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Die drei Karrierephasen der Billie Holiday

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kindheit und Jugend

3. Die erste Karrierephase

4. Die zweite Karrierephase

5. Die dritte Karrierephase

6. Der Niedergang einer Legende

7. Literatur

1. Einleitung

Bei der Betrachtung der großen Legenden des Jazz fällt auf, dass es nur wenige Frauen auf die Liste der besten Jazzmusiker aller Zeiten geschafft haben. Eine dieser wenigen Frauen ist Billie Holiday. Ihre individuelle Stimme, das unglaubliche Talent sowie ihre facettenreiche Persönlichkeit machten sie zu einer berühmten Jazzmusikerin, deren Name noch heute vielerorts auf Bewunderung und Zuspruch stößt.

Damals wie heute waren bzw. sind die scheinbar bilderbuchhaften Karrieren der Stars oft getrübt von persönlichem Leid, tragischen Schicksalen und schließlich der Flucht in Alkohol oder Drogen. So ging es auch Billie Holiday. Von klein auf wurde sie immer wieder missbraucht und schaffte es nie, den richtigen Partner an ihrer Seite zu finden. Ihr übermäßiger Alkohol- und Heroinkonsum als Antwort auf die vielen erlittenen Schmerzen der Vergangenheit brachten die einst glühende Musikerin schließlich zu Fall.

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen Einblick in das Leben Billie Holidays zu geben. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen, die vielen verschiedenen Gesichter Holidays darzustellen. Ihre Karriere kann grob in drei Perioden unterteilt werden. In der ersten, ihrer glühendsten Phase in den Dreißigerjahren, schaffte sie es von der Prostituierten zur allseits bekannten Jazzsängerin und war in allen Clubs gefragt. Die zweite Phase ist gezeichnet von tiefer gehenden Texten und einer neuen Art zu singen. Die dritte und letzte Phase Billie Holidays ist geprägt von Musik in ihrer Perfektion, aber auch vom allmählichen Untergang der einst glamourösen Sängerin. Anhand dieser drei Perioden soll das Leben Billie Holidays umrissen werden. Dabei soll dem Leser nicht nur die große Musikerin, sondern auch das verletzliche Mädchen in ihr näher gebracht werden.

2. Kindheit und Jugend

Am 14.April 1915 erblickte Eleanora Harris, die später unter dem Namen Billie Holiday bekannt werden sollte, in Philadelphia das Licht der Welt. Ihre Mutter Sadie war bei der Geburt ihrer ersten Tochter neunzehn Jahre alt und nicht verheiratet, was zur damaligen Zeit für eine afroamerikanische Frau viele Schwierigkeiten mit sich brachte. In erster Linie jedoch wurde sie von ihrer eigenen Familie verachtet und ausgegrenzt. Als Haushaltshilfe bei einer weißen Familie verdiente sich Sadie das nötigste Kleingeld. Eleonoras Vater war Clarence Holiday, Musiker aus Baltimore. Die Eltern lebten nach der Geburt getrennt, doch unterstützte Clarence Sadie so gut er konnte.[1]

Während des Ersten Weltkrieges nahm Sadie eine Stellung außerhalb der Stadt an, wo sie mit ihrer Cousine Ida, ihren Eltern und Großeltern zusammenlebte. In der Autobiographie Billie Holidays heißt es, Ida sei eine Tyrannin gewesen und habe keine Gelegenheit ausgelassen, Eleanora zu schlagen. Auf diese Weise wurde die kleine Eleonora dafür bestraft, ein Bastard zu sein. Die zahlreichen Misshandlungen, die Billie Holidays Leben prägten, hatten also bereits in ihrer jüngsten Kindheit begonnen.[2]

Eleanora lernte schon früh, nach ihren eigenen Regeln zu leben. Ohne Vater und mit einer stets arbeitenden Mutter blieb ihr ja beinahe nichts anderes übrig. Sie besuchte die vierte Klasse der Public School in Baltimore, als man sie wegen häufigen Schuleschwänzens vors Jugendgericht brachte. Der Richter beurteilte Eleanora als „Minderjährige ohne entsprechende Aufsicht und Obhut“, woraufhin sie in das House of Good Shepard für farbige Mädchen eingewiesen wurde.[3]

Die Zeit in dieser katholischen Institution war sehr schlimm für die erst zehnjährige Eleanora. Von den Schwestern wurde sie häufig geschlagen und es wurden ihr menschenunwürdige Strafen auferlegt. Einmal musste sie die gesamte Nacht eingeschlossen mit einem toten Mädchen in einem kleinen Zimmer verbringen. Neben den Schwestern übten auch die älteren Insassinnen der Anstalt großen Druck auf Eleanora aus und zwangen sie beispielsweise dazu, ihnen sexuelle Gefälligkeiten zu leisten.[4]

Als sie von der Strafanstalt entlassen wurde, war ihre Mutter bereits mit ihrem neuen Freund Wee Wee Hills in ein Haus übersiedelt, wo auch Eleanora einzog. Eine Weile wirkte alles stabil, doch entschieden sich bald darauf Sadie und Hill, nach New York zu übersiedeln. Eleanora blieb mit ihren erst zwölf Jahren allein in Baltimore zurück und fand sich in einer Lage, die ihr mehr Freiheiten einräumte als je zuvor. Als sie sich mit Ethele Moore anfreundete, lernte sie eine Möglichkeit kennen, schnell an gutes Geld zu kommen. Moore besaß ein „good-time house“ im Rotlichtviertel Baltimores. Sie erwies sich als eine gute Beschützerin und Führerin und war für Eleonora wie eine große Schwester. Eleanora kam bei den Freiern gut an, da sie ein sehr hübsches, junges Mädchen war. Neben der Prostitution verdiente sie sich ihr Geld mit dem Schrubben von Treppen und kleineren Botengängen.[5]

[...]


[1] Vgl. Clarke, Donald (1994): Billie Holiday – Wishing on the Moon, München, 22-25.

[2] Vgl. Clarke, Donald. Billie Holiday – Wishing on the Moon, 26.

[3] Vgl. Clarke, Donald. Billie Holiday – Wishing on the Moon, 32 f.

[4] Vgl. O’Meally, Robert (1991): Billie Holiday. Lady Day, New York, 70 f.

[5] Vgl. O’Meally, Robert. Billie Holiday – Lady Day, 72-76.

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656384212
ISBN (Buch)
9783656386599
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v210683
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
1
Schlagworte
karrierephasen billie holiday

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Titel: Die drei Karrierephasen der  Billie Holiday