu bereit, mit Élise durchzubrennen, wenn sich die Heirat nicht verhindern ließe.Auch Cléante ist entschlossen, die Heirat seines Vaters zu vereiteln. Er jedoch braucht dringend Geld und will sich 15.000 Francs von einem Gläubiger leihen. Die Bedingungen des Gläubigers, die Cléante von seinem Diener La Flèche, den er in dieser Sache als Mittelsmann eingesetzt hat, erfährt, kommen aber reiner Ausbeutung gleich. AlsCléantebemerkt, dass es sich bei dem Gläubiger um seinen eigenen Vater handelt, brechen die beiden in einen Streit aus. Harpagon beschließt, in Zukunft verstärkt ein Auge auf Cléante zu haben und trifft sich dann mit der Heiratsvermittlerin Froisine, die ihm weismacht, dass Mariane unbedingt einen älteren Mann wie ihn heiraten wolle und dass sie, auch wenn sie keine Mitgift mitbringe, Harpagon durch ihre Sparsamkeit nur Gewinn bringen könne. Obwohl Harpargon auf eine Mitgift bestehen möchte, soll Mariane noch am gleichen Abend zur Hochzeit von Élise und Seigneur Anselm kommen, um den Heiratsvertrag zu unterschreiben.Daraufhin gibt Harpagon seinen Bediensteten Anweisungen für den Abend und gerät dabei in eine Diskussion mit seinem Kutscher und Koch, Maître Jaques, der ihm zu verschwenderisch ist, und wird in dieser Meinung durch Valère unterstützt. Deswegen geraten auch Valère und Jaques in einen Streit, der damit endet, dass Valère Jaques mit einem Stock schlägt, wie es zuvor auch schon Harpagon getan hatte. Jaques nimmt sich daraufhin vor, sich an Valèrezu rächen.

[...]


[1] Fournier in Eberle (2006): 122

[2] vgl. Eberle: 122

[3] vgl. Zilly (1979): 3

[4] vgl. Eberle (2006): 11

[5] vgl. Eberle (2006): 21

[6] Vgl. Rau (2008): 5

[7] vgl. Eberle (2006): 123

[8] basierend auf der Originalfassung in der Edition von P. Rau

[9] vgl. Eberle (2006): 35 u. 41

[10] basierend auf der Originalfassung in der Edition von G. Couton

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656381471
ISBN (Buch)
9783656382683
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210620
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
aulularia plautus avare molière

Autor

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